Gewalt in der Pflege. Workshop zum Fachtag für Pflegeschüler


Hausarbeit, 2012

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Herangehensweise in der Arbeitsgruppe

3. Planung des Workshops
3.1 Sachanalyse - Gewalt in der Pflege
3.2.1 Lernziel: Was möchte ich in meiner Lerneinheit erreichen?
3.2.2 Wie gestalte ich die Lerneinheit um dieses Ziel zu erreichen?
3.2.3 Verlaufsplanung
3.3 Bedingungsanalyse

4. Erfahrungen in diesem Projekt

Literatur

1. Einleitung

Ich habe mich in der Vorbereitung für den Fachtag für das Thema „Gewalt in der Pflege“ entschieden, da dieses Thema mir sowohl sehr „pflegerelevant“ in der Ausbildung neuer Pflegekräfte erscheint, wie auch mich selbst in meiner persönliche Selbstreflexion ansprach.

Gewalt-Erfahrungen sind meines Erachtens nicht die Ausnahme in der Pflege sondern alltäglich. Dies gilt für Pflegekräfte, wie für die Empfänger von Pflege gleichermaßen, indem dass es beiderseits zur Gewaltausübung kommt, und auch beide somit Leidtragende sein können. Dass dem so ist, ist nicht das grundlegende Problem. Gewalt ist in gewisser Weise „natürlich“, wenn man das, was die Realität zeigt, zuerst einmal als „natürlich“ und gegeben annimmt. Es mögen in dem Auftreten von Gewalt sicherlich große Probleme liegen. Aber diese werden verdeckt und somit unlösbar, wenn man die Realität nicht anerkennt, indem man Gewalt verleugnet oder gar (unbewusst) zum Tabu macht. Nur indem man die Realität, in diesem Fall die Gewalt, so anschaut, wie sie ist, sie reflektiert und durch die Kommunikation aufdeckt, ergibt sich überhaupt erst die Möglichkeit, dass Veränderung geschehen kann. So führt das theoretische Wissen über Gewalt nicht zwangsläufig dazu, dass sich Zustände verändern. Es geht um die Übersetzung auf die persönliche Erfahrungs-Ebene. Man könnte hier auch von Theorie-Praxis Transfer sprechen oder nach Argyris (1997, S.36) von „double- loop-learning“. Das bedeutet, das es nicht nur um Theoriewissen (single-loop) gehen soll, welches die Praxis oder Erfahrungsrealität unverändert lässt, sondern um ein Lernen, das in die praktische Handlung einfließt (vgl. ebd).

Es stellt sich nun die Frage, wie sich für Pflegeschüler in Bezug auf das Thema solch ein handlungs-leitendes Lernen erreichen lässt.

Dies wäre somit ein Ziel des Unterrichts, und diese Ausarbeitung beschreibt die Planung und den Entwurf dazu.

2. Herangehensweise in der Arbeitsgruppe

Der Fachtag für Pflegeschüler bzw. der Unterricht wurde in Gruppenarbeit organisiert und teilweise in Team-Teaching umgesetzt.

Es lässt sich nicht leugnen, dass „Gewalt in der Pflege“ für sich schon ein sehr umfassendes und komplexes Thema ist. Die Umsetzung gewann zusätzlich an Komplexität dadurch, dass sie in Gruppenarbeit durchgeführt werden sollte. Zu den fachlichen und den didaktischen Fragen einer Unterrichtsgestaltung kam die Dynamik der Gruppe als zusätzliche Herausforderung hinzu. Die Arbeitsgruppe zu diesem Thema bestand aus 6 ausführenden Personen und 2 Beobachtern. Es gab manche Unklarheiten, es gab Aufregung und Unsicherheit, weil manche Gruppenteilnehmerinnen sich zum ersten Mal in eine Unterrichtssituation begaben. Und auch als Studenten im Umgang miteinander in Arbeitsgruppen überwog noch die Unerfahrenheit.

Die Planung und der aufgezeigte Entwurf in dieser Arbeit betreffen zwar nur meinen eigenen Part, doch wirkt das Gesamtkonzept natürlich in jeden Teil hinein, indem es den Rahmen vorgibt, wie auch die einzelnen Aufgaben verteilt. Zuerst musste einmal gesammelt werden. Dies war aber bei diesem Thema keine Schwierigkeit. Die Herausforderung bestand in der folgenden Reduktion und Konkretisierung auf einen bestimmten Inhalt. Es war allen klar, dass es vor allem um Sensibilisierung gehen sollte, und dazu mussten wir möglichst auf der affektiven Ebene ansprechen. Doch es sollte ja auch ein Wissen und somit eine Theorie vermittelt werden. Und diese stand dann in der Arbeitsgruppe doch immer wieder im Vordergrund. Die Ursachen hierfür mögen darin liegen, dass der Umgang mit Theoriewissen vielleicht der vertraute Weg ist und somit scheinbare Sicherheit gibt. Sich an der Theorie zu orientieren, die planbar scheint, steht aber immer in einer Spannung zur Praxis, die sich der Planung entzieht. Der Gruppenprozess soll hier nicht Thema sein, doch er führte zwangsläufig zu einer (sinnvollen?) Anpassung meinerseits. Ich hatte in meinen Part, in dem es um Sensibilisierung durch affektive Ansprache und Kommunikation ging, zwar durchaus die Freiheit, nach eigenem Ermessen zu planen. Die notwendige Einbindung ins Gesamtkonzept, hatte trotzdem Priorität.

3. Planung des Workshops

In dem Teil, den ich innerhalb des Fachtages übernahm, sollte ein Erfahrungsaustausch in einer Kleingruppe von ca. 10 Schülern stattfinden. Er sollte 45 Minuten dauern, bei einer Gesamtdauer der Veranstaltung von zwei Stunden je Schulklasse. Neben meiner Kleingruppe liefen noch zwei weitere, von anderen Kommilitonen mit dem gleichen Ziel geleitete Gruppen parallel. Es war angedacht, dass solch ein kleinerer Rahmen die Bereitschaft zum Austausch ermöglichen soll, was in der Großgruppe schwieriger wäre.

Gewalt in der Pflege ist ein sehr vielschichtiges Thema. Um für mich überhaupt die verschiedenen Aspekte und Dimensionen dieses Themas zu erfassen, besorgte ich mir zuerst einmal Fachliteratur aus der Bibliothek. Auch wenn das Ziel in meiner Gruppe nicht in dem Aneignen von Fachwissen bestehen sollte, sondern in der thematischen „Berührung“ und Kommunikation, so musste ich mich doch zuerst einmal mit dem Fachwissen befassen, wie ich es unter 3.1 beschreiben werde. Dann stellte ich mir die Frage, was das genaue Ziel in meinem Unterricht sein könnte. Es wäre vielleicht effektiver gewesen, zuerst ein Ziel zu formulieren, um somit den relevanten Stoff von vornherein eingrenzen zu können. Doch mir ging es zuerst einmal, auch aus eigenem Interesse, um die Berührung mit dem Thema, was ich möglichst offen halten wollte.

Das Fachliche in Bezug auf „Führen und Leiten einer (Gesprächs-) Gruppe“ ist als nächstes zu bedenken. Hierzu besorgte ich mir jedoch keine zusätzliche Literatur (neben Jank, Meyer, 1994), sondern nahm meine bisherigen Erfahrungen in Leitung von Gruppen, die Informationen aus der Vorlesung und meine Intuition zur Hilfe.

Wie möchte und sollte ich meinen „Unterricht“ gestalten, und was will ich erreichen? Diese Fragen verfolge ich unter 3.2.1 bis 3.2.3, was zu der konkreten Verlaufsplanung führt.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den ich unter 3.3 ausführen werde, ist natürlich auch die Frage nach meinen Rahmenbedingungen. Hierein fällt die Frage nach den anwesenden Schülern, nach meinem eigenen Hintergrund und den äußeren Bedingen, wie z.B. Raum und Sitzordnung. Auf die erwähnte Bedingtheit durch das Gesamtkonzept der Arbeitsgruppe werde ich nicht weiter eingehen.

3.1 Sachanalyse - Gewalt in der Pflege

Auch wenn es in der Literatur umstritten ist, nach einem Schema vorzugehen, das mit der Sachanalyse beginnt (vgl. Jank / Meyer (1994), S. 153 - 155), habe ich mich zuerst mit den fachlichen Aspekten, sprich Literatur, zum Thema befasst. Natürlich habe ich dabei selektiert, indem ich meine Fachliteratur auf drei Bücher begrenzt habe. Und zudem habe ich meine persönlichen Vor-Erfahrungen und „Färbung“ in Bezug auf das Thema. Auch deswegen wollte ich mir zuerst einmal einen fachlichen, sprich sachlichen Überblick zum Thema „Gewalt in der Pflege“ verschaffen.

Aggression und Gewalt sind zuerst einmal zu unterscheiden. Aggression wird meist mit einem Verhalten umschrieben, das auf Schädigung und Verletzung zielt (vgl. Förster (2008), S. 9). In dieser Definition wird sie jedoch meist mit Gewalt gleichgesetzt, und dadurch beginnt schon der erste Schritt einer normativen Bewertung, die dazu führt, dass die gegebene Realität oder Natürlichkeit „verzerrt“ und verdeckt wird. Aggression sollte meiner Meinung nach, auch der begrifflichen Differenzierung und Klarheit wegen, zuerst einmal wertneutral gesehen werden. „Aggredior“ (lat.) bedeutet „auf etwas oder jemanden zugehen“ oder „etwas in Angriff“ nehmen. Aggression ist ein Merkmal und eine Bedingung allen Lebens, von Stoffwechsel und Nahrungsaufnahme angefangen bis hin zu Fortpflanzung und Entwicklung, sprich Lernen.

Aggression sollte auch in der Pflege wieder eine konstruktive Bedeutung erhalten, im Sinne von Energie, Lebenskraft, Aktivität. Im Sinne eines Vermögens, seinen Willen mitzuteilen, sich abzugrenzen, sich selbst zu behaupten und zu schützen (vgl. Grond (2007), S. 17). Aufgrund gesellschaftlicher Normen wird Gewalt (Durchsetzungskraft) oftmals negiert, gehemmt und unterdrückt, und nur in bestimmten Bereichen, wie z.B. Finanzen, Wirtschaft und Karriere toleriert. Dies führt zu „Verzerrung und Missverhältnis“, vor allem in den sozialen Bereichen und Berufsfeldern.

Ich möchte nun beispielhaft ein paar Zusammenhänge und Gründe von Gewalt aufführen. Gewalt entsteht u.a. aus fehl-geleiteter Aggression, dort wo sie normativ ausgeübt oder auch zwanghaft unterdrückt wird. Gewalt ist zudem oftmals mit Macht-Missbrauch verbunden, auch im „Kleinen“, im Subtilen. Gewalt ist dort, wo jemand gegen seinen Willen „be-handelt“ oder eine auftragsgemäße Handlung gezielt unterlassen wird, ohne rechtschaffenen Grund. Gewalt entsteht interaktiv in verschiedensten Bezügen und Ebenen. Sie steigert sich in einer Spirale nach oben, ohne dass sich ein objektiver Anfang finden lässt. Im Subjektiven wird die Schuld, sprich der Anfang, auf das Gegenüber projiziert. Gewalt steht oftmals mit Angst, Scham, Stress und Druck in Verbindung. Ihre Zielrichtung geht vom Stärkeren auf den Schwächeren, oftmals mit dem Herabsetzen der Selbstbestimmung. Gleichzeitig kann auch manchmal der vermeintlich Schwache, gerade durch den Einsatz und die Betonung seiner Schwäche oder Hilflosigkeit, Gewalt ausüben (vgl. Grond (2007), S. 25 - 32). Auch der Staat bzw. die Gesellschaft übt Gewalt aus. Diese Form wird als strukturelle und institutionelle Gewalt bezeichnet. Z.B. unter den Rahmen- Bedingungen einer Altenpflegeeinrichtung könnten Pflegebedürftige, wie auch Pflegekräfte, Gewalt erleben. Schon bestimmte Vorgaben der Schlaf- und Essenszeiten, aber auch die Medikamentengabe können Gewalt bedeuten. Auch Pflegekräften kann enorme Gewalt angetan werden, indem sie selbst gezwungen sind, Gewalt in der Pflege anzuwenden, um ihre Arbeit zu „erledigen“. Die Zusammenhänge, wie auch die Ursachen, Formen, Inhalte und Erscheinungen von Gewalt in der Pflege sind sehr komplex und umfangreich. Für die geplante Gesprächs-Gruppe sind sie als Theorie-Input nicht relevant, wohl aber als fachliches Hintergrundwissen, wie es z. B. ein Moderator oder Gesprächleiter immer gut gebrauchen kann. Der einzige Punkt, den ich mir als Theorie-Input vornehmen möchte, ist die oben aufgeführte Unterscheidung: Aggression - Gewalt.

In diesem Sinne, aufgrund der Aufgabenstellung in der Kleingruppe, die im nächsten Kapitel näher erläutern wird, kann das Fachlich-Sachliche meiner Lerneinheit in der didaktischen Reduktion (vgl. Jank / Meyer (1994), S. 80 - 84) auf diesen Punkt begrenzt werden. Dieser theoretische Einschub soll an einer passenden Stelle nach der Einführung und Eröffnung erfolgen. Er soll aus und in meinem eigenen Erzählbeispiel stattfinden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Gewalt in der Pflege. Workshop zum Fachtag für Pflegeschüler
Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Veranstaltung
Bildung - Fachdidaktik
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V321579
ISBN (eBook)
9783668222762
ISBN (Buch)
9783668222779
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewalt, Pflege, Krankenpflege, Gesundheitspflege, Senioren, Schulung, Workshop, Unterrichtsentwurf
Arbeit zitieren
Dieter Löffler (Autor), 2012, Gewalt in der Pflege. Workshop zum Fachtag für Pflegeschüler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321579

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gewalt in der Pflege. Workshop zum Fachtag für Pflegeschüler



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden