In der Urkirche war es keinesfalls klar, wer Jesus Christus ist. Mit ihm wurden viele verschiedene Konzepte und Vorstellungen verbunden. Die heutigen Vorstellungen von Jesus Christus als Gottessohn gründen in den konfliktbeladenen Aushandlungsprozessen der Frühen Kirche.
Hiervon handelt diese Zusammenfassung von Franz Dünzls "Kleine Geschichte des trinitarischen Dogmas in der Alten Kirche". Es ist die Geschichte eines wechselvollen und bedeutungsreichen Prozesses, der bis in die Gegenwart nachwirkt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in das Problem
2. Die Anfänge der Christologie
3. Erste Modelle für das Verhältnis von "Vater" und "Sohn"
4. Die Kontroverse zwischen Logostheologen und Monarchianern
5. Das Anliegen des Arius von Alexandrien und die Reaktion seiner Gegner
6. Das Eingreifen Kaiser Konstantins und das Konzil von Nizäa
7. Die Entwicklung in der nachkonziliaren Zeit
8. Die theologische Spaltung des Reiches
9. Serdica – das gescheiterte Reichskonzil
10. Konstantius II. und die Suche nach dem theologischen Kompromiss
11. Die Sammlung der Neunizäner
12. Die Frage nach dem Heiligen Geist
13. Das Konzil von Konstantinopel und die Verständigung mit dem Westen
14. Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen und theologischen Entwicklungsprozess des trinitarischen Dogmas in der Alten Kirche, wobei das zentrale Kernproblem darin besteht, den biblischen Monotheismus mit der Heilsbedeutung Christi und der Stellung des Heiligen Geistes in Einklang zu bringen, ohne Christus lediglich als Geschöpf zu definieren.
- Der christologische Diskurs von den neutestamentlichen Anfängen bis zur Ausformulierung der Trinitätslehre.
- Die Auseinandersetzung zwischen arianischen Positionen und der nizänischen Orthodoxie.
- Die Rolle kaiserlicher Religionspolitik und kirchlicher Synoden bei der Konsolidierung dogmatischer Formulierungen.
- Die Bedeutung der kappadokischen Theologie für die begriffliche Unterscheidung von Wesen (ousia) und Person (hypostasis).
- Die Einbeziehung des Heiligen Geistes in die trinitarische Lehre und die ökumenische Verständigung zwischen Ost und West.
Auszug aus dem Buch
3. Erste Modelle für das Verhältnis von "Vater" und "Sohn"
Noch in NT-Zeit: Ausarbeitung von Kategorien, um das Verhältnis von "Vater" und "Sohn" zu bestimmen.
(A) Gott und Christus werden ident gesetzt. Kol 1,15a: Sohn als "Bild des unsichtbaren Gottes". vgl. die pln Aussage Christus "ist das Bild Gottes" in 2 Kor 4,4; sowie: jüdische Weisheitsspekulationen (Weish 7,26c LXX, Hebr 1,3 und Kol 1,15 weisen auf die spientia Salomonis zurück) → Im Kontext des Platonismus eignete sich die Bild-Kategorie hervorragend um Differenz und Identität gleichzeitig auszusagen. → Im Kontext dieser Verse steht die Sophia-Logos-Spekulation. Es ist gleichzeitig von Schöpfungsmittlerschaft und Präexistenz Jesu die Rede (vgl. auch Joh 1,1-18) - PHILON VON ALEXANDRIEN identifiziert Logos mit Sophia.
(B) Gott und Christus NICHT ident. Bspw. in der "Geistchristologie", die sich der Kategorie Pneuma bedient, um zu zeigen, dass der Erlöser zur göttlichen Sphäre gehöre, aber nicht mit Gott ident ist. -> Frage nach der Vereinbarkeit mit dem Monotheismus im Hintergrund. - Bspw. (a) im 2. Clemensbrief (rund 130-150 n.Chr.): Im Pneumasein stimmen Retter und Gott überein, es verbindet Jesus mit dem Vater = Dehnung des strikten Monotheismus. Dahinter steht die Vorstellung, dass alles Göttliche - Bsp. (b) Hirt des Hermas (130/140): Gott lässt das präexistente heilige Pneuma im Sarx wohnen. Das Fleisch diente dabei dem Pneuma so gut, dass es Gott zum Genossen des Heiligen Pneuma annahm. ("heiliges Pneuma" = Gott zugeordnete heilgeschichtliche Gestalt) (c) der Hirt des Hermas verwendet auch andere tastende Versuche sich dem Thema anzunähern: Christus wird als ein (erhabener, großer) "Engel des Herrn" bezeichnet. - Hintergrund ist das AT, wo mehrfach vom mal'ak JHWH die Rede ist, wobei in ein und derselben Erzählung der Bote/Engel Gottes mit diesem gleichgesetzt werden kann. (Gen 16,7-14; Gen 18,1-19; Ex 3,2-6; Ri 6,11-24; Ex 3,11ff). Christus erkennt, erfüllt und verkündet den Willen des Vaters, dient ihm dadurch. Dieser selbst bleibt absolut transzendent. Das Moment der Subordination, das hierbei mitschwingt ist für das Frühe Christentum nicht ungewöhnlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in das Problem: Diese Einleitung thematisiert den christlichen Monotheismus und das Kernproblem der Vereinbarkeit von trinitarischer Lehre und Heilsbedeutung Christi.
2. Die Anfänge der Christologie: Das Kapitel skizziert die christologischen Ansätze des Neuen Testaments und die Harmonisierungsbestrebungen der frühen Theologen.
3. Erste Modelle für das Verhältnis von "Vater" und "Sohn": Hier werden frühe Ansätze analysiert, die entweder Identität betonen oder das Verhältnis mittels Geistchristologie und Subordination bestimmen.
4. Die Kontroverse zwischen Logostheologen und Monarchianern: Das Kapitel untersucht die philosophische Fundierung der Logostheologie und deren Spannungsfeld zum strengen Monarchianismus.
5. Das Anliegen des Arius von Alexandrien und die Reaktion seiner Gegner: Die Ausführungen behandeln die Entstehung des arianischen Streits und die Kontraposition von Bischof Alexander.
6. Das Eingreifen Kaiser Konstantins und das Konzil von Nizäa: Dieses Kapitel beschreibt die kaiserliche Initiative und die zentralen dogmatischen Ergebnisse des ersten ökumenischen Konzils.
7. Die Entwicklung in der nachkonziliaren Zeit: Der Fokus liegt auf der anhaltenden Unklarheit nach Nizäa und den religionspolitischen Manövern der Folgezeit.
8. Die theologische Spaltung des Reiches: Die Darstellung widmet sich den kirchenpolitischen und theologischen Konflikten zwischen Athanasius, Markell und den Ostbischöfen.
9. Serdica – das gescheiterte Reichskonzil: Das Kapitel analysiert die gescheiterten Einigungsversuche auf der Synode von Serdica und die wachsende Kluft zwischen West- und Ostkirche.
10. Konstantius II. und die Suche nach dem theologischen Kompromiss: Hier wird der kaiserliche Druck zur Einigung und die Entstehung der sirmischen Glaubensformeln beschrieben.
11. Die Sammlung der Neunizäner: Das Kapitel behandelt die Strategie des Athanasius zur Konsolidierung der Anhänger des nizänischen Glaubens unter Julian und Jovian.
12. Die Frage nach dem Heiligen Geist: Die Analyse konzentriert sich auf die trinitätstheologische Einordnung des Heiligen Geistes und die pneumatologischen Debatten.
13. Das Konzil von Konstantinopel und die Verständigung mit dem Westen: Der Inhalt fokussiert auf das zweite ökumenische Konzil und die formale dogmatische Überwindung der Krise.
14. Ausblick: Das abschließende Kapitel reflektiert den Klärungsprozess der trinitarischen Lehre und dessen Relevanz für den heutigen Betrachter.
Schlüsselwörter
Trinität, Christologie, Arianismus, Nizäa, Logostheologie, Monotheismus, Hypostase, Ousia, Athanasius, Kappadokier, Heiliger Geist, Konzil von Konstantinopel, Dogmenentwicklung, Frühe Kirche, Konzilsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der trinitarischen Theologie in der Alten Kirche, beginnend bei neutestamentlichen Ansätzen bis hin zur endgültigen dogmatischen Fixierung im 4. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Christologie, dem Streit um das Wesen Gottes (Trinität), der Rolle des Heiligen Geistes sowie dem Einfluss politischer Akteure wie Kaiser Konstantin auf theologische Entscheidungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage ist, wie die frühe Kirche den Anspruch des Monotheismus mit der heilsgeschichtlichen Bedeutung Christi in Einklang bringen konnte, ohne in subordinatianistische oder polytheistische Extrempositionen zu verfallen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die historisch-kritische Methode der Bibelexegese sowie eine systematische Aufarbeitung kirchengeschichtlicher Quellen, um den Prozess der dogmatischen Konsolidierung nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt chronologisch und thematisch die Kontroversen zwischen Logostheologen und Monarchianern, den arianischen Streit, die Konzile von Nizäa und Konstantinopel sowie die theologischen Brückenschläge der Kappadokier ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Trinität, Arianismus, Nizäanum, Hypostase, Ousia, Monotheismus und die Dynamik zwischen kirchlicher Orthodoxie und kaiserlicher Machtpolitik definiert.
Wie unterscheidet sich die kappadokische Lösung von den vorherigen Ansätzen?
Die Kappadokier führten eine präzise begriffliche Differenzierung zwischen der Einheit des göttlichen Wesens (ousia) und der Dreizahl der Personen (hypostaseis) ein, die sowohl den Monotheismus sicherte als auch die Individualität von Vater, Sohn und Geist bewahrte.
Warum war das Konzil von Konstantinopel für die Kirchengeschichte so bedeutsam?
Das Konzil markiert den Abschluss der großen dogmatischen Krise des 4. Jahrhunderts, indem es ein Bekenntnis festschrieb, das eine weite kirchliche Basis fand und die Pneumatologie, also die Lehre vom Heiligen Geist, trinitarisch verankerte.
- Arbeit zitieren
- Lukas Grangl (Autor:in), 2015, Wer ist Jesus Christus? Der Streit um den Gottessohn in der Frühen Kirche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321732