Der Einfluss des Bindungsverhaltens eines Kindes in Gruppendynamiken


Hausarbeit, 2015
22 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bindungstheorie
Bindungsverhaltenssysteme

3. Gruppen im Elementarbereich
Der Nutzen von Kindergruppen und ihre Definition
Verlauf gruppenrelevanter sozialer Kompetenzen
Die Entwicklung der Interaktion mit Gleichaltrigen
Gefahr! Was das Lernen und Leben in einer Gruppe des Elementarbereichs so schwer macht
Was ist realistisch erreichbar? Ziele für die Förderung des Gruppenverhaltens

4. Fazit

Literaturliste

1. Einleitung

Soziale Kontakte sind von klein auf ein menschliches existentielle Bedürfnisse. „Doch jedes Kind muss die Regeln und Gesetze des menschlichen Miteinanders lernen, um später in einer Gruppe akzeptiert und anerkannt zu werden.“1 Obwohl das Leben in einer Gruppe ist nicht immer überschaubar. In Kindergruppen treten Leistungsverluste genauso auf wie Konflikte, Aggressionen; Mobbing, Außenseiterbildung und ähnliches. Jedoch sind Kinder nicht in der Lage, diese Angelegenheiten alleine zu lösen.

Der Themenkomplex „Kindliches Bindungsverhalten und seine Bindungsmuster (insbesondere Temperamentdimensionen), um sich in frühkindlichen Gruppen zurechtzufinden“, betrifft mich persönlich aufgrund meiner erzieherischen Tätigkeit in einer Kindertagesstätte, wo ich als Erzieherin arbeite. Ich werde in der Praxis täglich mit der Thematik Gruppendynamiken und ihren Auswirkungen konfrontiert. Das Spektrum reicht von kurzen Sequenzen der Unruhe bis hin zu gestört-aggressivem Verhalten. Diese Erfahrungen und die Tatsache, dass ich selbst Eingewöhnungen bereits durchgeführt habe, sind meine Motivation mich mit dem Thema „das Bindungsverhalten und die Bindungsmuster, und die Auswirkung auf frühkindliche Gruppen“ näher zu beschäftigen. Diese Zusammenhänge sollen in der vorliegenden Hausarbeit genauer thematisiert werden

Die Betreuungsnotwendigkeit, Bildung und Erziehung von kleinen Kindern in Tageseinrichtungen ist unablässig, um die Erwerbstätigkeit von beiden Elternteilen zu ermöglichen. Bedeutsam ist, dass die Kinder dabei in ihrer Entwicklung nicht gefährdet werden (Vgl. Dollase, 2015, S. 116 f.).

Im ersten Kapitel wird die Bindung des Kindes thematisiert. Eingeleitet mit der Bindungstehorie von John Bowlby. Diese Theorie befasst sich mit der sozial- emotionalen Entwicklung eines Kindes basierend auf die Bindung zu Bezugspersonen (Vgl. Großmann, 2011, S. 13ff.). Die Entwicklungspsychologin Mary Ainsworth untersuchte, mit der Grundlage der Bindungstheorie von Bowlby, die Mutter-Kind- Beziehung der ersten beiden Lebensjahre. Dabei setzte sich intensiv mit der Entwicklung des Urvertrauens auseinander . (Vgl. Großmann, 2011, S. 13ff.)

Der zweite Teil der Ausarbeitung bezieht sich auf frühkindliche Gruppen. Es wird der Frage nachgegangen, warum frühkindliche Bildungsgruppen bestehen und wie diese definiert werden. Ergänzt wird das zweite Kapitel mit der Auseinandersetzung von gruppenrelevanten sozialen Kompetenzen. Aus der entwicklungspsychologischen Sicht, stellen die ersten sieben Lebensjahre, eine besonders prägende Zeit für die Entwicklung dar. Während dieses Stadiums werden elementare Grundfertigkeiten ausgebildet. Diese Grundfertigkeiten sind relevant für das Gruppenverhalten (Dollase, 2015, S. 54f.). Es werden neben der Bedeutsamkeit gruppenrelevanter sozialer Kompetenzen auch die damit einhergehenden Herausforderungen in der Praxis beleuchtet. Bei Temperamentdimensionen handelt es sich um Eigenschaften, welche für die sozialen Verhaltensweisen des Kindes in der Gruppe direkt sichtig sind. Denn häufig leiden schüchterne und gehemmte Kinder unter den Gruppenverhältnissen (Vgl. Zentner, 1998, S.22f.). Der letze Abschnitt zeigt realistische Ziele, für die Förderung des Gruppenverhaltens auf. Es ist von großer Bedeutung für die professionelle pädagogische Arbeit darüber nachzudenken, welche Gruppenverhaltensweisen man bei kleinen Kindern vom ersten Lebensjahr an bis zum Eintritt in die Schule erreichen kann (Vgl. Dollase, 2015, S. 113). Dazu gehört auch eine vertrauensvolle und sichere Bindung zu Bezugspersonen (Vgl. Dollase, 2015,S. 114) In frühkindlichen Bildungseinrichtungen sollte die Möglichkeiten zur Individualisierung geschaffen werden, um jeden einzelnen Kind auf seine Bedürfnisse und Gegebenheiten abgestimmt gerecht zu werden (Vgl. Kagan, 2001, S. 22).

2. Bindungstheorie

Die Bindungstehorie befasst sich mit der sozial-emotionalen Entwicklung im Kindes- und Jugendalter. John Bowlby, ein Kinderarzt, Kinderpsychiater und Psychoanalytiker, beschäftigte sich intensiv in den 1950er-Jahren mit der Frage, welche angeborenen Bedürfnisse im Umgang mit Mitmenschen von intensiven Gefühlen geprägt sind (Vgl. Großmann, 2011, S. 13ff.).

Seiner Ansicht nach prägen frühe soziale Interaktionsbedingungen und insbesondere Verlusterlebnisse Säuglinge und Kinder stark. Die Bindung zwischen Mutter und Säugling sieht er als wechselseitig bedingtes System (Vgl. Großmann, 2011, S. 102ff.).

Er berücksichtigte mehr die Ereignisse innerhalb der Familie, insbesondere die der Mutter (Vgl. Großmann, 2011, S. 13ff.). In unserer heutigen Zeit wurde die Bindungstehorie auf weitere Personen wie beispielsweise Großeltern oder Pädagoginnen und Pädagogen ausgeweitet.

Das liegt daran, dass bei den Menschen der größte Anteil der Mütter an der Erziehung ihrer Kinder über traditionelle und moderne Gesellschaften hinweg Unterstützung erhält. In einem solchen Gemeinschaftsszenario wird die Mutter oft durch Dritte (Familienmitglieder, Pädagoginnen und Pädagogen usw.) unterstützt (Vgl. Blaffer Hrdy, 2011, S. 23). Hierbei handelt es sich nicht um Vernachlässigung, denn die Entlastung kommt Mutter und Kind zugute.

Die Definition von Bindung sieht wie folgt aus: Bindung bezeichnet eine enge emotionale Nähe zu bestimmten Menschen (Mutter, Pädagoginnen und Pädagogen usw.). Diese Beziehungen dauern länger an. Nach Möglichkeit bieten diese Menschen Schutz oder können unterstützend wirken, um Emotionen zu regulieren, so bekommt ein Kind wenn es verunsichert oder traurig ist zum Beispiel (Vgl. Lenging/Lüpsche, 2012, S. 11).

Bindungen lassen sich nach Spangler und Zimmermann folgendermaßen beschreiben (Vgl. Spangler/Zimmermann, 2002, S. 172): „Unter Bindung versteht man ein lang andauerndes, affektives Band zu bestimmten Personen, die nicht ohne weiteres austauschbar sind“ (Spangler/Zimmermann, 2002, S. 172).

Bowlby versteht Bindung als eine Verbindung zwischen Mutter und dem sehr kleinen Kind, deren Basis die Emotionen sind. Das Kind sucht stets die Nähe zur Mutter, und auf Trennung reagiert es mit Schmerz und Kummer (Vgl. Spangler/Zimmermann, 2002, S. 172).

John Bowlby arbeitete eng mit der Entwicklungspsychologin Mary Ainsworth zusammen. Sie untersuchte in der Mutter-Kind-Beziehung die ersten beiden Lebensjahre. Dabei befasste sie sich mit dem Thema der Entwicklung des Urvertrauens (Vgl. Spangler/Zimmermann, 2002, S. 172). Bowlby und Ainsworth kamen zu den fortschrittlichen Ergebnissen, dass eine verbindliche Bindung zur Bezugsperson elementar für die Entwicklung und die Persönlichkeit des Kindes ist.

Explorationsverhalten und Bindung stehen demnach in einer wechselseitigen Beziehung zueinander. Das bedeutet, dass es einem Kind, das sich geborgen und wohl fühlt, möglich ist, seine Umwelt frei zu explorieren. Das Explorationsverhalten des Kindes wird eingestellt, sobald es sich unsicher und schlecht fühlt. Dem Kind fällt es dann schwer, sich von der Bezugsperson zu lösen und seine Umwelt spielerisch zu erkunden und nur bei Bedarf, das heißt etwa bei Unsicherheiten oder Gefahr, zu ihr zurückkehren kann (Vgl. Lenging/Lüpsche, 2012, S. 12). Das ängstliche Kind verpasst dabei die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, die sich auf seine Entwicklung positiv auswirken.

Um diese Annahmen zu untersuchen, wurde die sogenannten „Fremde Situation“, eine künstlich geschaffenen Atmosphäre (Labor), durchgeführt und beobachtet. Dabei untersuchte das Team von Ainsworth, welche Beziehungen im Verhaltenssystem zwischen dem der Bindung und dem der Exploration bestehen. Dieses Verhaltenssystem wurde für Kinder im Alter zwischen elf und zwanzig Monaten untersucht2.

Mithilfe der Untersuchungsergebnisse der Fremden Situation wurden die Kinder zu den vier folgenden Bindungsmustern zugeordnet: Sicher, unsicher-vermeidend, unsicher- ambivalent und unsicher-desorganisiert (Vgl. Spangler/Zimmermann, 2011, S. 27ff.):

- Sicher-gebundene Kinder („secure“) zeigen ein deutliches Bindungsverhalten nach der Trennung von der Bezugsperson. Dies bedeutet, dass sie nach der Person rufen, ihr nachfolgen oder sie suchen, sie beginnen zu trauern und zeigen Symptome des ausgesetzten Stresses. Meist reagieren die Kinder bei Wiederkehr der Bezugsperson mit Freude, dabei bewegen sie sich auf die Person zu. Sie suchen den Körperkontakt und lassen sich trösten. Das Kind beruhigt sich oder lässt sich innerhalb kurzer Zeit beruhigen. Nach der Trennungs- und Zusammenkunftsphase sind die Kinder in der Lage, sich erneut dem Spiel zu widmen.

- Unsicher-vermeidend gebundene Kinder („avoidant“) reagieren auf die Trennung mit wenig Widerstand. Das Bindungsverhalten ist hierbei weniger deutlich ausgeprägt, das heißt, sie verharren meist an ihrem Platz und spielen weiter. Allerdings fällt die Spielintensität weniger und ausdauernd aus als zuvor. Bei der Trennung registrieren diese Kinder zum Teil das Verschwinden der Bezugsperson und folgen ihr lediglich mit ihren Blicken. Während der Rückkehr zeigen die Kinder sich der Bezugsperson gegenüber ablehnend. Sie wehren Körperkontakt ab und lassen sich nicht trösten.

- Unsicher-ambivalent gebundene Kinder („ambivalent“) zeigen nach der Trennungssituation großen Nervosität und ihren Unmut mit sehr heftigem Weinen sowie körperlichen Reaktionen. Selbst nach der Rückkehr der Bezugsperson fällt es schwer, sie zur Ruhe zu bringen. Häufig benötigt die Phase der Beruhigung eine längere Zeit, damit das Kind wieder einen stabilen Zustand erreicht, Es dauert mehrere Minuten, bis es wieder zum Spielen zurückfindet. Es zeigt widersprüchliches Verhalten, wenn die Bezugsperson es trösten möchte und Körperkontakt sucht: Einerseits zeigt es den Wunsch nach Nähe, andererseits zeigt es ablehnendes Verhalten, indem die Bezugsperson weggestoßen wird.

- Unsicher-desorganisiertes Bindungsmuster („insecure- disorganized/disoriented attachment pattern“) weisen Kinder auf, die laut Ainsworth keiner der beschriebenen Klassifikationen zugeordnet werden konnten. Sie wurden zunächst in einer Art Restkategorie eingeordnet. Später, im Jahre 1973, wurden von der Entwicklungspsychologin Mary Main die Besonderheiten dieser Verhaltensweisen als „unsicher-desorganisiert“ oder „desorientiert“ bezeichnet. Diese desorganisierte Bindung kam dann Zustande, sobald zum Beispiel das Kind zu seiner Bezugsperson läuft, dann allerdings auf halben Weg umkehrt. Die Bewegungen können im Ablauf auch einfrieren („Freezing“) verfallen oder es kommt zu unerwarteter, nicht zuzuordnender Verhaltensweisen.

Bindungsverhaltenssysteme

Eine Reihe von Faktoren ist ausschlaggebend für die Bindungsqualität, sowohl auf Seite der Bezugsperson als auch auf Kindesseite. Bei der Bezugsperson gehört Feinfühligkeit dazu. Beim Kind ist sein Temperament ausschlaggebend. Hierbei stellt sich die Frage, inwieweit es bereit ist, sich auf Interaktionen einzulassen, sich aber auch selbst steuern und regulieren kann (Vgl. Bach, 2015, S. 152).

Die Wesensmerkmale in der Bindungssicherheit zeigen sich in unterschiedlichen Bindungsmustern (Vgl. Lenging/Lüpsche, 2012, S. 15), wie im vorangegangen Kapitel aufgezeigt wurde.

Mary Ainsworth beschäftigte sich intensiv mit der Feinfühligkeit, diese lässt sich folgendermaßen charakterisieren (Vgl. Großmann, 2011, S. 417):

- Die Bezugsperon sollte die Fähigkeit besitzen, mit großer Aufmerksamkeit die Anzeichen des Kindes zu registrieren. Wichtig ist es dabei, dass es während der Wahrnehmung nicht zu Verzögerungen kommt: zum Beispiel in dem Fall, wenn die Bezugsperson zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist.
- Die Reaktionszeit der Bezugsperson sollte in Hinsicht auf das Kind innerhalb einer bestimmten Zeitdauer geschehen. Eine Zeit, die sich binnen der Frustrationstoleranz des Kindes befindet. Im Laufe der ersten Lebensjahre steigt die Toleranzgrenze.
- Um die Perspektive des Kindes richtig deuten zu können, sollte die Bezugsperson in der Lage sein, die Anzeichen des Kindes angemessen deuten zu können: zum Bespiel, dass es Hunger verspürt, wenn es weint.

In der Regel fällt es den Bezugspersonen leicht, die Anzeichen des Kindes zu registrieren und passend darauf zu reagieren. Unter anderem auch, weil die Bezugspersonen viel Zeit mit dem Kind verbringen und seine Bedürfnisse zunehmend genauer interpretieren können. Aus diversen Gründen kann dies mal nicht der Fall sein, was auch nicht weiter problematisch ist. Hingegen ist ein eher unzureichendes feinfühliges Verhalten gegenüber dem Kind, das hilflos und schutzbedürftig ist, problematisch für den Bindungsaufbau.

[...]


1 http://leben-ohne-limit.com/8014/kindheit-und-die-wurzeln-der-liebe/ (Abgerufen am 14.08.2015) 1

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss des Bindungsverhaltens eines Kindes in Gruppendynamiken
Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Note
1,3
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V321738
ISBN (eBook)
9783668210837
ISBN (Buch)
9783668210844
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, bindungsverhaltens, kindes, gruppendynamiken
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Der Einfluss des Bindungsverhaltens eines Kindes in Gruppendynamiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321738

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