Die Aufnahme der Novelle "Freitisch" von Uwe Timm in den literarischen Deutsch als Fremdsprache (DaF) Kanon


Bachelorarbeit, 2012

29 Seiten, Note: 2,7

N. B. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Literarischer Kanon und Kanondiskussion
1.1 Definition
1.2 Kanondebatte

2. Literaturkanon für Deutsch als Fremdsprache
2.1 Definition und Themenbereiche
2.2 Kriterien
2.3 Aufnahmekriterien für die Novelle Freitisch

3. Uwe Timm: Leben und Werk
3.1 Biografie
3.2 Vorstellung der Novelle Freitisch

4. Eignung der Novelle Freitisch für den DaF-Kanon
4.1 Ästhetische Aspekte und Ergiebigkeit
4.2 Repräsentanz und Aktualität
4.3 Universalthemen
4.4 Stereotypen
4.5 Interkulturelle Bezüge
4.6 Deutsche Landeskunde

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

„Kultur kann nicht ohne einen verbindlichen Kanon vermittelt werden“. (Beirat Deutsch als Fremdsprache des Goethe-Instituts 1992: 549) Dieser Satz stammt vom Beirat Deutsch als Fremdsprache des Goethe-Instituts. In seinen „25 Thesen zur Sprach- und Kulturvermittlung im Ausland“ wird der literarische Kanon thematisiert. Dabei betont der Beirat, dass Kultur nicht „mit einem starren Kanon vermittelt“ werden kann. Dies bedeutet, dass es keinen allgemeinen Literaturkanon für Deutsch als Fremdsprache (DaF) geben kann. Doch wenn die Notwendigkeit besteht, einen Kanon für bestimmte Zwecke (Prüfungen oder Tests für bestimmte Adressatengruppen) zu erstellen, sollte diese Literaturauswahl nur von den Kulturvermittlern dieses Bereichs festgelegt werden (Ackermann 2001: 1351). An dieser Stelle stellt sich die Frage, welche Literatur sich für den DaF-Kanon eignet.

Im Rahmen von Deutsch als Fremdsprache existiert nur wenig Literatur zum Thema Literaturkanon. Michael Ewert, Irmgard Ackermann, Alois Wierlacher sowie Hartmut Eggert beschäftigen sich mit der Frage, ob man einen Literaturkanon für DaF brauche und welche Kriterien ein DaF-Kanon aufweisen sollte, um aufgenommen zu werden. Viele von den genannten Autoren beziehen sich auf die wissenschaftlichen Arbeiten und den Forschungsstand aus der Germanistik und anderen Sprachwissenschaften, da der Literaturkanon im Fach Deutsch als Fremdsprache wissenschaftlich nicht so intensiv diskutiert wurde wie in anderen Philologien. Außerdem haben germanistische und andere sprachwissenschaftliche Diskussionen den literarischen Kanon im Fach Deutsch als Fremdsprache beeinflusst.

In dieser Arbeit wird es um die Aufnahme der Novelle Freitisch von Uwe Timm in den literarischen DaF-Kanon gehen. Die Fragestellung dieser Bachelorarbeit lautet: Ist die Novelle Freitisch für den DaF-Kanon geeignet? Welche Gründe sprechen für die Aufnahme? Was spricht gegen die Aufnahme? Welche Besonderheiten der Novelle sind aussagekräftig? Entspricht diese Lektüre den Aufnahmekriterien?

Das Ziel dieser Bachelorarbeit ist in erster Linie, die Aufnahme und die Eignung der Novelle Freitisch von Uwe Timm zu bestätigen und zu begründen. Anhand von zahlreichen Kriterien, die für die Aufnahme der Lektüre vorausgesetzt werden, werde ich überprüfen, ob Freitisch in die Auswahl geeigneter DaF-Literatur passt.

Als erstes werde ich den Begriff 'Kanon' erklären. Daraufhin gebe ich einen Einblick in die wichtigsten Aspekte der Kanondebatte. Dabei gehe ich auch auf die Diskussionen in der Germanistik ein. Im nächsten Kapitel definiere ich den literarischen Kanon im Fach Deutsch als Fremdsprache und nenne wichtige Themenbereiche, die für den DaF-Kanon relevant sind. Dann stelle ich die Aufnahmekriterien für den literarischen DaF-Kanon vor. Dabei beziehe ich mich auf Ewert und Wierlacher.

Als nächstes benenne ich die Aufnahmekriterien, die wahrscheinlich für Freitisch zutreffen. Ich behaupte, dass diese Punkte für die Eignung des Buchs sprechen. Zu diesen Kriterien zählen vor allem die Ergiebigkeit für die Kommunikation, die ästhetischen Aspekte, Repräsentanz, Aktualität des Textes und das Zeitkriterium. Im dritten Kapitel stelle ich Uwe Timm vor, indem ich seine Biografie und seine zentralen Werke thematisiere. Außerdem gebe ich die von mir ausgewählte Novelle Freitisch in kurzer Form wieder.

Im zentralen Kapitel überprüfe ich anhand der erwähnten thematischen Kriterien und den Aufnahmekriterien nach Wierlacher und Ewert, ob die Mehrheit der wichtigen Faktoren in der Lektüre von Uwe Timm zu finden ist. Um die Eignung und die Aufnahme der Lektüre zu bestätigen, bediene ich mich folgender Aufnahmekriterien:

Ästhetische Aspekte und Ergiebigkeit, Repräsentanz und Aktualität, Universalthemen, Stereotypen, interkulturelle Bezüge und Deutsche Landeskunde. Zur besseren Veranschaulichung werde ich zahlreiche Ausschnitte aus dem Buch aufführen.

Im Anschluss wird das Fazit die wichtigsten Punkte, die den Kanon und die Aufnahme des Werks Freitisch betreffen, zusammenfassen. Außerdem werde ich herausfinden, was für und gegen die Aufnahme von Freitisch in die literarische Auswahl im Fach DaF spricht. Wenn der Großteil der aussagekräftigen Faktoren übereinstimmt, dann kann ich die Annahme bestätigen, dass die Novelle sich für einen literarischen DaF-Kanon eignet.

1. Literaturkanon

1.1 Definition

Der Begriff Kanon (griech. Richtschnur, Regel, Maßstab), welcher aus dem Semitischen stammt, bezeichnete zunächst eine edle Rohrart, die zur Korb-und Messrutenherstellung sowie für Waagebalken verwendet wurde (Korte 2002:27). Heutzutage versteht man unter Kanon die Gesamtheit der Regeln und Grundsätze, welche für ein Gebiet gelten (Fritzsche/ Schack 2004:733). Der Kanon hat einen sehr weiten Geltungsbereich, d.h. es gibt viele Gebiete, wie die Musik, Theologie, Literatur, Philosophie u.a., die einen Kanon haben. Man unterscheidet zwischen geschlossenen (Buchreligionen) und offenen Kanones (Literaturkanon) (Ackermann 2001: 1346-1247).

Des Weiteren versteht man unter einem Literaturkanon ein Verzeichnis vorbildlicher Schriftsteller und Werke, die gelesen werden sollten. Der literaturwissenschaftliche Begriff des Kanons, welcher von dem Philologen David Ruhnken (1723-1798) eingeführt wurde, bildete sich im 19. Jahrhundert heraus. Je nach Land und Kultur sieht der Kanon anders aus und hat unterschiedliche Schwerpunkte. Im 19. Jahrhundert bildeten sich vor allem in Mittel- und Osteuropa Nationalkanones heraus. Sie wirkten bindend und erzeugten dadurch einen Zusammenhalt (Ehrlich/Schildt/Specht 2007:11-12).

Der Kanon wird von einer bestimmten Gruppe, die als identitätsstiftend und verehrenswert gilt, gepflegt und weitergegeben (Ehrlich/Schildt/Specht 2007: 13) (Schnell 2000: 33). Er basiert auf den Interessen und Werten sozialer Gruppen, auf deren Lebensstilen, Identitäten, sozialen Abgrenzungen und Handlungsmustern. Im 19. Jahrhundert pflegten die Bildungsbürger kulturelle Traditionen. Sie orientierten sich an Zeitschriften, Nachschlagewerken, im Buchhandel, in Bibliotheken, Theater u.a. (Korte 2002: 308). Eine der wichtigsten Funktionen des literarischen Kanons ist die Selbstdarstellung einer Gruppe und Gesellschaft (Korte 2002: 30-31).

Man ist sich weitgehend einig, dass es den literarischen Kanon gar nicht gibt. Der Kanon besteht aus verschiedenen Selektionslisten, die offen und veränderbar sind (Korte 2002: 28). Auch wenn es in deutschen Bildungsinstitutionen keinen Kanon gibt, heißt es nicht, dass es keinen inoffiziellen und heimlichen Kanon gibt (Eggert 1995: 205).

Anders als es früher für das Bildungsbürgertum üblich war, existiert heutzutage kaum mehr ein einheitlicher und vorbildlicher Kanon. In der gegenwärtigen Gesellschaft, welche sich aus verschiedenen sozialen Schichten zusammensetzt, haben sich unterschiedliche Kanones für die verschiedenen Gruppen herausgebildet (Ewert 2010: 1557). Zu den unterschiedlichen Kanones zählen unter anderem: Deutungskanon, Expertenkanon, Gegenkanon, Lektürekanon, Negativkanon, Randkanon, Subkanon u.a. (Korte 2002: 25-27).

Der Literaturkanon verändert sich im Laufe der Zeit, d.h. dass eine Kanongröße ihren privilegierten Status verlieren kann oder ein vergessenes Werk im literarischen Kanon den Platz einnehmen kann (Korte 2002: 25-33). In der Kanonforschung überwiegt eindeutig die Ansicht, dass die Wertschätzung den kanonisierten Werken von außen zugeschriebenen wird:

Der Wert eines literarischen Textes ist keine Eigenschaft, die ihm inhärent wäre. Ein Kunstwerk, eine Komposition, ein Gedicht ist wertvoll für einen bestimmten Menschen, für eine bestimmte Gruppe, für eine bestimmte Gesellschaft und Kultur. (Korte 2002: 28)

Die ausgesuchten Texte sollen einen Einblick in die Geschichte der deutschsprachigen Literatur geben. Sie sollen deshalb repräsentativ und exemplarisch sein, das bedeutet, sie sind Zeugnisse und Dokumente einer kulturellen Entwicklung. Sie sind deshalb nach Epochen geordnet. Es werden literarische Traditionen, Konventionen, künstlerische Innovationen und Impulse thematisiert (Schnell 2000: 36).

Darüber hinaus hat der deutsche Literaturkanon, welcher an Schulen oder Universitäten gebraucht wird, seinen Schwerpunkt in der Vergangenheit. Denn es werden wenige moderne Bücher aufgenommen. Die Gegenwartsliteratur wird oft abgelehnt. „Abwehr der Gegenwart ist ein starkes kanonbildendes Motiv“ (Korte 2002:317). Des Weiteren kann der Kanon infrage gestellt werden und sich verändern. Außerdem können Autoren wieder entdeckt werden und in den literarischen Kernkanon aufsteigen (Korte: 2002: 33-36).

Vor- und Nachteile eines Literaturkanons

Es ist bis heute umstritten, ob es einen Kanon der deutschsprachigen Literatur geben dürfe oder solle. Der Streit wird von Fachwissenschaftlern und Dichtungsexperten, professionellen Literaturkritikern und Literaturliebhabern geführt. Wie bei allen Debatten, die ein Thema behandeln, gibt es Vor-und Nachteile. Im Folgenden werden Argumente für und gegen einen Literaturkanon vorgestellt (Schnell 2000:33-34).

Für einen Literaturkanon spricht die Tatsache, dass es unverzichtbar ist, einige kanonische Texte zu kennen, da sie ein wichtiger Bestandteil literarischer Bildung sind. Dafür würde ein Mindestkanon sprechen, den man voraussetzen könne. Andererseits sind einige der Meinung, dass ein literarischer Kanon tendenziell literaturfeindlich ist, da er die anderen Schriftsteller durch das Hervorheben bestimmter Werke als unwichtig darstellt. Außerdem sei er nicht angemessen, da er auch eine Zumutung sein kann, wenn der Leser gegen seinen Willen etwas lesen muss (ebd. 34).

Des Weiteren besteht die Gefahr, dass die Werke der Autoren für falsche Zwecke ausgenutzt werden. Allgemein kann man sagen, dass der Literaturkanon seinen Schwerpunkt in der Literatur der Klassik hat. Deswegen wird dem Kanon Einseitigkeit vorgeworfen. Es gibt leichte Präferenzen für die literarische Moderne und schwache Akzente bei Literatur seit 1945 und der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Das Bestehen eines Kanons ist ambivalent, einerseits wird er abgelehnt, andererseits gepflegt (ebd. 34).

Eine Phrase wie Das muss man gelesen haben! fordert den Leser eindeutig dazu auf, die vorgeschlagenen Bücher zu lesen. Es entsteht somit der Eindruck, dass die ausgewählten Werke unumstritten und verbindlich zu lesen sind. Denn sonst gilt man nicht als gebildet. Andererseits bieten die Kanonempfehlungen dem Leser eine Orientierungshilfe. Außerdem wollen manche Leser sich aus fachlichem Interesse über die Literatur informieren (Korte 2002: 310).

Hermann Korte betont, „die Kanonkonstrukteure seien Strategen einer Gesellschafts- und Kulturpolitik, die mit der Kontrolle über den von ihnen gesetzten Kanon Macht demonstrieren“ (Korte 2002: 314). Manche Ratgebergrößen erscheinen geradezu autoritär (ebd. 314).

1.2 Kanondebatte

Seit über 200 Jahren werden Debatten um den literarischen Kanon geführt. Diese sind jedoch noch wenig erforscht. Besonders kontrovers waren die Debatten in der Weimarer Republik. In einer Denkschrift zur „Not des Literaturkanons“ von Walter Schönbrunn, ging es um die Frage: „Welche Dichtungsform entspricht denn nun unserer Zeit des Radios und des Kinos, der kniefreien Röcke, der Sensationspresse, der dachlosen Häuser, der Sportrekordleistungen?“ Im selben Jahr veranstaltete die Zeitschrift Die literarische Welt ihre Autorenumfrage zum Thema: Bücher, die lebendig geblieben sind. Diese dokumentierte ausführlich, dass jeder Autor seine Vorlieben und Interessen zum Literaturkanon zähle, ohne die kulturellen Verbindlichkeiten zu beachten (Korte 2002: 29). Ferner wird seit den Sechzigern des 20. Jahrhunderts eine wissenschaftliche Debatte geführt. Innerhalb der Gedächtnisforschung in den achtziger und neunziger Jahren spielte der Literaturkanon eine große Rolle, da man sich auf das Kollektive von Erinnerungskulturen bezogen hatte (Ehrlich/Schildt/Specht 2007: 8).

Eine wichtige Rolle spielt in der Kanondebatte die Diskussion in der Zeitschrift Zeit aus dem Jahr 1997. Es wurden ausgewählte Personen aus der literarischen Öffentlichkeit aufgefordert, fünf kanonische Werke zu benennen. Die Fragen lauteten: „Welche literarischen Werke der deutschsprachigen Literatur müßte ein Abiturient im

Deutschunterricht gelesen haben? Nennen Sie außerdem einen Titel, der nicht unbedingt zu diesem Mindestkanon gehören mag, von dem Sie aber möchten, dass er häufig gelesen werde. Bitte nennen Sie drei bis fünf Titel und begründen Sie Ihre Auswahl.“ (Spies 2000:98) Sowohl die Gefragten als auch die Interviewer waren der Meinung, dass ein Literaturkanon wichtig und bedeutend ist. Die Befragung hat ergeben, dass die Vorschläge von Autoren und Werken der Teilnehmer weitgehend übereinstimmten (ebd. 98).

Aus den gestellten Fragen lässt sich ableiten, dass der Kanon im Deutschunterricht in erster Linie als ein Funktionsinstrument im Deutschunterrichts betrachtet wird. Der Literaturkanon soll den Lernenden in der Schule und Hochschule als Grundlage dienen. Das Ziel der Zeit-Debatte war es, den Inhalt des Kanons zu bestimmen, einen bestehenden Inhalt zu bestätigen und dessen Funktion für die Schule erneut zu bestätigen (Spies 2000: 98-99). Viele Philologen sprechen in Bezug auf die Kanondebatte deshalb von einer 'ewigen Debatte' (Korte 2002: 29).

In den Sechzigern wurde kritisiert (Dekanonisierung und Klassenschelte), dass der bildungsbürgerliche Kanon verbindlich und nicht veränderbar sei und er somit mit Hierarchie und dem Ausschluss verbunden ist. Es wurde kritisiert, dass ein Kanon als Machtinstrument missbraucht wird und nur eine bestimmte Gesellschaftsschicht repräsentiert (Ewert 2010: 1556-1557).

Wenn man einen bestehenden Kanon ablehnt, bedeutet dies in vielen Fällen, dass man einen neuen befürwortet (Gondolla/Zelle 2000: 9). Auf diese Weise führte die Ablehnung tradierter Lektürevorgaben in der Schuldidaktik zu einem neuen Kanon. Einige Beispiele sind Wir Kinder vom BahnhofZoo, Die unendliche Geschichte und Ben liebt Anna, die zu kanonischen Werken westdeutscher Schullektüre der Achtziger und frühen Neunziger des 20. Jahrhunderts wurden (Hermann 2007: 22-23).

Die Kanondebatte besteht aus mehreren Debatten, die unterschiedliche Auffassungen vertreten. Einige sind der Meinung, man solle den Kanon revidieren. Entweder soll man den Kanon ausweiten, reduzieren oder er solle auf andere Namen und Werke fokussiert,also anders organisiert werden. Bei den Kanondebatten geht es in erster Linie um Kanonrevisionen und die Infragestellung des Kanons und weniger um die Etablierung eines modernen literarischen Kanons (Eggert 1995:199) (Willems 2001: 217).

Auffällig ist, dass immer, wenn es kulturelle Umbrüche gibt, auch die Kanondebatte Hochkonjunktur hat. Im Zeitalter des Internets herrscht eine große Informationsflut und Orientierungslosigkeit in Bezug auf lesenswerte oder empfehlenswerte Literatur (Gendolla/Zelle 2000: 9).

Im Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF) wurde über den Literaturkanon wissenschaftlich nicht so intensiv diskutiert wie in der Germanistik und anderen Philologien. Nichtsdestotrotz haben die geführten Diskussionen in anderen Sprachwissenschaften die Praxis in DaF und den Umgang mit dem DaF-Kanon beeinflusst. Der Kanon entwickelte sich zunehmend zu einer selbstständigen und funktionsorientierten Literaturauslese. Der Kanon wurde in den „25 Thesen zur Sprach- und Kulturvermittlung im Ausland“ diskutiert. So heißt es: „Kultur kann nicht ohne einen verbindlichen Kanon vermittelt werden. Sie darf nicht mit einem starren Kanon vermittelt werden“ (Ackermann 2001:1350). Damit ist gemeint, dass der Kanon für einen bestimmten Bereich (z.B. Lektürekanon für den Deutschunterricht, für die Prüfungsanforderungen im Germanistikstudium in einem bestimmten Land) nur von den Kulturvermittlern dieses Bereichs festgelegt werden kann. Dennoch sollen beim Literaturkanon genügend Wahlfreiheiten und Möglichkeiten zur Schwerpunktbildung vorhanden bleiben (ebd. 1350-1351).

2. Literaturkanon für Deutsch als Fremdsprache

2.1 Definition und Themenbereiche

Das vergleichsweise junge Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF) nimmt einen schwierigen Platz zwischen Inlands- und Auslandsgermanistik ein. Eine der wesentlichen Schwierigkeiten ist das Kanonproblem (Wierlacher 1987:194). Es ist wichtig, den Nationalkanon nicht nur um interkulturellen Literatur zu ergänzen, sondern einen eigenständigen Kanon zu schaffen. Früher hat man an Schulen und Universitäten im Rahmen von Deutsch als Fremdsprache den traditionellen Literaturkanon in gekürzter Form übernommen und diesen als verbindlich angesehen. Heutzutage orientiert sich der literarische Kanon in DaF an den Adressaten und wählt so die Lektüre aus. Dennoch ist es relevant, dass der literarische Kanon die für Geschichte, Tradition und Selbstverständnis einer Gesellschaft maßgeblichen Werke umfassen soll (Ackermann 2001: 1350).

Die Funktion des Literaturkanons für Deutsch als Fremdsprache ist anders als die der Germanistik. Die Funktion der Wahrung und Pflege des kulturellen Erbes sowie die Identifikation mit der eigenen kulturellen Vergangenheit sind in diesem Fall irrelevant.

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Details

Titel
Die Aufnahme der Novelle "Freitisch" von Uwe Timm in den literarischen Deutsch als Fremdsprache (DaF) Kanon
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Deutsch als Fremdsprache
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
29
Katalognummer
V321859
ISBN (eBook)
9783668211896
ISBN (Buch)
9783668211902
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aufnahme, novelle, freitisch, timm, deutsch, fremdsprache, kanon
Arbeit zitieren
N. B. (Autor), 2012, Die Aufnahme der Novelle "Freitisch" von Uwe Timm in den literarischen Deutsch als Fremdsprache (DaF) Kanon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321859

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