Kulturelle Unterschiede bei der Einschulung in Russland und Deutschland. Ein Vergleich


Seminararbeit, 2012

35 Seiten, Note: 1,3

N. B. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Einschulungszeremonie
1.1 Einschulung in Deutschland
1.2 Einschulung in Russland

2. Kulturelle Unterschiede: Schultüte versus Schuluniform
2.1 Schultüte - typisch deutsch?
2.2 Schulkleidung

3. Authentische Beispiele
3.1 Interview mit einer 24-jährigen Russlanddeutschen
3.2 Interview mit einer 23-jährigen Deutschen

4. Informationenüber den Sprachkurs

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
7.1 Unterrichtsskizzen
7.2 Lehr-und Lernmaterialien

0. Einleitung

Der erste Schultag ist für jedes Kind ein aufregendes Ereignis. Dabei läuft die Einschulung in jedem Land nach bestimmten Ritualen ab. Diese schaffen Vertrautheit und sorgen dafür, dass die Angst vor dem Neuen reduziert wird. Diese „strukturieren die neue Ordnung symbolisch durch äußere Zeichen- und Formgebung“. (Kellermann 2008:19)

Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, die kulturellen Unterschiede am ersten Schultag in Russland und Deutschland aufzuzeigen. Denn manchmal verursachen die kleinsten kulturellen Unterschiede Missverständnisse zwischen den beiden Ländern. Die Fragestellung dieser Hausarbeit lautet: Inwiefern unterscheidet sich die Einschulung in Deutschland gegenüber der in Russland? Welchen Stellenwert hat die Einschulung? Welche kulturellen Traditionen, Rituale und Besonderheiten gibt es? Wie groß sind die Unterschiede? Gibt es viele Gemeinsamkeiten, die man auf den ersten Blick nicht bemerkt? Wie läuft die Einschulungszeremonie ab? Um dies herauszufinden, werde ich den Ablauf der Einschulung in beiden Ländern gegenüber stellen und sie vergleichen.

Zunächst wird der Verlauf der Einschulungszeremonie in Deutschland und dann in Russland dargestellt. Im nächsten Kapitel folgen die kulturellen Unterschiede: die Schultüte und die Schuluniform. Ich gehe genauer auf die Entstehung und Geschichte der Schultüte ein. Außerdem beschreibe ich die frühe und die heutige Schuluniform am ersten Schultag in Russland. Des Weiteren vergleiche ich die Kleiderordnung in Deutschland und Russland. Im nächsten Kapitel folgen zwei authentische Beispiele für die Einschulung in Deutschland und Russland in Form von zwei Interviews. Zuerst wird eine 23-jährige Deutsche einige Fragen zu ihrer Einschulung beantworten. Daraufhin gibt eine 24-jährige Russlanddeutsche ein Interviewüber ihre Einschulung in Russland. Es werden jeweils dieselben Fragen gestellt, um die Antworten besser vergleichen zu können. Die Interviews können die kulturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten am ersten Schultag am besten verdeutlichen. Daraufhin folgt die Informationüber den geplanten Sprachkurs, welcher die Themeneinheit „Einschulung“ behandelt. Anschließend werden die Ergebnisse zu den Differenzen und Gemeinsamkeiten der Einschulung in Russland und Deutschland zusammengefasst.

Im Anhang befinden sich Unterrichtsskizzen und Lehr- und Lernmaterialien zum Thema „Einschulung“, die ich didaktisch aufbereitet habe.

1. Einschulungszeremonie

1. 1 Einschulung in Deutschland

In Deutschland werden Kinder meistens mit sechs Jahren eingeschult. Auf Wunsch der Eltern manchmal schon mit fünf. Seit dem 19. Jahrhundert findet die Einschulung mit der Vollendung des sechsten Lebensjahrs statt. Im 18. Jahrhundert war es hingegenüblich, dass die Kinder schon mit fünf die Schule besuchten, da sie keine große Hilfe in der Landwirtschaft darstellten. Für die Erstklässler wird eine Feier veranstaltet, die je nach Bundesland und Schule variiert. Im östlichen Teil Deutschlands fällt sie meist umfangreicher aus. Die Einschulungsfeier findet oft an einem Samstag statt, sodass Verwandte, Großeltern und Paten anreisen können. Das Datum der Einschulung ist jedes Jahr unterschiedlich, da die Sommerferien keine feste Zeiten aufweisen (Riecke-Niklewski/Niklewski 2004: 97).

Der erste Schultag fängt in vielen Bundesländern mit einem Gottesdienst in der Kirche an. Eine wichtiger Teil der Einschulung ist die Schultüte. Die Kinder tragen sie zum Gottesdienst und zur Schule. Oft wird die Schultüte in der Schule nach dem Betreten in einen Raum oder spätestens vor dem Gang in den Klassenraum den Elternübergeben, damit keine Konkurrenz entsteht (Kellermann 2008: 70).

Nach dem Gottesdienst wird eine Begrüßungsrede des Schulleiters in der Aula der Grundschule gehalten. Während der gesamten Feier sitzen die Schulanfänger von ihren Familienangehörigen getrennt. Die Erstklässler haben das Privileg sich in den ersten Sitzreihen zu platzieren. Die vorderen Plätze symbolisieren den baldigenübergang in die Schulgemeinschaft. Die Angehörigen sitzen auf den hinteren Plätzen. Dies wiederum versinnbildlicht den Verlust des Einflusses der Eltern während der Schulzeit (Kellermann 2008: 70). Daraufhin folgen in den meisten Fällen einige Aufführungen der älteren Schüler. Sie singen, tanzen und führen kleine Theaterstücke auf. Die Schüler zeigen den Schulanfängern was sie in der Schule lernen können, d.h. lesen, schreiben, rechnen und singen. Des Weiteren zeigen die Schüler und die Lehrer eine Gemeinschaft, der sich die Schulanfänger anschließen wollen. Anschließend werden die ABC-Schützen mit dem Vor- und Nachnamen aufgerufen. Durch den Einsatz eines Mikrofons und der Zuschauer erhält dieses Ereignis einen formellen Charakter. Anschließend gehen die Kinder zusammen mit ihrer neuen Klassenlehrerin oder Lehrer in ihr neues Klassenzimmer. Dort findet die erste Schulstunde statt. Nach der Einschulungsfeier wird das Kind offiziell zum Mitglied der Institution. Anschließend gehen die Schulanfänger mit ihren Eltern nach Hause. Nach der Einschulung wird bei vielen Familien noch zu Hause gefeiert oder man unternimmt etwas mit der Familie. Ein besonderes Geschenk an diesem Tag ist die Schultüte, die erst zu Hause vom Erstklässler geöffnet wird (Kellermann 2008: 71-72).

1.2 Einschulung Russland

Die Kinder in Russland werden mit sechs oder sieben Jahren eingeschult. Früher war esüblich die Kinder mit sieben Jahren einzuschulen. Der offizielle Schulbeginn in Russland ist immer der erste September. Auf dem Schulhof versammeln sich Schüler, Lehrer und Eltern, um sich gegenseitig zu begrüßen und willkommen zu heißen. Nach den langen Sommerferien freuen sich die Schüler sowie die Lehrer sich wiederzusehen. Alle sind feierlich gekleidet, d.h. die Mädchen tragen Kleider und große Schleifen im Haar, die Jungen Anzüge mit Krawatte. Alle halten Blumensträuße im Arm, die am Ende der Veranstaltung der Klassenlehrerin geschenkt werden. Das Schuljahr beginnt mit Musik, die man auf dem Schulhof hören kann. Die Erstklässler werden von ihren Klassenlehrernüber den ganzen Schulhof bis vor die Bühne geführt (Schäfer 2010: 1).

Anschließend halten der Schuldirektor und der Bürgermeister eine Rede, die durch Tanz- und Gesangsvorführungen der älteren Schüler unterbrochen werden. Die Eltern befinden sich während der Veranstaltung neben ihrem Kind. Am Ende der Vorstellung können die Erstklässler mitsingen und mitmachen. Ein wichtiger Teil der Einschulungsfeier ist das erste Klingeln. Ein Schüler der elften Klasse trägt eine Schulanfängerin um den ganzen Schulhof. Die Erstklässlerin läutet eine Glocke - sie läutet symbolisch das neue Schuljahr ein. Daraufhin werden die Erstklässler aufgeteilt, indem sie zur Klassenlehrerin geführt werden. Dann sucht sich jedes Kind einen Mitschüler aus und man geht in einer Zweierreihe zusammen in das neue Klassenzimmer. Dort findet die erste Schulstunde statt, in der die Lehrerinüber die Schule und allgemeine Sachverhalte redet. Die Gestaltung der ersten Unterrichtsstunde ist relativ frei, d.h. es wird gemalt o. Ä. Nach dem ersten Unterrichtüberreicht jeder Erstklässler der Klassenlehrerin einen Blumenstrauß. Somit ist die Einschulung und der erste Schultag nach den Sommerferien beendet. Es wird aber nach dieser Veranstaltung noch fröhlich weiter gefeiert (Schäfer 2010: 1).

Sowohl in Deutschland als auch Russland werden die Schulanfänger vor oder nach der Einschulungsfeier von den Eltern fotografiert. Die Fotos entstehenüblicherweise an solchen symbolischen Orten wie vor der Schule oder vor der Eingangstür der Schule. Während die deutschen Schüler einen Schulranzen und eine Schultüte im Arm halten, tragen die russischen Schüler einen Blumenstrauß in der Hand. Außerdem ist es in Russlandüblich den Erstklässler auf der Schulbank zu fotografieren. Während die Schultüte die Zustimmung der Eltern symbolisiert, die ihr Kind der gesellschaftlichen Erziehungübergeben, steht der Blumenstrauß für die Achtung der Lehrerin gegenüber sowie für einen erfolgreichen Schulalltag (Kellermann 2008: 75).

2. Kulturelle Unterschiede: Schultüte versus Schuluniform

2.1 Schultüte

Die Schultüte, auch Zuckertüte genannt, ist eine deutsche Tradition. Schon 1817 erhielten die Kinder in Thüringen vom Chorleiter zum Schulbeginn eine große Tüte Konfekt. Damals erhielt man die Süßigkeiten in einer schlichten Obsttüte. Die allerersten Zuckertüten gab es in Jena (1817), Dresden (1820) und Leipzig (1836). In einem Buch, das „ Zuckertütenbuch für alle Kinder, die zum ersten Mal in die Schule gehen“ aus dem Jahre 1852 stammt, wurde erzählt, dass im Schulkeller ein Zuckertütenbaum wächst, vom dem der Lehrer den braven Schülern eine Tüte abpflückte. Die Form der Tüte steht für einen Wissenstrichter, der mit jedem Jahr gefüllt wird. Die Schultüte symbolisiert nach außen hin den neuen Status der Kindes, d.h. als Schulkind. Des Weiteren soll die Schultüte als ein Trostpflaster dienen, da die Erstklässler einen streng geregelten Lebensabschnitt vor sich haben. Dieser Brauch fing in Thüringen und Sachsen an und verbreitete sich im Laufe der Zeit in ganz Deutschland, Österreich und in der deutschsprachigen Schweiz. Zuerst in den größeren Städten, dann auf dem Land (Kellerhof 2009: 1).

Als die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde, stieg die Anfrage für die Zuckertüten. Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte in Deutschland große Armut, sodass der Brauch mit der Schultüte zunehmend in Vergessenheit geriet. In der Zeit der Nationalsozialismus gab es für jeden Schulanfänger eine Einheitsschultüte. Doch erst nach 1945 gewann die Schultüte wieder an Popularität. Die ersten sächsischen Fabriken produzierten ab 1910 Schultüten. Eine der größeren Produktionsstätten war die Firma Goldbuch, welche ab 1950 mit der Produktion der Schultüten begann (Fischer 2008: 1).

Die Motive auf den Tüten ändern sich im Laufe der Zeit und passen sich dem an, was momentan modern und beliebt ist. Früher gab es spezielle Schultüten zum Geburtstag des deutschen Kaisers oder in der DDR zur Ehre des Sozialismus. Heute sind die Schultüten meistens geschlechtsspezifisch, d.h. die Mädchen haben oft solche Motive wie Prinzessinnen, Einhörner, Barbie u.a., die Jungen hingegen oft Auto-, Piraten- oder Comicmotive. Normalerweise werden heute die Schultüten am Ende des Kindergartenjahres von Eltern und Kindern gemeinsam im Kindergarten gebastelt. Man kann aber in den meisten Einkaufshäusern eine Schultüte kaufen. Anders als heutzutage wurden die Kinder im 19. Jahrhundertüber die Herkunft der Schultüten im Unklaren gelassen (Fischer 2008: 1). Die Zuckertüte ist in Deutschland nichtüberall gleich, d.h. es gibt Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Während die Schultüten in den alten Bundesländern rund sind und meist einen Verschluss aus Filz aufweisen, sind die Tüten in den neuen Bundesländern sechseckig und haben einen Verschluss aus Borte und Tüll. Den Ursprung für die unterschiedlichen Formen und die Gestaltung der Schultüte ist nicht bekannt. Heutzutage werden neue und ausgefallene Modelle entworfen wie z B. eine Tüte mit einer Holzspitze, damit die Zuckertüte besonders stabil ist. Der Schulranzen und die Schultüte symbolisieren die Zugehörigkeit und den neuen Status des Kindes. Die S chultasche auf dem Rücken zeigt die rituelle Transformation, die mit der Einweihung in der ersten Unterrichtsstunde besiegelt wird. Schultüte ist ein Symbol des Einschulungsrituals. Die Schultüte ist mit Spannung verbunden, weil das Kind sie erst nach der Schulfeier und der ersten Schulstunde zu Hause öffnen darf. Der Sinn der Schultüte besteht darin, den beginnenden Ernst des Lebens zu versüßen und durch dieüberraschungen zu erleichtern. In der Schultüte befinden sich Süßigkeiten, Schulutensilien wie Schere und Stifte. Außerdem sind viele zweckdienliche Gegenstände wie ein Wecker oder eine Butterbrotdose darin enthalten, die die Kinder zum Lernen motivieren soll (Kellermann: 2008: 69-70).

2.2 Schulkleidung

In manchen Ländern wie England oder Südafrika besteht an Schulen Uniformpflicht. Auch in Russland gab es sie. Sie bestand in Russland von 19. Jahrhundert bis 1992. Die Einheitskleidung wurde dazu benutzt, um jeden Schüler gleichzustellen. So trugen Gymnasiasten und Schülerinnen, die ein Mädchenpensionat besuchten, eine Uniform. In Russland trugen die Jungen einen Kittel und die Mädchen braune Kleider und schwarze Schürzen. Im Haar hatten die Schülerinnen braune Bänder. Zu festlichen Anlässen zogen die Mädchen weiße Schürzen und flochten weiße Bänder in die Zöpfe ein (Sobolewskaja 2005: 1). In der Grundschule blieb diese Einheitskleidung bis in die Neunziger Jahre bestehen. Bis Mitte der Neunziger zogen die Schulanfängerinnen weiße Schürzen und ein braunes Kleid an. Ebenfalls schmückte ein weißes Band die Haare. Die Jungen trugen einen Anzug. Heute besteht für die Schulfeiertage noch immer die Pflicht ein weißes Hemd und einen dunklen Rock oder eine dunkle Hose zu tragen. Für die Lehrkräfte an russischen Schulen gab es nie eine strikte Kleiderordnung. Nur dürfen sie keine Jeans im Unterricht tragen. In letzter Zeit ist die Schuluniform in Russland wieder beliebter geworden, sodass sich viele Schulen für eine Schulkleidung entschieden haben. Jede Schule hat ihre eigene Schuluniform, die aus einem Rock und einer Bluse für die Mädchen, und einem Anzug für die Jungen besteht. Am ersten Schultag tragen viele Mädchen, wie in der Sowjetzeit, weiße Bänder im Haar, weil sie zur Tradition gehören (Sobolewskaja 2005:1).

In Deutschland tragen nur wenige Schülerinnen und Schüler eine von der Schule vorgegebene Kleidung. Nur an Privatschulen und an wenigen Schulen ist Schulkleidung Pflicht. Die Schuluniform erinnert viele Deutsche an den Nationalsozialismus und die DDR, sodass es eher ablehnend angesehen wird. Viele Schüler und Lehrer sind der Meinung, Schulkleidung schränke die Freiheit der Schülerinnen und Schüler ein, sich individuell zu kleiden. Zwar kleiden die deutschen Eltern ihre Kinder am ersten Schultag schick ein, aber es ist keine Kleiderordnung wie in Russland vorgeschrieben. Viele Mädchen tragen Röcke oder Kleider am ersten Schultag, aber sie können auch eine Hose anziehen. In Russland ist die Kleidung der Kinder besonders am ersten September eher geschlechtsspezifisch, d.h. die Mädchen tragen nie eine Hose am ersten Schultag. Die Jungen sind in Russland am ersten Schultag eher zurückhaltend, aber elegant gekleidet (Sobolewskaja 2005: 1).

3. Authentische Beispiele

3.1 Interview mit einer 24-jährigen Russlanddeutschen

Hallo Elena1. Wann und wo wurdest du eingeschult?

Elena: Hallo, ich bin am ersten September 1994 im nördlichen Teil Russlands eingeschult worden.

Wie hast du dich am ersten Schultag gefühlt?

Elena: Ich war gespannt, wer meine Klassenlehrerin ist. Meine Eltern konnten sich zwischen einigen Lehrkräften entscheiden. Ich habe zwar den Namen gewusst, habe sie aber natürlich nicht gesehen. Außerdem freute ich mich auf die neuen Mitschüler. Ich freute mich auf die Schule, denn meine beiden Geschwister besuchten diese Schule seit einigen Jahren.

Kannst du etwas von deiner Einschulung erzählen?

Elena: Ja, als erstes haben meine Eltern, meine Schwestern und ich im Blumemladen drei Blumensträuße gekauft. Es ist Tradition, dass man am ersten Schultag, besonders als Erstklässler, Blumen der Klassenlehrerin schenkt. Danach wurden wir zur Schule gebracht. Dort standen schon einige Eltern und Kinder vor der Schule. Meine Geschwister und ich wurden vor der Schule fotografiert. Dann sind wir reingegangen. Meine Schwestern gingen in ihre Klassenzimmer. Meine Eltern und ich gingen in einen großen Raum, es war meiner Erinnerung nach eine Sporthalle. Dort wurden Reden von der Schuldirektorin und anderen Personen gehalten. Dann haben dieälteren Schülerinnen und Schüler einige Lieder vorgetragen und es wurde getanzt. Am Ende gab es ein Spiel zum Mitmachen. Und die Schüler haben mitgesungen. Dann trug ein Elfklässler eine Erstklässlerin auf der Schulter, die am Ende eine Glocke läutete.

Später haben mir meine Eltern die Klassenlehrerin gezeigt. Die Kinder wurden in verschiedene Klassen aufgeteilt. Dann sollte man sich eine Mitschülerin oder Mitschüler suchen und paarweise händchenhaltend in das neue Klassenzimmer gehen. Dort setzte man sich beliebig auf eine blaue Schulbank. Die Klassenlehrerin begrüß te uns und hießuns willkommen. Sie sprachüber die Schule und Allgemeines. Ich erinnere mich, dass wir Äpfel gemalt haben. Also fand am ersten Schultag kein richtiger Unterricht statt. Am Ende der ersten Schulstunde haben alle Schülerinnen und Schüler einen Blumenstraußder Lehrerin auf den Pult gelegt und uns verabschiedet. Die Klassenlehrerin war sehr dankbar für die vielen Blumen.

Dann wurde ich noch auf der Schulbank fotografiert und noch vor der Schule .Dann sind wir nach Hause gefahren. Zu Hause hatte man später noch ein wenig gefeiert. Dieälteren Schüler haben noch zusammen den ersten Schultag gefeiert.

Wie fandest du deine Klassenlehrerin?

Elena: Unsere Klassenlehrerin war schon etwasälter und hatte früher viele Klassenübernommen. Sie ist mit uns freundlich umgegangen. Aber sie war auch etwas distanziert. Viele Lehrer in Russland sehen streng aus, aber wenn man sie besser kennenlernt, sind sie sehr zuvorkommend und hilfsbereit.

Was ist dir besonders am ersten September in Erinnerung geblieben?

Elena: Während der Einschulungszeremonie gab es laute und fröhlich Musik. Die Lehrer, die Eltern und die Schüler haben mitgesungen. Die Atmosphäre war ausgelassen.

Was ist deiner Meinung nach typisch für die Einschulung in Russland?

Elena: Typisch für die Einschulung ist, dass alle Schüler, egal ob Erstklässler oder die Schüler aus der elften Klasse, am ersten September den ersten Schultag nach den Sommerferien haben. Und alle Schüler gehen auf die gleiche Schule, d.h. es gibt eine Schule, die in drei Stufen eingeteilt ist. Dadurch wird dieser Tag zusammen gefeiert. Des Weiteren kleidet man sich am ersten September sehr festlich. Dieser Tag hat im Allgemeinen einen hohen Stellenwert. Typisch sind die Blumen, die der Klassenlehrerin am ersten Schultag geschenkt werden.

Darüber hinaus war die Schuluniform bis Mitte der Neunziger typisch. Auch ich trug ein braunes Kleid mit einer weißen Schürze sowie weiße Strumpfhose. Im Haar hatte ich ein weißes Band. Aber diese Uniform zog man als Erstklässlerin im Jahr 1994 nur am ersten Schultag an. Denn die Schuluniform gab es eigentlich in meiner Zeit nicht mehr, nur am ersten Tag war sie Pflicht. Heute ist es noch immer typisch, als Erstklässlerin ein weißes Band im Haar zu haben.

Außerdem spricht man die Klassenlehrerin seit dem ersten Schultag mit ihrem vollen Namen an, d.h. mit dem Vornamen und dann dem Vaternamen. Man achtet und respektiert die Lehrkräfte in Russland. Trotz der formellen Distanz ist das Verhältnis zwischen Schülern und den Lehrern meistens vertraut.

Danke, dass du dir Zeit genommen hast, um dieses Interview zu geben.

3.2 Interview mit einer 23-jährigen Deutschen

Hallo Stefanie, wo und wann wurdest du eingeschult?

Stefanie: Hallo, ich wurde 1994 in Nordrhein-Westfalen eingeschult. Es war ein Dienstag. Normalerweise ist der Schulbeginn am Montag, aber die Erstklässler werden erst einen Tag später eingeschult.

Wie hast du dich am ersten Schultag gefühlt?

Stefanie: Ich war am ersten Schultag aufgeregt und auf was Neues gespannt. Natürlich habe ich mich auf die Schultüte gefreut. Andererseits fühlte ich mich sicher, weil ich viele Kinder aus der Kita kannte.

[...]


1 Elena ist ein Pseudonym, da die Befragte anonym bleiben will.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Kulturelle Unterschiede bei der Einschulung in Russland und Deutschland. Ein Vergleich
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
35
Katalognummer
V321863
ISBN (eBook)
9783668214620
ISBN (Buch)
9783668214637
Dateigröße
1783 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kulturelle, unterschiede, einschulung, russland, deutschland, vergleich
Arbeit zitieren
N. B. (Autor), 2012, Kulturelle Unterschiede bei der Einschulung in Russland und Deutschland. Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321863

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