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Die Bedeutung des Medienkonsums für die Sozialisation von Kindern am Beispiel bundesdeutscher Talkshows - Eine empirische Analyse

Title: Die Bedeutung des Medienkonsums für die Sozialisation von Kindern am Beispiel bundesdeutscher Talkshows - Eine empirische Analyse

Scientific Essay , 2000 , 16 Pages

Autor:in: Privatdozent Dr. Sven Schneider (Author)

Communications - Movies and Television
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Nach einer Verortung des Fernsehkonsums innerhalb der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen widmet sich dieser empirische Beitrag den aktuellen Inhalten von TV-Talkshows. Grundlage sind die Inhalte sämtlicher zwischen dem März und Mai 1998 ausgestrahlten Talkshows der Sender RTL, SAT. 1 und ProSieben mit den Moderatoren Arabella Kiesbauer, Bärbel Schäfer, Ilona Christen, Jörg Pilawa, Vera Int-Veen, Sonja Zietlow und Hans Meiser. Als Indikator für die Inhalte wurden für insgesamt 428 Talkshows die jeweiligen Titel in einem Datensatz erfaßt und inhaltsanalytisch ausgewertet. Es folgt die deskriptive, univariate Analyse der Talkshowinhalte. In jeder vierten Talkshow geht es um soziale Konflikte (Trennung, Konflikte, Probleme mit der Partnerschaft). In einem weiteren knappen Viertel geht es um sexuelle Themen (Pornographie, Seitensprünge, sexuelle Affären, Sexualpraktiken, Exhibitionismus, Prostitution, Homosexualität, Promiskuität, Nymphomanie). Weitere bedeutende Themen sind sonstige negative Normabweichungen, Schwangerschaft, Intoleranz, Vorurteile und Aggression. Abschließend wird die Relevanz der Befunde für die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen thesenartig dargestellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Fernsehen als Sozialisationsagent

2. Talkshows im Nachmittagsprogramm

3. Daten und Methode

4. Ergebnisse

4.1 Soziale Konflikte

4.2 Sex und Sexualität

4.3 Schwangerschaft

4.4 Intoleranz / Vorurteile und Aggression / Gewalt

4.5 Aussehen und Süchte

4.6 Lebenskrisen

4.7 Sonstige negative Normabweichung und sonstige Themen

5. Einordnung der Ergebnisse und Relevanz für die Sozialisation

Zielsetzung und thematische Ausrichtung

Die Arbeit untersucht die inhaltliche Beschaffenheit von nachmittäglichen TV-Talkshows im deutschsprachigen Raum und analysiert deren potenzielle Auswirkungen auf die Sozialisationsprozesse von Kindern und Jugendlichen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, inwieweit die dort präsentierten Themen und dargestellten Normabweichungen als indirekte Sozialisationsinstanzen fungieren können.

  • Deskriptive Inhaltsanalyse von 428 Talkshow-Titeln
  • Kategorisierung der in Talkshows behandelten gesellschaftlichen Themen
  • Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Medieninhalten und Sozialisation
  • Evaluation des Einflusses von TV-Konsum auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen

Auszug aus dem Buch

Fernsehen als Sozialisationsagent

Wohl kaum ein anderer Bereich hat in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften (Pädagogik, Psychologie und Soziologie) eine derart zentrale Bedeutung wie die Sozialisation. Die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen ist mehrdimensional und wird über verschiedene Sozialisationsagenten - wie etwa die Familie oder die Schule - vermittelt (Habermas, 1971, 132). Typisch für die familiale und die schulische Sozialisation ist, daß sie zum einen intentional abläuft. Das heißt, daß der Sozialisationsagent (bspw. der Lehrer oder die Mutter) versucht, zielgerichtet und im Idealfall positiv auf die Entwicklung des Kindes einzuwirken. Die Erreichung des jeweiligen Sozialisationsszieles wird unterstützt durch die Möglichkeit, Kontroll- und Sanktionsmechanismen einzusetzen (Habermas, 1971, 140, Krebs, 1981).

In diesem Sinne kann dem Fernsehen lediglich der Status eines indirekten Sozialisationsagenten zugesprochen werden. „Wenn das Fernsehen hier als Sozialisationsagent angesprochen wird, dann im Hinblick darauf, daß beim Fernsehkonsum indirekte Sozialisationsprozesse stattfinden, die weder intendiert sind, noch mittels sozialer Kontrollmechanismen sanktionsiert werden können.“ (Krebs, 1981). Denn auch wenn Lernprozesse qua Konditionierung oder Trial-and-Error durch das Fernsehen nicht möglich sind, kann der Rezipient (jeden Alters) eine Vielzahl von Codes, Regeln, Verhaltensweisen und Normen anderer durch symbolische Kommunikation lernen. Diese sozialen Lernprozesse werden kognitiv gespeichert und können dauerhafte Handlungsorientierungen mit der Möglichkeit des Transfers auf zukünftige reale Situationen initiieren (Krebs, 1981).

Zusammenfassung der Kapitel

Fernsehen als Sozialisationsagent: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Einordnung des Fernsehens als indirekten Sozialisationsagenten und dessen Bedeutung für das soziale Lernen.

Talkshows im Nachmittagsprogramm: Hier wird der Bedarf für eine empirische Inhaltsanalyse von Talkshows begründet, da für dieses Genre bisher kaum wissenschaftliche Untersuchungen vorliegen.

Daten und Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen bei der Erhebung und Kategorisierung von insgesamt 428 Talkshow-Titeln im Zeitraum von März bis Mai 1998.

Ergebnisse: Das umfangreichste Kapitel präsentiert die statistische Auswertung der Themenvielfalt, wobei soziale Konflikte und sexuelle Themen den größten Raum einnehmen.

Einordnung der Ergebnisse und Relevanz für die Sozialisation: Das Fazit verknüpft die empirischen Befunde mit medienpädagogischen Ansätzen und warnt vor einer drohenden Kontrollverschiebung in der Erziehung.

Schlüsselwörter

Sozialisation, Medienkonsum, Talkshows, Medienwirkungsforschung, Sozialisationsagent, Medieninhaltsanalyse, soziale Konflikte, Sexualität, Fernsehen, Medienpädagogik, Normabweichung, Jugendliche, TV-Inhalte, Indirekte Sozialisation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, welche Themen in nachmittäglichen deutschen Talkshows dominieren und welche Rolle diese Medieninhalte als indirekte Sozialisationsinstanzen für Kinder und Jugendliche spielen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Talkshows?

Die Analyse zeigt, dass soziale Konflikte, sexuelle Themen, Schwangerschaft, Intoleranz, Gewalt sowie Lebenskrisen und negative Normabweichungen die Hauptinhalte bilden.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Relevanz der dargestellten Talkshow-Inhalte für die Sozialisation zu bestimmen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Eltern als Kontrollinstanz durch die Mediennutzung im Kinderzimmer zunehmend an Einfluss verlieren.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung verwendet?

Es wurde eine deskriptive, univariate Inhaltsanalyse durchgeführt, bei der die Titel von 428 Talkshows als Indikator für den Inhalt herangezogen und in einem Kategorisierungsschema ausgewertet wurden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten statistischen Auswertung und Präsentation der verschiedenen Themenkategorien, illustriert durch zahlreiche Fallbeispiele aus den Sendungstiteln.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Sozialisation, Medienkonsum, Talkshows, Medienwirkungsforschung, soziale Konflikte und Medienpädagogik.

Warum wird das Fernsehen im Gegensatz zur Schule als "indirekter" Sozialisationsagent bezeichnet?

Das Fernsehen ist indirekt, da es keine zielgerichteten, intentionalen Erziehungsbemühungen verfolgt und keine sozialen Kontroll- oder Sanktionsmechanismen besitzt, um die Wirkung der gesendeten Inhalte zu steuern.

Welche Konsequenz sieht der Autor in der sogenannten "Kontrollverschiebung"?

Der Autor warnt davor, dass durch das Vorhandensein von TV und Internet im Kinderzimmer die elterliche Interpretations- und Kontrollfunktion schwindet, wodurch das Kind den gezeigten normabweichenden Werten der Talkshows unkommentiert ausgesetzt ist.

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Details

Title
Die Bedeutung des Medienkonsums für die Sozialisation von Kindern am Beispiel bundesdeutscher Talkshows - Eine empirische Analyse
College
University of Heidelberg  (Institut für Soziologie)
Author
Privatdozent Dr. Sven Schneider (Author)
Publication Year
2000
Pages
16
Catalog Number
V322
ISBN (eBook)
9783638102322
ISBN (Book)
9783638781176
Language
German
Tags
Bedeutung Medienkonsums Sozialisation Kindern Beispiel Talkshows Eine Analyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Privatdozent Dr. Sven Schneider (Author), 2000, Die Bedeutung des Medienkonsums für die Sozialisation von Kindern am Beispiel bundesdeutscher Talkshows - Eine empirische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322
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