Die Bankenbranche im Lichte von Ökonomik, Moral und Recht

Ein Essay


Essay, 2016

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Problemstellung

2. Begriffsbestimmungen
2.1. Ökonomie
2.2. Moral
2.3. Recht

3. Fazit und Handlungsempfehlung

4. Literaturverzeichnis

1. Problemstellung

Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Berthold Brecht (1931)

Seit der Finanzkrise 2008 stehen Banken in der permanenten Kritik der Öffentlichkeit für ihre Geschäftspraktiken. Es seien im Folgenden nur drei Beispiele genannt, um deren moralische Verfehlungen zu verdeutlichen, die Liste ließe sich jedoch beliebig erweitern. Zum ersten ist der Absatz- und nicht beratungsorientierte Verkauf von zum Teil hochris- kanten und komplexen Produkten an Privatkunden zu nennen, von denen sich viele im Nachhinein als nicht krisensicher herausstellten. Der Teil- oder Totalverlust des inves- tierten Kapitals war für viele Anleger die Folge. Zweitens eine zweifelhafte Rolle von international agierenden Finanzdienstleistern in der Entwicklung und Beratung von Steu- ervermeidungsstrategien für deren vermögendes Privatkundenklientel oder institutionel- ler Kunden. Und last but not least die unsaubere Spekulation auf Kosten ganzer Länder. In diesem Zusammenhang sei beispielsweise auf die Investitionen und Manipulationen von Goldman & Sachs im Zusammenhang mit dem Eintritt und dem Verbleib Griechen- lands in der Eurozone verwiesen.

Nichtsdestotrotz scheinen Banken und sonstige Finanzdienstleister für unser System überlebensnotwendig zu sein, weswegen sie mit beachtlichen Finanzmitteln direkt ge- stützt wurden und werden. Aber auch die Stabilisierungsmaßnahmen für kriselnde Länder werden von vielen Experten als indirekte Stützung des ganzen Finanzsystems bezeichnet. Als Begründung hierfür wird die essentielle ökonomische Aufgabe des Zusammenbrin- gens von Angebot und Nachfrage auf dem Kapitalmarkt genannt. Offensichtlich sind die bestehenden Finanzinstitutionen trotz all ihrer Makel am besten geeignet, dies unter Ef- fizienzaspekten zu gewährleisten, weswegen eine grundlegende Neuordnung oder gar eine Verstaatlichung dieser Institutionen mehrheitlich abgelehnt wird. Diese ökono- mische Tatsache darf aber nicht davon ablenken, dass ein gewaltiger Reformbedarf be- steht. Der Staat hat die Aufgabe rechtliche Rahmenbedingungen zu ändern, nicht nur, um die moralischen Verfehlungen einzudämmen, sondern auch um den wirtschaftlichen Ver- werfungen, die sich daraus ergeben haben Herr zu werden bzw. diese in Zukunft zu ver- meiden. Es wird deutlich, dass hierfür eine Bewertung aus einer ganzheitlichen Perspek- tive sinnvoll ist, die das Verhältnis von Wirtschaft, Recht und Moral berücksichtigt. Da- her sollen im Rahmen dieser Arbeit zunächst grundlegende Begriffe herausgearbeitet werden und Probleme - soweit dies möglich ist - an Beispielen aus der Bankbranche verdeutlicht werden, bevor abschließend Handlungsempfehlungen gegeben werden.

2. Begriffsbestimmungen

Moral, Wirtschaft und Recht lassen sich den entsprechenden empirisch-rationalen Ein- zelwissenschaften Ethik, Ökonomik und Juridik zuordnen. Zu erörternde Fragen lassen sich also auf Grundlage der Moral-, Wirtschafts- oder Rechtsphilosophie erörtern. Es wird von dieser Ebene auch als Bereichslehre oder „zweiter Philosophie“ gesprochen. Diesen einzelnen Bereichen liegt die „erste Philosophie“, die auch als Fundamentalphi- losophie oder Grundlehre bezeichnet wird, zugrunde, die die Grundsätze der philosophi- schen Erkenntnisse aufstellt und auf der höchsten Abstraktionsstufe agiert. Die Bereichs- philosophien haben mit der „ersten Philosophie“ die rationale Perspektive gemein. Das heißt sie entspringen dem bloßen Denkvermögen.1 Freilich kann es auf der Bereichsebene zu unterschiedlichen Bewertungen kommen. Eine ökonomisch effiziente Handlung kann aus moralischer Sicht verwerflich sein. Zunächst sollen jedoch die Einzelbereiche näher beleuchtet werden.

2.1. Ökonomie

Wirtschaft kann als der „Funktionsbereich einer Gesellschaft der sich mit der Beschaf- fung, Produktion und Verteilung von Waren und Dienstleistungen beschäftigt“ definiert werden. Diese Güter werden für die Befriedung menschlicher Bedürfnisse benötigt, sind aber durch Knappheit gekennzeichnet. Dieser Bedarf und die Knappheit zwingen die Wirtschaftsakteure ökonomisch zu wirtschaften. Als grundlegendes Prinzip in diesem Zu- sammenhang gilt das Effizienzprinzip. Ein entscheidendes Ziel der Akteure ist des dem- nach ihre Kosten-Nutzen bzw. Aufwands-Ertrags-Relation zu optimieren.2 Wie bereits in der Problemstellung erwähnt leitet sich auch hieraus die Daseinsberechtigung unseres Fi- nanzsektors in seiner jetzigen Organisation aus gesamtgesellschaftlicher Sicht ab. Dessen vorwiegend privatwirtschaftliche und ökonomische Struktur sorgt in einer effizienten Art und Weise für eine Markträumung auf dem Kapitalmarkt. Diejenigen, die Kapital benö- tigen und die in der Lage sind, die damit verbundenen Kosten zu erwirtschaften, kommen mit denjenigen, die Kapital entsprechend ihrer Risikoneigung anlegen wollen und hieraus Erträge erzielen wollen, zusammen. Allerdings kann sich die Bewertung aus rein ökono- mischer Sicht auch als problematisch erweisen, wenn man aus der Nutzenoptimierungs- sicht der Finanzdienstleister argumentiert wird. Grundsätzlich lassen sich viele Vorteile wie beispielsweise Gesundheit oder Freiheit als Nutzen definieren, in diesem Zusammen- hang aber ist unter Nutzenoptimierung der Gewinn, der maximiert werden soll zu verste- hen. Aus ökonomischer Perspektive ist dies das Begehren, das befriedigt werden soll. Moralische oder rechtliche Aspekte spielen hierbei keine Rolle. Ein auf ausschließlich ökonomischen Grundlagen entscheidender Wirtschaftsakteur handelt nach dem Zweck seine Bedürfnisse zu befriedigen, in unserem Fall seinen Gewinn zu maximieren. Durch die Befriedigung dieses Zweckes entsteht Lust. Für die Wahl der Mittel ist dabei lediglich entscheidend, ob sie dem Zweck dienlich oder schädlich sind. In diesem Zusammenhang wird von der Wertfreiheit oder Neutralität des Effizienzprinzips gesprochen, da die Wahl der Mittel nur nach deren Zweckmäßigkeit eingeschätzt wird.

Die Problematik einer solchen zwar „wertfreien“ aber wohl doch verkürzten Denkweise lässt sich sehr gut am Beispiel der Deutschen Bank und dessen ehemaligen Vorstands- vorsitzenden Josef Ackermann verdeutlichen. Gab dieser doch unter seiner Ägide eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent als Ziel für das größte deutsche Geldinstitut aus. Aus rein ökonomischer Sicht waren die gewählten Mittel dem Zweck der Gewinnmaximie- rung völlig dienlich. Die Deutsche Bank entwickelte sich in Teilen zu einem Finanzinsti- tut angloamerikanischer Prägung, verdiente einen Großteil seiner Erträge im Investment- banking und schreckte wie sich im Nachhinein herausstellte auch vor illegalen Marktma- nipulationen nicht zurück. Zumindest kurzfristig gesehen gab der Erfolg Ackermann Recht, die Deutsche Bank glänzte mit Rekordgewinnen und er brüstete sich in seiner Amtszeit gerne damit, dass das Geldhaus in der Finanzkrise keinen Cent direkter, staatli- cher Unterstützung nötig hatte. Knapp vier Jahre nach seinem Rücktritt zeigt sich freilich ein etwas anderes Bild, die Bank muss mit vielen Problemen und Kosten kämpfen, die sich mit dem zum Teil rücksichtslosen Wirtschaften unter Ackermanns Ägide erklären lassen. Es darf in Zweifel gezogen werden, ob eine radikal ökonomisch-effiziente Sicht- weise langfristig Erfolg haben kann und als alleinige Grundlage unternehmerischen Han- delns herangezogen werden sollte. So war auch schon Ackermanns Vorgänger Alfred Herrhausen der Meinung, „(...) dass an dem Tag, an dem die Manager vergessen, daß eine Unternehmung nicht weiter bestehen kann, wenn die Gesellschaft ihre Nützlichkeit nicht mehr empfindet oder ihr Gebaren als unmoralisch betrachtet, wird die Unternehmung zu sterben beginnen.“ Im weiteren Vorgehen soll daher auf die Moral als Prinzip menschlichen und unternehmerischen Handelns eingegangen werden.

2.2. Moral

Kant definiert den höchsten Wert aus dem alle normativen Ansprüche an menschliches Handeln zu legitimieren sind als Sittlichkeit. Das Sittengesetz ist demnach die Grundlage der Moralität. Für dessen Erklärung muss zunächst der Mensch als endliches Vernunft- wesen im Unterschied zum Tier charakterisiert werden. Grundsätzlich kann jedes Wesen ob Mensch oder Tier einen Mangel empfinden. Gute Beispiele hierfür sind Hunger-, Durst- oder Kältegefühl. Es begehrt folglich Nahrung, Getränke etc. als geeignetes Mittel, um sein Begehren zu befriedigen und Lust zu empfinden. Das geeignete Mittel zeichnet sich also nicht durch einen Wert an sich aus, sondern nur im Zusammenhang mit der Befriedigung des Begehrens. In der Wahl der Mittel lassen sich drei Arten von Wesen unterscheiden: Das Tier, das verständige Tier und der Mensch. Das Tier zeichnet sich durch eine reine Instinktsteuerung aus. Vernunft oder Verstand spielen keine Rolle bei der Mittelwahl zu Lustmaximierung. Das verständige Tier dagegen ist in der Lage, seinen Verstand einzusetzen, indem es denkt, urteilt und Schlüsse zieht. Auf dieser Grundlage wählt es das geeignete Mittel zur Lustmaximierung. Wirklich frei ist es in seiner Ent- scheidung aber auch nicht. Der Mensch hingegen hat die Wahl, ob er sein sinnliches Be- gehren befriedigt und damit auf der Stufe des verständigen Tieres bleibt oder ob bei der Mittelwahl sein sittliches Begehren die entscheidende Rolle spielt und er als Homo rati- onale agiert. Ein einfaches Beispiel soll dies verdeutlichen. Kümmert sich der Neffe nur um seine entfernt verwandte, alleinstehende Tante weil er weiß, dass sie vermögend ist und auf ihr Erbe spekuliert, handelt er rein sinnlich. Sieht er es jedoch als seine Pflicht, sich um die alte Dame zu kümmern, da sie ganz alleine ist und auf ihn angewiesen, so ist sein Handeln sittlich begründet. Wichtig im Zusammenhang der Sittlichkeit ist, dass für den Neffen diese Pflicht autonom entsteht. Die Gesetze nach denen er handelt legt er sich selbst anhand seiner eigenen Vernunft auf. Würde er sich nur um die Tante kümmern, um gesellschaftlichen Konventionen - beispielsweise weil seine Eltern es ihm nahe gelegt haben - zu entsprechen, handelt er lediglich heteronom. Die Vernunft und Einsicht spielt in diesem Fall keine Rolle, da er die Gesetze anderer lediglich befolgt aber nicht zwin- gend deren Richtigkeit für sich einsehen muss. Folglich ist auch in diesem Fall sein Han- deln nur sittlich begründet. Laut Kant wählt der Mensch also die Maxime seines Begeh- rens, indem er entscheidet, ob er sinnlichem oder sittlichem Begehren nachgeht.3 Die ent- scheidende Frage hierbei ist, auf welcher Grundlage sich sittliches Handeln definieren lässt. Hierfür lässt sich dessen kategorischer Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Ma- xime durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.“4 her- anziehen. Entscheidend hierbei ist, dass der Wille eines Menschen und dessen Handlung eng miteinander verknüpft sind, wobei die Handlung sich nicht nur aus dem freien Willen ergibt. Neben der Freiheit, ist als weitere Eigenschaft das Gute zu wollen - unabhängig vom tatsächlichen Ergebnis - wesentlicher Bestandteils dieses Willens. Nur so kann sitt- liches Handeln und das zugrundeliegende Gesetz allgemein werden, sprich, das gleiche Handeln auch im Umkehrschluss von Gegenüber wollen zu würden.

In Bezug auf den Bankbereich fällt eine Analyse in Bezug auf sittliches Handeln schwer. Grundsätzlich ist festzustellen, dass einige Banken sich innerhalb der letzten Jahre bemü- hen, sich ein nachhaltigeres Image zu geben. Bestes Beispiel hierfür ist die Commerz- bank, die sich seit ihrer Rettung und Teilverstaatlichung um eine grundsätzliche Neuaus- richtung bemüht. Man will dort jetzt wieder „die Bank an Ihrer Seite“ sein und signalisiert mit der Wiederbelebung dieses alten Slogans, den die Bank ursprünglich von 1976 bis 2001 verwendete, einen Aufbruch zu neuen, nachhaltigen Ufern. In einer aufwendigen Werbekampagne wird versucht den Wertewandel der Bank zu vermitteln und man lässt dabei authentische Kundenbetreuer oder Filialleiter zu Wort kommen. Bei der Beratung solle nur noch das Kundewohl im Mittelpunkt stehen, komplexe, hochriskante Produkte wären aus dem Sortiment genommen oder nur noch geeigneten Kunden angeboten, die Bank sähe sich als Mittelstandsbank etc. Es darf zumindest angezweifelt werden, ob bei dieser Neuausrichtung moralische Aspekte oder gar der kategorische Imperativ eine ent- scheidende Rolle gespielt haben. Wahrscheinlicher scheint es, dass die bloße ökonomi- sche Notwendigkeit bedingt durch verlorenes Kundenvertrauen ein Umdenken erforderte. Es kann folglich bei dieser Neuausrichtung nicht von der eines vernunftbegabten Men- schen sondern lediglich eines verständigen Tieres im Sinne Kants gesprochen werden, auch wenn einige Maßnahmen sich mit moralischem Verhalten decken.

[...]


1 Vgl. Krug (1827), S. 284

2 Vgl. Traunitz (2008), S.223

3 Vgl. Kant (1785), 21 f.

4 Kant (1785), 60

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Bankenbranche im Lichte von Ökonomik, Moral und Recht
Untertitel
Ein Essay
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Lehrstuhl für BWL insbesondere internationales Management)
Veranstaltung
Wirtschaftsethik
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V322042
ISBN (eBook)
9783668213067
ISBN (Buch)
9783668213074
Dateigröße
845 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzkrise, Fehlberatung, Manipulationen
Arbeit zitieren
Diplom-Volkswirt Johannes Burger (Autor), 2016, Die Bankenbranche im Lichte von Ökonomik, Moral und Recht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322042

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