Laufen ist gesund. Laufen macht fit. Laufen ist ein guter Ausgleich zum stressigen Arbeitsleben. Laufen steht für eine gesunde Lebensführung. So oder so ähnlich sind die Konnotationen zu dem Begriff des Laufens – meist durchweg positiv. Wer viel läuft, muss demnach extrem gesund und fit sein.
Kann denn das Laufen auch negative Folgen haben? Ab wann läuft ein Mensch zu viel? Wann weicht das Gesunde dem Pathologischen? Wann wird Laufen zur Sucht und wie kann man diese diagnostizieren?
Die vorliegende Arbeit behandelt das Thema „Laufsucht“. Besonders problematisch ist bei dem Krankheitsbild der Laufsucht, dass es bislang keine international anerkannten Kriterien zur Diagnose einer solchen gibt. Die Laufsucht wurde bislang nicht in die einschlägigen Diagnosesysteme (DSM-5 sowie ICD-10) aufgenommen. Daher werden in der vorliegenden Bachelorarbeit die Diagnosekriterien einer Laufsucht anhand ausgewählter Studien aufgezeigt und dann mit den internationalen Kriterien für Verhaltenssucht bzw. stoffgebundener Abhängigkeit der „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems 10th Revision ICD-10“ (World Health Organization, 2015) und dem „Diagnostic and statistical manual of mental disorders (DSM 5)“ (American Psychatric Association, 2013) verglichen und ergänzt. Zielsetzung der Arbeit ist es also, die definitorischen Grundlagen und Diagnosekriterien für eine Laufsucht anhand der ausgewählten empirischen Arbeiten herauszuarbeiten und diese dann mit den international gültigen Diagnosekriterien für stoffgebundene Abhängigkeit und Verhaltenssucht zusammenzuführen, sodass das Krankheitsbild Laufsucht durch diese eindeutig aufgezeigt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Suchtbegriffes
2.1. Substanzgebundene Abhängigkeit
2.2. Rausch ohne Drogen - Verhaltenssucht
3. Theoriegeschichte der Laufsucht
3.1. „positive addiction“
3.2. „negative addiction“
3.3. „primary or secondary exercise addiction“
4. Literaturreview
4.1. Entwicklung und Validierung eines Messinstrumentes
4.2. Untersuchung der negativen Auswirkungen
5. Darstellung der ausgewählten Studien zum Thema Laufsucht
5.1. Studien zur Entwicklung von Messinstrumenten
5.2. Studien zu den negativen Auswirkungen
6. Zwischenfazit - Kriterien aus den dargestellten Studien
6.1. Studien zur Entwicklung von Messinstrumenten
6.2. Studien zu den negativen Auswirkungen
7. Weitergehende Untersuchung und Ableitung der Diagnosekriterien
7.1. Grundlegende Kriterien der international gültigen Diagnosesysteme
7.2. Diskussion der dargestellten Diagnosekriterien
7.2.1. Eingeschränkte Steuerung
7.2.2. Soziale Beeinträchtigung
7.2.3. Riskante Einnahme
7.2.4. Pharmakologische Kriterien
7.2.5. Weitere Kriterien
7.3. Ableitung der Diagnosekriterien
8. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit verfolgt das Ziel, basierend auf einer Untersuchung ausgewählter empirischer Studien, Diagnosekriterien für das Krankheitsbild der Laufsucht zu erarbeiten. Dabei werden diese Kriterien mit den international anerkannten Standards für stoffgebundene Abhängigkeit und Verhaltenssucht (gemäß ICD-10 und DSM-5) abgeglichen, um eine fundierte wissenschaftliche Einordnung des Phänomens zu ermöglichen.
- Abgrenzung von stoffgebundener Abhängigkeit und Verhaltenssucht
- Analyse der Theoriegeschichte und Definitionen der Laufsucht
- Systematische Literaturrecherche und Auswertung empirischer Studien
- Kritische Diskussion und Ableitung von Diagnosekriterien
Auszug aus dem Buch
3.1. „positive addiction“
Das Phänomen der Sportsucht bzw. „exercise addiction“ wurde erstmals in einer Publikation von Baekeland (1970) behandelt. Er führte ein Experiment von Effekten der Sportdeprivation durch, an dem einige Sportler trotz finanzieller Entschädigung nicht teilnehmen wollten, da die Teilnahme einen Trainingsverzicht bedeutet hätte (vgl. Baekeland, 1970, S. 365 ff. , vgl. auch Bette & Gugutzer, 2002, S.108; Breuer & Kleinert, 2009, S. 191 f.; Grüsser & Thalemann, 2006, S. 97). Baekeland (1970) schloss daraus, dass es zu einer suchtähnlichen Abhängigkeit von exzessiven Sporttreiben bei diesen Akteuren gekommen ist. Glasser (1976) definierte erstmalig die Sportsucht als „positive addiction“.
It seemed that a positive addiction was something a person chose to do, did by himself/herself, and did it on a regular basis. Then sometime later, the person who became so hooked into doing it that if he/she tried to stop it, he/she suffered withdrawal symptoms. On the other hand, unlike common addictions like alcohol and other drugs, gambling, and overeating, this was an positive addiction in that it undoubtedly made the person stronger (Glasser, 1977, S. 5).
Sportsucht, unter die auch die Laufsucht fällt, stellt für Glasser (1976) eine positive Sucht dar, da diese dem Betroffenen psychischen und physischen Nutzen bringt anstatt ihm zu schaden. Positive Sucht entsteht demnach durch Aktivitäten wie Laufen, die gut für den Menschen sind, wohingegen eine negative Sucht durch schädliche Stoffe wie Drogen entsteht (vgl. Grüsser & Thalemann, 2006, S.97).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Laufsucht ein und erläutert die Problematik der fehlenden international anerkannten Diagnosekriterien.
2. Definition des Suchtbegriffes: Dieses Kapitel differenziert zwischen stoffgebundener Abhängigkeit und der Verhaltenssucht.
3. Theoriegeschichte der Laufsucht: Es werden zentrale Konzepte wie „positive addiction“ und „negative addiction“ zur historischen Einordnung dargestellt.
4. Literaturreview: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen bei der Suche nach empirischen Studien und deren Einteilung in Themenbereiche.
5. Darstellung der ausgewählten Studien zum Thema Laufsucht: Hier werden die Studien zur Fragebogenentwicklung sowie zu negativen Auswirkungen detailliert betrachtet.
6. Zwischenfazit - Kriterien aus den dargestellten Studien: Es erfolgt eine Zusammenfassung der aus den Studien extrahierten Kriterien und Suchtindizien.
7. Weitergehende Untersuchung und Ableitung der Diagnosekriterien: Die empirischen Ergebnisse werden mit internationalen Diagnosesystemen verglichen, um Diagnosekriterien abzuleiten.
8. Fazit und Ausblick: Das Kapitel schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung des Krankheitsbildes und gibt Anregungen für zukünftige Forschung.
Schlüsselwörter
Laufsucht, Sportsucht, Verhaltenssucht, Diagnosekriterien, Ausdauersport, stoffungebundene Abhängigkeit, Entzugserscheinungen, Fragebogenentwicklung, Laufverhalten, psychosoziale Auswirkungen, Sportpsychologie, Exercise Addiction, negative addiction, positive addiction, sportliche Belastung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Krankheitsbild der „Laufsucht“, um Diagnosekriterien auszuarbeiten, da es hierfür bislang keine international anerkannten Standards gibt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Definition von Sucht im Allgemeinen, die Abgrenzung von Verhaltenssüchten, die Analyse empirischer Studien zur Laufsucht sowie der Abgleich mit internationalen Diagnosesystemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die definitorischen Grundlagen und Diagnosekriterien für die Laufsucht anhand empirischer Arbeiten herauszuarbeiten und diese mit den Standards für Verhaltenssucht zusammenzuführen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer systematischen Untersuchung und Auswertung ausgewählter empirischer Studien zum Thema Laufsucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Theoriegeschichte, das Literaturreview, die detaillierte Darstellung ausgewählter Studien zur Messinstrumenten-Entwicklung und negativen Auswirkungen sowie die Herleitung von Kriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Laufsucht, Sportsucht, Verhaltenssucht, Diagnosekriterien, Ausdauersport und Entzugserscheinungen charakterisiert.
Welche Rolle spielen die Entzugserscheinungen bei der Diagnose?
Entzugserscheinungen werden als ein zentrales Kriterium angesehen, das bei Laufsüchtigen nach kurzzeitiger Abstinenz physischer oder psychischer Art auftreten kann.
Warum ist die Abgrenzung zur sekundären Laufsucht wichtig?
Die sekundäre Laufsucht tritt oft als Begleiterscheinung einer Essstörung auf; die Arbeit konzentriert sich jedoch primär auf die eigenständige („primäre“) Form der Laufsucht.
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- Sabrina Wicht (Author), 2016, Laufsucht. Untersuchung ausgewählter Studien zur Ableitung der Diagnosekriterien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322209