Diese Arbeit hat das Ziel, die Einstufung Kolumbiens kritisch zu beleuchten und die einzelnen Staatsaufgaben zu untersuchen und am Ende ein Urteil zu fällen, ob Kolumbien tatsächlich noch ein failing state ist und in welchen Bereichen und in welchem Grade. Zur Recherche und Untermauerung meiner Arbeit befinde ich mich vor Ort in der kolumbianischen Großstadt Cali.
Der jährlich vom fund for peace veröffentlichte fragile states index stufte Kolumbien im vergangenen Jahr 2015 als das gefährdetste Land Südamerikas ein.
Auf lateinamerikanischer Ebene ausgeweitet kann hierbei nur noch Guatemala mithalten, welches wie auch Kolumbien in die high-warning-Kategorie eingestuft wurde. Kolumbien ist ein Dritteweltland und Armut und Gewalt kennzeichnen das Land noch immer. Andererseits wird die Regierung Kolumbiens als eine der fortschrittlichsten und westlich ausgerichtesten der lateinamerikanischen Region bezeichnet. Das Land selbst hat in den letzten Jahren ein hohes Wirtschaftswachstum verzeichnet und wird oftmals als großer Hoffnungsträger Lateinamerikas bezeichnet, welchem das Potenzial zugesprochen wird, eine führende politische und wirtschaftliche Macht zu werden und die gewalttätige Vergangenheit hinter sich zu lassen. Trotz dieser positiven Veränderungen der letzten Jahre wurde Kolumbien als kritischstes Land Südamerikas in Bezug auf den Staatszerfall bewertet. Es stellt sich die Frage, wie diese gegensätzlichen Entwicklungen einhergehen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Gang der Arbeit
2. Was ist ein failing state?
2.1 Definition „failing state“
2.2 Definition „Staat“
3. Aufgaben des Staates - Theorie
3.1 Sicherheit
3.1.1 Definition und Aufgabe
3.1.2 Die zwei Dimensionen von Sicherheit
3.2 Wohlfahrt
3.3 Legitimität
4. Aufgaben des Staates – Praktische Umsetzung
4.1 Sicherheit
4.1.1 Sicherung des Gewaltmonopols
4.1.2 Erfüllung des positiven Rechts
4.1.3 Terrorismus- und Verbrechensbekämpfung
4.2 Wohlfahrt
4.2.1 Bildung
4.2.2 Gesundheitssystem
4.2.3 Armutsbekämpfung
4.3 Legitimität
5. Resumée
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch, ob und in welchem Grad Kolumbien als "failing state" eingestuft werden kann. Hierzu werden die zentralen Staatsaufgaben Sicherheit, Wohlfahrt und Legitimität theoretisch definiert und anschließend anhand der aktuellen politischen und sozioökonomischen Situation in Kolumbien praktisch evaluiert.
- Theoretische Fundierung von Staatszerfall und Staatsaufgaben
- Analyse der Sicherheitslage und des Gewaltmonopols
- Evaluation des Bildungssystems und der Gesundheitsversorgung
- Untersuchung der Armutsentwicklung und sozialen Ungleichheit
- Bewertung der staatlichen Legitimität im Kontext des Friedensprozesses
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Sicherung des Gewaltmonopols
Über Jahrzehnte hinweg kontrollierten die Guerrillagruppen der FARC (fuerzas armadas revolucionarias de colombia – zu deutsch: Bewaffnete revolutionäre Gruppen Kolumbiens) auf der einen Seite und paramilitärische Gruppen mit seinem Dachverband AUC (autodefensas unidas de colombia – zu deutsch: Selbstverteidigungseinheiten Kolumbiens) auf der anderen ganze Städte und Gebiete. Vor allem die paramilitärische Bewegung wurde von der Bevölkerung oftmals gutgehiesen und unterstützt, da diese ihnen Schutz vor Überfällen der terroristischen FARC boten. Im Gegenzug baute ein Großteil der Bevölkerung eine enge Loyalitätsbeziehung zu der rechtsgerichteten Bewegung auf, die der Regierung indess vorenthalten blieb.
Im Jahre 2006 wurde die Demobilisierung der paramilitärischen Gruppen im Land offiziell abgeschlossen, es wird aber vermutet, dass diese noch weiterhin – wenn auch deutlich reduziert – bestehen. Auch die Zahl und Präsenz der Guerrillakämpfer hat sich spürbar reduziert. Nach Mutmaßen der Bevölkerung Kolumbiens sind diese jedoch noch immer vor allem dort anzutreffen, wo viel Geld zu holen ist, so z.Bsp. In Buenaventura, einem großen Handelshafen an der Westküste des Landes und an den Grenzen zu Panama, Venezuela und Ecuador, den größten Kokaanbaugebieten, welche versteckt und abgeschottet durch den Regenwald und – so munkelt man – geschützt durch die Regierung der Nachbarländer weiter existieren.
Auch der 2010 stattgefundene Regierungswechsel mit der Ernennung Juan Manuel Santos zum neuen Präsidenten Kolumbiens hat dazu geführt, dass der kolumbianische Staat sein Gewaltmonopol zurückerlangte, während die vorherige Regierung um Alvaro Uribe stets mit Korruption und Verbrüderung sowohl mit der FARC als auch dem Paramilitär in Verbindung gebracht wurde. Seit dem Amtsantritt Santos hat die Regierung dem Terrorismus offiziell den Kampf angesagt und alle Kräfte mobilisiert, die zur Befriedung des Landes und der Sicherung des Gewaltmonopols beitragen sollen. Ich schließe daraus, dass die Sicherung des Gewaltmonopols in Kolumbien weitestgehend wieder hergestellt wurde, obwohl die Korruption in den Rängen der Politik und Regierung sicherlich weiterhin besteht und es einer weiteren starken Vorgehensweise gegen Vetoplayer bedarf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Einstufung Kolumbiens als "failing state" ein und erläutert das Ziel sowie den Gang der wissenschaftlichen Arbeit.
2. Was ist ein failing state?: In diesem Kapitel werden die theoretischen Begrifflichkeiten des "failing state" sowie des modernen Staatsverständnisses nach Max Weber geklärt.
3. Aufgaben des Staates - Theorie: Hier werden die drei theoretischen Kernaufgaben eines Staates – Sicherheit, Wohlfahrt und Legitimität – wissenschaftlich definiert und erläutert.
4. Aufgaben des Staates – Praktische Umsetzung: Dieses Kapitel prüft die theoretischen Staatsaufgaben an der konkreten Situation in Kolumbien, unterteilt in Sicherheit, Wohlfahrt und Legitimität.
5. Resumée: Das Resumée fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass trotz Fortschritten die Herausforderungen für eine Stabilität in Kolumbien weiterhin bestehen.
Schlüsselwörter
Kolumbien, failing state, Staatszerfall, Sicherheit, Wohlfahrt, Legitimität, Gewaltmonopol, FARC, Armutsbekämpfung, Bildungssystem, Gesundheitssystem, soziale Ungleichheit, Friedensprozess, Rechtsstaatlichkeit, Staatsaufgaben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Frage, ob Kolumbien angesichts seiner komplexen Geschichte und aktuellen politischen Lage als gescheiterter Staat ("failing state") zu klassifizieren ist.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Die zentralen Felder sind die Sicherheitslage, die staatliche Wohlfahrt (insbesondere Bildung, Gesundheit und Armutsbekämpfung) sowie die Legitimität der Regierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Einstufung Kolumbiens kritisch zu hinterfragen und zu beurteilen, in welchen Bereichen und in welchem Ausmaß der kolumbianische Staat seine Aufgaben erfüllt oder Defizite aufweist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Definition von Staatsaufgaben als Analyseinstrument und stützt sich auf Literaturquellen, statistische Daten sowie persönliche Eindrücke aus Feldforschung vor Ort.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition der Staatsaufgaben und deren praktische Umsetzung durch den kolumbianischen Staat unter Berücksichtigung historischer und aktueller Entwicklungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind failing state, Gewaltmonopol, soziale Ungleichheit, Friedensprozess und staatliche Legitimität.
Wie bewertet die Autorin die Auswirkungen der Friedensverhandlungen mit der FARC?
Die Autorin stellt die Ambivalenz der Bevölkerung dar: Einerseits den Wunsch nach Befriedung nach Jahrzehnten des Terrors, andererseits die Kritik an der mangelnden Bestrafung für begangene Verbrechen.
Welche Rolle spielt die soziale Kluft bei der Analyse des Staates?
Die soziale Kluft zwischen Stadt und Land wird als zentrales Problem identifiziert, das sich wie ein roter Faden durch alle untersuchten Bereiche der Staatsaufgaben zieht.
- Arbeit zitieren
- S. K. H. (Autor:in), 2016, Ist Kolumbien tatsächlich noch ein failing state? Eine kritische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322323