Die Schönbornkapelle am Kiliansdom zu Würzburg


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2015

15 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I Einleitung ... 3

II Entstehung und städtebaulicher Kontext ... 4

III Beschreibung ... 6

III.I Das Äußere ... 6

III.II Das Innere ... 9

IV Analyse ... 11

IV.I Architektur Schönbornkapelle ... 11

IV.II Die Schönbornkapelle in der Tradition früherer Grabbauten ... 12

V Literaturverzeichnis ... 15

I Einleitung

Die vorliegende Arbeit behandelt die ab 1721 unter wesentlicher Beteiligung von Balthasar Neumann am Würzburger Kiliansdom errichtete Schönbornkapelle. Nach einer Erläuterung der Entstehungsgeschichte und der Einbindung in den städtebaulichen Kontext1 zwischen Residenz und Kiliansdom, folgt eine Beschreibung der Architektur im Inneren wie im Äußeren. Im Anschluss sollen die von den beteiligten Baumeistern gefundenen architektonischen Lösungen analysiert werden, bevor die Stellung der Schönbornkapelle im Kontext einer jahrtausendealten Mausoleums- und Grabkapellenkultur in Europa abschließend betrachtet werden soll. Im Besonderen soll in dieser Arbeit auf die Eigenheiten der Raumschöpfung Neumanns eingegangen werden, in der er Mittel- und Nebenräume in drei Raumkompartimenten harmonisch ineinander übergehen lässt. Immer wieder findet die so geschaffene Grabkapelle Erwähnung in Überblickswerken zu Balthasar Neumanns baulichem Schaffen. Während dies jedoch meist auf einige wenige grundlegende Informationen und Seiten begrenzt ist, geht Walter Boll in seiner 1922 erschienen Monographie „Die Schönbornkapelle am Würzburger Dom“ weit darüber hinaus und widmet sich in 164 Seiten eingehend vor allem der Frage nach der Beteiligung Balthasar Neumanns, bzw. der von Maximilian von Welsch und Johann Lucas von Hildebrandt.2 Während die Frage nach dem hauptverantwortlichen Baumeister der Schönbornkapelle ansonsten recht gerne pauschal mit dem Namen des barocken Stararchitekten schlechthin, mit Balthasar Neumann beantwortet wird, kommen Bolls Untersuchungen bauzeitlicher Quellen zu einem sehr viel differenzierteren Ergebnis.

Um den Anteil Neumanns am kreativen Prozess und dem so entstandenen Gebäude näher zu kommen, bietet es sich an, zunächst die historischen und auch städtebaulichen Vorbedingungen zur Entstehung einer Schönbornschen Grabkapelle an der Giebelseite des Domquerschiffes, auf die ich im Folgenden eingehen möchte, zu betrachten.

II Entstehung und städtebaulicher Kontext

Johann Philipp Franz von Schönborn3, der 1719 Fürstbischof zu Würzburg wurde und im Jahr darauf sogleich mit dem Bau der Residenz begann, ließ daraufhin 1721 die Errichtung der Schönbornkapelle folgen. Vorgesehen als dynastische Grablege der Fürstbischöfe aus dem Hause Schönborn, sollte sie einen älteren und nicht dokumentierten Grabbau an der Nordwand des Domquerhauses ersetzen. 4 Die Bauzeit des noch heute im Besitz der Grafen Schönborn befindlichen Kapellenbaus, zog sich nach einer unfreiwilligen Baupause 1724-1729 bis 1736 hin, als sie schließlich vom nachfolgenden Schönbornschen Bauherrn auf dem fürstbischöflichen Thron, Karl von Schönborn, geweiht werden konnte.5 Synchron mit der fürstbischöflichen Residenz errichtet, kamen dort beschäftige Hofkünstler wie Claude Curré oder Johann Georg Oegg auch an der Schönbornkapelle zum Einsatz. 6 Da es mehrere, sich zum Teil erstaunlich ähnelnde Entwürfe zum Bau der Schönbornkapelle von Maximilian von Welsch, Johann Lucas von Hildebrandt und Balthasar Neumann gibt, muss der Anteil des fränkisches Stararchitekten an den Planungen, dem der Bau allzu gerne zugeschrieben wird, angezweifelt werden. Die grundsätzlichen Pläne für das Gebäude, mit denen man 1721 mit dem Bauen begann, stammen wohl von dem auch an der Residenz beteiligten Johann Maximilian von Welsch sowie von Johann Lucas von Hildebrandt.7 Als fürstbischöflicher Baumeister leitete Balthasar Neumann das Bauprojekt vom Baubeginn 1721 bis zur Fertigstellung 1736. 8 Seinen direkten Einfluss auf die konkrete bauliche Umsetzung der Pläne nutzte Balthasar Neumann für kleinere, aber dafür umso wirkungsvollere Änderungen, die vor allem im Inneren zum Tragen kommen. Am Außenbau sind es vor allem die geänderten Gewände der Kuppelfenster als auch die neu hinzugefügten Fensteröffnungen der Attikazone, mit denen sich Neumanns Ausführung vom Entwurf Johann Lucas von Hildebrandts unterscheidet.9

Daneben sind es die nun freistehenden Säulen des Portals, die im Entwurf noch als Pilaster dargestellt sind und einen ersten Hinweis auf Neumanns Umgestaltung im Inneren geben. Statt wie im Entwurf Johann Lucas von Hildebrandts vorgesehen, die Vierungspfeiler mit vorgeblendeten Halbsäulen zu kaschieren, ersetzt Neumann diese durch Paare freistehender Säulen. Anstelle durch voluminöse Vierungspfeiler klar voneinander abgegrenzte Raumkörper zu erzeugen, löst Neumann durch seine freistehenden Säulenpaare die bestehenden Räume auf in einen großen, durch eine Säulen- und Pilasterordnung dynamisierten Raum. Um die Vorbedingungen zur Entstehung dieses revolutionären Grabbaus zu verstehen, empfiehlt es sich, die städtebauliche Situation der Bauzeit zu betrachten. In ihrer Funktion als Bestattungsort stand die Schönbornkapelle in früherer Zeit nicht ganz so einsam da wie das dichte bauliche Umfeld es heute vermuten lässt. Als Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn den Grabbau errichten ließ, wurde der Bereich zwischen Dom, Neumünster und Alter Kanzlei bereits seit Jahrhunderten als Friedhof genutzt. Der heute dort befindliche Kiliansplatz ist erst am Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden, als dieser vielleicht früheste Friedhof der Stadt Würzburg mit der Erschließung einer größeren Begräbnisstätte am Rand der Altstadt obsolet wurde.10 Der Hauptfassade gegenüber befand, und befindet sich bis heute ein Adelspalais, das den Blick auf die Kapelle insofern erschwert, als dass man die Front an sich nur aus relativ geringer Entfernung oder eben von der Seite her betrachten kann. Was heute als Engstelle erscheint, muss im Kontext der vielen engen Gassen im Vorkriegs-Würzburg, wie der angrenzenden Martinsgasse, dem bauzeitlichen Betrachter als eine eher lichte Stelle im Stadtgefüge aufgefallen sein. Die Verbindung zwischen der Schönbornkapelle und der fürstbischöflichen Residenz beschränkt sich dabei nicht nur auf Bauzeit, Baumeister und den Bauherrrn Johann Philipp Franz von Schönborn; sie ist vielmehr wörtlich zu nehmen. Zwischen der Ostseite der Schönbornschen Grabkapelle und dem Mittelbau der Residenz ist mit der Hofstraße eine ungebrochene Blickachse ermöglicht worden, sodass der Bauherr von seinem Wohn- und Amtssitz auch die Baugruppe aus Dom, Neumünster und natürlich die Grabkapelle jederzeit vor Augen haben konnte.11, 12

Sie erscheint hier wie die steingewordene Ausführung des im Barock, vor allem in der Malerei, äußerst beliebten Memento Mori-Themas. In ihrer Zwischenstellung bildet die Schönbornkapelle auch eine Überleitung vom romanischen Kiliansdom zum barocken, 1711-1716 errichteten Neumünster und lässt in ihrer vergleichsweise kleinen Dimensionierung die Neumünsterkirche13 noch monumentaler erscheinen.

III Beschreibung

III.I Das Äußere

In ihrer ganzen Breite ist der Kapellenbau an die Giebelseite des nördlichen Armes des Domquerschiffes angebaut. An der Hauptfassade tritt der Bau in einer Fluchtlinie mit dem Domquerschiff mit einem breiten Mittelrisalit hervor. Das Gebäude setzt sich zusammen aus einer sehr hohen Sockelzone, aus der die Postamente der darüber aufsteigenden Pilaster plastisch hervortreten. Diese führen die Vertikalbewegung über die Mittelzone bis zum Gebälk hinauf, das einen Zahnschnittfries trägt. Als Gegenpart zur hohen Sockelzone erhebt sich nun über dem Gebälk eine ebenso gewaltige Attikazone, in der die Pilaster als Lisenen ihre Fortsetzung finden. Ebenso wie die Hauptzone ist die Attika durchfenstert: Beide Rücklagen der Hauptfassaden als auch die Schmalseiten des Gebäudes haben in ihrer Mitte jeweils eine hochrechteckige, halbrund abschließende Fensteröffnung. An West- und Ostseite werden sie von je zwei, an der Hauptfassade von je einem Pilaster gerahmt.

[...]


1 Eine ausführliche Analyse der städtebaulichen Entwicklung findet sich in: Baureferat Stadt Würzburg(Hg.): Stadtbild Würzburg. Eine Analyse im Rahmen der vorbereitenden Untersuchung zur Stadtsanierung, Würzburg 1997.

2 Boll, Walter : Die Schönbornkapelle am Würzburger Dom : Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des XVIII. Jahrhunderts, München 1925.

3 Ausführliche des Lebensbeschreibung in: Scherf, Andreas: Johann Philipp Franz von Schönborn. Bischof von Würzburg (1719-1724), der Erbauer der Residenz, München 1930.

4 Es handelte sich um die sogenannte Crispinikapelle (Boll 1925, S. 26).

5 Boll 1925, S. 38-52.

6 Reuther 1960, S. 107.

7 Hansmann 2003, S. 71-74.

8 Boll 1925, S. 23-24.

9 Hansmann 2003, S. 71-74.

10 V. Freeden, 1937, S. 47.

11 In Luftlinie zum Haupteingang der Residenz beträgt der Abstand etwa 450 Meter.

12 Ausführlichere Darstellung zur Entstehung der Hofstraße in: V. Freeden, Max H.: Balthasar Neumann als Stadtbaumeister, Würzburg 1978, S. 49-52.

13 Die Fassade der Neumünsterkirche ist auf den unter Balthasar Neumann auch an der Residenz beteiligten Johann Dientzenhofer zurückzuführen.

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Details

Titel
Die Schönbornkapelle am Kiliansdom zu Würzburg
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V322326
ISBN (eBook)
9783668212534
ISBN (Buch)
9783668212541
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schönbornkapelle, kiliansdom, würzburg
Arbeit zitieren
Symon Johannes Schirmer (Autor:in), 2015, Die Schönbornkapelle am Kiliansdom zu Würzburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322326

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