Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem von zahlreichen Orts-, Tätigkeits- und Genrewechseln geprägten Lebenslauf und Ouevre des 1660 in der Schweiz geborenen Künstlers Johann Rudolf Byss. Einhergehend mit der chronologischen Nachzeichnung der Etappen eines Lebens zwischen der Schweiz, Böhmen, Österreich und Franken, sollen auch die jeweils geschaffenen Hauptwerke dargestellt werden. Einen besonderen Schwerpunkt will ich dabei auf die fränkischen Werke des außergewöhnlich vielseitig tätigen Künstlers legen. Damit einhergehend soll auch die Künstlerpersönlichkeit Byss selbst im Kontext der Zeit und anderer Künstler betrachtet und eingeordnet werden. Einen ersten Versuch mit diesem Ziel hat 1769 bereits der Schweizer Maler und Kunsttheoretiker Johann Caspar Füßli in einem Überblickswerk zu Schweizer Künstlern unternommen.
In dem Artikel zu Leben und Werk bemängelt der Autor an Byss‘ Malerei unter anderem Schwächen in der realistischen Darstellung von Figuren sowie an der farblichen Komposition seiner Gemälde. Wovon in der Folge offenbar manche Auseinandersetzung mit dem Landsmann inspiriert ist, sodass Byss in der Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts häufig übertrieben kritisch beurteilt wird. Dennoch attestiert Füßli Byss‘ Werk manch positive Aspekte, so z.B. die inhaltliche Komplexität von dessen Bildkompositionen. Ganz erheblich wohlmeinender erscheint da ein 1854 im Neujahrsblatt des Kunstvereins Solothurn veröffentlichter Artikel, der von Lokalpatriotismus geprägt, Byss Werk und Persönlichkeit in den schillerndsten Farben darstellt.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Aufstieg in Prag
III Berufung nach Bamberg
IV Schloss Weissenstein, Pommersfelden
V Schloss Schönborn, Göllersdorf
VI Würzburg
VII Summa
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert den Lebenslauf und das künstlerische Schaffen von Johann Rudolf Byss unter besonderer Berücksichtigung seiner Tätigkeit in Franken, wobei sein Wirken als Maler, Kurator und Innovator im Kontext des barocken Kunstbetriebs analysiert wird.
- Chronologische Analyse des Lebenswegs zwischen Schweiz, Böhmen, Österreich und Franken.
- Untersuchung der künstlerischen Entwicklung und der Vielseitigkeit des Oeuvres von Byss.
- Kritische Aufarbeitung der bisherigen Rezeptionsgeschichte und Zuschreibungen.
- Dokumentation der Bedeutung als kuratorische Instanz und Vermittler barocker Bildprogramme.
- Würdigung seiner innovativen Rolle als Mitbegründer einer protoindustriellen Ornamentgießerei.
Auszug aus dem Buch
IV Schloss Weissenstein, Pommersfelden
Wann genau der von Prag nach Bamberg gezogene Byss nun weiter nach Pommersfelden reist, wo ebenjener Lothar Franz von Schönborn ab 1711 das Schloss Weissenstein als Sommerresidenz errichten lässt, ist nicht belegt. Bis 1715 die vom Fürstbischof gesammelten Bilder in einer Galerie aufgehängt werden, ist Byss jedoch sicherlich an seiner neuen Wirkungsstätte angelangt.
Ein 1719 von Byss erstellter Katalog der gesammelten Tafelbilder wie auch der in Pommersfelden verwirklichten Fresken belegt dabei die intellektuelle Beschäftigung Byss‘ mit der Sammlung seines Herrn. In dem von Hofdrucker Johann Gerhard Kurtz im Druck vervielfältigten Katalog sind alle Werke mit Angabe der Räume, einer Maßangabe in Nürnberger Schuh sowie mit einer kurzen Beschreibung verzeichnet. Byss tituliert sich darin selbst als Schöpfer der Malerein des Treppenhauses, des Vestibüls, des Kabinetts eines Alkovenzimmers, des Kaiserzimmers und einer Sattelkammer.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Diese Einleitung führt in das Leben des Künstlers Johann Rudolf Byss ein, ordnet ihn in seinen zeitgenössischen Kontext ein und skizziert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Werk.
II Aufstieg in Prag: Das Kapitel beleuchtet die frühen Jahre von Byss in Prag, seine Ausbildung sowie den rasanten künstlerischen Aufstieg innerhalb der Prager Malerzunft.
III Berufung nach Bamberg: Hier wird der Wechsel von Byss in den Dienst des Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn und seine vielfältige Rolle als Künstler, Berater und Kurator behandelt.
IV Schloss Weissenstein, Pommersfelden: Dieses Kapitel widmet sich den Fresken und der kuratorischen Arbeit von Byss im Schloss Weissenstein sowie seiner intellektuellen Auseinandersetzung mit den Bildprogrammen.
V Schloss Schönborn, Göllersdorf: Im Fokus stehen hier die erhaltenen Secco-Malereien und die architektonischen sowie dekorativen Aufgaben von Byss im Schloss Schönborn in Österreich.
VI Würzburg: Dieser Abschnitt beschreibt die Tätigkeit von Byss bei der Ausstattung der Schönbornkapelle und der Würzburger Residenz, inklusive der Etablierung seiner Ornamentgießerei.
VII Summa: Das abschließende Kapitel fasst die Bedeutung von Byss als Universalist und Innovator des 18. Jahrhunderts zusammen und fordert eine differenzierte Neubewertung seines Wirkens.
Schlüsselwörter
Johann Rudolf Byss, Barock, Freskenmalerei, Pommersfelden, Würzburger Residenz, Lothar Franz von Schönborn, Ornamentgießerei, Stillleben, Altmanni-Saal, Schönbornkapelle, Kunstgeschichte, Balthasar Neumann, Bildprogramm, Hofmaler, Zinnornamente.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Biografie und dem künstlerischen Oeuvre von Johann Rudolf Byss, wobei sein Werdegang vom Maler in Prag bis zu seiner maßgeblichen Rolle bei der Ausgestaltung fränkischer Schlösser untersucht wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die Freskenmalerei, die Arbeit als Hofmaler und Kurator, die Entwicklung komplexer barocker Bildprogramme sowie die technologische Innovation durch eine eigene Zinngießerei.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Publikation?
Ziel ist es, Byss aus der Rolle des vermeintlich zweitklassigen Künstlers zu lösen und seine tatsächliche Bedeutung als vielseitiger Universalist im Dienst des Hauses Schönborn aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt eine chronologische Analyse, vergleicht kunsthistorische Quellen und Belege, wertet Inventarkataloge aus und setzt die Werke Byss' in den Kontext der zeitgenössischen europäischen Kunstströmungen.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die großen Auftragswerke in Pommersfelden, Göllersdorf und Würzburg sowie auf die organisatorischen Leistungen von Byss innerhalb der Hofhierarchien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem barocke Raumkunst, Freskant, Kuratierung, Zinnornamentik, Lothar Franz von Schönborn und die stilistische Einordnung in den Zeitgeist des 18. Jahrhunderts.
Wie bewertet der Autor die Rolle von Byss bei der Gestaltung der Würzburger Residenz?
Byss agierte hier nicht nur als Maler, sondern auch als organisatorische Führungskraft, die Entwürfe lieferte, Personalentscheidungen traf und durch die Zinngießerei die Ornamentproduktion maßgeblich modernisierte.
Welche Bedeutung kommt der Zinngießerei von Byss zu?
Diese Gießerei stellte eine protoindustrielle Innovation dar, die den gestalterischen Reichtum durch kostengünstigere, massenhaft produzierbare Zinnornamente steigerte und so die Abhängigkeit von teureren Holzschnitzereien verringerte.
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- Symon Johannes Schirmer (Author), 2016, Johann Rudolf Byss in Franken und die Vorbedingungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322327