Das Tempelhofer Feld: Ein Ort zum Entspannen, Sport treiben, zum Erleben und Staunen. Vielfältige Pionierprojekte, international angesehene Großveranstaltungen und ein breit gefächertes Angebot an Freizeitaktivitäten prägen heute das Areal, das zwischen den Bezirken Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Schöneberg-Tempelhof gelegen ist. Mit einer Größe von insgesamt 386 ha erzeugt der ehemalige Flughafen einen riesigen Freiraum inmitten der dicht bebauten Stadt Berlin. Auch historisch gesehen ist es ein Ort, der viele weithin unbekannte Geschichten zu erzählen hat. Vom Beginn der Luftfahrtgeschichte über Konzentrationslager bis hin zur endgültigen Schließung im Jahr 2008: Seit seiner Entstehung wird die Nutzung, Umnutzung und Nachnutzung des Feldes hitzig diskutiert und oftmals vertritt die Bevölkerung Berlins diesbezüglich eine andere Meinung als der Verwaltungsapparat der Stadt.
Die Schließung des Flughafens ist inzwischen sieben Jahre her und der Nachnutzungsprozess des Tempelhofer Feldes kann aus Sicht des Senats heute als gescheitert betrachtet werden. Viele Bürger stellten sich von Anfang an gegen die Pläne des Senats, sodass sich diese letztendlich zerschlugen. Aus heutiger Sicht darf man sich fragen, inwieweit die Berliner Bevölkerung im Beteiligungsprozess zum Tempelhofer Feld tatsächlich für ihre eigenen Interessen und damit für die beste Lösung im Sinne der Allgemeinheit eintrat oder sie lediglich von einer Art Trotzreaktion gegenüber dem Senat getrieben wurde. Ist es wirklich zum Besten dieser Stadt und seiner Bewohner, das Tempelhofer Feld unbebaut zu lassen, wie es mit dem ThF-Gesetz festgelegt wurde?
Die vorliegende Arbeit zeigt auf, wie der Disput „Wohnungen versus Freiraum“ seit jeher zwischen Politik und Bevölkerung stand und welche Bemühungen unternommen wurden, um die Bürger in den Entscheidungsprozess zur Nachnutzung des Tempelhofer Feldes miteinzubeziehen. Eine Untersuchung der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der beiden Konzepte des Senats und der Initiative 100 % Tempelhofer Feld wird außerdem aufzeigen, welche Nachnutzung aus objektiver Sicht die bessere Lösung für Berlin bedeuten würde. Im Ergebnis soll erkennbar sein, welcher Aspekt tatsächlich den größeren Einfluss auf die Entscheidung zur Nachnutzung des Areals hatte: die Kontroverse zwischen Bürgern und Politikern in Verbindung mit den offerierten Partizipationsmöglichkeiten oder aber der reale Mehrwert der Konzepte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Problemstellung
1.3 Zielsetzung
2 Grundlagen Tempelhofer Feld
2.1 Projektbeteiligte
2.2 Derzeitige Nutzung
2.3 Ehemaliges Flughafengebäude und Umbaupläne
2.4 Veranstaltungen und Mieter im Gebäude
2.5 Zusammenfassung Grundlagen
3 Nutzungsgeschichte Tempelhofer Feld
3.1 Entstehungsgeschichte: 13. bis 19. Jahrhundert
3.2 Luftfahrt: 1870er bis 1920er Jahre
3.3 Wohnraummangel: 1910 bis 1930er Jahre
3.4 Zentralflughafen Berlin: 1920er bis 1930er Jahre
3.5 Nationalsozialismus: 1933 bis 1943
3.6 Kalter Krieg: 1945 bis 1980er Jahre
3.6.1 Tempelhof als „Tor zur Welt“
3.6.2 Tempelhof als potenzielle Grünanlage
3.7 Großflughafen Berlin-Brandenburg: 1985 bis 2008
3.8 Zusammenfassung Nutzungsgeschichte
4 Partizipationsprozess Tempelhofer Feld
4.1 Grundlagen Partizipation
4.2 Ideenwerkstatt Tempelhof 2007
4.3 Ideengewinnung Tempelhofer Freiheit 2007
4.4 Volksentscheid gegen die Schließung des Flughafens 2008
4.5 Städtebaulich-landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb 2008
4.5.1 Rahmenbedingungen Ideenwettbewerb 2008
4.5.2 Ergebnisse Ideenwettbewerb 2008
4.6 Landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb 2010
4.6.1 Rahmenbedingungen Ideenwettbewerb 2010
4.6.2 Wettbewerbsvorbereitende Bürgerbeteiligung 2009
4.6.3 Ergebnisse Ideenwettbewerb 2010
4.7 Zwischen- und Pioniernutzungen ab 2011
4.8 Planungszelle 2013
4.9 Volksentscheid über den Erhalt des Tempelhofer Feldes 2014
4.10 Zusammenfassung Partizipationsprozess
5 Nachnutzungskonzepte: Masterplan vs. Initiativenplan
5.1 Masterplan Senat
5.1.1 Entstehung und Weiterentwicklung Masterplan
5.1.2 Inhalte Masterplan
5.2 Konzept 100 % Tempelhofer Feld
5.2.1 Initiative 100 % Tempelhofer Feld
5.2.2 Inhalte Initiativenplan
5.3 Zusammenfassung Nachnutzungskonzepte
6 SWOT Analyse
6.1 Grundlagen SWOT Analyse
6.2 Methodik SWOT Analyse
6.3 Umweltanalyse
6.3.1 Chancen Masterplan/Risiken Initiative
6.3.2 Chancen Initiative/Risiken Masterplan
6.4 Interne Analyse
6.4.1 Stärken Masterplan
6.4.2 Schwächen Masterplan
6.4.3 Stärken Initiativenplan
6.4.4 Schwächen Initiativenplan
6.5 Evaluierung SWOT Masterplan
6.5.1 Stärken-Chancen-Korrelationen Masterplan
6.5.2 Stärken-Risiken-Korrelationen Masterplan
6.5.3 Schwächen-Chancen-Korrelationen Masterplan
6.5.4 Schwächen-Risiken-Korrelationen Masterplan
6.6 Evaluierung SWOT Initiativenplan
6.6.1 Stärken-Chancen-Korrelationen Initiativenplan
6.6.2 Stärken-Risiken-Korrelationen Initiativenplan
6.6.3 Schwächen-Chancen-Korrelationen Initiativenplan
6.6.4 Schwächen-Risiken-Korrelationen Initiativenplan
6.7 Gegenüberstellung SWOT Evaluierungen
6.8 Auswertung SWOT Analyse
7 SWOT Ergebnisse im Fokus urbaner Lebensqualität
7.1 Grundlagen Gewichtung SWOT Ergebnisse
7.2 Nachhaltige Stadt
7.3 Urbane Lebensqualität
7.3.1 Faktoren urbaner Lebensqualität
7.3.2 Gewichtungsmethodik
7.4 Relevante Stärken/Schwächen und Gewichtung
7.5 Auswertung Gewichtung
8 Fazit
8.1 Zusammenfassung
8.2 Kritische Würdigung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht den langjährigen Konflikt zwischen Politik und Bevölkerung bei der Nachnutzung des Tempelhofer Feldes. Ziel ist es, durch eine detaillierte Analyse der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der beiden konkurrierenden Konzepte – des Senats-Masterplans und des Initiativenplans "100 % Tempelhofer Feld" – zu ermitteln, welche Lösung langfristig zu einer nachhaltig lebenswerten Stadt für Berlin beiträgt und welchen Einfluss Partizipationsprozesse auf diese Entscheidung nahmen.
- Historische Nutzungsgeschichte des Tempelhofer Feldes
- Analyse und Bewertung der Beteiligungsprozesse der Berliner Bevölkerung
- Gegenüberstellung und SWOT-Analyse der Konzepte zur Nachnutzung
- Gewichtung der Konzepte im Hinblick auf urbane Lebensqualität und Nachhaltigkeit
Auszug aus dem Buch
1.1 Ausgangssituation
Das Tempelhofer Feld: Ein Ort zum Entspannen, Sport treiben, zum Erleben und Staunen. Vielfältige Pionierprojekte, international angesehene Großveranstaltungen und ein breit gefächertes Angebot an Freizeitaktivitäten prägen heute das Areal, das zwischen den Bezirken Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Schöneberg-Tempelhof gelegen ist. Mit einer Größe von insgesamt 386 ha erzeugt der ehemalige Flughafen einen riesigen Freiraum inmitten der dicht bebauten Stadt Berlin (vgl. Abb. 1). Auch historisch gesehen ist es ein Ort, der viele weithin unbekannte Geschichten zu erzählen hat. Vom Beginn der Luftfahrtgeschichte über Konzentrationslager bis hin zur endgültigen Schließung im Jahr 2008: Seit seiner Entstehung wird die Nutzung, Umnutzung und Nachnutzung des Feldes hitzig diskutiert und oftmals vertritt die Bevölkerung Berlins diesbezüglich eine andere Meinung als der Verwaltungsapparat der Stadt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Ausgangslage sowie die Problemstellung ein und definiert das Ziel der Arbeit, den Konflikt um die Nachnutzung des Tempelhofer Feldes objektiv zu bewerten.
2 Grundlagen Tempelhofer Feld: Hier werden die organisatorischen Rahmenbedingungen, die derzeitige Nutzung des Areals sowie Pläne für das denkmalgeschützte Gebäude dargestellt.
3 Nutzungsgeschichte Tempelhofer Feld: Dieses Kapitel beleuchtet die wechselhafte Historie vom 13. Jahrhundert bis zur Schließung des Flughafens im Jahr 2008.
4 Partizipationsprozess Tempelhofer Feld: Dieser Abschnitt beschreibt die verschiedenen Instrumente der Bürgerbeteiligung und die politischen Ereignisse, die den Entscheidungsprozess begleiteten.
5 Nachnutzungskonzepte: Masterplan vs. Initiativenplan: Es folgt eine detaillierte Gegenüberstellung des Senats-Masterplans und des Gegenentwurfs der Initiative 100 % Tempelhofer Feld.
6 SWOT Analyse: Hier wird eine strukturierte SWOT-Analyse der beiden Nachnutzungskonzepte durchgeführt, um Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zu identifizieren.
7 SWOT Ergebnisse im Fokus urbaner Lebensqualität: Die Ergebnisse aus der SWOT-Analyse werden anhand von Kriterien der urbanen Lebensqualität gewichtet, um eine objektive Bewertungsgrundlage zu schaffen.
8 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, einer kritischen Würdigung des Prozesses und einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungsfragen.
Schlüsselwörter
Tempelhofer Feld, Masterplan, Initiativenplan, Partizipation, Bürgerbeteiligung, SWOT-Analyse, Stadtentwicklung, urbane Lebensqualität, Nachhaltigkeit, Wohnraum, Nachnutzung, Flughafen Tempelhof, Volksentscheid, Flächennutzung, Infrastruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit analysiert den komplexen Nachnutzungsprozess des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin, insbesondere das Spannungsfeld zwischen den Bebauungsplänen des Senats und den Forderungen der Initiative "100 % Tempelhofer Feld" nach einem unbebauten Freiraum.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Geländes, die Beteiligungsmöglichkeiten der Bevölkerung, der Vergleich zwischen den zwei konkurrierenden Nachnutzungskonzepten sowie die Bewertung urbaner Lebensqualität durch Nachhaltigkeitskriterien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis einer SWOT-Analyse und einer anschließenden quantitativen Gewichtung objektiv zu bestimmen, welches der beiden Konzepte einen größeren Mehrwert für die langfristige Entwicklung Berlins und das Leben seiner Bewohner bietet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die SWOT-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) als Instrument zur Bestandsaufnahme. Diese wird durch eine mehrstufige Gewichtung ergänzt, die den Fokus auf Indikatoren nachhaltiger urbaner Lebensqualität legt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Nutzungsgeschichte, die chronologische Darstellung der Partizipationsmaßnahmen, die detaillierte Präsentation des Masterplans und des Initiativenplans sowie die methodische Auswertung und Gewichtung dieser Ansätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie "Partizipationsprozess", "urbane Lebensqualität", "nachhaltige Stadtentwicklung" und "Konfliktmanagement zwischen Politik und Bürger" charakterisieren.
Inwiefern hat der Volksentscheid 2014 die Planungen verändert?
Der Volksentscheid führte zum Inkrafttreten des sogenannten "ThF-Gesetzes", das eine Bebauung der Freifläche des ehemaligen Flughafens untersagt und damit den vom Senat verfolgten Masterplan in seiner ursprünglichen Form hinfällig machte.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der beiden Konzepte?
Auf Basis der gewichteten Analyse kommt die Autorin zu dem Schluss, dass der Masterplan bei einer Betrachtung stadtentwicklerischer und wirtschaftlicher Kriterien für die urbane Lebensqualität als das sachlich "bessere" Konzept zu bewerten ist, auch wenn das politische Votum der Bevölkerung anders ausfiel.
- Arbeit zitieren
- Seraphine Leonhard (Autor:in), 2016, Das Tempelhofer Feld. Partizipationsprozess und Bewertung der Nachnutzungskonzepte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322372