Die Fußball-Europameisterschaft wird im Jahr 2020 zu ihrem 60-Jährigen Jubiläum in 13 unterschiedlichen Städten Europas ausgetragen. Dieses Format soll dabei helfen eine gemeinsame Identität für die Europäer zu formen, wie es der Präsident des italienischen Fußballverbandes ausdrückt. Die Frage nach einer europäischen Identität wird in der Forschung im Zuge der fortschreitenden europäischen Integration seit Längerem diskutiert. Dabei betonen verschiedene Autoren die Mehrdimensionalität des Begriffs „Identität“ und verorten eine mögliche europäische Identität im Bereich zwischen nationaler Identität, Identifikationen und Loyalitäten sowie einem europäischen Identitätsbewusstsein. Die Forschungsfrage dieser Arbeit ist es jedoch nicht den genauen Charakter einer europäischen Identität zu identifizieren, sondern es soll untersucht werden, welchen identitätsstiftenden Beitrag der Sport leisten kann. Vor dem Hintergrund des vielseitig beschriebenen Identitäts- und Legitimationsdefizit der Europäischen Union ist die Fragestellung von großer Relevanz und könnte einen Ausweg daraus liefern.
Zu Beginn dieser Arbeit wird ein eindeutiges Verständnis des Begriffs „Identität“ herausgearbeitet und anschließend wird untersucht, in welchen Bereichen und auf welche Weise der Sport identitätsstiftend sein könnte. Die darauffolgende empirische Untersuchung befasst sich zu großen Teilen mit dem professionellen Fußball, stellvertretend für den Sport in Europa in der Gesamtheit. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der UEFA Champions-League, ein Wettbewerb der regelmäßig unter den europäischen Spitzenvereinen ausgespielt wird. Die Liga ist deswegen so interessant, weil die Mannschaften international zusammengesetzt sind und die insgesamt 125 Spiele einer Saison auf dem ganzen Kontinent ausgetragen werden. Abschließend wird in der Schlussfolgerung die Forschungsfrage beantwortet und eine Beurteilung abgegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEORIE UND BEGRIFFE
3. DIE IDENTITÄTSSTIFTENDE FUNKTION DES SPORTS
4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
5. SCHLUSSFOLGERUNGEN
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, welchen Beitrag der Sport zur Identitätsstiftung in Europa leisten kann, wobei sie bewusst eine Perspektive einnimmt, die sowohl staatliche „top-down“-Prozesse als auch gesellschaftliche „bottom-up“-Aktivitäten integriert. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Rolle des Sports als Vehikel für eine europäische Identität, ohne dabei den Charakter einer solchen Identität abschließend definieren zu wollen.
- Identitätsverständnis und europäische Integration
- Die Rolle der EU-Institutionen und Rechtsprechung im Sport
- Sport als Motor für transnationale Netzwerke
- Identifikationspotenziale durch den Profifußball und die Champions-League
- Die Bedeutung von Sportereignissen für das europäische Bewusstsein
Auszug aus dem Buch
Die identitätsstiftende Funktion des Sports
In der Literatur herrscht große Einigkeit darüber, dass der Sport einen großen Beitrag zur Schaffung einer nationalen Identität leisten kann. Es kann mit Recht behauptet werden, dass Sport eine gesellschaftlich herausragende Rolle spielt. Laut einer Eurobarometer-Umfrage betreiben 41% der Befragten mindestens einmal die Woche Sport (Europäisches Parlament 2014). Allein in Deutschland gab es im Jahr 2010 23,8 Millionen eingetragene Mitglieder in Sportverbänden. Weniger Bedeutung findet der Sport allerdings als Untersuchungsgegenstand im Hinblick auf eine europäische Identität. Hier lag der Forschungsschwerpunkt bisher auf politischen Einstellungen oder Kenntnissen über Institutionen. Dabei betont nicht nur die EU-Kommissionärin Viviane Reding als Patronin des „Europäischen Jahrs der Erziehung durch Sport“ die besondere identitätsstiftende Rolle des Sports: “For all these reasons, sport is a great tool to construct a European identity. Therefore we should fully make use of this tool to promote pan-European unity. In short: sport can be considered a vehicle for Europeanisation“(EYES 2004). Für Niemann, Brandt ist der Sport das ideale Mittel für die Schaffung einer europäischen Identität, da er auf der emotionalen Ebene der Bürger stattfindet (Niemann, Brandt, 2013). Das identitätsstiftende Potential von Sport ist bereits für die Bildung eines Nationalbewusstseins im Deutschen Reich Anfang des 20.Jahrhunderts festzustellen. Durch das Prinzip der Verbandssolidarität, der Durchführung von nationalen Meisterschaften und Reisen der Aktiven durch das ganze Land wurde Sport zum Lernfall von staatsbürgerlicher Solidarität und es entstand ein Grundgefühl von politisch-geographischer Zugehörigkeit (Binz 2002).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in die Thematik der europäischen Identität ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Beitrags, den der Sport zur Identitätsbildung leisten kann.
2. THEORIE UND BEGRIFFE: Hier werden theoretische Grundlagen zu Identitätskonzepten dargelegt und die Notwendigkeit begründet, mit einem mehrdimensionalen, inklusiven Verständnis von Identität zu arbeiten.
3. DIE IDENTITÄTSSTIFTENDE FUNKTION DES SPORTS: Dieses Kapitel beleuchtet das Potenzial des Sports als Mittel zur Identitätsstiftung, sowohl historisch als auch im Hinblick auf das heutige europäische Identitätsbewusstsein.
4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der „top-down“ und „bottom-up“ Prozesse, insbesondere anhand des Profifußballs und der Champions-League als transnationale Phänomene.
5. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Rolle des Sports als Instrument zur Herausbildung einer europäischen Zivilgesellschaft.
Schlüsselwörter
Europäische Identität, Sport, Integration, Identitätsstiftung, Profifußball, Champions-League, Zivilgesellschaft, Transnationalität, Bosman-Urteil, Identifikationswert, Top-down, Bottom-up, Europäische Union, Sportpolitik, Gemeinschaftsgefühl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, welchen Beitrag Sport, insbesondere der Profifußball, zur Identitätsstiftung in Europa leisten kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen europäische Integrationsprozesse, die politische Dimension des Sports und die Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie Sport als Medium für ein europäisches Identitätsbewusstsein fungieren kann.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Die Untersuchung analysiert sowohl „top-down“ Prozesse politischer Institutionen als auch „bottom-up“ Prozesse innerhalb der Zivilgesellschaft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen, die Rolle der UEFA Champions-League sowie die Bedeutung von Fans und transregionalen Netzwerken.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie europäische Identität, transnationale Netzwerke und die Identifikationsfunktion des Sports charakterisiert.
Warum ist das Bosman-Urteil für diese Arbeit relevant?
Das Urteil veränderte die Rolle des Sports in der europäischen Integration grundlegend und machte europäische Prinzipien wie die Freizügigkeit für Bürger direkt erfahrbar.
Welche Rolle spielt die UEFA Champions-League für die europäische Identität?
Sie fungiert als transnationale Plattform, die durch regelmäßige länderübergreifende Begegnungen ein europäisches Bewusstsein bei Konsumenten und Fans fördern kann.
- Arbeit zitieren
- Carsten Müller (Autor:in), 2014, Die identitätsstiftende Funktion des Sports in Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322382