Ein Verlgeich soziologischer Ansätze zum Zusammenhang zwischen soziodemographischen Merkmalen und Wahlverhalten


Hausarbeit, 2013

11 Seiten, Note: 2,5

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ein mikrosoziologischer Ansatz der „Columbia School“

3. Grundlagen des mikrosoziologischen Ansatzes nach Lazarsfeld

4. Opinion Leader

5. Cross Pressures

6. Studie zum mikrosoziologischen Ansatz

7. Der Cleavage Ansatz

8. Die vier Konfliktlinien

9. Parteigründung

10. Beziehungen zwischen soziodemographischen Merkmalen und dem Wahlverhalten

11. Fazit

1. Einleitung

Im Folgenden möchte ich kurz auf den mikrosoziologischen Ansatz der Columbia School, sowie den makrosoziologischen Ansatz Cleavage eingehen. Danach möchte ich die darin enthaltenen Argumente für einen Zusammenhang zwischen soziodemographischen Merkmalen und Wahlverhalten mit anderen Erklärungsansätzen verknüpfen.

2. Ein mikrosoziologischer Ansatz der „Columbia School“

Mit der Wahluntersuchung „The People’s Choice“ wurde im Jahre 1944 ein Schritt zur Erklärung des individuellen Wahlverhaltens getan. Durchgeführt wurde diese Untersuchung von dem Amerikaner Paul Lazarsfeld. Das Fortschrittliche an dem Ansatz war die Befragungsmethode. Lazarsfeld führte eine Pannel Befragung mit 600 Amerikanern in Ohio durch. Das Thema war die Präsidentschaftswahl 1940. Die Befragung wurde in sieben Wellen vollzogen. Dabei sollten zwei wesentliche Merkmale untersucht werden. Einmal wie sich die Meinung eines Wählers im Laufe eines Wahlkampfes verändert. Zum Anderen der Einfluss der Medien.

Der Zeitraum der Untersuchung betrug 7 Monate und es wurden in gewissen Zeitabschnitten die gleichen potentiellen Wähler befragt.

Zusammenfassend kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass unser individuelles Wahlverhalten sozialstrukturell vorgeprägt ist.

So kann behauptet werden, dass Personen der Selben sozialen Position für die gleiche Partei stimmen, da sie die Selben Interessen und Bedürfnisse haben (Vgl.: Lazarsfeld et al.1944: 148). Weiterhin kommt es darauf an in wie fern eine Identifikation zu einer Großgruppe ausgeprägt ist (Vgl.: Lazarsfeld et al.1944: 20,148).

Mit dem Interaktionsmodell geht Lazarsfeld davon aus, dass objektive soziale Merkmale einer Person darüber entscheiden, in welchem sozialen Umfeld sie sich bewegt. Dies sei bevorzugt das Ihresgleichen. Dies bedeutet dass objektive soziale Merkmale einer Person darüber entscheiden in welchen Kreisen sie sich bewegt. Außerdem welche politischen Präferenzen im persönlichen Kontakt in diesen Kreisen geformt werden.

3. Grundlagen des mikrosoziologischen Ansatzes nach Lazarsfeld

Für den „Homo Sociologicus“ (der soziologische Mensch) ist seine Stimmvergabe eine Gelegenheit, seine erworbenen Einstellungen Ausdruck zu verleihen, ohne dabei auf Konsequenzen seines jetzigen Votums achten zu müssen.

Der „Homo Oeconomicus“ (der „Wirtschaftsmensch“) handelt hingegen rational nach seinen parteipolitischen Vorlieben. Er achtet nicht auf situationsbedingte Eigenschaften. Die politische Orientierung wird durch den Kontakt mit äußeren Einflüssen geformt.

Diese Menschen sind bemüht, im Einklang mit ihrer unmittelbaren Umwelt (Familie und Freunde) zu leben und übernehmen die politisch geäußerte Orientierung.

Nach Lazarsfeld kann gesagt werden, dass sich das Individuum seine Meinung tendenziell an die Ansichten einer Gruppe anpasst. Die Personen übernehmen Attitüden von vertrauten Interaktionspartnern eher und leichter.

Dabei ist allerdings die Häufigkeit der Kontakte und die politische Einheitlichkeit des Feldes entscheidend. Die politischen Mehrheiten stabilisieren sich aus sich selbst heraus.

4. Opinion Leader

Es werden Menschen als „Opinion Leader“ bezeichnet, wenn sie ein ausgeprägtes politisches Interesse besitzen, eine vielfältige Kontakte zu anderen Menschen aufweisen. Weiterhin müssen sie auch über genügend politische Informationen verfügen und in ihrer Gruppe das Vertrauen der Mitglieder genießen. Der Sozialstatus spielt hier keine tragende Rolle. Diesen „Opinion Leader“ schreibt Lazarsfeld eine besondere Rolle zu. Durch die zuvor genannten Eigenschaften ist es den „Opinion Leadern“ möglich andere Gruppenmitglieder in ihren politischen Einstellungen stark zu beeinflussen (Vgl.: Lazarsfeld et al. 1944: 49-51, 151-152).

5. Cross Pressures

Wir sind bei den „Opinion Leader“ davon ausgegangen, dass Menschen einer Gruppe angehören. In Wirklichkeit gehören Menschen aber sehr vielen verschiedenen Gruppen an. Als Gruppe können Freude, die Familie, Bekannte und Kollegen angesehen werden. Wenn diese Gruppen nun in politischer Sicht homogen sind, bekommt der Mensch von all seinen Gruppen einen positiven Einfluss bezüglich einer Partei. Somit wird er eine starke Parteiloyalität ausbilden. Der zweite Fall wäre eine parteipolitisch heterogene Gruppe. Durch diese Heterogenität werden die Parteipräferenzen deutlich abgeschwächt (vgl.: Schoen 2005: 140).

Nun gibt es noch die Möglichkeit, dass ein Mensch in seinem Leben die Gruppen wechselt. Angenommen die politischen Einstellungen der neuen Gruppe entsprechen den Einstellungen der alten Gruppe keines Weges, so wird unsere Person durch seine neue Gruppe beeinflusst. Seine Parteipräferenz wird nicht sofort komplett umgepolt, aber die frühere Parteipräferenz wird abgeschwächt. Dieses Phänomen wird als „Cross Pressures“ bezeichnet. Bei einem häufigen Wechsel der sozialen Umgebung kommt es zu sogenannten „intertemporalen cross pressures“.

Wenn Menschen immer die Selbe Parteipräferenz besitzen und eine intensive Loyalität aufweisen können sie als Stammwähler betrachtet werden. Menschen hingegen welche von temporaren „cross pressures“ geprägt sind haben schwache Parteipräferenzen. Ihr Votum und der Urnengang allgemein ist ungewiss. Diese Menschen werden als Wechselwähler bezeichnet und sie sind sehr lukrativ für Wahlkampfbemühungen.

6. Studie zum mikrosoziologischen Ansatz

Es gibt drei verschiedene Modelle welche das politische Lernen charakterisieren. Das erste Modell ist das des frühen Lernens (primacy modell). In diesem Modell werden die wichtigsten Einflüsse der Sozialisation in der Kindheit festgelegt. Das zweite Model ist das Model der späten Kindheits- und Jugendphase (intermediate period model). In diesem Model wird die Periode nach der Kindheit als prägende Phase betont. Der Grund dafür ist, dass in dieser Phase die Politik erst wirklich begriffen werden kann und somit eine Prägung auch durch Ereignisse stattfindet.

Das letzte Model ist das Model des späten Lernens (recency modell). Nach diesem Model ist das politische Lernen umso größer je später es im Leben stattfindet. Erst im Erwachsenenalter sei das politische Verständnis so gereift, dass auch komplexe politische Themen verstanden und dauerhaft prägend seien. Frühere Prägungen würden mit der Zeit einfach vergessen.

Somit ist zu sagen, dass politisches Lernen das ganze Leben stattfindet.

Die politische Sozialisation kann auf zwei Arten unterschieden werden. Es gibt die latente politische Sozialisation. In ihr prägen Einflüsse des unpolitischen Lernens auf politische Dimension der Persönlichkeit. Als Beispiel wäre hier die religiöse Erziehung zu nennen. Von manifester politischer Sozialisation spricht man, wenn unmittelbar politisches Lernen stattfindet. Dies gewinnt allerdings erst in der späteren Jugend an Bedeutung.

Das Wahlverhalten ist allerdings auch von unserem Alter geprägt. So gibt es den sogenannten Alters- oder Lebenszykluseffekt. Das Wahlverhalten ändert sich im Laufe ihres Lebens bei allen Generationen. Der Periodeneffekt geht davon aus, dass das politische Wahlverhalten sich im Laufe der Zeit bei allen Generationen gleichermaßen, durch äußere, Ereignisse oder Perioden, verändert und wandelt.

Der letzte Effekt ist der Kohorten- oder Generationeneffekt. Dieser Effekt sagt, dass Generationen sich im politischen Wahlverhalten zu allen Alterszeitpunkten und historischen Perioden voneinander unterscheiden.

Wenn diese Effekte betrachtet werden, sieht man, dass oft getätigte Aussagen in den Medien, bezüglich Wahlverhalten der Zukunft, mit Vorsicht zu betrachten sind. Oft wird das Wahlverhalten der heutigen Jugend auf die Zukunft projiziert. Dies ist allerdings nicht sinnvoll, wenn wir uns die verschiedenen Effekte ansehen.

7. Der Cleavage Ansatz

Der Cleavage Ansatz ist ein makrosoziologischer Ansatz von Lipset und Rokkan. Sie legten eine historisch genetische Rekonstruktion der Entstehung von Parteisystemen und Demokratien vor. Die Autoren gehen von dem Ansatz aus, dass sich im Laufe der Geschichte in westeuropaischen Gesellschaften soziale Spaltungslinien entstehen. Diese Linien werden als Cleavage bezeichnet. Diese Konfliktlinien gebe es in jeder Gesellschaft und entlang dieser Konfliktlinien finden sich gesellschaftliche Großgruppen. Wenn diese Linien auch wirklich als Konfliktlinien wahrgenommen werden und Interessen gegen andere vertreten werden sind Cleavages entstanden. Die Mitglieder einer Cleavages wählen die Partei die ihre Interessen am besten vertritt.

8. Die vier Konfliktlinien

Es gibt vier große Konfliktlinien in den westlichen Gesellschaften.

Der erste Konflikt ist der Zentrum Peripherie Konflikt. Dieser Konflikt trennt die herrschenden nationalen Eliten und Vertreter meist ethischer, sprachlicher oder religiösen Minderheiten, die sich der Nationalstaatsbildung widersetzen. Der zweite Konflikt besteht zwischen der Kirche und dem Staat. Die Kirche setzt sich für ihre historisch angeeigneten Zuständigkeitsbereiche und Vorrechte gegen den Machtanspruch des Staates ein. Werte und Moralvorstellungen stehen im Zentrum des Konfliktes. Dabei geht es zum Beispiel um das Erziehungswesen und die Rolle der Kirche.

Ein weiterer Konflikt besteht zwischen dem Land und den Städten. Dieser Konflikt ist eher in der Zeit der industriellen Revolution zu sehen. Die industriellen Unternehmer besaßen andere ökonomische Interessen als die ländlichen Gutbesitzer. Der vierte Konflikt wuchs auch in der Zeit der Industrialisierung. Hier herrscht der Konflikt zwischen den Kapitaleignen und abhängige Beschäftigten (Vgl.: Schoen 2005: 146).

Eine zentrale Fragestellung ist nun ab wann sich Großgruppen entlang von Konfliktlinien etablieren und sich selbst wahrnehmen?

Die Konfliktlinie sollte möglichst stabil sein und am besten an intergenerationalen sozialstrukturellen Merkmalen auszumachen sein. Dies stellt die sozialstrukturelle Grundlage dar. Ein kultureller Aspekt muss allerdings auch hinzugenommen werden. Der Wertekonflikt über eine wünschenswerte Gesellschaft sowie Fremd- und Selbstwahrnehmung als eine soziale Großgruppe ist genauso betrachtet werden.

Nun kommt es noch auf die institutionelle Segmentierung an. Je weniger Kontakt zu anderen Großgruppen besteht, desto stärker und ausgeprägter werden die gemeinsamen Werte und Weltansichten.

9. Parteigründung

Eine Großgruppe kann eine eigene Partei gründen wenn sie vier Schwellen überwindet. Zum ersten muss die sogenannte Legitimationsschwelle überwunde werden. Dies bedeutet, dass Proteste als legitim erachtet werden. Weiterhin müssen Anhänger politische Rechte und den Bürgerstatus besitzen. Dies wird Interkorporation genannt. Als drittes muss die sogenannte Representationsschwelle überwunden werden. Rein praktisch gesehen ist dies der Parlamentseinzug. Die letzte Schwelle ist die der „majority power“. Dies sind Blockaden oder Schranken in Form von Checks & Balances.

Anstatt eine Partei neu zu gründen kann die Gruppe sich alternative auch einer bestehenden Partei anschließen. Parteisysteme werden nicht vollständig von der gesellschaftlichen Konstellation determiniert.

Zusammengefasst gibt es Vor- und auch Nachteile des Cleavage Modells. Der Vorteil ist, dass die Entstehung des Parteiensystems und das Wahlverhalten gesellschaftlicher Großgruppen erklärt werden können. Der Nachteil ist allerdings, dass nicht genau gesagt werden kann wie sich Menschen verhalten, die mehreren Großgruppen angehören. Wie lässt sich ein wechselndes Wahlverhalten wirklich erklären und begründen?

Aus diesem Grund soll mit Hilfe einer Synthese verschiedener Argumenten gezeigt werden wie Beziehungen von soziodemographischen Merkmalen mit dem Wahlverhalten verknüpft sind.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Ein Verlgeich soziologischer Ansätze zum Zusammenhang zwischen soziodemographischen Merkmalen und Wahlverhalten
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Soziologie)
Veranstaltung
Politisches Entscheiden
Note
2,5
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V322423
ISBN (eBook)
9783668216310
ISBN (Buch)
9783668216327
Dateigröße
638 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verlgeich, ansätze, zusammenhang, merkmalen, wahlverhalten
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Ein Verlgeich soziologischer Ansätze zum Zusammenhang zwischen soziodemographischen Merkmalen und Wahlverhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322423

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