Zweck dieser Arbeit ist es, näher auf das Verhältnis der beiden großen Staaten Österreich und Preußen in ‚Deutschland‘ gerade auch hinsichtlich der persönlichen Animositäten der handelnden Akteure einzugehen und daraus abzuleiten, warum unterschiedliche Ansichten, Erwartungen, Mentalitäten und Vorurteile, gepaart mit dem jeweiligen Bestreben von Habsburg und Preußen, eine Dominanz unter den deutschen Staaten zu erreichen, nicht dazu führen konnten, ein gemeinsames Deutsches Reich in Mitteleuropa zu errichten.
Die Darstellung des politischen Geschehens wurde daher auf die zentralen Ereignisse reduziert, da die geschichtlichen Abläufe bereits in zahlreichen anderen Veröffentlichungen erschöpfend ausgearbeitet wurden.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Entwicklungen bis zum Wiener Kongress
Die sächsisch-polnische Frage
Die Neuordnung Deutschlands und die Stellung von Österreich und Preußen im Deutschen Bund
Preußen dominiert den Zollverein
Die Revolution 1848 und die Fortsetzung des Deutschen Bundes
Österreichs Bestrebungen um eine Zollunion
Gemeinsame Interessen im Deutsch-Dänischen Krieg 1864
Der Deutsche Krieg 1866
Preußen gründet Norddeutschen Bund
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das wechselvolle Verhältnis zwischen den beiden Großmächten Österreich und Preußen nach 1815, wobei der Fokus auf den persönlichen Animositäten der Akteure sowie den konkurrierenden Bestrebungen nach Dominanz in Deutschland liegt, welche die Errichtung eines gemeinsamen deutschen Reiches verhinderten.
- Rivalität zwischen Habsburg und Preußen nach 1815
- Einfluss der wirtschaftlichen Integration durch den Zollverein
- Die Rolle des Deutschen Bundes und dessen Scheitern
- Auswirkungen der Revolution 1848 auf die deutsch-österreichischen Beziehungen
- Der Weg zum kleindeutschen Nationalstaat unter preußischer Führung
Auszug aus dem Buch
Die sächsisch-polnische Frage
Aber bevor der Kongress am 01. November 1814 offiziell eröffnet wurde, lagen schon wieder unverhohlen Kriegsgedanken auf dem Tisch!
Auslöser war ein massiver Streit um Polen und Sachsen.
Hintergründe:
Im Vertrag von Kalisch garantierte Russland in einem geheimen Artikel die Wiederherstellung Preußens in den Verhältnissen von 1806 sowie zusätzliche territoriale Abrundungen, Landerwerbungen in Norddeutschland und eine Verbindung zu Ostpreußen, allerdings unter Verzicht auf das Herzogtum Warschau.
Sachsen und ‚Polen‘ (das Herzogtum Warschau) hatten bis zuletzt Napoleon die Treue gehalten und Polen und Sachsen waren durch russische und preußische Truppen besetzt, der König von Sachsen und Herzog von Warschau war interniert. Nach dem damaligen Kriegsvölkerrecht standen die Länder somit zur Disposition der Sieger.
Russland hatte bereits im Vertrag von Kalisch Ansprüche auf das Herzogtum Warschau erhoben und beanspruchte nun ganz ‚Polen‘, das als Königreich in das Russische Reich integriert werden sollte.
Noch vor Kongressbeginn überreichte Hardenberg als Vertreter Preußens ein Memorandum über die Ansprüche auf Sachsen an Metternich und Castlereagh.
Bereits am 29. September hatte Russland die Übertragung der Verwaltung Sachsens an Preußen zugestimmt. Metternich versprach zwar die Zustimmung Österreichs, bemerkte allerdings die noch bestehende Abneigung Kaiser Franz gegen die Überlassung Sachsens an Preußen. Der russische Kaiser betrachtete die Angelegenheit rustikal: Wenn der sächsische König nicht seinen Ansprüchen entsage, wäre er nach Eroberungsrecht zu behandeln und nach Riga zu schaffen. Erst am 15. Oktober willigte Metternich in die (vorläufige) Besitznahme Sachsens ein.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Erläutert das Ziel der Arbeit, das Spannungsverhältnis zwischen Österreich und Preußen und dessen Einfluss auf die deutsche Einigungsfrage zu untersuchen.
Entwicklungen bis zum Wiener Kongress: Beschreibt die durch Napoleon verschobenen Machtverhältnisse in Europa und die Ausgangslage von Preußen und Österreich vor dem Wiener Kongress.
Die sächsisch-polnische Frage: Analysiert den diplomatischen Konflikt um die Neuordnung Sachsens und Polens als Auslöser für massive Spannungen auf dem Wiener Kongress.
Die Neuordnung Deutschlands und die Stellung von Österreich und Preußen im Deutschen Bund: Untersucht die Gründung und den Zweck des Deutschen Bundes sowie die Vormachtstellung Österreichs.
Preußen dominiert den Zollverein: Erörtert die wirtschaftliche Bedeutung der Zollgrenzen und wie Preußen durch den Zollverein seine wirtschaftliche Dominanz ausbaute.
Die Revolution 1848 und die Fortsetzung des Deutschen Bundes: Betrachtet die Auswirkungen der Revolutionsjahre auf die Zentralgewalt und das Scheitern der Bemühungen um eine geeinte Nation.
Österreichs Bestrebungen um eine Zollunion: Beschreibt die Versuche Österreichs, durch eine Zollunion wirtschaftlich und politisch in Deutschland Fuß zu fassen und preußischen Einfluss zu brechen.
Gemeinsame Interessen im Deutsch-Dänischen Krieg 1864: Beleuchtet die kurze Phase der Zusammenarbeit zwischen Preußen und Österreich gegen Dänemark und deren Konsequenzen.
Der Deutsche Krieg 1866: Analysiert den eskalierenden Konflikt um Schleswig-Holstein, der zum Krieg zwischen den beiden Mächten und zur Auflösung des Deutschen Bundes führte.
Preußen gründet Norddeutschen Bund: Beschreibt die Etablierung des Norddeutschen Bundes und das endgültige Ausscheiden Österreichs aus dem deutschen Einigungsprozess.
Schlüsselwörter
Habsburg, Preußen, Deutscher Bund, Wiener Kongress, Zollverein, Metternich, Kleindeutsche Lösung, Österreich-Ungarn, 1848, Schleswig-Holstein, Nationalversammlung, Machtpolitik, Großmacht, Einigung, Politik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das angespannte Verhältnis zwischen Österreich und Preußen im Deutschen Bund nach 1815 und die damit verbundenen Versuche, eine Vorherrschaft in Mitteleuropa zu erlangen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die diplomatischen und militärischen Konflikte zwischen den beiden Mächten, die wirtschaftliche Einigung durch den Zollverein sowie die gescheiterten Versuche einer deutschen Einigung im 19. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, abzuleiten, warum die Mentalitäten, Vorurteile und das jeweilige Streben nach Dominanz beider Staaten die Errichtung eines gemeinsamen deutschen Reiches in Mitteleuropa unmöglich machten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Analyse politischer, diplomatischer und wirtschaftlicher Ereignisse, gestützt durch historische Quellen und Dokumente der Kongresszeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die zentralen Ereignisse von den Entwicklungen bis zum Wiener Kongress über die sächsisch-polnische Frage, die Zollvereins-Problematik, die Revolution 1848 bis hin zum Deutschen Krieg 1866 und der Gründung des Norddeutschen Bundes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Habsburg, Preußen, Deutscher Bund, Zollverein und Großmachtpolitik fassen die wesentlichen inhaltlichen Schwerpunkte prägnant zusammen.
Warum konnte Österreich sich dem Zollverein nicht anschließen?
Ein Beitritt hätte Österreich gezwungen, seine Machtstellung als Zentrum der Habsburger-Monarchie aufzugeben, da es sich mit der Identität als Teil eines deutschen Nationalstaates hätte identifizieren müssen, was den eigenen ethnischen und territorialen Gegebenheiten widersprach.
Welche Rolle spielte die Zollpolitik für die Rivalität?
Die Zollpolitik war ein zentrales Instrument, um preußischen Einfluss zu festigen oder zu brechen; Österreich sah in der Zolleinigung eine Lebensfrage zur Etablierung seiner Führungsposition, während Preußen den Freihandel als Machtmittel nutzte.
- Arbeit zitieren
- Udo Rosowski (Autor:in), 2016, Habsburg versus Preußen. Von Antipoden zu Antagonisten im Deutschen Bund nach 1815, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322507