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Enzensberger und die Mathematik. Zwischen Faszination und Unverständnis

Title: Enzensberger und die Mathematik. Zwischen Faszination und Unverständnis

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 20 Pages , Grade: gut

Autor:in: Jan Hendrik Schmidt (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Hans Magnus Enzensberger ist zweifellos einer der bekanntesten und erfolgreichsten Autoren der Gegenwart, aber er ist zugleich auch einer der Vielseitigsten. Die Bandbreite seines Schaffens reicht von der Lyrik über die Essayistik bis hin zur Kinderliteratur. Dabei kommt immer wieder eine Leidenschaft Enzensberger zum Ausdruck: Die Mathematik. Doch warum schreibt und veröffentlicht ein Autor, der nach eigener Aussage „ganz und gar kein Mathematiker“, ja sogar „ein hoffnungsloser Laie“ ist, immer wieder Gedichte, Essays und sogar Bücher über die Mathematik, wenn er „schon froh sein muss, wenn er kapiert, worum es eigentlich geht“? Weil er von ihr fasziniert ist, obwohl oder vielleicht auch gerade weil er ihr eigentlich mit Unverständnis gegenüber steht. Ganz ähnlich geht es dem Leser der Enzensbergerschen ‚Mathematischen Schriften’, denn es gelingt Enzensberger, seine eigene Faszination in seinen Werken an den Leser zu vermitteln. Er schafft es, die anfängliche Skepsis und das anfänglich sicher meistens vorhandene Unverständnis seiner Leser in Faszination umzuwandeln und ihnen immer wieder ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern. Die Leichtigkeit der mathematischen Lektüre macht vor allem den „Zahlenteufel“ zu einem Lesevergnügen. Aber auch Enzensbergers Vortrag „Zugbrücke außer Betrieb“ sorgt durch seine Scharfsinnigkeit und feine Ironie mehrfach für echtes Amüsement. Auch das Ergebnis einer Spielerei Enzensbergers, die „Einladung zu einem Poesie-Automaten“, sicherlich der schwierigste, weil nüchternste dieser drei Haupttexte, die dieser Arbeit zugrunde liegen, fasziniert. Um zu zeigen, dass sich Enzensbergers Faszination für die Mathematik durch alle Gattungen seiner Schriften zieht, werden die drei Haupttexte durch ein Gedicht und ein Essay Enzensbergers ergänzt. Die Arbeit wird die unterschiedlichen Annäherungsweisen Enzensbergers an die Mathematik nachzeichnen, mal wissenschaftlicher, mal humoristischer, ganz so, wie auch Enzensberger selbst verfährt, und die Bedeutung der Wissenschaft für die Poesie wie auch der Poesie für die Wissenschaft herausarbeiten. Die Titelwörter Faszination und Unverständnis werden dabei der rote Faden dieser Arbeit sein.
Falls das Unverständnis für die Mathematik deren Faszination in dieser Arbeit übertreffen sollte, mögen die Worte des Zahlenteufels beruhigen: „Die meisten Mathematiker können überhaupt nicht rechnen. Für so was gibt es doch Taschenrechner.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die hochgezogene Zugbrücke

3. Zahlenteufel und teuflische Zahlen

4. Die Algebra der Gefühle

5. Die Wissenschaft der Poesie

6. Die Poesie der Wissenschaft

7. Schlusswort – Zwischen Faszination und Unverständnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Faszination und Unverständnis, das Hans Magnus Enzensbergers literarische Auseinandersetzung mit der Mathematik prägt, und analysiert, wie er als "Laie" Brücken zwischen den beiden Kulturen der Literatur und der Mathematik schlägt.

  • Enzensbergers persönliche Faszination für die Mathematik trotz eingestandenen Laienstatus.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Ausgrenzung der Mathematik (These der zwei Kulturen).
  • Die didaktische und literarische Vermittlung mathematischer Konzepte in Werken wie "Der Zahlenteufel".
  • Die mathematisch-kombinatorische Struktur poetischer Prozesse am Beispiel des "Poesie-Automaten".

Auszug aus dem Buch

2. Die hochgezogene Zugbrücke

„Es sind immer die gleichen Töne: ‚Hören Sie auf! Mit Mathematik können Sie mich jagen.’ – ‚Eine Qual, schon in der Schule. Keine Ahnung, wie ich damals durchs Abitur gekommen bin.’ – ‚Ein Albtraum! Völlig unbegabt, wie ich nun mal bin.’ – ‚Die Mehrwertsteuer kriege ich gerade noch hin, mit dem Taschenrechner. Alles andere ist mir zu hoch.’ – ‚Mathematische Formeln - das ist Gift für mich, da schalte ich einfach ab.’“

Jeder kennt sie, diese immer gleichen Töne mit denen Enzensberger seinen Vortrag „Zugbrücke außer Betrieb“ auf dem Internationalen Mathematiker-Kongress 1998 begann. Geradezu ein Postulat für das vorherrschende Unverständnis und die Ablehnung mit der die breite Masse der Menschen der Mathematik gegenüber steht. „Durchaus intelligente, gebildete Leute bringen sie routiniert vor, mit einer sonderbaren Mischung aus Trotz und Stolz.“

Recht hat er. Doch warum ist das so? Warum hat sich „ein allgemeiner Konsens herausgebildet, der stillschweigend, aber massiv die Haltung zur Mathematik bestimmt“? Warum wehrt sich auf der anderen Seite niemand so vehement dagegen, Musik zu hören oder einen Roman zu lesen? Warum werden diese Elemente der Kultur hoch geschätzt und allgemein akzeptiert und ein anderer, wie die Mathematik, beinahe ausgeschlossen? Warum „scheint es niemanden zu stören, dass ihr Ausschluss aus der Sphäre der Kultur einer Art von Kastration gleichkommt“?

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage vor, warum ein fachfremder Autor wie Enzensberger sich intensiv mit Mathematik beschäftigt und wie er die Distanz zwischen Laien und mathematischer Welt überbrückt.

2. Die hochgezogene Zugbrücke: Das Kapitel analysiert die gesellschaftliche Ablehnung und das Unverständnis gegenüber der Mathematik, die oft als isolierte Wissenschaft wahrgenommen wird.

3. Zahlenteufel und teuflische Zahlen: Hier wird Enzensbergers Kinderbuch "Der Zahlenteufel" als spielerischer und erfolgreicher Versuch untersucht, mathematische Ängste abzubauen und Faszination zu wecken.

4. Die Algebra der Gefühle: Dieses Kapitel betrachtet, wie Enzensberger in seiner Lyrik mathematische Begriffe metaphorisch verwendet, um komplexe menschliche Emotionen zu beschreiben.

5. Die Wissenschaft der Poesie: Es wird analysiert, wie Enzensberger mittels kombinatorischer Methoden und technischer Vorbilder (Poesie-Automat) Poesie nach wissenschaftlichen Prinzipien generiert.

6. Die Poesie der Wissenschaft: Das Kapitel beleuchtet das wechselseitige Verhältnis von Wissenschaft und Literatur, wobei insbesondere der metaphorische Charakter der wissenschaftlichen Sprache betont wird.

7. Schlusswort – Zwischen Faszination und Unverständnis: Das Fazit fasst zusammen, dass Enzensberger zwar kein Mathematiker ist, aber durch seine interdisziplinären Werke wesentlich zur kulturellen Verständigung zwischen den zwei Welten beiträgt.

Schlüsselwörter

Hans Magnus Enzensberger, Mathematik, Literatur, Faszination, Unverständnis, Zahlenteufel, Zwei Kulturen, Poesie, Kombinatorik, Lyrik, Essayistik, Interdisziplinarität, Wissenschaftskommunikation, Kulturenvermittlung, Zugbrücke.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die literarische Auseinandersetzung von Hans Magnus Enzensberger mit der Mathematik und analysiert, wie er als Nicht-Mathematiker mathematische Themen in seine Werke integriert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Exaktheit und poetischer Freiheit, die Vermittlung von Mathematik als Kulturgut sowie die kritische Betrachtung der Trennung zwischen geistes- und naturwissenschaftlichen Denkweisen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Enzensberger durch seine Schriften – vom Kinderbuch bis zum Essay – die "Zugbrücke" zwischen der Welt der Mathematik und der breiten Öffentlichkeit wieder in Betrieb nimmt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primäre Texte von Enzensberger (Gedichte, Essays, Fachvorträge) untersucht und mit Hilfe von Sekundärquellen kontextualisiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zum Werk "Der Zahlenteufel", dem Gedicht "Von der Algebra der Gefühle", dem "Poesie-Automaten" sowie dem Essay "Die Poesie der Wissenschaft".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Faszination, Unverständnis, Interdisziplinarität, Kombinatorik, Kulturvermittlung und Enzensbergers spezifische literarische Herangehensweise an die Mathematik.

Welchen Stellenwert nimmt der "Poesie-Automat" in der Untersuchung ein?

Er dient als Paradebeispiel für Enzensbergers Verständnis von mathematischer Kombinatorik innerhalb der Literatur und verdeutlicht, dass mathematische Strukturen auch in der kreativen Textproduktion eine zentrale Rolle spielen können.

Wie bewertet der Autor Enzensbergers eigene "mathematische Kompetenz"?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Enzensberger zwar kein professioneller Mathematiker ist, aber ein beachtliches Verständnis für mathematische Funktionsweisen besitzt, welches er geschickt und verständlich in seine Werke einwebt.

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Details

Title
Enzensberger und die Mathematik. Zwischen Faszination und Unverständnis
College
University of Würzburg
Course
Hans Magnus Enzensberger - Lyrik, Epik, Essayistik
Grade
gut
Author
Jan Hendrik Schmidt (Author)
Publication Year
2004
Pages
20
Catalog Number
V32265
ISBN (eBook)
9783638330312
ISBN (Book)
9783638772167
Language
German
Tags
Enzensberger Mathematik Zwischen Faszination Unverständnis Hans Magnus Enzensberger Lyrik Epik Essayistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Hendrik Schmidt (Author), 2004, Enzensberger und die Mathematik. Zwischen Faszination und Unverständnis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32265
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