Depression in der Jugend. Schule als Einflussfaktor der psychischen Gesundheit


Hausarbeit, 2016

22 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Depression im Jugendalter
2.1 Merkmale und Klassifikation
2.2 Epidemiologie und Komorbidität

3. Risiken und Erklärungen
3.1 Adoleszenz und das Konzept der Entwicklungsaufgaben
3.2 Das multifaktorielle Entstehungsmodell

4. Schule als Einflussfaktor
4.1 Funktionen und Aufgaben der Schule
4.2 Schule als Schutz- oder Risikofaktor?

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Burnout-Diagnose bei Kindern: Lea und Malte völlig fertig“ lautet der Titel eines Artikels der Onlinezeitschrift Spiegel Online aus dem letzten Jahr. Der Artikel handelt von zwei Kindern im Alter von 11 und 15 Jahren, die dieselbe Diagnose gestellt bekommen: Burnout. Der Artikel ist nur einer von vielen, der sich mit der Thematik „Psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen und Kindern“ beschäftigt. Auch die Bezeichnung „Burnout“ gerät durch Präventionskampagnen, Presseberichte oder auch zahlreiche Prominente, die sich offen zu ihrer Erkrankung bekennen, immer mehr in den öffentlichen Fokus.

Hinter dieser Bezeichnung, die häufig inflationär im Alltagsjargon verwendet wird, aber in den beiden häufigsten Klassifikationssystemen für psychische Erkrankungen (ICD-10-GM und DSM) nicht vorkommt, verstecken sich nach Christine Freitag, Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Frankfurt, häufig depressive Störungen. Der Umgang mit den Themen Depression und Burnout hat sich in den letzten Jahrzehnten hierbei stark verändert. Worüber früher nicht gesprochen wurde und was früher nicht offiziell als Krankheitsbild gesehen wurde, wird heutzutage als ernst zu nehmendes Gesundheitsproblem anerkannt, das häufig schon in der frühen Kindheit oder dem Jugendalter seinen Ursprung haben kann. Auch diese Erkenntnis ist relativ neu: Bis vor vier Jahrzehnten wurde die Existenz einer Depression im Kindes- und Jugendalter abgestritten (vgl. Essau 2007). Einige Theoretiker wie Rochlin (1959) und Rie (1966) begründeten dies damit, dass die Depression ein Phänomen des Über- Ichs darstelle, welches bei Kindern noch nicht vorhanden sei. Somit verneinte beispielsweise diese Gruppe der Theoretiker deren Existenz im Kindesalter vollständig (vgl. Essau 2007).

Neuere Forschungsergebnisse beweisen jedoch das Gegenteil, nämlich, dass Depressionen sehr häufig ihren Ursprung im Kindes- und Jugendalter haben und die Tendenz der Erkrankungen steigend verläuft (vgl. Essau 2007). Lewinsohn et al. (1993) konnten in einem Vergleich zwischen Jugendlichen, die zwischen 1968 und 1971 geboren wurden und Jugendlichen, die zwischen 1972 und 1974 geboren wurden, feststellen, dass 7. 2 % der Jugendlichen der später Geborenen bereits im Alter von 14 Jahren eine depressive Episode erlebt hatten, während es in der Gruppe der Älteren nur 4.5 % waren (vgl. Essau 2007). Zudem erhöht eine depressive Erkrankung in jungen Jahren das Risiko, auch im Erwachsenenalter an einer Depression oder an anderen psychischen Beeinträchtigungen zu erkranken (vgl. ebd.). In der Bremer Jugendstudie (Essau 2000) geben 17.9 % aller Jugendlichen an, schon einmal an einer depressiven Störung erkrankt zu sein, was beinahe ein Fünftel aller Jugendlichen darstellt.

In meiner folgenden Arbeit möchte ich nun gezielt der Frage nachgehen, inwiefern die Schule ein Einflussfaktor bezüglich der depressiven Erkrankungen bei Jugendlichen ist. In den letzten Jahren scheinen die Leistungsanforderungen und der Druck im deutschen Schulsystem immer mehr gestiegen zu sein. Schüler sehen sich schon in der Grundschule großen Herausforderungen gegenübergestellt und müssen früh lernen, selbst Verantwortung zu übernehmen, da auch die Eltern häufig wenig Zeit haben. Dies mag an der derzeitigen Arbeitsmarktsituation liegen, welche auch von den Eltern große Leistungsbereitschaft fordert. Zudem kann das Klassen- und Notensystem der Schule frühes Konkurrenzdenken fördern. Der ständige Vergleich mit Mitschülern und die offene Klassifizierung und Bewertung der Schüler durch das Notensystem verlangt von den Schülern ein starkes Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl, um mit dem dadurch erzeugten Druck angemessen umgehen zu können. Doch stellt die Schule nur einen Risikofaktor dar oder kann Schule auch einen Beitrag zum Schutz vor Depression leisten?

Um eine Antwort auf diese Frage geben zu können möchte ich zunächst auf die Merkmale und Erscheinungsformen der Depression eingehen, um einen Eindruck dieses Krankheitsbildes zu vermitteln. Danach werde ich einige epidemiologische Fakten aufzeigen, die im Bezug auf das Jugendalter relevant sind und den Verlauf der Krankheit genauer darstellen. Da die Jugend eine besondere Lebensphase mit eigenen Herausforderungen ist, werde ich diese anhand des Konzeptes der Entwicklungsaufgaben genauer thematisieren. Durch den Erklärungsansatz des multifaktoriellen Entstehungsmodells sollen anschließend die Ursachen und Einflussfaktoren beschrieben werden, die eine Depression begünstigen können. Im zweiten Teil meiner Arbeit werde ich genauer auf den Faktor Schule eingehen, der gerade in der Jugendphase eine wichtige Sozialisationsinstanz darstellt. Dazu stelle ich die Aufgaben und Funktionen der Institution dar und untersuche, inwieweit diese die psychische Gesundheit der Jugendlichen beeinflussen können. Abschließend werde ich in meinem Fazit eine Antwort auf meine leitende Fragestellung geben.

2. Depression im Jugendalter

2.1 Merkmale und Klassifikation

Der Begriff Depression stammt von dem lateinischen Wort deprimere ab, was übersetzt herab- oder niederdrücken bedeutet (vgl. Pons 2016). Wer nun die Wortbedeutung auf die Gefühlswelt überträgt, kann sich ungefähr vorstellen, wie sich diese seelische Erkrankung in ihrer Symptomatik äußert. Das am häufigsten genannte Symptom der psychischen Erkrankung ist demnach eine anhaltende, niedergedrückte Stimmung. Der Betroffene fühlt sich traurig und niedergeschlagen. In dem „ Oregon Adolescent Depression Project“ (OADP; Lewinsohn et al. 1998a) gaben 97, 7 % der Jugendlichen Erkrankten an, dieses Symptom erlebt zu haben (vgl. Essau 2007). Nun stellen Traurigkeit und Niedergeschlagenheit alltägliche Gefühle dar, die jedem Menschen bekannt sind und die jeder an gewissen Tagen oder Wochen durchlebt. Häufig werden diese Gefühle sogar als positive Herausforderung des Lebens gesehen, die durch Aktivität und Willensstärke bewältigt werden müssen. Der Unterschied zwischen einer alltäglichen depressiven Verstimmung und einer klinisch nachweisbaren Erkrankung an einer Depression ist das große Ausmaß der Beeinträchtigung in beinah allen Lebensbereichen bei einer klinischen Depression. Eine depressiv erkrankte Person kann diese Erkrankung weder mit Anstrengung, noch mit Willenskraft kontrollieren oder unterdrücken (vgl. Essau 2007). Es treten mehrere Symptome gleichzeitig auf, die über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben und die Leistungsfähigkeit und Aktivität der betroffenen Person immens einschränken. Es treten Störungen in den Bereichen Stimmung (Affekt), Kognition, Verhalten und Körper auf, die das Erleben und Befinden des Jugendlichen stark beeinträchtigen. Die genauen Ausprägungen können sich je nach Jugendlichem und je nach Art der depressiven Störung stark unterscheiden. Man unterscheidet hierbei zwischen sogenannten Kernsymptomen und weiteren Begleiterscheinungen (vgl. Groen/ Petermann 2011). Kernsymptome sind neben der depressiven Verstimmung auch eine erhöhte Reizbarkeit, eine anhaltende Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit (vgl. ebd.). Diese Kernsymptome sollten über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen anhalten, um von einer Depression sprechen zu können. Hinzu kommen weitere Begleiterscheinungen, wie beispielsweise Konzentrationsschwierigkeiten, ein geringes Selbstwertgefühl, negative Gedanken, Schlafstörungen, Müdigkeit, Gewichtsverlust oder – Zunahme, verringerter oder gesteigerter Appetit, Libido-Abnahme, Suizidgedanken, verringerte Entscheidungsfähigkeit oder sozialer Rückzug (vgl. Essau 2007). Die zahlreichen unterschiedlichen Symptome und deren Ausprägungsmöglichkeiten erschweren es, eine klare Diagnose für eine Depression zu stellen. Gerade da sich viele der Symptome auf die innere Gefühlswelt beziehen und häufig nicht leicht zu erkennen sind, werden depressive Störungen bei Jugendlichen nicht oder zu spät erkannt. Zudem lassen sich manche Symptome nicht von Verhaltensweisen unterscheiden, die typisch für die Lebensphase Jugend sind, wie z.B. der soziale Rückzug, gerade den Eltern gegenüber, oder eine aggressive Grundstimmung. So werden depressive Erkrankungen häufig zu spät oder gar nicht erkannt, was einen chronischen Verlauf der Krankheit begünstigt (vgl. Hautzinger 2013).

Die beiden bekanntesten Diagnosesysteme ICD-10 (Remschmidt et al. 2006) und DSM 5 (APA 2013) beschreiben klar voneinander abgrenzbare, affektive Erkrankungen, die dann vorliegen, wenn eine bestimmte Anzahl von Symptomen in einer bestimmten Dauer und Schwere vorliegen (vgl. Hautzinger 2013). Mittlerweile geht man davon aus, dass alle depressiven Störungen, die im Erwachsenenalter auftreten, auch im Kindes- und Jugendalter diagnostiziert werden können, auch wenn die Kriterien teilweise geringfügig verändert wurden (vgl. Essau 2007). Der DSM 5 unterscheidet zwischen der Major Depression, der Dysthymen Störung und der Bipolaren Störungen. Bei der Major Depression treten eine oder mehrere depressive Episoden auf, die mindestens zwei Wochen anhalten und bei der an beinah allen Tagen eines der beiden Kernsymptome festzustellen ist; Entweder eine depressive Verstimmung oder ein deutlich vermindertes Interesse an allen oder fast allen Aktivitäten (vgl. ebd.). Zudem müssen mindestens vier weitere Symptome, die oben bereits erwähnt wurden, vorliegen. Die Diagnose darf nicht gestellt werden, wenn keine tatsächliche Beeinträchtigung im schulischen, beruflichen oder psychosozialen Bereich vorliegt oder kein klinisches Leiden vorliegt. Die Episoden können je nach Ausprägung als leicht, mittel oder schwer klassifiziert werden (vgl. ebd.).

Die Dysthyme Störung stellt eine chronische, aber weniger schwere Form der Depression dar. Sie zeichnet sich aus durch eine anhaltende depressive bzw. bei Jugendlichen häufig aggressive Verstimmung, die mindestens ein Jahr anhält (vgl. Essau 2007). Es treten nicht alle Symptome wie bei einer depressiven Episode auf. Die Betroffenen fühlen sich jedoch häufig über einen langen Zeitraum erschöpft und depressiv, schlafen schlecht oder grübeln über Dinge nach (vgl. Hautzinger 1999). Auch diese Form der Depression kann bereits in jungem Alter seinen Ursprung haben und es darf laut Diagnose in dem betreffenden Zeitraum nicht zu einer mehr als zweimonatigen symptomfreien Periode kommen. Es kann jedoch zu Phasen kommen, in denen sich die betroffene Person zeitweise besser fühlt. Zudem können atypische Symptome auftreten, was die Diagnosestellung bei dieser Form der depressiven Störungen zusätzlich erschwert.

Bei den bipolaren Störungen handelt es sich um eine Gruppe psychischer Erkrankungen, bei denen die Betroffenen extreme Gefühlsschwankungen durchlaufen, die nicht vergleichbar sind mit alltäglichen Stimmungsveränderungen. Hierbei wechseln sich depressive Episoden mit manischen Episoden in unterschiedlichen Zeitabständen ab. Die manische Phase scheint das komplette Gegenstück zu den Symptomen einer Depression darzustellen: Hier leidet der Betroffene an Größenwahn, vermindertem Schlafbedürfnis, Ideenflucht, vermehrter zielgerichteter Aktivität oder gesteigerter Aggression (vgl. Essau 2007). Die Krankheit hat nicht nur Auswirkungen auf die Aktivität der Person, sondern auch auf das Denken, Fühlen, den Körper und die Fähigkeit, seinen Alltag zu bewältigen . Bipolare Störungen treten eher selten im Kindheits- und Jugendalter auf, 4 % der bipolaren Erwachsenen erlitten jedoch schon in diesem frühen Alter eine erste manisch-depressive Episode, 50 % zeigten erste Symptome vor ihrem 18. Lebensjahr (Deutsche Gesellschaft für bipolare Störungen e.V., 2016).

2.2 Epidemiologie und Komorbidität

Aktuell wird davon ausgegangen, dass etwa 5 % aller Menschen in Deutschland an einer Depression leiden. In Zahlen gesprochen bedeutet dies, dass momentan ca. 4 Millionen Menschen von dieser psychischen Erkrankung betroffen sind (vgl. Groen/Petermann 2011). Auch für Jugendliche liegen mittlerweile immer genauere Zahlen zur Ausbreitung von Depressionen vor. Man geht hierbei momentan von einer ähnlich großen Zahl an ernstzunehmenden Erkrankungen aus. Gerade die Pubertät wird dabei als potenziell wichtiger Faktor für die Entstehung einer Depression gesehen (vgl. Essau 2007). Das Durchschnittsalter der Ersterkrankung an einer Depression liegt mittlerweile bei 14.9 Jahren (vgl. Essau 2007). In dem Zusammenhang wurde festgestellt, dass der frühere Pubertätsbeginn der letzten Jahrzehnte parallel zu dem Anstieg und früheren Beginn der Depressionsraten verläuft (vgl. ebd.). Da hier zur gleichen Zeit große biologische und psychologische Veränderungen im Leben der Jugendlichen stattfinden, stellt dies eine Lebensphase dar, in der die Jugendlichen potenziell anfälliger für die Erkrankung an einer depressiven Verstimmung sind als in manch anderen Lebensabschnitten. Zudem lassen sich ab dem Jugendalter starke Geschlechterunterschiede bezüglich der Häufigkeit von Depressionen nachweisen. Während im Grundschulalter die Zahl der Erkrankungen bei Mädchen und Jungen etwa gleich groß ist, steigt die Anzahl an Erkrankung ab einem Alter von ca. 12 Jahren bei Mädchen sprunghaft an (vgl. Hautzinger 2011). Somit erkranken ab der frühen Adoleszenz zwei- bis dreimal so viele Mädchen an einer Depression als Jungen. Der Anstieg der Depressionsrate lässt sich hierbei jedoch weniger anhand des vorliegenden Alters vorhersagen, sondern eher anhand des vorliegenden Pubertätsstatus (vgl. Angold et al. 1998 in Essau 2007). Zudem zeigt sich nicht nur in Bezug auf depressive Verstimmungen ein geschlechterspezifischer Unterschied, sondern auch generell bezüglich psychischer Auffälligkeiten. Mädchen neigen neben depressiven Verstimmungen eher zu Angstsymptomen, während Jungs eher Verhaltensauffälligkeiten wie trotziges, aggressives oder hyperaktives Verhalten an den Tag legen (vgl. Groen/ Petermann 2011). Für diese Geschlechterunterschiede lassen sich zahlreiche biologische, kulturelle oder psychosoziale Faktoren als Erklärungsversuche heranziehen, wobei meistens die Entstehungsursache, wie auch bei der Depression selbst, multifaktoriell ist. Auf der biologischen Ebene gibt es Theorien der Gen- Umwelt- Interaktion, die sowohl auf genetischer als auch auf hormoneller Ebene ein höheres Stressniveau für Mädchen in der Pubertät feststellen und anhand dessen die erhöhte Anfälligkeit für depressive Verstimmungen erklären (vgl. Hautzinger 2011). So begründen Cyranowski und Mitautoren (2000) in ihrem Modell die Anfälligkeit damit, dass bei Mädchen in diesem Zeitraum das Bindungshormon Oxytocin vermehrt ausgeschüttet wird. Dieses erhöht das Bindungsbedürfnis, d.h. das Bedürfnis nach Nähe und positiver sozialer Interaktion. Wird dieses Bedürfnis unzureichend erfüllt, erhöhen sich der Stresslevel und damit die Anfälligkeit für eine Depression enorm. Zusätzlich wird bei Mädchen eine gesteigerte Irritierbarkeit und Verletzbarkeit bei sozialen Schwierigkeiten vermutet (vgl. Hautzinger 2011). Weitere Faktoren können erzieherische Unterschiede sein, wie beispielsweise die „erlernte Hilflosigkeit“, die bei Mädchen häufiger vorkommt als bei Jungs. Hier tendieren Mädchen in der Folge eher dazu, Konflikte zu verinnerlichen und auf sich selbst zu attribuieren, als diese aktiv durch Eigeninitiative zu bewältigen (vgl. Riecher- Rössler 2008). Dies scheint eher ein typisch männliches Bewältigungsverhalten darzustellen, welches bei Jungs schon früh erzieherisch gefördert wird.

Eine weitere Rolle für die Verteilung und Häufigkeit depressiver Verstimmungen spielen genetische Faktoren bezüglich der familiären Häufung. Kinder, deren Eltern depressiv sind, weisen höhere Raten psychischer Störungen auf als Kinder mit gesunden Eltern (vgl. Essauer 2007). Zudem erkranken diese früher an Depressionen als die Kontrollgruppe. Dies lässt auf eine genetische Prädestination für die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung an einer Depression schließen. Zudem weisen Depressionen eine hohe Komorbidität in Bezug auf andere Erkrankungen auf (vgl. Hautzinger 2013). Sie treten häufig in Verbindung mit Angststörungen, Zwängen, Essstörungen, Schizophrenien u.v.m. auf. Bei Jugendlichen erhöht eine Depression die Wahrscheinlichkeit, an einer weiteren Störung zu erkranken, um das Zwanzigfache (vgl. Essauer 2007). So tritt bei Jugendlichen eine Depression häufig in Verbindung mit einer Essstörung oder einem Alkohol- und Drogenmissbrauch auf. Auch hier bestehen geschlechtsspezifische Unterschiede: Aggressives Verhalten und andere Verhaltensstörungen in Verbindung mit einer Depression treten bei Jungs häufiger auf als bei Mädchen (vgl. ebd.). Diese Komorbidität mit anderen Auffälligkeiten trägt ebenfalls dazu bei, dass die eigentliche Depression, die oftmals durch die Symptome der kormobiden Störungen verdeckt wird, nicht erkannt oder zutreffend diagnostiziert wird. So liegt die tatsächliche Anzahl an depressiven Störungen im Jugendalter wahrscheinlich weitaus höher als die offiziell diagnostizierten 5 %.

Ebenso unterschiedlich wie das Erscheinungsbild der Krankheit gestaltet sich oftmals der Verlauf einer Depression. Es kann sich hierbei um kurze depressive Phasen handeln oder auch zu ausgeprägten Langzeiterkrankungen kommen. Die durchschnittliche Dauer der Erkrankung bei Jugendlichen liegt zwischen einigen Monaten und einem Dreivierteljahr (vgl. Groen/ Petermann 2011). Einflussfaktoren für die Dauer der Erkrankung können auch hier familiäre Faktoren oder das Vorliegen komorbider Störungen sein (vgl. Essau 2007).

3. Risiken und Erklärungen

Durch die genauere Betrachtung der Klassifikation, der Epidemiologie und Komorbidität konnte man erkennen, dass die Depression eine vielschichtige und komplexe psychische Krankheit ist, die weder in ihrer Symptomatik, noch in ihrem Verlauf oder ihrer Ursache einen einzigen, klar definierten Weg verfolgt. Jeder Jugendliche erlebt die Symptomatik und die dadurch bedingten Beeinflussungen des Alltags und der eigenen Psyche anders, da die Entwicklung der Krankheit ebenso wie die allgemeine kognitive und emotionale Entwicklung in der Jugendphase vielen verschiedenen Einflussfaktoren und deren Wechselwirkungen unterliegt (vgl. Groen/ Petermann 2011). Da die Adoleszenz eine Phase der biologischen, psychischen und sozialen Veränderungen darstellt, die eng miteinander verbunden sind, gehört sie zu den Phasen des Lebens, die den Jugendlichen vor neue Herausforderungen stellen und von ihm verlangen, neue Problemlösestrategien und Anpassungswege zu entwickeln. Da verschiedene Umwelteinflüsse und interne Persönlichkeitsmerkmale die angemessene Anpassung und Entwicklung behindern können, ist dies eine Phase, in der Risiken für eine psychische Erkrankung vermehrt auftreten können.

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Depression in der Jugend. Schule als Einflussfaktor der psychischen Gesundheit
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V322666
ISBN (eBook)
9783668218383
ISBN (Buch)
9783668218390
Dateigröße
878 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Depression, Leistung, Krankheitsbild, Jugend, Schulsystem, Anforderungen, depressive Erkrankung
Arbeit zitieren
Laura Klotz (Autor), 2016, Depression in der Jugend. Schule als Einflussfaktor der psychischen Gesundheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322666

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