Soziale Netzwerke, Chatrooms, Facebook und WhatsApp sind heutzutage Kommunikationsmittel, die von der Vielzahl der Jugendlichen regelmäßig genutzt werden und somit einen wichtigen Bestandteil der Lebenswelt der jugendlichen Nutzer darstellen. Laut aktueller JIM-Studie nutzen 89% der Jugendlichen täglich das Handy, 80% surfen jeden Tag im Internet. Eine Folgeerscheinung der weitläufigen medialen Verbreitung des Internets und der starken Handynutzung unter Jugendlichen stellt das „Sexting“ dar, welches zunächst in den USA für großen medialen Aufruhr sorgte und nach der professionellen Intervention medienpädagogischer Fachkräfte verlangte. In diesem Essay soll ein genauerer Blick auf diese Erscheinung gewagt werden.
„Sexting“ ist ein englisches Kofferwort aus den beiden Wörtern „Sex“ und „Texting“ und bezeichnet den interpersonalen Austausch von selbstproduzierten freizügigen Fotos per multimedialem Handykurzmitteilungsdienst. Um sich der Bedeutung des Begriffs zu nähern ist es sinnvoll, die beiden Komponenten zunächst getrennt voneinander zu betrachten. Die „Texting“- Komponente bezieht sich auf den weit verbreiteten Besitz und Gebrauch eines internetfähigen Gerätes und das damit verbundene Schicken von Kurzmitteilungen. So besitzen beispielsweise durchschnittlich 99% der 12-19- Jährigen ein Handy, 95% benennen hierbei ein internetfähiges Handy (Smartphone) (vgl. JIM-Studie 2015).
Die „Sexting“ Komponente beschreibt die freizügige Selbstdarstellung auf selbstproduzierten Bildern, die in ihrer Ausprägung und dem Grad der Sexualisierung stark variieren können (vgl. Döring 2012). Hierbei ist jedoch zu bemerken, dass der Grad der sexuellen Darstellungen häufig gering ausfällt und kaum pornografische Inhalte aufzeigt. Es kann sich um „Oben Ohne“- Bilder, Nacktdarstellungen von (intimen) Körperteilen, Unterwäschebilder o.ä. handeln (vgl. Döring 2012). Andere Formen des sexuellen, medialen Austauschs, wie z.B. das Versenden pornografischer Bilder, die nicht selbstproduziert sind, oder der Austausch intimer Textnachrichten, fallen nicht unter den Begriff „Sexting“ (vgl. Döring 2012). Die medial verbreitete Diskussion und Darstellung einer „Generation Porno“ (vgl. Mühl 2014) und vielfach diskutierte Fälle von unfreiwillig veröffentlichen Bildern in Jugendkreisen können leicht das Bild erzeugen, dass „Sexting“ unter Jugendlichen ein weit verbreitetes Phänomen sei, das täglich und leichtfertig von diesen ausgeübt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Sexting
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des "Sexting" unter Jugendlichen, beleuchtet dessen Verbreitung sowie die psychosozialen und rechtlichen Konsequenzen. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der kritischen Hinterfragung medialer Diskurse und der Entwicklung medienpädagogischer Lösungsansätze.
- Definition und Begriffsabgrenzung von "Sexting"
- Empirische Verbreitung des Phänomens bei Jugendlichen
- Psychosoziale Folgen und Mechanismen des "Victim Blaming"
- Rechtliche Rahmenbedingungen und strafrechtliche Relevanz
- Medienpädagogische Ansätze und das Konzept des "Safer Sexting"
Auszug aus dem Buch
Sexting
Soziale Netzwerke, Chatrooms, Facebook und WhatsApp sind heutzutage Kommunikationsmittel, die von der Vielzahl der Jugendlichen regelmäßig genutzt werden und somit einen wichtigen Bestandteil der Lebenswelt der jugendlichen Nutzer darstellen. Laut aktueller JIM-Studie nutzen 89% der Jugendlichen täglich das Handy, 80% surfen jeden Tag im Internet. Eine Folgeerscheinung der weitläufigen medialen Verbreitung des Internets und der starken Handynutzung unter Jugendlichen stellt das „Sexting“ dar, welches zunächst in den USA für großen medialen Aufruhr sorgte und nach der professionellen Intervention medienpädagogischer Fachkräfte verlangte.
„Sexting“ ist ein englisches Kofferwort aus den beiden Wörtern „Sex“ und „Texting“ und bezeichnet den interpersonalen Austausch von selbstproduzierten freizügigen Fotos per multimedialem Handykurzmitteilungsdienst (vgl. Döring 2012). Um sich der Bedeutung des Begriffs zu nähern ist es sinnvoll, die beiden Komponenten zunächst getrennt voneinander zu betrachten. Die „Texting“- Komponente bezieht sich auf den weit verbreiteten Besitz und Gebrauch eines internetfähigen Gerätes und das damit verbundene Schicken von Kurzmitteilungen.
So besitzen beispielsweise durchschnittlich 99% der 12-19- Jährigen ein Handy, 95% benennen hierbei ein internetfähiges Handy (Smartphone) (vgl. JIM-Studie 2015). Auch die Nutzerpräferenz liegt in einem ähnlich hohen Bereich, 9 von 10 Jugendlichen (89%) nutzen ihr Handy täglich (vgl. JIM-Studie 2015). Smartphones stellen somit einen festen Bestandteil im Alltag der Jugendlichen dar, der für die Jugendlichen von großer Bedeutung ist und welches regelmäßig genutzt wird. Hauptsächlich wird das Smartphone zum Verschicken und Erhalten von Nachrichten benutzt, häufig über Nachrichtendienste wie Whats App (vgl. JIM- Studie 2015). In der Regel sind diese Geräte mit einer Kamera ausgestattet, wodurch selbst produzierte Bilder schnell und ohne Medienbruch an Freunde oder den Partner weitergesendet werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sexting: Dieses Kapitel definiert den Begriff Sexting als Austausch selbstproduzierter freizügiger Fotos, analysiert die technologische Grundlage durch Smartphones und gibt einen Überblick über die Verbreitung sowie die rechtlichen und sozialen Implikationen des Phänomens.
Schlüsselwörter
Sexting, Jugendliche, Smartphone, Medienpädagogik, Internet, Safer Sexting, Victim Blaming, Geschlechterrollen, Sexualität, Recht, Persönlichkeitsrecht, Soziale Netzwerke, Digitale Kommunikation, Prävention, Aufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen Sexting unter Jugendlichen, wobei die technologischen Voraussetzungen, die tatsächliche Verbreitung und die damit verbundenen Risiken im Mittelpunkt stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Sexting, der psychologischen Betrachtung (insbesondere Victim Blaming), den rechtlichen Konsequenzen in Deutschland sowie modernen medienpädagogischen Ansätzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das mediale Bild einer "Generation Porno" zu hinterfragen und Wege für einen kompetenten, reflektierten Umgang mit Sexting unter Jugendlichen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Ausarbeitung, die auf der Analyse aktueller Studien (wie der JIM-Studie), fachwissenschaftlicher Literatur und rechtlicher Grundlagen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Verbreitung, den psychosozialen Folgen für Betroffene, der Geschlechterspezifik der Rezeption sowie der strafrechtlichen Einordnung in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Sexting, Medienkompetenz, Victim Blaming, Safer Sexting und die jugendliche Lebenswelt im digitalen Zeitalter.
Warum wird im Dokument das Konzept des "Safer Sexting" als sinnvoll erachtet?
Es wird als pragmatischerer Ansatz als das reine Abstinenzgebot angesehen, da es Jugendlichen hilft, Risiken durch Medienkompetenz eigenverantwortlich zu minimieren.
Welche Rolle spielt die geschlechtsspezifische Bewertung beim Sexting?
Die Arbeit zeigt auf, dass Mädchen bei der Veröffentlichung intimer Fotos häufiger stigmatisiert werden als Jungen, was durch Rollenbilder und "Victim Blaming" verstärkt wird.
Inwiefern unterscheidet sich die rechtliche Lage in Deutschland von der in den USA?
Deutschland verfolgt einen weniger stark kriminalisierenden Ansatz; einvernehmliches Sexting unter Jugendlichen ist hier in der Regel straffrei, während in den USA teilweise drakonische Strafen drohen.
- Arbeit zitieren
- Laura Klotz (Autor:in), 2015, Das Phänomen "Sexting". Erscheinungsformen und Möglichkeiten der medienpädagogischen Intervention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322667