Die Geschichte kindgerechter Literatur reicht Jahrhunderte, wahrscheinlich sogar Jahrtausende zurück. Sie nimmt im frühpädagogischen Bereich eine sehr elementare Stellung ein. Dies ist nicht zuletzt dadurch bedingt, dass sie unabhängig von jeglicher Institution Einzug in die heimischen Kinderzimmer hält. Selbst bildungsferne Elternhäuser bedienen sich beispielsweise „Gute Nacht“-Geschichten, um Kinder für die Nachtruhe einzustimmen.
Weiterhin ist es ebenso von Bedeutung, dass beinahe jede populäre Kindergeschichte sowohl moralische als auch kulturelle Werte vermittelt und somit folglich die Heranwachsenden über ihre Kinder- und Jugendzeit hinaus prägt.
Eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste „Moral der Geschicht“ ist, in aller Regel, dass das Gute letztendlich obsiegt. Sei es das über lange Strecken sehr leidvolle Leben der Aschenputtel oder das der Schneewittchen: Auf lange Sicht gesehen wiederfährt dem guten Charakter stets ein gutes Ende. Selbst dem Laien drängt es sich nahezu auf, dass der moralische Aspekt von Kindergeschichten meist eine Durchhalteparole zu einem besonders moralischen und aufrichtigen Lebensstil beinhaltet.
In der nachfolgenden Analyse soll der Fokus jedoch auf eine aktuellere Kindergeschichte gelegt werden, als etwa die Werke der Gebrüder Grimm: "Pippi Langstrumpf". Hierfür ist es zunächst notwendig herauszuarbeiten, welche Umstände und Eigenschaften einer Geschichte für Kinder dieser das Attribut eines Klassikers verleihen. Zusammenfassend soll im weiteren Verlauf der Ausarbeitung ergründet werden, ob und in wie fern Astrid Lindgrens Werk sich im pädagogischen Bereich nutzen lässt.
Inhaltsverzeichnis
KLASSIKER DER KINDER- UND JUGENDLITERATUR
EINLEITUNG
WAS MACHT EINEN KLASSIKER ZUM KLASSIKER?
Darstellung der verschiedenen Positionen
Gegenüberstellung der Positionen
Zusammenfassung der Positionen
PHANTASTISCHE KINDER- UND JUGENDLITERATUR
ASTRID LINDGRENS PIPPI LANGSTRUMPF
Figurenbeschreibung
Didaktische Analyse
Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf im pädagogischen Kontext
FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Eignung von Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ vor dem Hintergrund der allgemeinen Kriterien für literarische Klassiker und der spezifischen Charakteristika phantastischer Kinderliteratur.
- Definition und wissenschaftliche Einordnung des Begriffs „Klassiker“
- Analyse des Genres der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur
- Detaillierte Figurenbeschreibung und Charakterisierung von Pippi Langstrumpf
- Didaktische Analyse des pädagogischen Nutzens im Bildungskontext
Auszug aus dem Buch
Didaktische Analyse
Aufgrund der antiautoritären und rebellischen Darstellung der Pippi Langstrumpf mag es sich auf dem ersten Blick nicht zwangsläufig erschließen, in wie fern diese Figur einen pädagogischen Nutzen erfüllt. Letztere Tatsache erschließt sich jedoch ziemlich prägnant bei der näheren Betrachtung der Figurenkonzeption und dessen Wirkung auf den kindlichen Charakter.
Einen ersten Hinweis auf den pädagogischen Nutzen gibt Lindgren selbst: „...Bei Betrand Russell lese ich, dass der vornehmliche und instinktivste Drang in der Kindheit das Verlangen ist, erwachsen zu werden oder, besser gesagt, der Wille zur Macht...“. Mit dieser Aussage benennt Astrid Lindgren ein Dilemma, dass sich fast durch sämtliche Entwicklungsstufen der kindlichen Persönlichkeit hindurchzieht und lediglich in seiner Intensität variiert. Das kindliche Ohnmachtsgefühl, hilflos zu sein gegenüber körperlich überlegenen Erwachsenen, ist der Ausgangspunkt vieler Konflikte in der Persönlichkeitsentwicklung. Die Figur der Pippi Langstrumpf in Verbindung mit dem Genre der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur lässt es zu, dass sich Kinder in Krisenzeiten ihrer Entwicklung in eine phantastische Welt retten können, in denen sie keinen Stressbelastungen ausgesetzt sind und einmal selbst „am längeren Hebel sitzen“ können.
Dieser Effekt führt dazu, dass Kinder und Jugendliche nicht unter einem Eindruck der Hilflosigkeit schlichtweg resignieren, sondern sich aus der Realität loslösen und nach dem Konsum der Literatur ebenso wieder in die Realität zurückkehren mit dem positiven Effekt, dass das Erlebte besser in Relationen gesetzt werden kann. Der Kinderpsyche wird es somit erleichtert mögliche Konflikte in der Persönlichkeitsentwicklung zu überwinden.
Zusammenfassung der Kapitel
KLASSIKER DER KINDER- UND JUGENDLITERATUR: Einführung in die Bedeutung und die zeitlose Rolle von Kinderliteratur für die frühpädagogische Entwicklung.
WAS MACHT EINEN KLASSIKER ZUM KLASSIKER?: Gegenüberstellung unterschiedlicher literaturwissenschaftlicher Ansätze zur Definition klassischer Werke anhand normativer und deskriptiver Kriterien.
PHANTASTISCHE KINDER- UND JUGENDLITERATUR: Definition des Genres der Phantastik und Erläuterung der kontrastiven Weltenbildung als Medium für kindliche Gedankenspiele.
ASTRID LINDGRENS PIPPI LANGSTRUMPF: Charakterisierung der Hauptfigur Pippi Langstrumpf und Untersuchung ihres pädagogischen Potenzials unter Berücksichtigung psychologischer Aspekte.
FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Eignung von „Pippi Langstrumpf“ für den pädagogischen Einsatz unter Anleitung kompetenter Lehrkräfte.
Schlüsselwörter
Pippi Langstrumpf, Kinderliteratur, Klassiker, Phantastik, pädagogischer Nutzen, Astrid Lindgren, kindliche Entwicklung, Literaturwissenschaft, Rollenbilder, Sozialisation, Medienverbundsystem, didaktische Analyse, Identifikationsfigur, Literaturunterricht, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ als klassisches Werk der Kinderliteratur einen pädagogischen Mehrwert für Heranwachsende bieten kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der wissenschaftlichen Klassiker-Definition, der Bedeutung phantastischer Literatur sowie der Analyse von Pippi Langstrumpf als Modellfigur im Bildungskontext.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Ergründung des pädagogischen Nutzens der Figur Pippi Langstrumpf und die Frage, wie diese in Bildungseinrichtungen zielführend eingesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die verschiedene Positionen von Forschern wie Wolgast, Kümmerling-Meibauer und Doderer gegenüberstellt und auf das Werk von Astrid Lindgren anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung des Klassikers, die Definition der phantastischen Literatur und die konkrete didaktische Analyse der Figur Pippi Langstrumpf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Pippi Langstrumpf, Klassiker-Definition, pädagogischer Nutzen, phantastische Kinderliteratur und Sozialisation beschreiben.
Warum wird Pippi Langstrumpf als "Ödipale" Figur im Text bezeichnet?
Der Autor führt dies auf Pippis Verhältnis zum Vater zurück, wobei ihre physische Stärke als Symbol für ihre Ich-Stärke und ihre unbewusste Wunschvorstellung interpretiert wird.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft beim Einsatz des Buches?
Die Lehrkraft fungiert laut Fazit als notwendige Assistenz, die das Phantasievolle in gesunde Bahnen lenkt, ohne dabei bevormundend zu agieren.
- Quote paper
- Benjamin Müller (Author), 2015, Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Eine Betrachtung der „Pippi Langstrumpf“ im pädagogischen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322680