Filmanalyse mit Auswertung der Subsequenz „Stille Nacht, Heilige Nacht“ im Film „Merry Christmas“ von Christian Carion


Hausarbeit, 2016

20 Seiten, Note: 12/15


Leseprobe

Inhalt

Analyseziel

Angaben zum Film

Geschichtlicher Hintergrund

Protagonisten im Film

Inhalt und formaler Aufbau

Subsequenz: „Stille Nacht, Heilige Nacht“

Fazit

Literaturverzeichnis

Analyseziel

„Die Deutschen fingen an: „Hallo Tommy!“ Prompt riefen Briten zurück: „Hallo Fritz!“ Das war das Signal. Die Deutschen krochen aus ihren Schützengräben, ebenso die Engländer. Es kam zu einer herzlichen Begrüßung zwischen den Gegnern. Sie rauchten gemeinsam Zigaretten und spielten sogar Fußball. Es war wohl das denkwürdigste Fußballspiel aller Zeiten.“[1]

Eine wahre Begebenheit die sich zur Weihnachtszeit von1914 abspielte. Zu einem Zeitpunkt, in dem sich alles nur um Tod und Zerstörung drehte. Gerade deshalb, sind diese Geschehnisse ein kleines Wunder.

Die obige Schilderung ist eine Erinnerung des letzten Zeitzeugen. Der englische Kriegsveteran Bertie Felstead verstarb am 22. Juli 2001 im Alter von 106 Jahren und war nicht der einzige, der solche Freundschaftlichen Begegnungen mit dem Feind hatte.

Das Thema der Fraternisierung an Weinachten des Ersten Weltkrieges wird im Film „Merry Christmas“ von Christian Carion aufgegriffen und ist der Hauptgegenstand der folgenden Arbeit.

Zu Beginn werden im ersten Kapitel wesentliche Angaben zum Film erläutert. Im zweiten Kapitel wird der geschichtliche Hintergrund dargelegt. Um eine kleine Übersicht über die Hauptfiguren zu bekommen, folgt im dritten Kapitel eine kurze Charakterisierung der Protagonisten des Films.

Anschließend wird im vierten Kapitel der Inhalt und der formale Aufbau des Filmwerks verdeutlicht. Mit Hilfe einer Sequenzliste, wird der Film in Sequenzen und Subsequenzen eingeteilt und verschafft damit einen ersten Überblick.

Darauf aufbauend findet im fünften Kapitel eine genaue Analyse der Subsequenz „Stille Nacht, Heilige Nacht“ statt. Hierbei werden die Elemente der filmischen Gestaltung untersucht. Gleichzeitig bildet diese Analyse das Hauptziel der Arbeit.

Den Schluss bildet das Fazit, in dem die wichtigsten Ergebnisse nochmal zusammengefasst werden.

Angaben zum Film

Originaltitel

Joyeux Noël (FRA), Merry Christmas (ENG)

Deutscher Titel

Merry Christmas

Regie und Drehbuch

Christian Carion

Literarische Vorlage

Batailles de Flandres et d’Artois 1914-1918 von Yves Buffetaut

Produktion

Nord Ouest Production, Senator Fil Production

Besetzung

DianeKrüger, Benno Führmann, Daniel Brühl, Guillaume Canet, Alex Ferns, Gary Lewis, Dany Boom, Steven Robertson, Robin Laing

Filmlänge

111 min.

Musik und Ton

Philippe Rombi und Pierre Mertens,Thomas Desjonqueres, Dean Humphreys

Kameraführung

Walter Wanden Ende

Der 2005 erschienene Antikriegsfilm von Christian Carion basiert auf realen Ereignissen des Ersten Weltkriegs. Nach monatelanger Kriegsführung wird an Heiligabend auf beiden Seiten der Waffenstillstand ausgerufen. Waffen werden Niedergelegt. Verfeindete Soldaten kommen aus den Schützengräben und treffen sich im Niemandsland, um gemeinsam Weihnachten zu feiern.

Die Idee für diesen Film stammte aus dem Buch Batailles de Flandres et d’Artois 1914-1918 von Yves Buffetaut, das von den Geschehnissen des Ersten Weltkrieges berichtet. Das Filmwerk weist eine Internationale Besetzung auf und wurde in Ländern wie Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Belgien und Rumänien gedreht.

Der Film von Christian Carion bekam reichlich Kritik. Unteranderem schrieb Simone Seidel bei Filmreporter.de: „Die Geschichte geht zu Herzen, Bildgewaltig, anrührend und in der Unmenschlichkeit menschlich.“[2] Anders liest man bei Zelluloid.de „Doch manchmal sind die Dialoge etwas hölzern, weil hier die üblichen Antikriegsthesen abgearbeitet werden. Dann bleiben die Gespräche an der Oberfläche und betreffen all zu Offensichtliches.“[3] Ruby Rankin schrieb für die World Socialist Web Site: “Joyeux Noël has been accused of being amateurish, simplistic and overly sentimental. While there may be some truth to these accusations, the film’s subject matter and its dramatisation of one of the most socially potent but little-known events of WWI still speaks to us across the generations, even though it could have been more complex or the themes developed more powerfully.”[4]

Geschichtlicher Hintergrund

„Ich stand mit Spritsch an der Lateinbrücke, als man plötzlich weiter unten eine Bombe explodieren hörte. Ich lief bis zur Mitte des Kais, um zu sehen, was geschehen war. Ich wunderte mich über die Explosion, weil ich doch selbst die Absicht hatte, ein Attentat zu begehen. […]“[5]

Mit folgender Aussage bekennt sich der 17-jährige Nationalist mit serbischer Herkunft Gavrilo Princip des Attentats am österreichischen Thronfolger und Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie Choteck. Nachdem die Bombe des Mit Attentäters Nedeljiko Cabrinovic das Thronfolgerpaar verfehlte, wurden sie durch Schüsse von Princip tödlich getroffen.[6]

Das Attentat vom 28. Juni 1914 wird mit dem Begriff der Julikrise in Zusammenhang gebracht. Durch die österreichische-ungarische Kriegserklärung an Serbien wird der Anschlag zum Kriegsauslöser.

Zwischenzeitlich entstehen in Europa zwei Bündnisse. Zum einen das seit 1882 existente Dreibundbündnis zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien. Zum anderen die seit 1904 (beschlossene) Entente von Frankreich und England. Dieser schloss sich zwei Jahre später Russland an.[7] Unter den fünf Großmächten Österreich-Ungarn, Deutsche Reich, Frankreich, Russland und Großbritannien entwickelten sich Konflikte. Die deutsch-englischen Flottenfrage oder der österreichischen-russischen Balkanangelegenheit zählen unter anderem zu einigen der Kriegsursachen. Mit dem Angriff seitens Österreich-Ungarns, begann sich der Erste Weltkrieg auf die restlichen Großmächte auszubreiten. Als Verbündeter bekam Österreich-Ungarns Unterstützung seitens des Deutschen Reiches. Zur gleichen Zeit, nämlich am 1. August 1914 verkündet Russland, Bündnispartner Serbiens seine Mobilmachung. Mit dem Kriegsbeitritt von Frankreich am 3. August 1914 und von Großbritannien am 4. August 1914 entwickelt sich der Erste Weltkrieg.[8]

Der Glaube daran, dass es sich um einen Kurzweiligen Krieg handelt, relativierte sich in den letzten Monaten 1914. Zwischen November und Dezember endet die erste Phase des Krieges. Dieser entwickelte sich zu einem Stellungskrieg. Es findet dabei eine defensive Kriegsführung statt. Der Kriegsverlauf erfolgt aus befestigten Stellungen, wie Bunker oder Schützengräbern.[9]

„Die Überlegenheit der Abwehr gegenüber dem Angreifer, die Erschöpfung der Heere auf beiden Seiten, dazu der Mangel an personellen und materiellen Reserven sowie das Unvermögen der Rüstungsindustrie, den Bedarf der Front kurzfristig zu decken.“[10] So schildert Janusz Piekałkiewicz die Hauptursachen des unbeweglichen Stellungskrieges.

In dieser Zeit setzt die Handlung des Filmes „Merry Christmas“ ein.

Protagonisten im Film

Anna Sörensen (Diane Krüger) stellt eine erfolgreiche Sopranistin aus Deutschland dar. Von ihrer Anforderung eines Liederabends, um ihren Mann Nikolaus Sprink (Benno Führmann) wiederzusehen, bis hin zu ihren Fluchtgedanken, zeigt sich ihre Stärke und ihre unbeugsame Art. Der berühmte Tenor Nikolaus Sprink beweist durch seine Rückkehr an die Front, um für seine Kameraden zu singen, seine Loyalität. Mit seinem Gesangsauftritt von „Stiller Nacht, Heiliger Nacht“ ist er an der Verbrüderung der Soldaten beteiligt. Gemeinsam stellen sich am Ende Anna Sörensen und Nikolaus Sprink als Kriegsgefangene der Franzosen, um zusammenbleiben zu können.

Der französische Leutant Audebant (Guillaume Canet), der schottische Leutnant Gordon Mackenzie (Alex Ferns) und der deutsche Oberstleutnant Horstmayer (Daniel Brühl) stellen drei Charaktere dar, die einen wesentlichen Teil zur Fraternisierung beitragen. Leutnant Audebant zeigt sich, trotz seiner eignen Angst im Krieg umzukommen, seinen Männern optimistisch und zuversichtlich. Im laufe des Films wird allerdings deutlich, dass er lieber bei seiner schwangeren Frau geblieben wäre, die im besetzten Lens geblieben ist. Durch die Verbrüderung mit den Deutschen erfährt er, dass er Vater eines Sohnes geworden ist. Dafür wird er jedoch nach Verdan versetzt, schämt sich für sein Handeln an Heiligabend jedoch nicht.

Leutnant Gordon Mackenzie, steht der Verbrüderung positiv gegenüber, jedoch weiß er nicht, wie er sein Handeln seinen Vorgesetzten erklären soll.

Der deutsche Oberstleutnant Horstmayer zeigt sich zu Anfang als strenger und ergebener Leutnant. Im laufe des Filmes, verändert er sich jedoch und sieht in den Franzosen und Schotten keine Feinde mehr. Er und seine Männer werden am Ende nach Ostpreußen versetzt, ohne ihre Familien sehen zu dürfen. Aus Wiedersetzung dem Kronprinzen gegenüber, summen sie das schottische Lied I‘m dreaming for Home.

Der anglikanische Priester Palmer (Gery Lewis) wird als Militärseelsorger an der Front eingesetzt. An Heiligabend hält er für alle Soldaten eine Weihnachtsmesse ab und betet bei den Begräbnissen für die Toden. Bei einer Unterredung mit dem Bischof (Ian Richardson), der ihm die Versetzung nach Schottland mittteilt, zeigen sich seine deutlichen Zweifel am Sinn des Krieges. Schlussendlich wendet er sich von Gott und seinem Glauben ab.

Der junge Schotte Jonathan Dale (Steven Robertson) zieht gemeinsam mit seinem Bruder William (Robin Laing) in den Krieg. An der Front stirbt William. Durch Trauer und Verbitterung ist Jonathan nicht mehr der Selbe.

Der französische Adjutant Ponchel (Dany Boon) ist ursprünglich Friseur. In Gesprächen mit Leutnant Audebant, wird klar, dass er sich sehr um seine Mutter sorgt, die im besetzten Gebiet nur einiger Kilometer von der Kriegsfront entfernt lebt. Als Deutscher verkleidet, kann er zum Ende hin seine Mutter ein letztes Mal besuchen. Er wird jedoch unter dem Befehl des schottischen Generals von Jonathan Dale erschossen.

Inhalt und formaler Aufbau

„Sequenzen im Film zu bestimmen, dient vor allem dem Erkennen von Strukturen, die den gesamten Film, die Fernsehsendung oder auch das Video gliedern.“[11]

Demnach ist das Ziel des Kapitels, den Inhalt und den formalen Aufbau des Films anhand einer Sequenzliste zu veranschaulichen. Sie dient der Orientierung und des Überblicks über den Gesamtaufbau des Films.

Sequenz 1, Kriegsbeginn (00’00-7’36)

(00’00) Vorspann: Jeweils drei Schüler aus Schottlands, Frankreich und Deutschland tragen ein Hassgedicht vor

(3’56) Der junge Schotte William Dale stürmt in die Kirche des anglikanischen Priester Palmer und läutet euphorisch die Kirchenglocke. Er kündigt den Kriegsbeginn an und teilt seinem Bruder Jonathan mit, ihn auch für die Front gemeldet zu haben.

(5’27) Der Auftritt des Deutsch Tenors Nikolaus Sprink und der Dänischen Sopranistin Anna Sörensen wird durch die Kundgebung des Kriegseintritts des Deutschen Reiches unterbrochen.

Sequenz 2, An der Front (7’37-16’10)

(7’37) Der französische Leutnant Audebant erteilt seinem Bataillon letzte Anweisungen, bevor sie mit den Verbündeten Schotten einen Angriff die Deutschen Truppen führen (in?), während des Gefechts verliert Jonathan Dale seinen Bruder William.

(12’34) Jonathan trauert seinem Bruder nach. Leutnant Gordon Makenzie erhält die Nachricht, dass bald eine Verstärkungstruppe eintreffen soll.

(13’55) In der Nacht hört der Militärseelsorger Palmer außerhalb des Schützengrabens Hilferufe und verlässt den Schutz des Grabens. Beim Versuch der Hilfeleistung eines verletzten Soldaten, gerät er und ein Soldat unter Feuer der Deutschen und treten den Rückzug an.

(15’18) Einstellen der Schüsse auf Schotten. Nikolaus Sprink erhält neue Anweisungen von Oberleutnant Horstmayer

Sequenz 3, Begegnungen (16’11-30’06)

(16’11) Leutnant Audebant erhält während einem geheimen Treffens mit dem General letzte Anweisungen. Verbringt die Weinachtstage mit seinen Soldaten, danach soll er zur Artillerie wechseln. Danach unterhält sich Leutnant Audebant mit seinem Adjutanten Ponchel.

(19’47) Nachdem auf deutscher Seite der Auftrag gegeben wird, Tannenbäume an die Westfront zu schicken, fordert Anna Sörensen einen Liederabend für den Kronprinzen.

(22’44) Jonathan Dale schreibt Briefe an seine Mutter, in denen sein Bruder noch am Leben ist. Währenddessen erhalten die schottischen Soldaten die Nachricht, dass der Verstärkungstrupp später eintrifft.

(25’56) Im deutsch Schützengraben kommen Weihnachtsbäume an. Sprink erhält die Mitteilung, für den Auftritt des Liederabends nach Berlin fahren zu dürfen. Oberstleutnant Horstmayer teilt Sprink seine Ablehnung ihm gegenüber mit.

(27’34) Leutnant Audebant lässt sich von Ponchel die Haare schneiden. Dabei tauschen sie Erinnerungen an vergangene Tage aus.

Sequenz 4, Wiedersehen (30’07-39’56)

(30’07) Nachdem sich Nikolaus Sprink und Anna Sörensen seit der Rekrutierung Sprinks wiedersehen, treten sie gemeinsam am Liederabend vor dem Kornprinzen auf.

(38’01) Nach ihrem Auftritt entscheidet sich Anna Sörensen dafür, die Soldaten im Schützengraben zu besuchen.

Sequenz 5, Heiligabend (39’57-57’01)

(39’57) Während des Weihnachtsessens im französischen Schützengraben, wird ein Soldat für die (Spionage) zum deutschen Schützengraben geschickt.

(40’43) Schotten spielen Weihnachtslieder auf Dudelsäcken

(43’16) Ankunft von Nikolaus Sprink und Anna Sörensen im deutsch Schützengraben.

[...]


[1] Rieker, Heinrich: Nicht schießen, wir schießen auch nicht! Versöhnung von Kriegsgegnern im Niemandsland 1914-1918 und 1939-1945, 2007, S. 43.

[2] Seidel, Simone: Inhalt/Kritik Merry Christmas In: http://filmreporter.de/kino/15281-Merry-Christmas (11.04.2016).

[3] Zopick, Martin: Kritik zu Merry Christmas, 26.12.2009 In: http://www.zelluloid.de/filme/kritik.php3?id=5466&tid=9449 (11.04.2016).

[4] Rankin, Ruby: Music wins battle over barbarism, if only for a moment, 24.03.2006 In: https://www.wsws.org/en/articles/2006/03/joye-m24.html (11.04.2016).

[5] Piekalkiewicz, Janusz: Der Erste Weltkrieg, 1994, S. 12f.

[6] Vgl. Ebd. S. 13.

[7] Vgl. Piekalkiewicz, Janusz: Der Erste Weltkrieg, 1994, S. 15.

[8] Die Julikrise, 2014 In: http://www.geschichte-lexikon.de/julikrise.php (7.04.2016).

[9] Vgl. Vgl. Piekalkiewicz, Janusz: Der Erste Weltkrieg, 1994, S. 86.

[10] Vgl. Ebd. S. 86.

[11] Hickethier, Knut: Film- und Fernsehanalyse, 2007, S.141.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Filmanalyse mit Auswertung der Subsequenz „Stille Nacht, Heilige Nacht“ im Film „Merry Christmas“ von Christian Carion
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Kunstpädagogik)
Note
12/15
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V322715
ISBN (eBook)
9783668219458
ISBN (Buch)
9783668219465
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
filmanalyse, auswertung, subsequenz, stille, nacht, heilige, film, merry, christmas, christian, carion
Arbeit zitieren
Kristine Glombik (Autor), 2016, Filmanalyse mit Auswertung der Subsequenz „Stille Nacht, Heilige Nacht“ im Film „Merry Christmas“ von Christian Carion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322715

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