Der idealtypische Franchisenehmer


Hausarbeit, 2015
19 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Franchising
2.1. Definition Franchising
2.2. Geschichte und Entwicklung
2.3. Verschiedene Arten des Franchisings
2.3.1. Vertriebsfranchising
2.3.2. Dienstleistungsfranchising
2.3.3. Produktionsfranchising
2.4. Vor- und Nachteile des Franchising

3. Franchisenehmer
3.1. Voraussetzungen für Unternehmer
3.1.1. Kästner und Mönch
3.1.2. F-DUP
3.1.3. Nebel et al.
3.1.4. Häussermann
3.2. Idealtypisches Profil des Franchisenehmers

4. Schlussfolgerungen

5. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In Deutschland gibt es jährlich ca. 300.000 Menschen, die den Schritt in die Selbstständigkeit im Vollerwerbsbetrieb wagen[1]. Dabei besteht die Wahl zwischen mehreren Modellen der Unternehmensneugründung. Eine in ihrer Beliebtheit ansteigende Form ist das sogenannte Franchising. Immer mehr Unternehmer entscheiden sich für die Übernahme eines bewährten Geschäftsmodells. Allerdings ist die Anzahl der Neugründungen in Deutschland in den letzten Jahren konstant rückläufig[2], was auch die politische Führung mit Argwohn und Sorge beobachtet. Deswegen versucht diese wieder mehr Menschen von einem Schritt in die Selbstständigkeit zu überzeugen.

Zunächst wird das Konzept des Franchisings genauer vorgestellt und dessen geschichtliche Entwicklung betrachtet. Die verschiedenen Arten von Franchising sollen, ebenso wie die Vor- und Nachteile gegenüber anderen Gründungsformen, beleuchtet werden. Weiterhin stellt sich die Frage, welche Voraussetzungen und Eigenschaften ein angehender Franchisenehmer mitbringen muss, um erfolgreich ein Unternehmen dieser Art am Markt implementieren und im unternehmerischen Alltag führen zu können. Dabei wird auf ein idealtypisches Profil des Neuunternehmers, sowie des Franchisenehmers eingegangen. Dieser Aspekt bildet den Hauptfokus der folgenden Hausarbeit. In der aktuellen Forschung gibt es eine Debatte über die Erfolgssicherheit des Franchisekonzeptes. Beispielsweise wirbt der Deutsche Franchise-Verband (DFV) mit dem Slogan: ,,Erfolgreicher selbstständig.‘‘[3]. Allerdings führen empirische Erhebungen zu unterschiedlichen Ergebnissen: Während manche Studien von einer fast sicheren Organisationsform sprechen, geht aus anderen hervor, dass Franchisenehmer es deutlich schwieriger haben[4]. Diese Hausarbeit soll mithilfe von diversen Veröffentlichungen dazu beitragen, dass mehr Neugründer das Konzept des Franchisings präferieren und damit der Volkswirtschaft Deutschland weiterhelfen. Um das genannte Ziel zu erreichen und potentiellen Kandidaten für das Franchisesystem mehr Planungssicherheit zu geben, wird im Folgenden ein Profil des idealtypischen Franchisenehmers erarbeitet.

2. Franchising

2.1. Definition Franchising

Der Begriff ,,Franchising‘‘ kommt ursprünglich aus dem Französischen und bedeutet ,,Freiheit (von Abgaben)‘‘[5]. Die heutige Bedeutung hat jedoch mit der ursprünglichen Bedeutung nichts mehr gemeinsam. Franchising ist eine Kooperationsform, welche eine Absatzsteigerung anstrebt, auf Dauer angelegt ist und bei dem der Franchise-Geber die Planung, Durchführung und Kontrolle eines bewährten Betriebstypen übernimmt[6]. Einen Großteil des Wertes, den der Franchisegeber dem Kooperationsunternehmen übergibt, lässt sich unter die Begriffe ,,Know-How‘‘[7] und ,,Markenidentität‘‘[8] fassen, da der Markenname eines bewährten und bekannten Produkts bei dem Hauptziel dieser Form der Kooperation, die Maximierung des Absatzes, hilft und dieses Ziel durch eine dem Kunden bekannte Marke deutlich einfacher zu erreichen scheint. Vom Franchisegeber wird ein Gesamtkonzept erstellt, welches der Franchisenehmer selbstständig an dem von ihm gewählten Standort umsetzt. Als Konsequenz daraus ist er als rechtlich eigenständiger Unternehmer zu sehen, der im eigenen Namen und auf eigene Rechnung dazu das Konzept des Franchisegebers umsetzt. Dafür tritt der Franchisenehmer entweder eine Grundgebühr oder einen Anteil des Umsatzes an den Franchisegeber ab. Dabei ist eine deutliche Abgrenzung des Franchisings gegenüber der Kartellbildung offensichtlich, da es sich um eine vertikale Struktur handelt, bei der der Franchisegeber klar als Kopf des Systems angesehen wird[9]. Daraus folgt eine straffe Organisation, welche auf einer vertraglichen Basis durch ,,einheitliches Auftreten am Markt durch Nutzung einer gemeinsamen Marke‘‘[10] zu einem gesteigerten Absatz führen soll.

2.2. Geschichte und Entwicklung

Wie in 2.1. bereits erwähnt, stammt das Wort Franchising von dem französischen Wort ,,la franchise‘‘ ab, was so viel wie ,,Freiheit von Zollgebühren‘‘ bedeutet. Erstmals wurde dieser Begriff im 12. Jahrhundert verwendet, damals wurden sogenannte ,,chartes de franchise‘‘ vergeben. Ausgestellt wurden diese sowohl von geistlichen als auch von weltlichen Herrschern. Sie sorgten dafür, dass die Bevölkerung gegen eine materielle oder immaterielle Gegenleistung den Herrschern gehörende Ländereien nutzen und bestellen durften. Das erste System, welches dem heutigen Franchising ähnlich ist, gab es bereits im 15. Jahrhundert im Namen der florentinischen Handelsgesellschaften, welche Dritten das Recht erteilten, im Namen ihrer Unternehmen zu handeln, um so die Probleme der geographischen Entfernung und den daraus resultierenden Kommunikationsschwierigkeiten zu lösen[11]. 1863 führte die Singer Sewing Machine Company ein neues Absatzsystem ein, da der Erfinder der Nähmaschine und Unternehmensleiter Isaac Singer mit zwei Problemen zu kämpfen hatte. Erstens verfügte er nicht über ausreichende monetäre Mittel zur Marktdurchdringung, und zweitens waren potentielle Kunden mit der neuartigen Erfindung nicht vertraut. Also bekamen selbstständige Verkäufer das Recht verliehen, eigenständig Nähmaschinen der Firma Singer zu verkaufen. Diese mussten in der Lage sein, den Kunden die Bedienung der Maschine näher zu bringen. Es stellte sich heraus, dass dieses System ein riesiger Erfolg war[12]. Im Laufe der Zeit übernahmen immer mehr Betriebe diese Vertriebsstrategie, die sich Product Distribution Franchising nennt[13]. Unter anderem erteilte Coca-Cola 1900 lokalen Abfüllstationen Lizenzen zum Abfüllen des 1886 entwickelten Getränks[14]. Nach dem 2. Weltkrieg begann auch die Wissenschaft sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das Franchising in der Form, wie es heute noch in der Praxis betrieben wird, entstand im Jahr 1955. 1954 besuchte Ray Kroc, zu diesem Zeitpunkt Vertreter für Milchmixgeräte, ein Restaurant in San Bernardino, USA. Dort stellte er fest, dass dieses Restaurant enorm viele Kunden hatte. Also blieb er den ganzen Tag in dem Restaurant sitzen und beobachtete die Strukturen und Abläufe. Diese überzeugten ihn so sehr, dass er wenige Wochen später bei den Besitzern eine Vermarktungslizenz dieses Restauranttyps erwarb und am 2. März 1955 seine eigene Firma ,,McDonald’s System, Inc. ‘‘ gründete. Heute ist McDonald’s Inc. zu einer riesigen Fastfoodkette geworden, die im Jahresdurchschnitt ca. 60.000 Mitarbeiter beschäftigt[15]. In Deutschland gibt es 1.477 McDonald’s-Filialen, von denen 80% als Franchisebetriebe geführt werden[16].

2.3. Verschiedene Arten des Franchisings

2.3.1. Vertriebsfranchising

Ditges unterscheidet grundsätzlich drei verschiedene Formen des Franchisings[17], nämlich

1. Vertriebsfranchising
2. Dienstleistungsfranchising und
3. Produktionsfranchising

Der Hauptinhalt dieser Franchiseform ist der Vertrieb von Gütern, welche der Franchisenehmer entweder direkt vom Franchisegeber oder von einem Dritten bezieht. Die zu vertreibenden Güter sind in der Regel nicht nur vereinzelte Produkte, sondern die gesamte Produktpalette des Franchisegebers. Die Aufgabe des Franchisenehmers besteht darin, das Konzept und den organisationalen Aufbau der Unternehmensführung einzuhalten, was dazu führt, dass auch das Marketing und die Gestaltung der Räumlichkeiten strengen Vorgaben unterliegen und im Normalfall für alle Franchisenehmer gleich sind. Auf der Internetseite ,,franchise-welt.com‘‘ wird die Form Vertriebsfranchising nochmals aufgeteilt in Herstellerfranchise und Händler-Vertriebs-Franchise[18]. Bei Erstgenanntem werden Produkte und Marke vom Franchisegeber zur Verfügung gestellt, während beim Händler-Vertriebs-Franchise die Waren von Dritten im Auftrag des Franchisegebers erzeugt werden, was zur Folge haben kann, dass diese Produkte die Markennamen eines Dritten, des Herstellers, tragen. Als Alternative zu dieser Form besteht in der betriebswirtschaftlichen Praxis auch die Möglichkeit, dass der Franchisegeber lediglich vorgibt, welche Produkte im Sortiment auftauchen sollen, was dem Franchisenehmer mit der Bestellung der dafür notwendigen Produkte beauftragt[19]. Einige Beispiele für Vertriebsfranchising sind z.B. Marc Picard und Eismann[20]

2.3.2. Dienstleistungsfranchising

Wie aus der Bezeichnung ,,Dienstleistungsfranchising‘‘ ersichtlich wird, steht hier die Dienstleistung für den Kunden an erster Stelle. Um potentielle Neukunden anzuwerben, gestattet der Franchisegeber dem Franchisenehmer das Verwenden seiner Marke, seines Logos etc.. Während diese Form des Franchisings zu Beginn nur im Hotel- und Gastronomiebereich stattfand, ist heute ein breites Spektrum von Branchen mit dieser Art der Unternehmensform zu finden. Auffällig ist, dass in allen, der Franchise-Kette zugehörigen Betriebsstätten eine nahezu identische Ausstattung und Einrichtung vorzufinden ist, was einen hohen Wiedererkennungswert anstrebt (z.B.: McDonalds). Auch Angebot und Preis sind in der Regel gleich gehalten. In der Praxis zeigt sich, dass auch Mischformen aus Produktionsfranchising auftreten können. Um einen Dienstleistungsfranchisebetrieb erfolgreich führen zu können, wird der Franchisenehmer geschult. Die Schulung wird entweder vom Franchisegeber selbst durchgeführt oder dieser delegiert den Franchisenehmer zu einer Schulung. Ihm werden allen notwendigen Informationen zum Konzept zur Verfügung gestellt, während der Franchisegeber sich um ein identisches Aussehen der Filialen kümmert[21]. Dienstleistungsfranchising kommt sehr häufig im Gastronomiebereich, bspw. McDonald’s, Burger-King und Kentucky Fried Chicken, jedoch auch in der Hotellerie (Holiday Inns), Materialvermietung (Getifix-Reinigungsgeräte), Autoschnelldiensten (1, 2,3-Auto-Service, Cosy-Wash-Autoservice, Dinol-Rostschutz) uvm. vor[22].

2.3.3. Produktionsfranchising

Das Produktionsfranchising wird auch ,,industrielles Franchise‘‘ genannt[23]. Beim Produktionsfranchising erteilt ein Unternehmen einem anderen die Erlaubnis, Waren nach ihren Herstellungsmethoden zu produzieren. Die Franchisenehmer haben weiterhin das Recht, das Produkt zu verbessern oder zu verfeinern. Um absatzbedingte Probleme zu vermeiden, verwendet der Franchisenehmer das Logo und die Marke des Franchisenehmers. Das Zentrum dieser Form des Franchisings ist dabei klar die Herstellung und Verbesserung des Produkts. Dafür benötigt der Franchisenehmer ein großes Know-How, welches ihm vom Geber zur Verfügung gestellt wird. Dieses Wissen betrifft unter anderem Kenntnisse über die Herstellungsprozesse, aber auch die Informationen über die zur Produktion verwendeten Maschinen. In der Praxis tritt häufig der Fall ein, dass beim Produktionsfranchising auch das Vertriebsfranchising mit einbezogen wird[24]. Prominentestes Praxisbeispiel für Produktionsfranchising ist die Coca-Cola-Gesellschaft[25].

[...]


[1] Vgl.: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Existenzgründung, 29.04.2015.

[2] Vgl.: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Gründerland Deutschland, 29.04.2015.

[3] Vgl.: Deutscher Franchise-Verband, DFV, 02.07.2015

[4] Vgl. Ahlert (Handbuch 2010) S. 654.

[5] Vgl.: Hoffmeister (Multi-Franchise-Konzepte 1998), S. 71.

[6] Vgl.: Ditges (Partnerschaftsform 2001), S.11.

[7] Vgl.: Stein (Franchisingnetzwerke 1996), S. 14 .

[8] Vgl.: Kieser (Wachstumschancen 2011), S.12.

[9] Vgl.: Peckert et al.(Kooperation 2007), S.23.

[10] Stein (Franchisingnetzwerke 1996), S.15.

[11] Vgl.: Stein (Franchisingnetzwerke 1996), S. 12.

[12] Vgl.: Franchising.de, Geschichte des Franchise, 16.05.2015.

[13] Vgl.: Franchisekonzepte, Geschichte des Franchising, 17.05.2015.

[14] Vgl.: Tietz et al. (Kooperationsmodell 1979), S. 5.

[15] Vgl.: McDonald's, Über Uns – Das Unternehmen, 17.05.2015.

[16] Vgl.: McDonald's, Über Uns – Franchise-Modell, 17.05.2015.

[17] Vgl.: Ditges (Partnerschaftsform 2001), S. 12.

[18] Vgl.: Franchise-Welt, Arten des Franchise, 02.07.2015

[19] Vgl.: Franchise-Welt, Vertriebsfranchising, 25.05.2015.

[20] Vgl.: Skaupy (Handbuch 1987), S.26.

[21] Vgl.: Franchise-Welt, Dienstleistungsfranchising, 26.05.2015.

[22] Vgl.: Skaupy (Handbuch 1987), S.26

[23] Vgl.: Skaupy (Handbuch 1987), S.25.

[24] Vgl.: Franchise-Welt, Produktfranchising, 28.05.2015.

[25] Vgl.: Skaupy (Handbuch 1987), S.25

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der idealtypische Franchisenehmer
Hochschule
Private Fachhochschule Göttingen
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V322724
ISBN (eBook)
9783668218482
ISBN (Buch)
9783668218499
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Franchise, Geschäftsmodell, Selbstständigkeit, Gründung, Unternehmensneugründung
Arbeit zitieren
Lukas Tielmann (Autor), 2015, Der idealtypische Franchisenehmer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322724

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der idealtypische Franchisenehmer


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden