Ursachen, Wirkungen und Kosten einer Inflation


Seminararbeit, 2016
15 Seiten, Note: 1,3
Mareike Gnoyke (Autor)

Leseprobe

Gliederung

Abbildungsverzeichnis

1 Definition des Begriffes „Inflation“

2 Messung der Inflation

3 Abgrenzung zur Deflation

4 Ursachen für Inflation
4.1 Nachfrageinflation
4.2 Angebotsinflation
4.3 Monetaristische Inflationserklärung

5 Wirkungen einer Inflation

6 Kosten einer Inflation

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Preisindex-Formel von Laspeyres

1 Definition des Begriffes „Inflation“

Unter Inflation (lateinisch „inflatus“ = aufgeblasen) versteht man im Allgemeinen eine über einen längeren Zeitraum zu beobachtende Zunahme des Preisniveaus. Man spricht aber nur von Inflation, wenn das Preisniveau einer gesamten Volkswirtschaft steigt und nicht nur einzelne Preise steigen.[1]

Umgangssprachlich spricht man davon, dass „alles teurer wird“ oder dass „das Geld weniger wert ist“. Hiermit ist gemeint, dass der Geldwert des Geldes und somit auch die Kaufkraft sinken.

Geldentwertung und Kaufkraftverlust bedeuten, dass man mit der gleichen Menge Geld weniger Güter kaufen kann.[2]

2 Messung der Inflation

Die Messung der Inflationsrate erfolgt über den sogenannten Verbraucherpreisindex. Der Verbraucherpreisindex bezieht sich nur auf Privathaushalte. Das Statistische Bundesamt ermittelt über annähernd repräsentative Stichproben zu Einkommen und Verbrauch von ca. 60.000 Haushalten und durch andere Statistiken die durchschnittlichen Konsumgewohnheiten der Bevölkerung in Deutschland bezogen auf eine bestimmte Basisperiode, sprich einen bestimmten Zeitraum und entwickelt daraus einen sogenannten „Warenkorb“. Dieser Warenkorb enthält ca. 700 Waren und Dienstleistungen in bestimmter Qualität und Menge, die im Durchschnitt von den Konsumenten gekauft werden. Der Warenkorb enthält sowohl Lebensmittel als auch Kosten für Miete und Kleidung. Für die genannten Waren und Dienstleistungen wird monatlich die Preisentwicklung ermittelt durch sogenannte Preisrepräsentanten, also bestimmte, festgelegte Produkte von einer bestimmten Firma, deren Preise monatlich miteinander verglichen werden. Bestimmte Preisentwicklungen werden unterschiedlich gewichtet, da zum Beispiel eine zehnprozentige Erhöhung von Mietkosten viel gewichtiger ist als die zehnprozentige Erhöhung der Preise von Herrensocken.[3]

„Der für ein bestimmtes Basisjahr ermittelte durchschnittliche Warenkorb wird den Preisindexberechnungen in der Regel rund fünf Jahre unverändert zugrunde gelegt, weil man ja nur reine Preisveränderungen erfassen will, nicht aber Veränderungen der Konsumgewohnheiten. Je weiter nun aber das interessierende Jahr vom Basisjahr entfernt ist, desto weniger werden die Verbraucher tatsächlich im Durchschnitt die Mengen des repräsentativen Warenkorbes kaufen. Es gibt neue Produkte und neue Verbrauchsgewohnheiten. Diese werden normalerweise auch von der Entwicklung der Preisstruktur beeinflusst: Im Regelfall werden die relativ am teuersten gewordenen Produkte weniger nachgefragt. Damit reagiert der Verbraucher rational auf die Veränderung der Preisstruktur. Der in mehrjährigen Abständen neu ermittelte repräsentative Warenkorb eines neuen Basisjahres trägt solchen strukturellen Verschiebungen dann Rechnung. Im Warenkorb werden unmodern gewordene Güter durch neue Güter ersetzt.“[4]

Zur Berechnung des Preisindex verwendet man die Formel von Laspeyres:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Preisindex-Formel von Laspeyres

Quelle: http://www.iwk-verlag.de/Demo/BwLex/html/I/Index-Analyse.htm

Mit dieser Formel vergleicht man die Preise und Mengen in der Basisperiode bzw. im Basisjahr 0 mit den Preisen im Berichtsjahr bzw. folgenden Jahr. Die Menge bleibt konstant, da man von jeweils konstanten durchschnittlichen Verbrauchsgewohnheiten ausgeht. So kann man die Preise des Basisjahres mit denen des Folgejahres vergleichen und so eine eventuelle Preissteigerung feststellen.

Die Inflationsrate in Prozent wird durch die prozentuale Änderung des Preisindex P berechnet und bezieht sich auf Veränderungen des Preisindex auf Jahresbasis. Nach Festlegung durch die Europäische Zentralbank im Einklang mit vielen anderen nationalen Zentralbanken spricht man erst ab einer Preissteigerungsrate von zwei Prozent oder mehr von einer Inflation.

Die Inflationsrate wird zur Umrechnung von nominalen in reale Größen verwendet, beispielswiese ergibt sich der Realzins aus dem Nominalzins abzüglich der Inflationsrate.[5]

Im Rahmen der EU wird zur Berechnung der Inflationsrate der „Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI)“ herangezogen. Es werden nur solche Verbrauchskomponenten zugrunde gelegt, die in allen Mitgliedsstaaten der EU einheitlich erfasst werden.[6]

3 Abgrenzung zur Deflation

Unter Deflation wird ein andauernder Rückgang des Preisniveaus einer Volkswirtschaft verstanden. Demnach sinken die Preise im Durchschnitt und die Kaufkraft einer Geldeinheit steigt.[7]

Als Disinflation hingegen bezeichnet man den Rückgang der Inflationsrate.[8]

4 Ursachen für Inflation

Die Preise für Waren und Güter ergeben sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Somit können Preissteigerungen von beiden Seiten ausgehen. Dementsprechend wird zwischen Nachfrage- und Angebotsinflation unterschieden, wobei sich in der wirtschaftlichen Wirklichkeit beide Inflationsarten überlagern können und es nur schwer festzustellen ist, was der auslösende Impuls war. Hinzu kommt die monetär verursachte Inflation als besondere Form der Nachfrageinflation.[9] Auf die genannten Ursachen soll nun im Folgenden näher eingegangen werden.

4.1 Nachfrageinflation

Man spricht von einer Nachfrageinflation, wenn der Impuls für die Preiserhöhung von der Nachfrageseite ausgeht. Das heißt, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage bei konstantem gesamtwirtschaftlichem Angebot und bei Vollbeschäftigung zunimmt, entsteht ein Nachfrageüberhang (Angebotslücke oder inflatorische Lücke genannt). Die Nachfragekurve verschiebt sich also nach rechts.

Da Vollbeschäftigung herrscht, ist eine Erhöhung der Produktion nicht möglich und die überschüssige Güternachfrage allein bewirkt eine Preissteigerung. „Trotz ihrer erhöhten Ausgaben erhalten die Nachfrager genauso viel Güter wie bisher, die Preissteigerung „absorbiert“ die zusätzliche monetäre Nachfrage.“[10] Eine nachfrageverursachte Preissteigerung kann auch durch branchenbezogene Engpässe ausgelöst werden, auch wenn keine Vollbeschäftigung herrscht.

Das Fortbestehen der Inflation lässt sich wie folgt erklären: Wenn die Nachfrage nach Gütern auf ihrem erhöhten Niveau bleibt und die Nachfrager ihre Ausgaben erhöhen können, dann steht dem Güterangebot weiterhin eine größere Nachfrage gegenüber und das Preisniveau steigt erneut an. Entscheidend hierfür ist, dass die Nachfrager ihre Ausgaben entsprechend erhöhen können und wollen, zum Beispiel durch kreditfinanzierte private Investitionen, wenn die Investoren gute zukünftige Gewinnchancen sehen.[11]

Die Unternehmen konnten durch die Preissteigerungen „automatisch“ ihr Geldeinkommen steigern, da die Preise für ihre Produkte gestiegen sind.

Für die privaten Haushalte sieht es da anders aus: Durch die überschüssige Nachfrage auf dem Gütermarkt erhöht sich auch die Nachfrage nach Arbeitskräften und für Gewerkschaften wird es umso leichter, Tariflohnerhöhungen in Höhe der Preissteigerungen durchzusetzen. Dadurch können die privaten Haushalte ihre reale Nachfrage aufrecht erhalten, wenn sie unter die Gruppe der Lohnempfänger fallen. Wird die Nachfrage nicht nur durch die Haushalte, sondern auch durch den Staat und das Ausland (Exporte) aufrecht erhalten, so bleibt die Gesamtnachfrage auf einem höheren Niveau als das Inlandsprodukt und der Inflationsprozess setzt sich fort: Überschussnachfrage, Preissteigerung, Gewinnsteigerung, Lohnsteigerung, Überschussnachfrage, Preissteigerung usw.

Der Inflationsprozess wird in der Regel ohne staatlichen Eingriff unterbrochen, da einige Gruppen der Volkswirtschaft ihr Einkommen nicht in dem Umfang steigern können, wie die Preise ansteigen. Diese Gruppen sind unter anderem Empfänger von nicht dynamisierten Renten oder Stipendienempfänger. Diese Gruppen müssen ihre Nachfrage nach Gütern einschränken. Diese Einschränkung ist auch vom Ausland zu erwarten, wenn die Preise weiter steigen und der Wechselkurs fest bleibt, außer wenn im Ausland die Preise ebenfalls gleich stark oder stärker steigen.

Der Prozess der Preissteigerung kann auch durch die Einschränkung der Nachfrage des Staates aus wirtschaftspolitischen Gründen gestoppt werden oder wenn die Zentralbank die Geldmenge nicht oder in nicht ausreichender Menge erhöht. Es bleibt also festzuhalten, dass eine Erhöhung der Geldmenge durch die Zentralbank eine notwendige Bedingung für einen lang anhaltenden Prozess der Nachfrageinflation ist.

Auslöser für die beschriebene Nachfrageinflation können im Prinzip die privaten Haushalte, die Unternehmen, der Staat oder das Ausland sein.

Geht die Nachfrageerhöhung vom Ausland, durch die Zunahme von Exporten aus, weil im Ausland Preise und Einkommen steigen, dann spricht man von einer „importierten Inflation“. Sind inländische Nachfrager für die inflatorische Lücke verantwortlich, so wird von einer „hausgemachten Inflation“ gesprochen.[12]

4.2 Angebotsinflation

Wie bereits beschrieben, kann eine Inflation auch von der Angebotsseite ausgelöst werden. Zu Preissteigerungen durch die Angebotsseite kommt es immer dann, wenn die Anbieter eine Kostensteigerung haben und diese über höhere Preise für ihre Güter an die Nachfrager weitergeben. Das nennt man dann „Kostendruckinflation“. Außerdem kann es zu erhöhten Preisen kommen, wenn die Anbieter einen höheren Gewinnaufschlag durchsetzen möchten. Dies wird als „Gewinndruckinflation“ bezeichnet.

Preissteigerungen bei einer wirtschaftlichen Stagnation haben die Bezeichnung „Stagflation“, zusammengesetzt aus den Begriffen Stagnation und Inflation.[13]

Im Folgenden wird zunächst auf den Begriff der Kostendruckinflation näher eingegangen werden. Für diese Art der Inflation kann es mehrere Ursachen geben. Die erste mögliche Ursache ist eine Lohnsatzerhöhung, die prozentual über der der Produktivitätssteigerung liegt (die sogenannte „Lohndruckinflation“). Die zweite Möglichkeit wäre eine Preissteigerung bei importierten Vorprodukten als zweite Variante der importierten Inflation, da sie vom Ausland ausgeht. Drittens wäre die Zunahme der Zinskosten bzw. Kapitalkosten höher als die Zunahme der Kapitalproduktivität. Die vierte Variante wäre die Zunahme der Kostensteuern und fünftens und letztens wäre die Zunahme der Stückkosten bei abnehmender Kapazitätsauslastung zu nennen.[14]

[...]


[1] Vgl. Baßeler/Heinrich/Utecht (2010), S. 752.

[2] Vgl. Möller (2002), S. 232.

[3] Vgl. Baßeler/Heinrich/Utecht (2010), S. 752.

[4] Baßeler/Heinrich/Utecht (2010), S. 753.

[5] Vgl. Baßeler/Heinrich/Utecht (2010), S. 752 ff.

[6] Vgl. Baßeler/Heinrich/Utecht (2010), S. 754.

[7] Vgl. Möller (2002), S. 222.

[8] Vgl. Baßeler/Heinrich/Utecht (2010), S. 755.

[9] Vgl. Baßeler/Heinrich/Utecht (2010), S. 755.

[10] Baßeler/Heinrich/Utecht (2010), S. 756 f.

[11] Vgl. Baßeler/Heinrich/Utecht (2010), S. 757.

[12] Vgl. Baßeler/Heinrich/Utecht (2010), S. 757 f.

[13] Vgl. Baßeler/Heinrich/Utecht (2010), S. 758 f.

[14] Vgl. Baßeler/Heinrich/Utecht (2010), S. 759.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ursachen, Wirkungen und Kosten einer Inflation
Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Meschede
Veranstaltung
VWL
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V322779
ISBN (eBook)
9783668218963
ISBN (Buch)
9783668218970
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inflation, Kosten, Ursachen, Wirkungen
Arbeit zitieren
Mareike Gnoyke (Autor), 2016, Ursachen, Wirkungen und Kosten einer Inflation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322779

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