Frauen im Rechtsextremismus. Untersuchung mit den Schwerpunkten Sexismus und Feminismus


Seminararbeit, 2016
16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines Frauenbild und Selbstbild der Frauen im Rechtsextremismus
2.1 Allgemeines Frauenbild
2.2 Selbstbild rechtsextremer Frauen

3. Sexismus und Feminismus im Rechtsextremismus
3.1 Bedingen sich Rechtsextremismus und Sexismus?
3.2 Inwieweit kann Rechtsextremismus feministisch sein?

4. Was macht den Rechtsextremismus für Frauen attraktiv?

5. Fazit

6. Bibliographie

1. Einleitung

In den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts war das Thema Frauen im Rechtsradikalismus ein regelrechtes Modethema, über das zahlreiche Bücher und Aufsätze verfasst wurden. Mit dem neuen Jahrtausend verschwand das Interesse an dem Thema fast gänzlich und noch nicht mal der NSU-Prozess um Beate Zschäpe scheint in der Wissenschaft ein neuerliches Interesse für dieses Thema neu aufflammen lassen zu können. Weiterhin wird in der Öffentlichkeit Rechtsextremismus als Thema gesehen, welches vor allem mit Männern im Zusammenhang steht. Auch wenn in dem Fall Zschäpe die Presse langsam zu erahnen scheint, dass die Rolle rechtsextremer Frauen scheinbar unterschätzt wird, wird im Zusammenhang mit Zschäpe immer noch viel verharmlost oder es werden fragwürdige Schwerpunkte in der Berichterstattung gesetzt, z.B. ihr äußeres Erscheinungsbild vor Gericht.[1]

Doch warum werden Frauen überhaupt rechtsradikal in unserer Gesellschaft? Man sagt dem Rechtsextremismus ein sehr konservatives, reaktionäres und sexistisches Frauenbild nach. Die Frau ist lediglich da um Kinder zu gebären, diese aufzuziehen und dem Mann den Rücken frei zu halten. Warum sollten Frauen in der heutigen Zeit, in der alle Türen für sie offen zu stehen scheinen, sich diesem Weltbild unterordnen? Oder gibt es im Rechtsextremismus mehr Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen? Beate Zschäpe scheint zu zeigen, dass Frauen auch im Rechtsradikalismus Macht ausüben können. Doch in wieweit geht das mit einem rechtsextremen Weltbild konform, welches gleichzeitig ein patriarchales Weltbild zu sein scheint?

Um diese Fragen zu beantworten, möchte ich zunächst darauf eingehen, wie das rechtsextreme Frauenbild im Allgemeinen ist und weiterhin untersuchen, wie sich rechtsextreme Frauen selbst sehen. Danach möchte ich schildern, in wieweit Rechtsradikalismus und Sexismus sich bedingen und ob es einen Rechtsradikalismus gibt, der nicht sexistisch ist. Um auch die andere Seite des Spektrums zu untersuchen, möchte ich herausstellen, wie feministisch Rechtsradikalismus sein kann, vor allem da Feminismus auch eher mit dem linksextremen Spektrum in Zusammenhang gesetzt wird. Zu guter Letzt werde ich näher auf die Fragestellung eingehen, was Frauen überhaupt dazu bewegt rechtsradikal zu werden, im Hinblick auf die vorangegangene Untersuchung des Sexismus und Feminismus im Rechtsextremismus.

2. Allgemeines Frauenbild und Selbstbild der Frauen im Rechtsextremismus

2.1 Allgemeines Frauenbild

Wenn man an Frauen im Rechtsextremismus denkt, kommen einem schnell Bilder einer aufopferungsvollen Ehefrau und Mutter in den Sinn, die ihr Leben gänzlich ihrer Familie widmet. Dies scheint auch das Bild von Frauen zu sein, was rechtsextreme Männer propagiert sehen wollen. Michael Kühnen, bis zu seinem Tod in den frühen Neunzigern ein wichtiger Kopf der neonazistischen Szene, versuchte in seinen Schriften die Frauen auf Mutterschaft, Dienstbarkeit und Heterosexualität zu beschränken. Natürlich ist dies eine sehr überspitzte Darstellung, die nicht prototypisch auf die gesamte rechtsextreme Szene übertragen werden kann, allerdings gibt es einen Eindruck darüber, welche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gemacht werden. Vor allem wenn man auch noch in Betracht zieht, dass Kühnen seine eigene Homosexualität, welche im Rechtsextremismus auf Ziel von Diskriminierungen wäre, damit rechtfertigt, dass Männer überschüssige sexuelle Energie anderweitig abbauen müssten.[2]

Weiterhin sei es Aufgabe der neonazistischen Frauenpolitik, die Fertilitätsrate von deutschen Frauen zu erhöhen. Vor allem in Hinblick auf den Geburtenrückgang und der vermehrten Einwanderung müsse dies ein zentrales Thema sein. Das Überleben des deutschen Volkes sei wichtiger als das Selbstbestimmungsrecht der Frauen und die Stellung der Frau sei nur über ihre Gebärfähigkeit zu bestimmen.[3] Dieses völkisch-nationalistische Weltbild, welches Frauen nur auf ihre Reproduktionsfähigkeit reduziert, scheint starke Verbreitung in der rechten Szene zu finden, ist es doch das traditionelle Frauenbild, was man auch mit dem Nationalsozialismus verbindet. Das Muttersein wird als Dienst am Volksganzen verstanden und stellt die Basis eines funktionierenden völkisch-nationalen Staates dar, gleichzeitig gibt es den Frauen ihre Daseinsberechtigung.[4]

Wenn Frauen Aufgaben außerhalb ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter erfüllen wollen, spielt sich das meistens im Hintergrund ab. Ihre Aufgaben beschränken sich meist auf die Logistik und die Unterstützung ihrer Männer oder Freunde.[5] So ist mutmaßlich das Dasein von Frauen immer abhängig von Männern gemacht zu werden. Hier scheint das Bild verbreitet zu sein, dass es wahre Kameradschaft, die einen wesentlichen Teil der Anziehungskraft des Rechtsextremismus auf Männer auszumachen scheint, nur unter Männern geben kann und die Frauen zur Zierde und zur Fortpflanzung bestimmt sind.[6]

Auch in den Parteiprogrammen rechtsextremer Parteien wird Frauenpolitik oft nur im Zusammenhang mit Familien- und Bevölkerungspolitik genannt.[7] Bei den Republikanern geht es sogar soweit, dass sie behaupten, dass die Gleichberechtigung Frauen von ihren Kindern entfremden würde und Selbstverwirklichung Egoismus sei.[8] Auf der anderen Seite fordern sie aber auch Chancengleichheit, welche gleichwertig, aber nicht gleichartig sein soll.[9] Was genau sie damit meinen lässt Spielraum für Interpretationen. Ähnlich fordert aber auch die NPD eine Gleichstellung von Männern und Frauen im Arbeitsleben. Sturhahn vermutet dahinter allerdings nur eine fortschrittliche Fassade und geht weiterhin auf einen Artikel ein, der Frauen dazu auffordert nach einer Heirat aus dem Arbeitsleben auszuscheiden, da dies ja auch angenehmer für die Frau sei.[10] Es wird ebenfalls versucht, durch Maßnahmen, wie das sogenannte Müttergehalt, die Anerkennung der Hausfrau als Beruf zu erreichen und so eine Gleichstellung von erwerbstätigen Frauen und Hausfrauen zu bewirken.[11]

Das Frauenbild im Rechtsextremismus scheint also alles in allem ziemlich konservativ und patriarchalisch geprägt zu sein. Zwar gibt es die ein oder anderen Modernisierungsbestrebungen, allerdings scheint dies nicht sehr ernsthaft vorangetrieben zu werden. Dies liegt vielleicht auch daran, dass ein Großteil der Funktionsträger in rechtsextremen Organisationen männlich ist.

2.2 Selbstbild rechtsextremer Frauen

Wie aber sehen sich rechtsextreme Frauen selbst? Natürlich kann es hier nicht nur ein einziges Frauenbild geben, an dem sich alle rechtsextremen Frauen orientieren. Die Frauen im Rechtsextremismus sind so vielschichtig wie die Frauen der gesamten Gesellschaft. Und dennoch gibt es bestimmte Charakteristika, die vor allem rechtsextreme Frauen ausmachen. Wenn man die beiden Extreme betrachtet, könnte man sagen, dass sich rechtsextreme Frauen in diejenigen, die sich mit dem patriarchalischen Weltbild identifizieren können zum einen, und diejenigen, die als sogenannte „Nationalfeministinnen“ bezeichnet werden können, unterteilen lassen.

Die Frauen, die sich mit dem patriarchalen Weltbild, welches von rechtsextremen Organisationen propagiert wird, zu einem gewissen Teil identifizieren können, scheinen dies in einer Weise zu tun, welche ihnen aus ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau eine gewisse Machtposition zuschreibt. Sie sorge für den Fortbestand der „Rasse“, ohne sie könne das ganze System nicht funktionieren.[12] In der Forschung wird oft betont, dass genau diese Rolle den Frauen einen Halt und das Gefühl gibt, sinnvoll in der Gesellschaft eingebunden zu sein.[13] Diese Frauen sind es, die das stereotype Frauenbild, welches die Öffentlichkeit von rechtsextremen Frauen hat, ausmachen. Sie sind „die Freundin von …“, halten sich zurück und opfern sich für Mann und Familie auf.

Auf der anderen Seite wären die Frauen zu erwähnen, die sich nicht zwangsläufig im Hintergrund halten lassen wollen, die Literatur bezeichnet sie auch gerne als „Nationalfeministinnen“.[14] Als Vorreiterin könnte man hier Sigrid Hunke nennen, die sich gegen das patriarchale Weltbild ausspricht, aber gleichzeitig auch eine Bewertung von Menschen nach dem Leistungsprinzip propagiert. Es sollte Gleichberechtigung von Männern und Frauen nur für eine „germanische“ Elite vorherrschen.[15] Weiterhin befürwortete Hunke auch die Abschaffung des Abtreibungsparagraphen 218, was äußerst widersprüchlich zum rechtsextremen Weltbild ist und sie damit auch der Neuen Rechten auf das äußerste widersprochen hat.

Hunke und auch andere Frauen beweisen, dass es entgegen dem öffentlichen Bild, auch Frauen in der rechtsextremen Szene gibt, die ihre eigenen Meinungen vertreten. Allerdings bewirkt allein schon der Fakt, dass diese Frauen nicht zahlreich vorhanden sind, dass sie von der Öffentlichkeit wenig Beachtung finden. In wieweit sich diese Frauen in rechtsextremen Organisationen Gehör verschaffen können bleibt fragwürdig. Jedoch denke ich, dass sich auch der Rechtsextremismus nicht vom Wandel der Zeit loslösen kann und sich, seit den Neunziger Jahren, schon eine kleine Wandlung vollzogen hat. Das zeigt vielleicht auch das Beispiel Beate Zschäpe, denn auch die gewaltbereiten Frauen in der rechtsextremen Szene scheinen zuzunehmen, wie Gewaltbereitschaft von Frauen im Allgemeinen.[16]

3. Sexismus und Feminismus im Rechtsextremismus

3.1 Bedingen sich Rechtsextremismus und Sexismus?

Ein zentraler Punkt des Rechtsextremismus sind Ungleichheitsvorstellungen. Vor allem der Rassismus kommt einem in den Sinn, wenn man über Rechtsextremismus spricht. Immer wieder wird über rassistisch motivierte Gewalt berichtet, welche einen rechtsextremen Hintergrund hat.

Auch der Sexismus ist eine Vorstellung von Ungleichheit. Meine vorherigen Ausführungen zeigen eindeutig, dass viele rechtsextreme Männer denken Frauen seien ihnen nicht ebenbürtig. Die Frage ist nun jedoch, ob es einen Rechtsextremismus ohne Sexismus geben kann, wo doch Ungleichheitsvorstellungen einen so großen Teil der Ideologie ausmachen.

Ähnlich wie beim Rassismus, wird auch beim Sexismus gerne mit pseudo-wissenschaftlichen Theorien über die Ungleichheit aller Menschen argumentiert, welche jedoch auf sozialer Konstruktion basieren. Doch auch wenn man rechtsextreme Frauen betrachtet, die sich gegen die sogenannte Vorherrschaft der Männer aussprechen, basieren ihre Forderungen, wie z.B. bei Sigrid Hunke, auf der Ungleichheit aller Menschen. Der einzige Unterschied ist, dass den Frauen nicht von vorneherein eine niedrigere Stellung zugesprochen wird.[17]

Laut Stöss korrespondiert Sexismus nicht nur mit rassistischen Orientierungen, sondern auch mit allen Dimensionen des rechtsextremen Einstellungsmusters. Dies bedinge ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis mit Diskriminierung und Unterordnung als Hintergrundvariablen.[18] Ich denke diese Zusammenhänge zwischen Rechtsextremismus und Sexismus sind nicht von der Hand zu weisen. Aber muss jeder Mann, der sich abwertend gegenüber anderen Kulturen verhält, auch gleichzeitig eine abwertende Einstellung gegenüber Frauen haben? Und sind rechtsextreme Frauen dann immer auch gleich sexistisch eingestellt? Die Antwort kann hier, wie ich vorher schon herausgestellt habe, nur nein sein. Dennoch ist es offensichtlich, dass sich Rechtsextremismus und Sexismus gegenseitig begünstigen. Stöss gibt in seiner Untersuchung an, dass 9% der gesamten Frauen und 17% der sexistisch eingestellten Frauen eine rechtsextreme Einstellung aufweisen, bei Männern sind es 15% in der Allgemeinheit und 35% derjenigen, die sexistisch eingestellt sind. Auch umgekehrt würde der Rechtsextremismus den Sexismus begünstigen.[19]

[...]


[1] Kahane, A.: Rosa und Braun (19.01.2014), in: Berliner Zeitung, URL: http://www.berliner-zeitung.de/meinung/zschaepe-und-der-nsu-rosa-und-braun,10808020,25932746.html (Stand: 19.03.2014)

[2] Sturhahn, K.: Zwischen Rechtskonservatismus und Neonazismus – Frauen in rechtsextremen Parteien und Organisationen, in: Rechte Frauen: Skingirls, Walküren und feine Damen, Hrsg. R. Bitzan, Berlin 1997, S. 107.

[3] Ebd., S. 108.

[4] Dettling, M./Goltz, J.: Frauen – Opfer oder Täterinnen?, in: Frauen und Rechtsextremismus, Hrsg. P. Wlecklik, Göttingen 1995, S. 39.

[5] Sturhahn: Zwischen Rechtskonservatismus und Neonazismus, S. 111.

[6] Klönne, I.: Feministische Theorien und Faschismus – Aktuelle Debatten in der Frauenbewegung, in: ‚Fremdes‘ oder ‚Eigenes‘?, Hrsg. R. Nestvogel, Frankfurt 1994, S. 233.

[7] Sturhahn: Zwischen Rechtskonservatismus und Neonazismus, S. 119.

[8] Kuhn, A.: Patriarchale Strukturen, Geschlechterpolitik und Geschlechterideologie – Gedanken zum gegenwärtigen Rechtsextremismus, seinen Ursachen und seiner Bekämpfung, in: Frauen und Rechtsextremismus, Hrsg. P. Wlecklik, Göttingen 1995, S. 18.

[9] Sturhahn: Zwischen Rechtskonservatismus und Neonazismus, S. 119.

[10] Ebd., S. 114.

[11] Ebd., S. 125.

[12] Sturhahn: Zwischen Rechtskonservatismus und Neonazismus, S. 108.

[13] Dettling, M./Goltz, J.: Frauen – Opfer oder Täterinnen?, S. 39.

[14] Bitzan, R.: Variationen des Zweifelns – Feminismus und Faschismus, in: Rechte Frauen: Skingirls, Walküren und feine Damen, Hrsg. R. Bitzan, Berlin 1997, S. 85.

[15] Jung, A.: Faschistische Feministinnen – ein Widerspruch?, in: Rechte Frauen: Skingirls, Walküren und feine Damen, Hrsg. R. Bitzan, Berlin 1997, S. 37.

[16] Heiliger, A./Goldberg, B./Schröttle, M./Hermann, D.: Gewalthandlungen und Gewaltbetroffenheit von Frauen und Männern, in: Gender-Datenreport. 1. Datenreport zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesrepublik Deutschland, München 2005. S. 610.

[17] Rommelspacher, B.: Das Geschlechterverhältnis im Rechtsextremismus, in: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Hrsg. W. Schubarth/R. Stöss, Opladen 2001, S. 215.

[18] Stöss, R.: Rechtsextremismus, Sexismus und Gender Gap, in: Wähler in Deutschland. Sozialer und politischer Wandel, Gender und Wahlverhalten, Hrsg. S. Kühnel, O. Niedermayer, B. Westle, Wiesbaden 2009, S. 279.

[19] Ebd., S. 284.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Frauen im Rechtsextremismus. Untersuchung mit den Schwerpunkten Sexismus und Feminismus
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V322872
ISBN (eBook)
9783668219694
ISBN (Buch)
9783668219700
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauen, rechtsextremismus, untersuchung, schwerpunkten, sexismus, feminismus
Arbeit zitieren
Nadine Watterott (Autor), 2016, Frauen im Rechtsextremismus. Untersuchung mit den Schwerpunkten Sexismus und Feminismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322872

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