In der vorliegenden Seminararbeit wird der Einsatz von Factoring als Finanzierungsinstrument im Großhandel dargestellt. Neben der eigentlichen Betrachtung des Factoring wird insbesondere auf die mit dem Einsatz verbundenen Chancen und Risiken eingegangen.
Damit ein Großhändler bestimmte Zahlungsziele gewähren kann, bedarf es in vielen Fällen einer Vorfinanzierung, zum Beispiel durch ein Bankdarlehen, um verfrüht an liquide Mittel zu gelangen. Jedoch werden gerade in Zeiten von Basel II und III auch andere Finanzierungsmöglichkeiten wie der Verkauf von Forderungen, sogenanntes Factoring, als Alternative zum klassischen Bankdarlehen eingesetzt.
Ziel dieser Seminararbeit ist die kritische Würdigung der mit dem Factoring verbundenen Chancen und Risiken für den Großhandel.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung und Vorgehensweise
2 Der Großhandel als Distributionskanal
3 Factoring im Großhandel
3.1 Finanzierungsinstrument Factoring
3.2 Chancen durch den Einsatz von Factoring
3.2.1 Verbesserung der Bilanzstruktur
3.2.2 Wettbewerbsvorteil
3.2.3 Verlagerung des Ausfallrisikos
3.2.4 Kosteneinsparung
3.3 Risiken durch den Einsatz von Factoring
3.3.1 Kosten des Factorings
3.3.2 Imageschaden
3.3.3 Abhängigkeit von einer Factoringgesellschaft
3.3.4 Beschränkung der Ankaufs- und Bevorschussungsquote
4 Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Factoring als alternatives Finanzierungsinstrument für Unternehmen im Großhandel, um die damit verbundenen Potenziale und Risiken kritisch zu bewerten und einzuordnen.
- Grundlagen des Großhandels und seiner spezifischen Finanzierungsbedarfe
- Funktionsweise und Definition von Factoring als Finanzierungsform
- Analyse der Chancen durch Factoring (z.B. Bilanzstrukturverbesserung, Liquidität)
- Untersuchung der Risiken (z.B. Kosten, Abhängigkeit, Imageschäden)
- Würdigung von Factoring als Ergänzung zum klassischen Bankdarlehen
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Verbesserung der Bilanzstruktur
Der Forderungsverkauf und der damit verbundene Liquiditätszufluss führt zunächst zu einem Aktivtausch in der Bilanz des Großhändlers. Die Forderungen aus Lieferung und Leistung (LuL) nehmen um den vereinbarten Ankaufsbetrag ab, welcher als liquide Mittel dem Unternehmen zufließt. Mit den erhaltenen liquiden Mitteln kann der Großhändler beispielsweise ausstehende Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten oder Kreditinstituten zurückführen. Die Rückführung der Verbindlichkeiten führt wie in Abbildung 2 dargestellt zu einer Bilanzverkürzung und zu einer Verbesserung der Eigenkapitalquote (EK-Quote).
In diesem Fall werden Forderungen aus LuL in Höhe von 600.000 Euro verkauft. Es wird angenommen, dass der daraus resultierende Liquiditätszufluss für die Rückführung von Verbindlichkeiten aus LuL in Höhe von 250.000 Euro und für die Rückführung von Bankverbindlichkeiten in Höhe von 350.000 Euro verwendet wird. Dies führt zu einer Erhöhung der EK-Quote von ursprünglich 25,8 % auf 32,0 %.
Die verbesserte Eigenkapitalstruktur hat eine positive Auswirkung auf das Rating des Großhändlers, welches durch die Einführung von Basel II und III und der damit verbundenen Regelung zur Eigenkapitalunterlegung von Darlehen deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Kreditinstitute sind durch die Regelungen verpflichtet, für ausgegebene Darlehen Eigenkapital einzubehalten. Das Rating des Unternehmens ist ausschlaggebend für die Bemessung des einzubehaltenden Betrags und hat somit direkte Auswirkung auf die Neugewährung und Prolongation von Krediten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung und Vorgehensweise: Dieses Kapitel erläutert die ökonomische Relevanz des Großhandels und führt in die Problematik der Zwischenfinanzierung ein, die den Einsatz von Factoring motiviert.
2 Der Großhandel als Distributionskanal: Hier werden die definitorischen Grundlagen des Großhandels als B2B-Distributionskanal und dessen spezifische Anforderungen an das Working Capital dargestellt.
3 Factoring im Großhandel: Dieser Hauptteil definiert Factoring, analysiert die verschiedenen Chancen (wie Bilanzoptimierung und Risikoverlagerung) sowie die damit verbundenen Risiken und Kostenstrukturen.
4 Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet Factoring als sinnvolle Alternative, jedoch keinen vollwertigen Ersatz für klassische Bankkredite.
Schlüsselwörter
Factoring, Großhandel, Finanzierung, Liquidität, Bilanzstruktur, Eigenkapitalquote, Working Capital, Forderungsmanagement, Delkrederefunktion, Basel III, Rating, Bankdarlehen, Forderungsverkauf, Verbindlichkeiten, Finanzierungsinstrument.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Nutzung von Factoring als Finanzierungsinstrument innerhalb der Großhandelsbranche zur Optimierung der finanziellen Situation.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Schwerpunkte liegen auf den Vorteilen der Bilanzoptimierung, dem Forderungsmanagement, den Risiken des Forderungsverkaufs und dem Einfluss auf das Unternehmensrating.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist eine kritische Würdigung der Chancen und Risiken, die sich für Großhändler bei der Entscheidung für oder gegen Factoring ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und die Auswertung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen sowie Modellarstellungen.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Factoring-Instruments, die detaillierte Analyse der Chancen (Bilanz, Wettbewerb, Risiko, Kosten) und der Risiken (Kosten, Image, Abhängigkeit).
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Factoring, Eigenkapitalquote, Liquiditätszufluss, Delkrederefunktion und Working Capital Management.
Wie genau verbessert Factoring die Eigenkapitalquote eines Unternehmens?
Durch den Verkauf von Forderungen findet ein Aktivtausch statt, bei dem liquide Mittel zur Rückführung von Verbindlichkeiten genutzt werden, was die Bilanzsumme verkürzt und rechnerisch die Eigenkapitalquote anhebt.
Warum stellt Factoring keinen vollständigen Ersatz für Bankkredite dar?
Das Factoringvolumen ist durch den Bestand an Forderungen limitiert, wohingegen Bankdarlehen andere Finanzierungsstrukturen und Flexibilitäten bieten, die nicht durch den Forderungsverkauf abgedeckt werden können.
- Quote paper
- Marcel Westermann (Author), 2016, Chancen und Risiken des Factoring als Finanzierungsinstrument im Großhandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322932