Chancen und Risiken von Big Data in Smart Cities am Fallbeispiel Songdo

Big Data smart nutzen – aber zu welchem Preis?


Hausarbeit, 2015
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Smart City
2.1. Die Metapher der Stadt
2.2. Definition von Smart City

3. Big Data
3.1. Assoziierungen mit Big Data
3.2. Die drei V’s
3.3. Big Data aus genealogischer Perspektive

4. Zusammenspiel zwischen Big Data und Smart Cities
4.1. Big Data als Rohstoff für Smart Cities
4.2. Risiken von Big Data für Smart Cities
4.2.1. Überwachung
4.2.2. Abhängigkeit
4.2.3. Optimierung

5. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Sei es das interkontextuelle Buzzword Big Data, im Gaming-Bereich der medientechnologische Ökologiebegriff Virtual Reality oder das futuristische Entwicklungskonzept der Smart City mit seiner Stadtmetapher - bei Betrachtung des aktuellen Netzwerk-Diskurses fällt auf, dass derzeitige technologische Entwicklungen häufig mit Sinnbildern umschrieben werden.

Es stellt sich die Frage, was der Grund für die so beliebten metaphorischen Beschreibungen ist: Dienen sie schlichtweg als bildhafte Darstellung zum Zwecke einer einfacheren Handhabung und Beschreibung komplexer Themenfelder oder fungieren sie zum Teil auch als Euphemismen und Phantasmagorien zum Zwecke eines Black-Boxings? So findet auf der technischen Ebene Black-Boxing schon lange statt, beispielsweise in Form von Software-Ensambles, die über die eigentlich klaren Algorithmen gestülpt werden. Doch auch auf der sprachlichen Ebene verhärtet sich der Verdacht eines Black-Boxings. Insbesondere bei dem Begriff „Big Data“, der eine unüberschaubare Datengröße und Komplexität suggeriert, lohnt es sich genauer hinzuschauen.

Bei der Bezeichnung „Smart City“ handelt es sich hingegen um kein neues Phänomen. Die Metapher der Stadt ist im digitalen Kontext schon alt: Bereits Anfang der 90er kamen die ersten „digitalen Städte" in Wien oder in Berlin mit der „Internationalen Stadt” auf. In diesem Zusammenhang stellt sich somit auch die Frage, warum ausgerechnet das Motiv der Stadt eine so große Attraktivität auf den cyberdemokratischen Kontext ausübt und auch im Netzwerk-Diskurs immer wieder aufgegriffen wird.

Im Rahmen einer reflektierten und ausführlichen Darlegung der Begriffe „Smart City“ und „Big Data“ soll sich zum einen mit den zugrundeliegenden Metaphern und Analogien kritisch auseinandergesetzt und dahingehend eine Ideologie-Kritik formuliert werden. Auf der anderen Seite bildet die kritische Auseinandersetzung mit den Begrifflichkeiten zugleich die begriffstheoretische Grundlage für die vorliegende Arbeit.

Anschließend werden die beiden Begriffe inhaltlich zusammengeführt. Hierbei gilt es am Fallbeispiel Songdo einerseits zu analysieren, inwiefern Big Data als Rohstoff tatsächlich für Smart Cities fruchtbar gemacht werden kann und andererseits zu untersuchen, inwiefern die Sammlung auch Gefahren birgt, von der totalen Überwachung über die Abhängigkeit von Großkonzernen bis hin zum städtischen Optimierungswahn.

2. Smart City

2.1. Die Metapher der Stadt

Die Metapher der Stadt taucht im Netzwerk-Diskurs immer wieder auf. Bereits in den 1990er Jahren wurde die Idee der „digitalen Städte“ formuliert. Der derzeitige Diskurs ist immer noch von der Stadtmetapher geprägt, auch wenn im deutschen Sprachraum ebenfalls fast ausschließlich auf Anglizismen abgestellt wird. Beliebt sind vor allem adjektivische Stadtbegriffe wie Smart-[1], Intelligent-[2], Digital-[3], Virtual-[4], Cyber-[5] Wired-City[6] sowie allgemeinere Bezeichnungen wie Global-, World-, Future- oder Postmodern-City. Stadtbegriffe, die in diesem Zusammenhang vor allem auf eine ökologische Entwicklung abzielen, sind etwa die Sustainable-, Green-, Climate Neutral-, Carbon Neutral- oder Eco-City.[7] Edge-, Postindustrial- und Phoenix-City zeugen vor allem von einer ökonomisch-urbanen Ausrichtung, wohingegen Postcolonial- und Medieval-City historisch orientiert sind.[8] Die Sentient- und Programmable-City zählen zwar mit zu den adjektivischen Stadtbegriffen, allerdings zeugen sie – anders als die anderen adjektivischen Bezeichnungen – von stärkerer aktiver Bedürftigkeit. Trotz all der ähnlichen Wortschöpfungen konnte sich die Smart City gegenüber ihren zahlreichen Konkurrenten durchsetzen.[9]

Auch wenn die Metapher der Stadt im Netzwerk-Diskurs sehr dominant ist, steht die Stadt trotzdem nicht für sich allein. Laut der Architekturtheoretikerin Sonja Hnilica werden Städte immer in Metaphern imaginiert.[10] Demnach kann die Stadt gar nicht anders gedacht werden, ohne dabei gleichzeitig ihre vielfältigen und häufig auch kontradiktorischen Aspekte in weitere diverse Metaphern zu fassen. Metaphern helfen dem Menschen dabei, seine Wahrnehmung zu strukturieren, wobei die durch sie konstruierte bebilderte Wahrnehmung gleichzeitig auch sowohl ihre jeweiligen Probleme als auch deren potentielle Lösungsansätze bestimmt. Dies birgt auch Gefahren, da solchen Bildern teilweise unreflektierte Zuschreibungen immanent sind und sie den Blick auf den jeweiligen Kontext verengen können – so auch bei der Smart City.

Auf den ersten Blick handelt es sich bei der „Smart City“ um einen weit gefassten Begriff. Denn im Gegensatz zur Green-City lassen sich bei ihm zunächst keine exakten inhaltlichen Schwerpunkte erkennen. Bei genauer Betrachtung fällt jedoch auf, dass auch er aufgrund des vor allem positiv konnotierten Adjektivs „smart“ ein bestimmtes restriktives Konzept vermittelt. So lässt sich „smart“ zunächst mit „klug“, „schlau“, „clever“ oder aus einer handlungsorientierten Sichtweise mit „geschickt“, „gerissen“, „pfiffig“ oder „gewieft“ übersetzen.

In den städtetechnisch fundierten gesellschaftlichen Zusammenhang gebracht, gilt „smart“ vor allem als „intelligent“, „integrativ, vernetzt, systemübergreifend“, „effizient“, „effektiv“, „adaptiv“ und „attraktiv“[11] - und gerade in der IKT-Branche wissen diese mit „smart“ assoziierten Zuschreibungen zu überzeugen: Seien es die bereits realisierten und nicht mehr wegzudenkenden omnipräsenten Smartphones, mit Sensoren ausgestattete Wearables wie Smart Watch oder Smart Clothes oder größtenteils noch futuristische Produkte und Konzepte wie das vollständig vernetzte Smart Home oder selbstfahrende Smart Car: Insbesondere die IKT-Branche ist von „smarten Objekten“ geprägt, sodass hier das Adjektiv eine außergewöhnlich häufige Verwendung findet. Ebenfalls auffällig ist, dass es fast allen Begrifflichkeiten, die mit dem Adjektiv ausgestattet sind, in der Regel sowohl im praktischen als auch akademischen Kontext an einer eindeutigen Definition fehlt.

Damit zeugt die Begriffsauslegung smarter Objekte von einer gewissen Ambivalenz. Auf der einen Seite deutet das Adjektiv „smart“ auf eine gewisse definitionstechnische Schwammigkeit hin, da es „smarten Objekten“ häufig an einer klaren Begriffsdefinition fehlt und sie somit oftmals eine offene Begriffsauslegung zulassen. So lässt sich auch die Smart City nicht eindeutig definieren, weswegen sie sich gegenüber den anderen City-Begriffen nur schwer abgrenzen lässt. Trotz der begrifflichen Vielfältigkeit eint alle Begriffe dennoch ein und derselbe Gedanke: Vernetzung und Informationsaustausch im Namen von Effizienz und Nachhaltigkeit.

Damit reduzieren auf der anderen Seite die eben beschriebenen positiven Suggestionen die Wahrnehmung auf das jeweilige smarte Produktkonzept, sodass es sich bei der Smart City um eine durchaus perzeptiv motivierte Metapher handelt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Technologiekonzerne wie IBM sich die Bezeichnung „Smarter Cities“ bereits haben schützen lassen[12]: Denn wer ist schon gegen Intelligenz, Vernetzung und Effizienz?

2.2. Definition von Smart City

Auch wenn sich bis heute keine anerkannte und allgemein gütige Definition hinsichtlich der Smart City durchgesetzt hat, lassen sich inhaltlich dennoch vier Schwerpunktthemen erkennen: In diversen wissenschaftlichen Beschreibungen werden immer wieder Energie, Mobilität, Stadtplanung und Governance[13] angeführt. Die Integration und Vernetzung dieser Bereiche bildet dabei das elementare Charakteristikum einer Smart City.[14] In diesem Zusammenhang treten in Kooperation mit den vier genannten Schwerpunkten drei Querschnittsthemen auf, bestehend aus Informations- und Kommunikationstechnologien,[15] Bürgerpartizipation und Finanzierung.

Der vorliegenden Arbeit soll daher die Definition von Caragliu et al. zugrunde gelegt werden, wonach eine Stadt dann als „Smart City“ zu titulieren ist, „wenn die Investitionen in das Humankapital, das soziale Kapital und in traditionelle Transport- sowie moderne Kommunikationsinfrastrukturen ein nachhaltiges ökonomisches Wachstum und eine hohe Lebensqualität befördern. Dies soll in einer Smart City mit einem vernünftigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und einer partizipativen Governance einhergehen.“[16]

Der fortschreitende Klimawandel, die abnehmende Ressourcenverfügbarkeit und der demografische Wandel bilden damit die drei Motoren, welche die Smart City Entwicklung mit vorantreiben, auch wenn der Schwerpunkt des Smart City Konzepts in erster Linie auf der starken logistischen Vernetzung dank Informations- und Kommunikationstechnologien liegt, die vor allem zur Sammlung und Auswertung von Big Data dient. So gilt die Smart City mittlerweile als Synonym für für IKT-gestützte urbane Innovationen.[17] Die Interdependenz zwischen Smart City und Big Data zeigt sich damit insbesondere in Bezug auf die IKT-Unternehmen, auf die es im Verlauf der Arbeit noch näher einzugehen gilt.

[...]


[1] Vgl. Townsend, Anthony M. (2013): Smart Cities.

[2] Vgl. Komninos, Nicos (2002): Intelligent cities.

[3] Vgl. Ishida, Toru; Isbister, Katherine (2000): Digital cities.

[4] Vgl. Maar, Christa; Rötzer, Florian (1997): Virtual Cities.

[5] Vgl. Graham Stephen; Marvin, Simon (1999): Planning cybercities.

[6] Vgl. Dutton et al. (1987): Wired cities.

[7] Vgl. Wiener Stadtwerke (2011): Smart City, S. 11.

[8] Vgl. Beauregard, Robert (2009): Urban population loss in historical perspective, S. 25 f.

[9] Vgl. Kitchin, Rob (2014): The real-time city? Big data and smart urbanism, S. 1.

[10] Vgl. Hnilica, Sonja (2012): Metaphern für die Stadt, S. 210.

[11] Vgl. Jaekel, Michael (2015): Smart City wird Realität, S. 21 f.

[12] Vgl. IBM (2016): Copyright and trademark information.

[13] Gemein ist hier die Regierungsführung,

[14] Institute for Sustainability (2015): Definition Smart City.

[15] Im Verlauf der Arbeit an entsprechenden Stellen abekürzt mit „IKT“.

[16] Caragliu et al. (2009): Smart cities in Europe, S. 50.

[17] Vgl. Schieferdecker, Ina (2014): Die Realität einer Stadt in Echtzeit erfassen.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken von Big Data in Smart Cities am Fallbeispiel Songdo
Untertitel
Big Data smart nutzen – aber zu welchem Preis?
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Schwerpunkt Kultur und Ästhetik digitaler Medien)
Veranstaltung
Zur Kritik der Netzkritik
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V322975
ISBN (eBook)
9783668222311
ISBN (Buch)
9783668222328
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
big data, smart city, songdo, genealogie, genealogisch, marketing, buzzword, ibm, cicso, intel, sap
Arbeit zitieren
Ann-Kristin Mehnert (Autor), 2015, Chancen und Risiken von Big Data in Smart Cities am Fallbeispiel Songdo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322975

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Chancen und Risiken von Big Data in Smart Cities am Fallbeispiel Songdo


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden