Stottern als Störungsbild im Rahmen der ICF


Hausarbeit, 2015

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Stottern
1.1. Definition
1.2. Ursachen

2. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit
2.1. Körperfunktionen und –strukturen
2.2. Aktivitäten und Partizipation
2.3. Umweltfaktoren
2.4. Personenbezogene Faktoren

3. ICF- basierte Diagnostik in der Stottertherapie
3.1. Erfassung der offenen Merkmale des Stotterns
3.1.1. Stuttering Severity Instrument (SSI-4, Riley 2009)
3.1.2. Aachener Analyse unflüssigen Sprechens (AAUS) (Schneider&Zückner 2008)
3.2. Erfassung der verdeckten Merkmale des Stotterns
3.2.1. Wright and Ayre Stuttering Self-Rating-Profile (WASSP, Wright & Ayre 1999)
3.2.2. Overall Assessment oft he Speakers‘ Experience with Stuttering (OASES, Yaruss et al. 2006)
3.2.3. Fragebogen zum Sprechen (Cook 2008)
3.2.4. Einschätzung von Therapeuten, Kindern und Eltern (Howell et al. 2008)

4. ICF- basierte Stottertherapie
4.1. Bausteinorientierte Therapie mit stotternden Kindern
4.2. ICF- Core- Sets in der Stottertherapie

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

0. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Krankheitsbild Stottern im Rahmen der ICF. Zuerst beschreibe ich dieses kurz und danach will ich auf die internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) näher eingehen. Im Anschluss beschäftige ich mich mit der ICF- basierten Stotterdiagnostik- und therapie. Zuletzt erfolgt eine Zusammenfassung.

1. Stottern

1.1. Definition

„Stottern ist eine Störung der Sprechflüssigkeit, bei der es nicht nur gelegentlich, sondern auffallend häufig zu Unterbrechungen im Redefluss kommt. Ein stotternder Mensch weiß genau, was er sagen will, ist aber im Augenblick des Stotterns unfähig, für die Umsetzung des sprachlichen Inhalts erforderlichen Sprachbewegungen fließend auszuführen.“ (Hansen, Iven 2011, S. 19)

Neben diesen oberflächlichen Symptomen der Sprechunflüssigkeit, können auch emotionale und kognitive Reaktionen auftreten, u.a. Angst, Scham, Peinlichkeit, Selbstzweifel, Gefühl der sprachlichen Inkompetenz, was zu Vermeidungs- und Fluchtverhalten führen kann. Die Ausprägungen dieser Symptome sind aber sehr variabel und können sich auch nur auf bestimmte Situationen oder Personen beschränken. (vgl. Hansen, Iven 2007, S. 345)

1.2. Ursachen

Das Anforderungs- und Kapazitäten- Modell nach Starkweather, Gottwald & Halfond, stellt das Faktorenbündel dar, welches für flüssiges Sprechen, aber auch für die Entstehung von entwicklungsbedingten Sprechunflüssigkeiten, eine wesentliche Rolle spielt. (vgl. Hansen, Iven 2007, S. 345)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: 1: Ebenen des Anforderungs- und Kapazitäten- Modell ( nach Hansen, Iven In: Schöler, Welling 2007, S. 345)

In diesem Modell stehen sich bestimmte Sprachanforderungen des Kindes den bestimmten Fähigkeiten gegenüber. Bei flüssigem Sprechen halten sich die Anforderungen und Kapazitäten des Kindes in der Waage, das heißt, dass das Kind in der Lage ist die Anforderungen zu bewältigen. Unflüssigkeiten entstehen, wenn die Anforderungsseite von den Kapazitäten des Kindes nicht mehr bewältigt werden kann oder die Kapazitäten des Kindes nicht ausreichend entwickelt sind, und normale Anforderungen eine Überlastung für das Kind darstellen. In beiden Fällen entsteht eine Dysbalance, die das Auftreten von Sprechunflüssigkeiten begünstigt. (vgl. Hansen, Iven 2007, S. 346)

Anforderungen, die die Fähigkeiten des Kindes überschreiten, können u.a. sein:

- Schwierige Kommunikationssituationen, zum Beispiel eine laute Umgebung mit vielen Störgeräuschen oder Zeit- und Konkurrenzdruck, zum Beispiel beim Essen mit der Familie
- Übersteigerte Erwartungen an das Kind, zum Beispiel ein „gehobener“ Sprachstil innerhalb der Familie oder der Vergleich mit älteren Geschwisterkinder
- Übersteigerte Erwartung vom Kind selbst, wenn es sich zum Beispiel an kaum erreichbaren Vorbildern orientiert (ältere Geschwister)

Einschränkungen der Fähigkeiten des Kindes können z.B. hervorgerufen werden durch:

- Phase der emotionalen Verunsicherung, wenn z.B. ein Elternteil erkrankt, ein Geschwisterkind geboren wurde
- Sprachentwicklungsverzögerungen
- Keine ausreichend automatisierte Sprechbewegungskontrolle

Mit diesem Modell lassen sich anschaulich einmalige, dauerhafte und phasenweise auftretende Sprechunflüssgkeiten erklären:

- wenn es in einer bestimmten Situatiuon (Zeitdruck) schwierig ist, der Mutter die Erlebnisse vom Kindergarten zu erzählen
- länger andauernde Sprechunflüssigkeiten, wenn dauerhaft ein Gefälle zwischen beiden Ebenen besteht
- Anforderungen können sinken oder Fähigkeiten des Kindes können sich steigern, sodass die Ebenen wieder ins Gleichgewicht geraten (vgl. Hansen, Iven 2011, S. 17f.)

Durch dieses Modell erhält man einen Überblick, welche Faktoren sich ungünstig auf die Sprechflüssigkeit des Kindes während seiner Sprachentwicklung auswirken können. Der Übergang zum Stottern wird allerdings nicht dargestellt.

Starkweather „beschreibt diesen Übergang als einen Prozess, bei dem die ungünstigen, unflüssigkeitsfördernden Ausgangsbedingungen über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, sodass der unausbalancierte Zustand von Anforderungen und Kapazitäten lange Zeit erhalten bleibt. Damit bleiben auch die Unflüssigkeiten, die sich daraus ergeben, über eine lange Zeit bestehen und können sich schließlich chronifizieren und automatisieren, also zu einem individuellen Sprechmerkmal, dem Stottern werden.“ (Starkweather 1987,1990 In: Hansen, Iven 2007, S. 346)

2. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit

Zur Klassifikation von Behinderung wurde 2001 die International Classification of Functionig, Disability and Health von der WHO veröffentlicht. Sie ist der Nachfolger der „International Classification of Impairments, Disability and Handicaps (ICIDH), die kritisch betrachtet wurde, weil dieses Modell ein sog. „Krankheitsfolgemodell“ als Grundlage hatte. Eine Behinderung wurde als Folge einer Krankheit gesehen.

Die deutsche Fassung der ICF wurde 2004 vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) veröffentlicht. (vgl. Hedderich 2006, S. 19f.)

Rapp definiert Stottern im Kontext der ICF wie folgt:

Stottern besteht nicht nur aus Dehnungen, Wiederholungen und Blockierungen sowie Begleitsymptomen. Stottern kann auch negative psychische und soziale Auswirkungen haben und Aktivitäten, Fähigkeiten zur Teilhabe und Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen. (Rapp 2007 In: Cook 2010, S. 45)

Die ICF ergänzt die ICD, das Klassifikationssystem der Medizin, mit der Krankheiten codiert werden. Der Diagnoseschlüssel der ICD erklärt allerdings nicht, wie stark die Symptome ausgeprägt sind oder welche Auswirkungen diese auf den Alltag des betroffenen Menschen haben. Das übernimmt die ICF.

Die Grundlage der ICF ist ein biopsychosoziales Modell, weil Körperfunktionen und –strukturen, Lebensbereiche (Aktivitäten und Teilhabe), Umweltfaktoren und personenbezogene Faktoren betrachtet und in Bezug zueinander gesetzt werden. (vgl. Lelgemann 2010, S. 43)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: ICF (DIMDI 2014)

Die ICF betrachtet den Lebenshintergrund der betroffenen Personen und die Wechselwirkungen seines Gesundheitsproblems. Sie klassifiziert nicht die Krankheitsfolgen, sondern den Gesundheitszustand. (vgl. de Camargo, Simon 2013, S. 8f.)

Die ICF ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil „Funktionsfähigkeit“ beinhaltet die Komponenten:

- Körperfunktionen- und strukturen und deren Veränderung/ Schädigung
- Aktivität (Leistungsfähigkeit, Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit)
- Teilhabe (Beeinträchtigung der Partizipation, gelungene Partizipation)

Der zweite Teil „Kontextfaktoren“ beinhaltet die Komponenten der Umweltfaktoren und den personenbezogenen Faktoren. Hierbei werden fördernde und behindernde Faktoren betrachtet. (vgl. Kallenbach 2006, S.21)

Jede Komponente wird in unterschiedliche Domänen unterteilt, innerhalb der Domänen kann dann noch unterschieden werden in Kategorien. (vgl. Hollenweger, de Camargo 2011, S. 37)

Die ICF-CY ist eine Erweiterung der ICF für Kinder und Jugendliche. Es nutzt die gleiche Sprache wie die ICF, wurde aber um viele zusätzliche Kategorien erweitert, damit die Beschreibung der funktionellen Gesundheit von Säuglingen, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen möglich ist. (vgl. de Camargo, Simon 2013, S.10)

Ich werde nun die einzelnen Komponenten der ICF näher beschreiben und mit dem Krankheitsbild Stottern verbinden.

2.1. Körperfunktionen und –strukturen

„Körperfunktionen sind physiologische Funktionen von Körpersystemen (einschließlich psychologische Funktionen).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Stottern als Störungsbild im Rahmen der ICF
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V323049
ISBN (eBook)
9783668221888
ISBN (Buch)
9783668221895
Dateigröße
1023 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stottern, ICF, Stotterdiagnostik, Stottertherapie
Arbeit zitieren
Friederike Boerkircher (Autor), 2015, Stottern als Störungsbild im Rahmen der ICF, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323049

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