Kollektiverziehung als Korrektiv des geschlechtsbezogenen Herrschaftsverhältnisses?

Möglichkeiten und Grenzen eines alternativen Elternschaftmodells


Hausarbeit, 2015

19 Seiten, Note: 1,3

Anonym


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Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen: Über den Zusammenhang des gesellschaftlichen Ordnungsprinzips „Geschlecht“, der bürgerlichen Kleinfamilie und Sozialisation

3. Spezifikation der Konzepte Jessica Benjamins
3.1 Frühkindliche Sozialisation bei Jessica Benjamin
3.2 Die Gesellschaftsordnung der Geschlechterpolarisierung
3.3 Sozialer Wandel bei Jessica Benjamin

4. Reorganisation von Elternschaft: Kollektiverziehung am Beispiel der Kinderladenbewegung der 1968er
4.1 Kollektiverziehung - Definition, Merkmale und Ziele
4.2 Die Kinderladenbewegung: Entstehungsgeschichte, theoretische Konzeption und politischer Anspruch

5. Analyse: Chancen und Grenzen der Kollektiverziehung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Emanzipatorische Frauenbewegungen und die Tendenz zur Pluralisierung der Lebensformen haben nicht viel daran geändert, dass die Idealvorstellungen von Familie selten von der Verbindung Vater-Mutter-Kind abweichen und das Leitbild einer „perfekten Mutter“ das einer fürsorglichen und ihre Bedürfnisse unter die des Kindes ordnenden Frau vorherrschend ist. So wird, trotz Erwerbstätigkeit bei der Ausgestaltung von Familienleben die Reproduktionsarbeit, also Kindererziehung und Hausarbeit, meist Frauen zugeschrieben. Dabei wird davon ausgegangen, dass diese - qua Geschlechtszugehörigkeit - von „Natur“ aus prädestiniert für die familiale Reproduktionsarbeit wären.1 Diese erfolgt, im Gegensatz zur entlohnten Erwerbsarbeit, in der Regel auf unbezahlter Basis, was eines der vielen Symptome für asymmetrisches Geschlechterverhältnisses in der Gesellschaft ist.

Es gibt viele Erklärungsansätze für die Entstehung, den Strukturen und den Fortbestand dieses Herrschaftsverhältnisses der Geschlechter. Ein Ansatz stellt das psychoanalytischfeministische Konzept Jessica Benjamins in „Die Fesseln der Liebe - Psychoanalyse, Feminismus und da Problem der Macht“ dar, in dem sie den Zusammenhang von Familien- und Geschlechterstrukturen, Sozialisation und Gesellschaftsstrukturen untersucht.

Die vorliegende Arbeit erörtert, welche Chancen und Grenzen die Reorganisation von Elternschaft abweichend von der triadischen Struktur der bürgerlichen Kernfamilie bietet, das geschlechterspezifische Herrschaftsverhältnis zu verändern. Dabei erscheint das Erziehungsmodell der Kollektiverziehung aufgrund seiner Gegensätzlichkeit zur Erziehung in der Kleinfamilie und aufgrund seiner expliziten Selbstdefinition als Alternative zum Modell der bürgerlichen Kleinfamilie besonders interessant. Als illustrierendes Beispiel wurde das Konzept der „Kinderläden“ der 1968er-Bewegung ausgewählt, da dies als westdeutsche Umsetzung von Kollektiverziehung gut mit dem Analyseobjekt Jessica Benjamins, der bürgerlichen Kleinfamilie in westlichen Industriegesellschaften, vergleichbar ist.

Deshalb möchte ich der Frage nachgehen, welche Möglichkeiten und Grenzen das Konzept „Kinderladen“ als spezifische Form der Kollektiverziehung bietet, das Herrschaftsverhältnis zwischen den Geschlechtern zu verändern.

Um diese Frage zu klären werden zunächst die grundlegenden Begriffe dieser Arbeit, Sozialisation, das Modell der bürgerlichen Kernfamilie und das Geschlechterverhältnis soziologisch definiert und deren Wechselwirkung gezeigt. Darauf aufbauend werden die für diese Arbeit zentralen Konzepte Benjamins, der frühkindliche Sozialisationsprozess, die Gesellschaftsordnung der Geschlechterpolarisierung und ihre Vorschläge für einen sozialen Wandel dargestellt. Anschließend wird das Konzept der Kollektiverziehung als Form einer Reorganisation von Elternschaft und im speziellen dessen spezifische Ausprägung, das Konzept des „Kinderladens“ in seinen wichtigsten Grundzügen vorgestellt. In Bezug auf die Forderungen und Vorschläge Benjamins für die Realisierung eines Wandels des Herrschaftsverhältnisses der Geschlechter soll abschließend geprüft werden, welche Möglichkeiten oder Begrenzungen das Konzept „Kinderladen“ bietet, eben dieses Machtverhältnis zu korrigieren.

2. Begriffsdefinitionen: Über den Zusammenhang des gesellschaftlichen Ordnungsprinzips „Geschlecht“, der bürgerlichen Kleinfamilie und Sozialisation

Zunächst sollen grundlegende Schlüsselbegriffe - Sozialisation, das Modell der bürgerlichen Kleinfamilie und das gesellschaftliche Ordnungsprinzip „Geschlecht“ - dieser Arbeit definiert und ihr Zusammenhang und -wirken aufgezeigt werden.

„Geschlecht“ ist eines der zentralen sozialen Strukturmerkmale und Ordnungsprinzipien westlicher Industriegesellschaften2. Dabei wird auf Grundlage der äußeren Geschlechtsmerkmale ein Geschlechtsunterschied angenommen, die „über die biologische Differenz hinausweist“3. Aufbauend darauf werden vermeintlich naturgegebene dichotome Eigenschafts- und Merkmalszuschreibungen vorgenommen, also Geschlechtscharaktere entwickelt.4 Damit wird eine Struktur der Zweigeschlechtlichkeit konstruiert, die nicht nur eine Polarisierung zur Folge hat, sondern auch von der Komplementarität der beiden Geschlechter ausgeht. Die so zugeschriebenen Eigenschaften werden mit einer Wertigkeit versehen, die zusammen mit einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung eine Hierarchieordnung der Geschlechter etablieren.5 Dabei werden aufgrund der zugeschriebenen natürlichen Eigenschaften Männer der öffentlichen Sphäre und damit der Lohnarbeit zugeordnet, während Frauen die unbezahlte Reproduktionsarbeit und damit die private, familiale Sphäre zugewiesen wird. Mütterlichkeit wird so „zu einem zentralen Definitionsmerkmal des weiblichen Geschlechtscharakters“.6

Damit ist die gesellschaftliche Ordnungskategorie „Geschlecht“ eng mit der spezifischen Familienform der bürgerlichen Klein- bzw. Kernfamilie7 verbunden, die sich im Zuge der Verbreitung der Leitmotive der Aufklärung und der allgemeinen Verbesserung der ökonomischen Situation als Familienideal bzw. -Leitbild „schließlich im 20. Jahrhundert als Familienform -quantitativ und normativ - durch[setzte].“

Klassische Definitionsmerkmale sind eine durch die Institution Ehe verbindliche und rechtlich abgesicherte Beziehung zwischen Mann und Frau, die durch das Vorhandensein eines oder mehrerer Kind(er) eine triadische Familienkonstellation bildet und als Haushaltsgemeinschaft zusammenlebt. 8 Charakteristisch für die bürgerliche Kleinfamilie sind die räumliche Trennung von Erwerbs- und Reproduktionsarbeit und damit die Beschränkung des Wirkungsbereichs der Frau auf Haus und Familie. Gleichzeitig mit dem Durchbruch der bürgerlichen Familienform als herrschendes Ideal wandelte sich auch das Bild der Kindheit als besonders wichtige Entwicklungsphase, womit die Kernfamilie und speziell die Mutter das Monopol auf die Primärsozialisation des Kindes gewann.9

Seit Anfang der 1970er Jahre hat sich die Ausgestaltung familialen Lebens in (West-) Deutschland strukturell verändert.10 So kann man eine Pluralisierung familialer Lebensformen, abweichend vom Modell der bürgerlichen Kernfamilie beobachten. Dennoch dient die bürgerliche Kernfamilie weiterhin als ideale Familienkonstellation, während davon abweichende Familienmodelle als defizitär betrachtet werden.

Das Strukturmerkmal Geschlecht bzw. die daraus resultierenden Geschlechtscharaktere und das Modell der bürgerlichen Kernfamilie sind wiederum eng mit dem Prozess der Sozialisation verknüpft. Dieser wird als lebenslanger, aktiver Aneignungsprozess der„Gesamtheit aller Umweltbedingungen, die auf die Subjektentwicklung Einfluss nehmen“11 verstanden und in vier aufeinanderfolgende Phasen unterteilt.12

Primärsozialisation bezeichnet die erste Sozialisationsphase eines Individuums, die nach der Geburt einsetzt, welche hauptsächlich in „intimen Kleingruppen, insbesondere in der Familie“13 stattfindet und die „Herausbildung der Grundpersönlichkeit“14 zum Ergebnis hat. Dies hängt entscheidend von der familialen Konstitution ab15, da diese entsprechend ihrer Ressourcen einen ganz bestimmten Umgang mit gesellschaftlichen Erwartungen vermittelt und daher als besonders prägend angesehen wird.16

Die Phase der Sekundärsozialisation beginnt mit dem Eintreten in Sekundärgruppen, in der nun „eine bereits sozialisierte Person in neue Ausschnitte der objektiven Welt ihrer Gesellschaft“17 eingewiesen wird. Dies kann sowohl in, aber auch außerhalb gesellschaftlicher Institutionen wie Kindergarten oder Schule geschehen. Das Individuum muss sich in dieser Phase nun mit früheren Sozialisationsergebnissen auseinandersetzen.18

Damit findet der Sozialisationsprozess nicht nur innerhalb des Systems der Zweigeschlechtlichkeit und der bürgerlichen Kleinfamilie statt, sondern sichert durch seine Funktionsweise ebenfalls den Fortbestand dieser beiden Strukturen.

3. Spezifikation der Konzepte Jessica Benjamins

3.1 Frühkindliche Sozialisation bei Jessica Benjamin

Zunächst soll geklärt werden, wie frühkindliche Sozialisation, also die Phase der Primärsozialisation, nach Jessica Benjamin verläuft. Benjamin teil den Prozess der Sozialisation in drei Phasen ein, beginnend mit der Phase der frühen Identifikation mit der primären Bezugsperson, anschließend die Phase des Ablösens und abschließend die der Wiederannäherung. Der Sozialisationsprozess wird sowohl durch kulturelle als auch psychische Prozesse beeinflusst und dient der kindlichen Suche nach der eigenen Geschlechtsidentität. Da der Sozialisationsprozess jedoch meist fehlerhaft verläuft, werden hier die Dispositionen für ein asymmetrisches Beziehungsgefüge zwischen den Geschlechtern geschaffen und damit auch die Grundlage für ein geschlechterbezogenes Herrschaftsverhältnis in der Gesellschaft. Als Grundlage ihrer Analyse dient Benjamin die traditionell-bürgerliche (Mittelschichts-) Kleinfamilie als normativ vorherrschendes Familienmodell in westlichen Industriegesellschaften, in dem aufgrund der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung „Frauen fast immer die primäre Betreuungsperson von Kleinkindern“19 sind.

Nach der Geburt identifizieren sich Kinder aller Geschlechter mit ihrer primären Bezugsperson, welche wie bereits dargelegt zumeist die Mutter ist. Es ist die Phase der frühen Identifikation20.

Anschließend beginnt der Sozialisationsprozess allerdings geschlechtsdifferent zu verlaufen, da beide Kinder nun ihre Geschlechtszugehörigkeit erleben. Diese Phase nennt Benjamin Differenzierungsphase . Der Junge erfährt, dass sich seine Geschlechtsidentität von der seiner Mutter unterscheidet, weshalb er folglich den Identifikationsprozess mit seiner Mutter abbrechen und seine Geschlechtsidentität als eine der Mutter differente definieren muss.21 Dieser Desidentifikationsprozess ist konstitutiv für die Ausbildung seiner männlichen Geschlechtsidentität, die durch „Ablösung und Unterscheidung“22 von der Mutter geprägt ist. Dieser Prozess verläuft allerdings meist pathologisch, da der Junge (sich) klarmachen muss, dass er sich von der Mutter unterscheidet, was die Anerkennung der Mutter als Subjekt verhindert und ihre Wahrnehmung „als Natur, als Mittel zu Zweck, als Objekt“23 fördert. Da der Junge die Mutter als mächtig und bedrohlich für die Integrität seiner selbst empfindet, muss er das phantasierte Machtverhältnis umkehren. Eine Subjekt-Objekt-Beziehung des Jungen zur Mutter löst nun die frühkindliche von „wechselseitige[r] Anerkennung und stolze[r, J.W.] Selbstbehauptung“24 geprägte Beziehung ab.

Benjamin spricht hier von einer „falsche[n, J.W.] Differenzierung“25, wenn nicht nur die Beziehung zur Mutter eine Objektbeziehung ist, sondern diese Charakteristik verallgemeinert auf Frauen und intersubjektive (Liebes-) Beziehungen übertragen wird. Kern männlicher Individuation ist dementsprechend „die Unabhängigkeit von der Mutter als Objekt“26.

Weibliche Differenzierung ist dabei die „beinahe spiegelbildliche Entsprechung der männlichen“27, was die Disposition für weibliche Unterwerfung schafft. Besonders problematisch wird hier die Rolle der Mutter, denn auch das Mädchen strebt danach, seine eigene (Geschlechts-) Identität durch Ablösung von der Mutter zu definieren. Da es aber kein äußerliches Merkmal zur Ablösung gibt, fürchten Mädchen die Trennung und Ablösung und sind „eher bereit, die Bindung an die Mutter durch Gehorsam und Selbstverleugnung aufrechtzuerhalten“28. Außerdem empfindet auch das Mädchen die Mutter als mächtig, da es ihr erscheint, als beziehe die Mutter die Macht aus ihrer Selbstaufopferung. Aus Angst von der mächtigen Mutter getrennt oder verlassen zu werden, verzichtet das Mädchen auf ihren eigenen Willen. Für sie erscheint Unabhängigkeit als gefährlich, relativ dazu, wie sehr die Mutter in der Ausgestaltung ihrer Mutterrolle auf ihre eigene Unabhängigkeit verzichtet. Dadurch fehlt dem Mädchen ein entsprechendes Rollenvorbild, weshalb ihr das eigene „Streben nach Unabhängigkeit als ungerechtfertigter Machtanspruch“29 erscheint. Diesen Mechanismus bezeichnet Benjamin als „zyklische[n, J.W.] Mechanismus der Unterwerfung“30, der die Disposition für weibliche Unterordnung und Masochismus schafft.

Somit stellt in dieser Phase der Sozialisation die an Subjektivität mangelnde Rolle der Mutter das entscheidende Merkmal für den unterschiedlichen Differenzierungsverlauf von Jungen und Mädchen dar und trägt entscheidend zur Entstehung eines Herrschaftsverhältnisses zwischen den Geschlechtern und dessen Verankerung in der Psyche der Menschen bei.31 Benjamin betont jedoch auch, dass nicht nur Männer das Herrschaftsverhältnis aufbauen würden, sondern dass Frauen ebenfalls an dessen Aufrechterhaltung und somit an ihrer eigenen Unterdrückung mitwirken. So finden sie sich dementsprechend „mit ihrer mangelnden Subjektivität“32 ab, was im westlichen Ideal der sich selbstaufopfernden Mütterlichkeit besonders deutlich wird.

Die dritte Phase des frühkindlichen Sozialisationsprozesses stellt die Wiederannäherungsphase dar. In dieser Phase erlebt das Kind nicht nur die unterschiedliche Geschlechtsidentität seiner Eltern, sondern ihm wird außerdem erstmals die durch die Macht seiner Eltern begrenzte Handlungsfähigkeit seiner selbst bewusst. Dies versetzt seinem „kindlichen Narzißmus eine Niederlage“33 (sic!) und es strebt danach, seine Selbstachtung zu wiederzuerlangen. Dazu möchte das Kind Handlungen vollziehen, welche die Wirkung des eigenen Schaffens sichtbar machen und sich mit der machtinnehabenden Person identifizieren.

Dies wird allerdings besonders problematisch für das weibliche Begehren, da das Mädchen „Anerkennung für [das, J.W.] eigene Begehren“34 finden möchte. Denn gleichzeitig mit dieser Phase wird außerdem das Wissen über die körperlichen Geschlechtsunterschiede der Eltern in der Psyche verankert. Dadurch kann es den Konflikt der Wiederannäherung, also einerseits den Wunsch an der Bindung mit der Mutter festzuhalten, sich andererseits aber auch von ihr ablösen zu wollen, auf beide Elternteile gespalten. Infolgedessen repräsentiert ein Elternteil Abhängigkeit, der andere Unabhängigkeit. Dabei wird die Rolle des Vaters idealisiert, das Kind erlebt „seinen Vater als einen erregenden und stimulierenden anderen, der ihm bei der Ablösung hilft“35. Die Mutter wird dabei gleichzeitig als das Innen repräsentierend wahrgenommen. „Schematisch ausgedrückt, kann der Mutter zum Objekt des Begehrens werde, während der Vater […] zum Subjekt des Begehens wird. Ablösung und Individuation werden so zu einer Frage der Geschlechtszugehörigkeit.“36

Damit erklärt Benjamin auch, weshalb der Phallus als Machtsymbolik große Wirksamkeit besitzt. Hierzu bezieht sie sich auf Sigmund Freuds Theorie des Penisneides, stellt jedoch ein Alternativmodell dazu vor. Im Gegensatz zu Freud geht sie davon aus, dass die Macht des Phallus auf die „Phantasie mütterlicher Macht [und, J.W.] nicht aber eines Mangels auf Seiten der Mutter“37 zurückzuführen sei. Mädchen und Jungen nehmen die Mutter unterbewusst als sehr mächtig, nicht als kastriert wahr. Dementsprechend ist der Phallus als ein „Symbol der Auflehnung und Ablösung“38 zu sehen. Daher werden nicht der Phallus und damit der Vater an sich begehrt, sondern der Phallus als Repräsentant der gelungenen Individuation eines Kindes gegenüber der „mächtigen Mutter der frühen Kindheit“39 Damit sind der Vater und sein Phallus das Mittel, um die Ablösung von der Mutter zu ermöglichen und Repräsentant der begehrten Außenwelt.

3.2 Die Gesellschaftsordnung der Geschlechterpolarisierung

Während der von Jessica Benjamin beschriebenen Sozialisationsphase oszillieren Kinder beider Geschlechter zwischen Autonomie und Bindung, zwischen befreiendem Vater und haltender Mutter. Hieraus entwickelt sich nun eine „einseitige Form der Differenzierung, bei der beide Geschlechter nur jeweils eine Rolle spielen können.“40, also eine Ordnung der geschlechtlichen Polarisierung aufgebaut wird.

Dabei wird das Modell der Weiblichkeit als spiegelbildliche Entsprechung zur Konstruktion von Männlichkeit aufgebaut. All die Eigenschaften, von denen sich der Junge bei der Differenzierung von der Mutter befreien musste, werden nun als „Idealtyp der Weiblichkeit“41 konstruiert. Zentral hierbei sind allerdings die Konsequenzen dieser Zuschreibung für beide Geschlechter: während für den Jungen die der Weiblichkeit zugeordneten Eigenschaften eine Bedrohung, die er abwerten muss darstellen, bilden die mit der Männlichkeit verbundenen Eigenschaften ein unerreichbares Ideal für das Mädchen, wodurch sie aufgewertet werden.

Die so konstruierte Spaltung zwischen Mutter und Vater sowie Weiblichkeit und Männlichkeit bleibt jedoch nicht auf die individuelle Psyche beschränkt, sondern wird als symbolische Ordnung der Geschlechter in der Gesellschaft übernommen. Benjamin benennt zwei wichtige Konsequenzen der so konstruierten Geschlechterpolarisierung. Zum einen den „Verlust der gegenseitigen Anerkennung [als die, J.W.] allgemeinste Konsequenz“42. Zum anderen stellt sie fest, dass nun die der Männlichkeit zugeschriebenen Eigenschaften, Autonomie und Individualität, zum allgemein menschlichen Ideal stilisiert werden. Damit konstatiert sie, dass „die tiefste Ursache des Unbehagens in unserer Kultur […] [die] Polarisierung der Geschlechter [ist, J.W.]“43.

Männliche Herrschaft manifestiert sich nun, dadurch dass männlich konnotierte Eigenschaften idealisiert, während (gleichzeitig) weibliche zugeordnete Merkmale abgewertet werden. Als besonders problematisch konstatiert sie hier die Überhöhung männlich konnotierter

Eigenschaften zu dem allgemeinen Ideal menschlicher Eigenschaften. Damit wird eine „Art der männlichen Herrschaft, die durch kulturelle Ideale wirksam [wird, J.W.], durch das Ideal der Individualität und Rationalität“44 durchgesetzt. Als grundlegend für die Beharrlichkeit männlicher Herrschaft in westlichen Kulturkreisen stellt Benjamin die scheinbare Geschlechtsneutralität gesellschaftlicher Ideale heraus, die allerdings implizit „männliche“ Ideale sind. So bleibt die kulturelle Ordnung „im Prinzip eine Männerwelt“45 (S.180).

Benjamin stellt außerdem eine Wesensverwandtschaft der Spaltung von Vater/ Autonomie und Mutter/ Bindung mit der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung fest. Durch die Abwertung der Weiblichkeit zugeschriebener Werte wie Fürsorglichkeit und Intersubjektivität, bleibt die Rolle der Mutter meist auf das Private beschränkt und ist für die unbezahlte Reproduktionsarbeit verantwortlich. Im Gegensatz dazu agiert der Vater in der Lohnarbeit und der öffentlichen Sphäre, deren Prinzipien normativ auf die gesellschaftliche Ordnung wirken.46

3.3 Sozialer Wandel bei Jessica Benjamin

Als problematisch stellt Benjamin den konflikthaft verlaufenden frühkindlichen Sozialisationsprozess dar, der die gesellschaftliche Polarisierung der Geschlechter und das darauf aufbauende Herrschaftsverhältnis bewirkt. Daraus resultieren ebenfalls unterschiedliche geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen und Rollenausgestaltung der Elternrollen. Dies bewirkt wiederum erneut einen konflikthaften Sozialisationsprozess der Kinder beider Geschlechter, wodurch sich die Geschlechterverhältnisse der Gesellschaft reproduzieren. Diesen Kreislauf gilt es für Jessica Benjamin zu durchbrechen.

Sie plädiert dabei nicht nur für die Veränderung der Geschlechterrollen, sondern ebenfalls für die Reorganisation von Elternschaft bzw. elterlichen Rollen und damit für veränderte Rahmenbedingungen des frühkindlichen Sozialisationsprozesses. Ihre Argumentation bewegt sich hier dennoch weiterhin innerhalb der Dualität der Geschlechter, da sich „jede Untersuchung des weiblichen Erlebens […] zwangsläufig der Sprache jener alten Dualität bedienen müssen“47.

Als problematisch charakterisiert Benjamin die kindliche Wahrnehmung der Mutter als Person ohne eigene sexuelle Handlungsfähigkeit48 und ohne ausreichende Subjektivität.49 Deshalb versucht das Mädchen sich aufgrund ihres Wunsches nach eigener Handlungsfähigkeit und Begehren mit ihrem Vater zu identifizieren, was aufgrund des gegenwärtigen Geschlechterverhältnisses allerdings problematisch ist.50

Daher fordert Benjamin die Veränderung des Geschlechterverhältnisses und den spezifisch zugeschriebenen stereotypen Elternrollen, was auch aktiv durch die Elternpersonen geschehen muss51. Sie konstatiert, die Mutter müsse sich als sexuelles Objekt artikulieren und „Frauen ihre Subjektivität beanspruchen“52 Außerdem sei es unerlässlich, dass beide Elternteile nicht nur die ihnen geschlechtsspezifischen Eigenschaften repräsentieren, sondern ebenfalls gegengeschlechtlich zugeschriebene Attribute integrieren. So können „beide Eltern ihren Kindern als Vorbilder für Ablösung wie für Anlehnung dienen“53 und das Kind kann sich somit mit beiden Eltern identifizieren und ebenfalls männlich und weiblich zugeschriebene Eigenschaften in die eigene Identität integrieren womit das „tiefe Verlangen nach Ganzheit“54 erfüllt werden könne. So wäre es laut Benjamin möglich, die (Geschlechts-) Identität, Sexualität, Elternschaft und damit Sozialisation von der Geschlechterpolarität zu lösen, was dazu beitragen könnte, das asymmetrische Geschlechterverhältnis auszugleichen.

Sie konstatiert außerdem, dass die kulturelle Verankerung der Überbewertung von Individuation über Abhängigkeit „der Vision einer Balance […] [weichen sollte, J.W.], bei dem keiner der beiden Pole gegenüber dem anderen privilegiert ist“55.

Zum anderen plädiert Jessica Benjamin für die Schaffung einer neuen Repräsentanz für das weibliche Begehren, das in der Wiederannäherungsphase konflikthaft geworden ist und vom Phallus repräsentiert wird.56 Hierzu greift Benjamin auf die Theorie der Intersubjektivität zurück und schlägt vor, „das intersubjektive Begehen nicht in einer Körpersymbolik, sondern eher in räumlichen Metaphern auszudrücken“57. Durch die Bezugnahme auf die Metapher eines intersubjektiven Raums kann so nicht nur die intrapsychische Welt repräsentiert werden (auf welche sich die Phallussymbolik beschränkt), sondern ebenfalls die Dimension, welche die Begegnung zweier Subjekte beinhaltet. In diesem inneren, intersubjektiven Raum kann nun frau als Subjekt agieren, ihr inneres Begehren entdecken und ihre sexuelle Subjektivität finden.58 Dieser intersubjektive Raum wäre nicht nur Frauen zugänglich, sondern ebenfalls Männern.

4. Reorganisation von Elternschaft: Kollektiverziehung am Beispiel der Kinderladenbewegung der 1968er

Im folgenden Kapitel wird auf die Möglichkeiten einer Reorganisation von Elternschaft außerhalb der traditionell-bürgerlichen Kernfamilie eingegangen. Hierzu wird das Konzept der Kollektiverziehung, das bewusst als Abgrenzung zur Erziehung in der Kleinfamilie konzipiert wurde, vorgestellt. Da es sich hierbei jedoch um kein einheitliches Konzept handelt und sich dessen Ausgestaltung in verschiedenen realisierten Modellen unterscheidet, wird anschließend exemplarisch das Modell der Kollektiverziehung in der Kinderladenbewegung der 1968er vorgestellt.

4.1 Kollektiverziehung - Definition, Merkmale und Ziele

Kollektiverziehung beschreibt ein pädagogisches Konzept, in dem die Erziehung und Sozialisation von Kindern und Jugendliche bewusst in Gemeinschaften bzw. Kollektiven stattfindet, welche dadurch zu einem Kollektiv heranwachsen sollen59. Kennzeichnend für die die Konzeption der Kollektiverziehung ist ein dezidiert politisch-ideologischer Bezug auf ein egalitäres Wertesystem und das Ziel der Schaffung einer auf diesen Prinzipien aufbauenden neuen Gesellschaftsordnung, Oftmals wird das Modell der Kollektiverziehung als bewusstes

Gegenmodell zur Erziehung und Sozialisation in der bürgerlichen Kleinfamilie verstanden.60

Die jeweilige konkrete Ausgestaltung der einzelnen Leitmotive und- werte hängt jedoch stark vom spezifischen Modell der Kollektiverziehung ab.

Als bekannteste Modelle praktizierter Kollektiverziehung gelten die als einzige staatlich institutionalisierte Kollektiverziehungsmodelle in ehemals sozialistischen Ländern, v.a. in der Sowjetunion. Konzeptionell bauten sie auf der Pädagogik Anton Semjonowitsch Makarenkos auf , in der die Schule eine zentrale Stellung hatte und die Familie als „sowjetisches Kollektiv“ deren Hauptträger war.61

Ein weiteres Modell ist die Kollektiverziehung in israelischen Kibbuzim. Von Anhängern sozialistisch-zionistischer Bewegungen Anfang des 20. Jahrhunderts als Siedlungskollektive gegründet, stellen sie ein bis heute erfolgreiches Experiment kollektiv und egalitär organisierter Wirtschafts- Lebens- und Erziehungsformen dar.62

Ein drittes, zeitlich sehr begrenztes, dennoch bisweilen populäres Modell kollektiv organisierter Erziehung ist die Kinderladenbewegung in der Bundesrepublik und Westberlin Ende der 1960er Jahre. Diesem Modell ist in dieser Arbeit jedoch ein eigenständiges Kapitel gewidmet.63 (Siehe 4.2)

Es wird deutlich, dass sich die hier skizzierten Modelle der Kollektiverziehung sowohl hinsichtlich ihrer Zukunftsvision des „neuen Menschen“ und der damit einhergehenden Vorstellung der Struktur einer neuen Gesellschaftsordnung, unterscheiden, als auch hinsichtlich ihrer Verbreitung und dementsprechend ihres Wirkungsgrades.64

Trotz ihrer zum Teil sehr unterschiedlichen Struktur und Ausgestaltung, kann man dennoch einige verbindende Elemente und übereinstimmende Zielsetzungen der hier genannten Kollektiverziehungsmodelle feststellen. Gemein ist ihnen unter anderem das Ziel durch Kollektiverziehung den Abbau von diversen Herrschaftsverhältnissen zu erreichen.65.

Durch die Auslagerung der Kindererziehung aus der Kernfamilie können Frauen von den ihnen zugeteilten familialen Reproduktionsaufgaben entbunden werden, womit es ihnen möglich gemacht werden soll, an den gleichen gesellschaftlichen Teilbereichen teilzuhaben wie Männer. Dadurch könnte das geschlechtsspezifische Herrschaftsverhältnis aufgehoben werden.66

Außerdem soll durch das Einsetzen professioneller Erzieher_innen, die als Vertreter_innen gemeinsamer gesellschaftlicher Werte fungieren die Abhängigkeit in der Erziehung und der Sozialisation der Kinder von den spezifischen familialen Ressourcen abgebaut werden. Folglich wäre damit „der Klassencharakter von Erziehung und Bildung“67 ausgeschaltet. Zusätzlich sollen sich Kinder möglichst frei entwickeln können und die „irrationale[r, J.W.] Herrschaft von Erwachsenen über Kinder“68 abgeschafft werden. Des Weiteren möchte man durch einen Wertewandel eine Abkehr von der individualzentrierten Werte- und Gesellschaftsstruktur und eine Hinwendung zu Kollektivorientierung mit Berücksichtigung der gemeinschaftlichen Bedürfnisse und Interessen erreichen.69

Daraus wird ersichtlich, dass sich das Konzept der Kollektiverziehung in dem Sinne vom Modell der bürgerlichen Kleinfamilie abgrenzt, als dass der Sozialisationsprozess der Kinder aus dem Kreise der Kleinfamilie ausgelagert wird und im Rahmen eines Kollektivs, das über die Vater-Mutter-Dyade hinausgeht, stattfindet.

4.2 Die Kinderladenbewegung: Entstehungsgeschichte, theoretische Konzeption und politischer Anspruch

Die Kinderläden entstanden ursprünglich als eine Art Selbsthilfeprojekt von Frauen der Studierendenbewegung der späten 1960er, die im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) organisiert waren. Dort zwar gemeinsam mit Männern politisch-emanzipatorisch aktiv, erwies es sich als problematisch, dass die Kindererziehung und -Betreuung trotzdem einzig als Aufgabe der Frauen verstanden wurde.70 Daher gründeten 1968 betroffene Frauen den

„Aktionsrat zur Befreiung der Frauen“, um die Verbundenheit von weiblicher Geschlechtszugehörigkeit und Reproduktionsarbeit auch in der linken Studierendenbewegung zu thematisieren. Hier lag der Fokus nicht auf der Unvereinbarkeit von familialer Reproduktions- und Lohnarbeit, sondern auf der Unvereinbarkeit von politischem Aktionismus und Kinderbetreuung71. Als Initialereignis für die Gründung des ersten Kinderladens in Westberlin wird der Vietnamkongress 1968 in Berlin gesehen, währenddessen teilnehmende Frauen zum ersten Mal eine kollektive Kinderbetreuung organisierten72. In der Folgezeit mieteten sie aufgrund der fehlenden Platzkapazitäten in Westberlin leerstehende Laderäume an, in denen die selbstverwaltete Betreuungsalternative „Kinderladen“ stattfand73.

Das primäre Ziel für die Gründung der ersten Kinderläden in Westberlin und Frankfurt stellte die Emanzipation politisch engagierter Frauen dar. Zusätzlich erkannte man jedoch schnell das Potential der Idee, mit eigenen Betreuungsstrukturen eine Alternative zu den traditionell-bürgerlichen Familien- und Vorschulbetreuungsstrukturen schaffen zu können74, in denen das eigene „Gegenmodell für eine neue Gesellschaft [praktiziert] […] [und, J.W.] zum ‚neuen Menschen‘ erzogen werden“75 und das bürgerliche Individuum revolutioniert werden soll.

Obwohl auch hier die Ausgestaltung der pädagogischen und politischgesellschaftstheoretischen Konzepte von der jeweiligen Einrichtung abhing, kann man dennoch zentrale gemeinsame Grundprinzipien feststellen.

Generell verfolgte man das Konzept der antiautoritären, repressionsfreien Erziehung, die man zunächst als Gegenmodell zur „üblichen autoritären Erziehung“76 in der Gesellschaft und der bürgerlichen Kleinfamilie als ihre wirkungsvollste Sozialisationsagentur sah.77 Dabei sind die Prozesse der Primär- und Sekundärsozialisation, wie in Kapitel 2 definiert, nicht mehr abgrenzt und aufeinanderfolgend, sondern finden gleichzeitig statt.

Durch die Forcierung der Selbstregulation der kindlichen Bedürfnisse, sowie die freie Entfaltung ihrer Sexualität78 und Aggression sah man die Chance, die kindliche Ich-Entwicklung nicht zu unterdrücken und die „verhängnisvolle Vater-Mutter-Kind-Beziehung zu lockern“.79

Man strebte außerdem an, ein Kinderkollektiv mit der Abschaffung von Privateigentum und der Entwicklung von Solidarität untereinander zu kreieren. Dadurch sollte eine Auseinandersetzung der Kinder mit den Strukturen der bürgerlichen Familie und des kapitalistischen Systems und die Ausbildung von Kritikfähigkeit stattfinden. Dies diente zur „Heranbildung einer Charakterstruktur …, die für den späteren politischen Kampf notwendig ist“80

Das theoretische Konzept der Kinderläden fußte vor allem auf der Theorie der Autoritären Persönlichkeit bzw. des Autoritären Charakters. Hier bezog man sich auf die Überlegungen, welche Einstellungs- und Persönlichkeitsmuster zur Entstehung faschistischer Regime beitragen und wie man deren Entstehung künftig verhindern könne.81 Hierzu knüpften sie an Werke der der Frankfurter Schule an, wie derer von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. Diese Theorie verknüpfte man mit psychoanalytischen Entwicklungstheorien von Erich Fromm und Wilhelm Reich und verband dies mit marxistisch-sozialistischen Vorstellungen einer neuen Gesellschaftsstruktur.82 Außerdem dienten andere alternativ- pädagogische Konzepte, wie die Demokratische Schule Summerhill unter der Leitung A.S. Neills als nachzuahmende Beispiele.

Dennoch ist anzumerken, dass das theoretisch-pädagogische Konzept der Kinderläden trotz entgegenläufiger Bestrebung meist sehr diffus blieb und konkreteres Wissen über die genutzten theoretischen Konzepte fehlte.83

In der Praxis stand die frühkindliche Erziehung und Sozialisation unter dem Einfluss mehrerer Bezugspersonen, nicht nur ausschließlich unter dem der biologischen Mutter, wobei dieser auch hier weiterhin eine Schlüsselrolle zukam. Trotz ihrer ambitionierten Ziele kam der Kinderladenbewegung dennoch nur eine begrenzte Wirksamkeit zu. Der größte Teil der beteiligten Familien kann dem studentischen Milieu bzw. der bürgerlichen Mittelschicht zugerechnet werden. Außerdem blieb das Konzept der Kinderläden gesamtgesellschaftlich betrachtet ein isoliertes Konzept, obwohl dessen Einfluss auf weitere pädagogische und bildungspolitische Konzepte der Bundesrepublik nicht unterschätzt werden darf.84

5. Analyse: Chancen und Grenzen der Kollektiverziehung

In diesem Kapitel wird nun anhand des Modells Kollektiverziehungsmodells „Kinderladen“ diskutiert, welche Möglichkeiten und Grenzen dieses Modell einer alternativen Organisation von Elternschaft außerhalb der familialen Triade bietet, das Herrschaftsverhältnis zwischen den Geschlechtern zu verändern. Dazu wird zunächst untersucht, wie die Rahmenbedingungen des Sozialisationsprozesses, den Jessica Benjamin beschreibt, durch die Erziehung und Sozialisation der Kinder im Kinderladen modifiziert werden. Darauf aufbauend wird untersucht, ob eine veränderte Ausgestaltung elterlicher Rollen, speziell der Mutterrolle, innerhalb dieses Konzepts stattfinden kann. Abschließend soll dann analysiert werden, ob dieses Konzept die Wirkmächtigkeit besitzt, die in Kapitel 3.2 beschriebene Gesellschaftsordnung der Geschlechterpolarisierung und den damit verbundenen Strukturen zu verändern.

Zentral für die Analyse ist zunächst die Feststellung, dass das Konzept der Kinderläden die Möglichkeit bietet, den Sozialisationsprozess aus dem Rahmen der (bürgerlichen) Kernfamilie auszulagern. Somit wäre es möglich, den von Benjamin als konflikthaft beschriebenen Sozialisationsprozess strukturell von den Eltern zu entkoppeln. Es wäre vorstellbar, dadurch das Modell der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung zu überwinden und so die Spaltung der Eltern in Repräsentant_in des haltenden Innen und des befreienden Außen zu verhindern, sowie beide Elternpersonen als Repräsentant_in des positiv konnotierten Außen wahrzunehmen. So könnte auch die Mutter „der ‚erregende und Neugier weckende‘ Elternteil sein …, wenn sie es ist, die kommt und geht“85.

Jessica Benjamin fordert außerdem eine Veränderung der geschlechtsspezifischen Rollenzuschreibungen und deren Ausgestaltung von Seiten der Eltern selbst. Dabei sieht sie sowohl die Eltern, als auch die Gesellschaft in der Verantwortung. Sie sieht speziell die Mutterrolle als veränderungsbedürftig, indem sie schreibt „wir müssen daher zu einem neuen Ideal und einer neuen Wirklichkeit von mütterlicher Sorge finden“, da ihrer Meinung nach „ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen des Kindes und der Selbstbehauptung der Mutter“86 besonders wichtig ist. Durch die Möglichkeit der Erziehung der Kinder in einem Kinderladen würde dementsprechend nicht mehr automatisch die Zuteilung der Mutter in die Erzieherinnenrolle stattfinden. Somit wäre es für Frauen einfacher möglich, sich auch andere, ihnen vorher nicht zugeschriebene Gesellschaftsbereiche anzueignen und damit das Ideal der selbstaufopfernden Mütterlichkeit zu überwinden. Damit wäre die von Benjamin geforderte Integration gegengeschlechtlich zugeschriebener Attribute für beide Elternteile ebenfalls möglich. Dies könnte sich positiv auf den Sozialisationsverlauf der Kinder auswirken, da diese im Kleinkindalter bestrebt sind, sich mit beiden Elternteilen zu identifizieren und damit auch Eigenschaften übernehmen können und wollen, die gegengeschlechtlich zugeordnet werden. So könnten nicht nur beide Elternteile für Ablösung und Annäherung stehen, sondern auch als Vorbilder für Integration im Gegensatz zu Komplementarität dienen. Es wäre für die Kinder so ebenfalls möglich, eine vielfältigere und individuellere (Geschlechts-) Identität jenseits der Zweigeschlechtlichkeit anzunehmen.

Benjamin fordert weiterhin die Artikulation von Frauen selbst als handelnde und sexuelle Subjekte und damit die (gesellschaftliche) Enttabuisierung ihrer Sexualität.87 Im Rahmen eines Konzepts, dass sich gegen die Unterdrückung der kindlichen Sexualität stellt, wäre auch dies möglich.

In Kapitel 3.2 wurde erläutert, dass Jessica Benjamin die gesellschaftliche Ordnung und die vorherrschenden Ideale im Grunde als männlich geprägt sieht. Damit werden eigentlich männlich zugeschriebene Eigenschaften als für alle Menschen notwendige Eigenschaften verallgemeinert. So gilt das Prinzip der Individuation als gesellschaftliches Leitmotiv. Das pädagogische Konzept der Kinderläden versucht nun, die Kinder zu einem (Kinder-) Kollektiv zu erziehen, womit das Prinzip der Abhängigkeit positiv in ein Prinzip der gegenseitigen Solidarität und Interdependenz umgedeutet wird. Dadurch könnte auch Jessica Benjamins Vision einer Balance zwischen Individuation und Abhängigkeit erreicht werden.

Die beschriebenen Vorgänge könnten natürlich auch im Rahmen anderer Kinderbetreuungsangebote realisiert werden, dennoch bietet hier das Konzept der Kinderläden aufgrund ihrer theoretisch-politischen Konzeption und ihres dezidierten Abgrenzens vom Modell der bürgerlichen Kleinfamilie besonders gute Möglichkeiten, diese Veränderungen umzusetzen.

Allerdings bleibt fraglich, wie groß die Wirksamkeit des Konzepts der Kollektiverziehung im Kinderladen tatsächlich sein kann. Denn auch hier besteht noch ein starker Sozialisationseinfluss der Kleinfamilie. Auch wären weiterhin die geschlechtsspezifischen Rollenzuschreibungen und damit die Innen- Außen-Aufteilungen der Elternrollen „fest in unserer Kultur verankert“88, weshalb es fraglich ist, inwiefern das Kinderladenmodell dies überwinden kann. Außerdem besteht auch hier eine klare Trennung zwischen öffentlicher und privater Sphäre fort, weshalb es zwar möglich wäre, diese Aufspaltung von den Elternpersonen abzulösen. Doch möglicherweise könnte sich der Sozialisationsprozess dennoch konflikthaft entwickeln und dieser Konflikt wieder aufgespalten werden, nur jedoch dann auf andere Personen bzw. Rollenträger_innen.

6. Fazit

Die vorherige Analyse hat gezeigt, dass das Konzept der Kollektiverziehung durchaus das Potenzial aufweist, einige Aspekte des konflikthaften frühkindlichen Sozialisationsprozesses zu verändern. Insbesondere bietet es die Möglichkeit, die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung aufzuheben, indem die Kindererziehung aus der Kleinfamilie ausgelagert wird. Damit hätten sowohl beide Elternteile die Möglichkeit, erwerbstätig zu sein als auch sich gleichermaßen in den familialen Kontext einzubinden. Dies könnte sich ebenfalls positiv auf den Prozess der (Geschlechts-) Identitätsbildung der Kinder auswirken.

Dennoch bleibt fraglich, welchen gesamtgesellschaftlichen Einfluss diese Reorganisation von Elternschaft hätte und ob dieses Konzept tatsächlich vermag, das Herrschaftssystem zwischen den Geschlechtern aufzuheben. Speziell die spezifische Form der Kollektiverziehung, wie sie in den Kinderläden der 1968er Bewegung praktiziert wurde, ist dabei in ihrer Konzeption sicher nicht weitreichend genug. An dieser Stelle wäre es interessant zu untersuchen, ob die Form der Kollektiverziehung, die in israelischen Kibbuzim praktiziert wird, einflussreicher sein könnte. Dort wird nicht nur die Kindererziehung komplett aus der Kleinfamilie ausgelagert, sondern ebenso das gesellschaftliche Leben möglichst kollektivistisch und egalitär organisiert.

Trotzdem bleibt das Konzept der Kollektiverziehung in den Kinderläden der 1968er- Bewerbung ein äußerst interessantes pädagogisches Konzept. Im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs bleibt es jedoch nahezu unbeachtet. Deshalb wäre es sicher spannend, das Konzept der Kinderläden aus einer heutigen Sicht tiefergehend zu analysieren, ihre Übertragbarkeit auf aktuelle gesellschaftliche Verhältnisse zu prüfen und daraus eventuell praktische Handlungsanweisungen abzuleiten.

7. Literaturverzeichnis

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[...]


1 Vgl. Karin Hausen: Die Polarisierung der „ Geschlechtscharaktere “ . Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs- und Familienleben, in: Conze, Werner (Hrsg.): Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas, Stuttgart, 1976, S.367.

2 Susanne Diemer: Patriachalismus in der DDR, Opladen, 1994, S.15f.

3 Vgl. ebn. S.19.

4 Vgl. Hausen 1976:.367.

5 Vgl. ebn. S. 368.

6 Brigitte Brück; Heike Kahlert et al.: Feministische Soziologie. Eine Einf ü hrung, Frankfurt am Main, 2. Auflage, 1997, S.57.

7 Diese beiden Begriffe werden hier synonym verwendet

8 Vgl. Johannes Kopp; Hermann L. Gukenbiehl.: Familie, in: Kopp, Johannes; Schäfers, Bernhard (Hrsg.): Grundbegriffe der Soziologie, Wiesbaden, 10. Auflage, 2010, S.71; Huinik, Johannes; Konietzka, Dirk: Familiensoziologie. Eine Einf ü hrung, Frankfurt am Main, 2007, S.25.

9 Vgl. Rosemarie Nave-Herz: Ehe- und Familiensoziologie. Eine Einf ü hrung in Geschichte, theoretische Ans ä tze und empirische Befunde, Weinheim, 3. Auflage, 2013, S.55f

10 Vgl. Kopp et al. 2010: 73; Nave-Herz 2013: 64.

11 Klaus-Jürgen Tillmann, Sozialisationstheorien. Eine Einf ü hrung in den Zusammenhang von Gesellschaft, Institution und Subjektwerdung, Hamburg, 2003, S.10ff .

12 Im Folgenden werden die Phasen der Primär- und Sekundärsozialisation betrachtet, da ihnen zunächst eine besondere Bedeutung für die Konstitution der Persönlichkeitsentwicklung eines Individuums zugesprochen wird. Außerdem stellen sie im Gegensatz zu den Phasen der Tertiär- und Quartärsozialisation (Sozialisationsgeschehen im Erwachsenenalter) die beiden relevanten Sozialisationsphasen hinsichtlich der oben beschriebenen Fragestellung dieser Arbeit dar.

13 Kurt Mühler: Sozialisation. Eine soziologische Einf ü hrung, Paderborn, 2008, S. 46.

14 Mühler 2008: 50.

15 Vgl. Peter L. Berger.; Thomas Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, Frankfurt am Main, 1980, S.141.

16 Mühler 2008: 50.

17 Berger/Luckmann 1980: 141.

18 Vgl. Mühler: 47.

19 Jessica Benjamin: Die Fesseln der Liebe. Psychoanalyse, Feminismus und das Problem der Macht, Frankfurt am Main, 5. Auflage, 1993, S.75.

20 Vgl. ebn.

21 Vgl. ebn.

22 Ebn. S.76.

23 Ebn.

24 Ebn.

25 Ebn. S.77.

26 Ebn. S.78.

27 Ebn.

28 Ebn. S.78.

29 Ebn. S.79.

30 Ebn.

31 Vgl. ebn. S..81.

32 Ebn. S.78.

33 Ebn. S.100.

34 Ebn.

35 Ebn. S.101.

36 Ebn. S.103.

37 Ebn. S.93.

38 Ebn.

39 Ebn. S.94.

40 Ebn. S.165.

41 Ebn.

42 Ebn. S.166.

43 Ebn.

44 Ebn. S.167.

45 Ebn. S.180.

46 Vgl. ebn. S.178.

47 Ebn. S.128.

48 Ebn. S.110.

49 Vgl. ebn. S.81.

50 Vgl. ebn. S.110.

51 Vgl. ebn. S. 112.

52 Ebn. S. 214.

53 Ebn. S.110.

54 Ebn. S.82.

55 Ebn. S.82.

56 Vgl. ebn. S.122.

57 Ebn. S.124.

58 Vgl. ebn. S.126.

59 Vgl. Ludwig Liegle: Kollektiverziehung, in: Wulff, Christoph (Hrsg.): W ö rterbuch der Erziehung, München, 7. Auflage, 1989, S.330; Ludwig Liegle: Familienerziehung oder Kollektiverziehung? Eine falsche Alternative, in: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-39897 (zuletzt überprüft am 26.11.2015).

60 Vgl. Liegle 1973: 41ff..

61 Vgl.Liegle 1989:330.

62 Vgl. ebn. S.331; Ludwig Liegle: Erziehung im Kibbuz - Ein Weg zum Kollektiv?, in: http://nbn- resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-39611 (zuletzt überprüft am 26.11.2015); Maria Fölling-Albers; Werner Fölling,: Kibbutz und Kollektiverziehung. Entstehung - Entwicklung - Ver ä nderun, Opladen, 2000,S. 108f.

63 Vgl. Liegle 1989: 332.

64 Vgl. Liegle 1989: 330ff; Gerhard Wehle: Kinderladen, in: Gerhard Wehle (Hrsg.): P ä dagogik aktuell. Lexikon p ä dagogischer Schlagworte und Begriffe, München, 1973, S. 105-107.

65 Vgl. Liegle 1973: 48.

66 Vgl. Liegle 1989: 329; Liegle 1973: 48.

67 Liegle 1989: 329.

68 Liegle 1973: 48.

69 Vgl. Liegle 1989: 329.

70 Vgl. Traude Bremer: Kinderladen Frankfurterstra ß e. Versuch einer pragmatischen Hermeneutik, Frankfurt am Main, 1986, S.74; Meike Sophia Baader: Ö ffentliche Kleinkinderziehung in Deutschland im Fokus des Politischen. Von den Kinderg ä rten 1848 zu den Kinderl ä den in der 68er Bewegung, in: Ecarius; Jutta; Groppe; Carola et al. (Hrsg.): Familie und ö ffentliche Erziehung. Theoretische Konzeptionen, historische und aktuelle Analysen, Wiesbaden, 2008; S.275.

71 Vgl. Baader 2008: S.275.

72 Vgl. Bremer 1986: 74.

73 Vgl. Elisabeth Höhn: Wandel der Werte- und Erziehungsziele in Deutschland. Eine soziologisch-empirische Bestandsaufnahme der gegenw ä rtigen gesamtgesellschaftlichen Situation mit Schwerpunkt auf Schule und Familie im Kontext des 20. Jahrhunderts, Frankfurt am Main, 2003, S.144.

74 Vgl. Baader 2008: 279; Dieter Höltershinken: Kinderl ä den, in: Horn, Klaus-Peter; Kemnitz, Heidemarie et al. (Hrsg.): Klinkhardt Lexikon Erziehungswissenschaft, Bad Heilbrunn, 2012, S.197.

75 Baader 2008: 278.

76 o.Verf: Berliner Kinderl ä den. Antiautorit ä re Kinderl ä den und sozialistischer Kampf, Köln, 1970, S.15.

77 Vgl. Wehle 1973: 98.

78 Vgl. Höltershinken 2012: 197.

79 Bremer 1986:78f.

80 Autorenkollektiv im sozialistischen Kinderladen Charlottenburg I: Die Praxis im sozialistischen Kinderladen, in: Kron, Friedrich W.: Antiautorit ä re Erziehung, Regensburg, 1973, S.34.

81 Vgl. Meike Sophia Baader: Erziehung und 68, in: http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/68er- bewegung/51961/erziehung-und-68?p=all (zuletzt überprüft am 26.11.2015).

82 Vgl. Wehle 1973: 98; Höltershinken 2012: 197.

83 Vgl. Bremer 1986: 77.

84 Vgl. Liegle 1989: 332.

85 Benjamin 1993: 101.

86 Ebn. S.82.

87 Vgl. ebn. S.112.

88 Benjamin 1993: 101.

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Kollektiverziehung als Korrektiv des geschlechtsbezogenen Herrschaftsverhältnisses?
Untertitel
Möglichkeiten und Grenzen eines alternativen Elternschaftmodells
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V323075
ISBN (Buch)
9783668310469
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlecht, Psychoanalyse, Feministische Theorie, Theoretische Soziologie, Kollektiverziehung, Herrschaft, Kinderladen, Geschlechterpolarisierung, Sozialisation, Reorganisation von Elternschaft
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Kollektiverziehung als Korrektiv des geschlechtsbezogenen Herrschaftsverhältnisses?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323075

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