Sprache und Dialekte


Referat (Ausarbeitung), 2002

18 Seiten, Note: 1.5


Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1.Hier wird Deutsch gesprochen
1.1 Was bedeutet Deutsch?
1.2 Der Weg zur Standardsprache

2. Dialekte versus Hochsprache
2.1 Dialekte & Mundarten
2.2 Die Einheit der Hochsprache
2.3 Der Einfluss regionaler Dialekte auf die Hochsprache
2.4 Höhepunkte der deutschen Literatur
2.5 Zusammenfassung

Anhang: Zeitungsausschnitte von 1632 &

0. Einleitung

Die Geschichte der deutschen Sprache beginnt mit dem Einsetzen schriftlicher Überlieferungen in deutscher Sprache im 8. Jahrhundert. Wobei die deutschen Mundarten des 7. und frühen 8. Jahrhundert ausschließlich gesprochene Sprachen waren. Erste volkssprachliche Texte, die niedergeschrieben wurden, waren ganz auf die Bedürfnisse der Mission und der religiösen Unterweisung ausgerichtet.

Im christlichen Reich Karls des Großen vollzog sich der sprachsoziologische und sprachliche Übergang von Germanisch zu Deutsch. Karl der Große bestimmte im Rahmen seiner Kulturpolitik 789 in der Admonitio generalis, dass die im Mittelpunkt der Glaubenslehre stehenden Texte des Glaubensbekenntnisses und des Vater- unsers dem Volk von Priestern vorzutragen und zu erklären seien. Die in der Admonitio generalis verlangte Erklärung der Texte liefert die bairische Pater- noster- Auslegung. Es wird jeweils ein Satz des Vater- unsers auf lateinisch zitiert, dann übersetzt und schließlich erklärt. Die Erklärung folgt dabei der Auslegung in dem Sacramentarium Gelasianum, einer Sammlung von Messtexten, die auf den römischen Papst Gelasius (5.Jh.) zurückgeführt wird. Noch enger mit der Volkssprache verbunden sind zwei weitere Textsorten: Die eine Textsorte betrifft unmittelbar die Mission, das sind die Taufgelöbnisse, bei denen an die Sprache der Neu-Missionierten angeknüpft werden musste. Die anderen Textsorte betrifft die Pflege des Glaubens in der Beichte und Buße. Die älteste überlieferte Beichtformel ist bairisch.

Die Herausbildung unserer deutschen Sprache beginnt nach dem Abschluss der Völkerwanderung mit dem Sesshaftwerden der Stammesverbände und Völkerschaften. Der Zeitraum in dem sich die älteste Stufe des Deutschen herausbildet, wird als althochdeutsch bezeichnet. Die wichtigsten Stammessprachen, aus denen das Deutsche allmählich entstand, waren das Fränkische, das Bairische, das Alemannische und das Sächsische. Das zunächst zufällige räumliche Nebeneinander von Sprechern unterschiedlicher Dialekte führte durch sprachlichen Austausch und Ausgleich, durch in wesentlichen Erscheinungen übereinstimmenden Entwicklungstendenzen, durch kulturelle, wirtschaftliche und soziale Beziehungen und durch die zumindest formale politische Vereinigung zu Ansätzen, gegen Ende dieses Zeitraumes auch zum sprachlichen Ausdruck der Erkenntnis der Zusammengehörigkeit als Deutsche.

1.Hier wird Deutsch gesprochen

1.1 Was bedeutet Deutsch?

Es stellt sich die Frage: „Was bedeutet Deutsch ?“ Viele Politiker, Wissenschaftler und Künstler haben versucht, das deutsche Wesen, die deutsche Seele, den deutschen Menschen, mit einem Wort das Deutsche zu ergründen.

Um die Bedeutung von Wörtern zu beschreiben schaut man am besten auf deren Gebrauch. Im Ausdruck „Hier wird Deutsch gesprochen“ bezieht sich Deutsch auf eine Sprache. In der Wendung deutsche Frauen, deutscher Wein und deutscher Sang auf ein Volk. Deutsche Lande bezeichnet ein geographisches Gebiet, deutsche Philosophie und deutsche Musik sind Ausprägungen einer Kultur.

Der Worttyp Deutsch enthält also fünf Bedeutungsgeschichten; sie beziehen sich auf die Sprache, das Volk, das Land, die Kultur und den Staat. Geschichtlich gesehen haben sich die fünf Bedeutungen von Deutsch nacheinander ausgeprägt. Die älteste Bedeutungsgeschichte ist die sprachliche. In der latinisierten Form theodiscus ist Deutsch als Sprachname seit 786 bezeugt, als der päpstliche Nuntius Georg von Ostia dem Papst Hadrian I. über zwei Synoden, die in England stattfanden, berichtete. Dabei wurden die Beschlüsse sowohl lateinisch als auch Volkssprachlich (latine und theodisce) verlesen, damit alle sie verstehen konnten. Das lateinische theodiscus ist ein Wort der Gelehrtensprache, es ersetzt das Wort gentilis, das im 8. Jahrhundert auch noch ’heidnisch’ bedeutete, in Kontexten, in denen diese Bedeutung störte. Es beruht auf dem germanischen Wort ٭þeudo ’Volk’ und dem Adjektivsuffix –iska (nhd. –isch).[1]

Die althochdeutsche Form diutisk ist etwa seit dem Jahre 100 belegt, wörtlich bedeutet diutisk „dem Volke eigen“, es bezeichnet die Volkssprache der Germanen im Gegensatz zur Sprache der Kirche und Gelehrten, dem Latein. In Vornamen wie Dietrich und Dietmar ist der Bestandteil diet „Volk“ heute noch erhalten.

Als Länder- und Volksname wird Deutsch seit Ende des 11. Jahrhunderts verwendet. Wendungen wie diutischi liute „deutsche Leute“ und diutsche lant „deutsche Lande“ kommen im althochdeutschen Anolied mehrfach vor. Die Einzahl Deutschland ist erst seit dem 15. Jahrhundert geläufig. Bis weit in das 18. Jahrhundert war Deutsch hauptsächlich ein Sprach-, Volks- und Ländername. In der Goethezeit, mit der Entfaltung der klassischen deutschen Literatur und Philosophie, wurde Deutsch zum Kulturbegriff. Die Deutschen bildeten keinen Staat, aber eine Kultur, sie waren keine Staatsnation, aber eine Kulturnation. Der politische Deutschlandbegriff kam erst mit der Reichsgründung von 1871 zur Geltung. Seit der Reichsgründung ist der Worttyp Deutsch zunächst staatsbezogen zu verstehen. Die politische Bedeutung färbte auf die anderen Bedeutungsschichten von Deutsch, die sprachliche, ethnische, geographische und kulturelle, deutlich ab. Ein Deutscher heißt bis ins19. Jahrhundert jemand, der Deutsch als Muttersprache spricht. In diesem Sinne nannte man auch die Bewohner der Deutschschweiz und Österreich Deutsche. Heute bezeichnet man die Bevölkerung dieser Gebiete nicht als deutsch, sondern deutschsprachig. Das Wort deutschsprachig ist um die Jahrhundertwende entstanden und soll ausdrücken, dass Deutsch nicht staatsbezogen, sondern nur sprachlich gemeint ist.

Der Große Duden vermerkt als Bedeutung von deutsch: „ die Deutschen, Deutschland betreffend“; das Wort Deutscher wird erklärt mit: „Angehöriger des deutschen Volkes, aus Deutschland stammend“. Unter Deutschland steht lediglich: „Eigenname“. Der Vermerk „Eigenname“ ist keine Bedeutungsangabe, sondern eine sprachwissenschaftliche Klassifikation.[2]

Der amtliche Name Deutschland von 1937 lautete Deutsches Reich. Dieses Deutsche Reich war 1945, zum Zeitpunkt seiner totalen Zerstörung, knapp 75 Jahre alt. Es war am 18. Januar 1871, im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles, mit der Proklamation des Preußischen Königs zum Deutschen Kaiser gegründet worden. Voran gingen die Einigungskriege, der deutsch-dänische Krieg 1864, der deutsche Krieg oder auch preußisch-österreichische Krieg 1870/71, der zum Zeitpunkt der Kaiserproklamation militärisch entschieden war. In diesen Kriegen hat Preußen unter Bismarcks Führung einen deutschen Nationenstaat geschaffen, der einerseits Österreich ausschloss, andererseits die süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg und Baden, die 1866 noch gegen Preußen gekämpft hatten, einbezogen.

Die Bezeichnung des neuen Staates als Reich stellte einen historischen Rückgriff auf die Tradition des 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reiches dar. Das Wort Reich bedeutet ursprünglich „Herrschaft“. Der nationalstaatliche Kaiser erhob keinen religiös begründeten Herrschaftsanspruch, damit war es nur ein deutsches Reich.

1.2 Der Weg zur Standardsprache

Zu Anfang des 17. Jahrhunderts begannen sich in den barocken Sprachgesellschaften zum ersten Mal breitere Kreise für ihre Muttersprache zu interessieren. Diese Gesellschaften zielten einerseits auf die Abgrenzung des Deutschen gegenüber anderen Sprachen, z.B. gegen den Fremdwörtergebrauch in der deutschen Sprache, andererseits auf die Durchsetzung einer bestimmten Sprachform als absolute Richtigkeitsnorm gegenüber der Vielfalt von Varianten, Dialekte, Soziolekte usw.. Der bedeutendste Sprachhistoriker dieser Zeit ist J. G. Schottelius (1612-1676), der mit seiner Ausführlichen Arbeit von der Teuschen Hauptsprache (1663) wichtige Impulse gab.

Das 18. Jahrhundert knüpfte an die Bestrebungen der Sprachgesellschaften an. Autoren wie J. Ch. Gottsched (1700-1766), der als ’Literaturpapst’ großes Ansehen genoss, versuchten die Sprache zu normieren und einer rationalen Regeln zu unterwerfen. Das zeigte sich vor allem auf dem Gebiet der Syntax. Die verschachtelten barocken Satzungetüme werden von kurzen, nüchternen, praktischen Fügungen mit klaren logischen Bezugsverhältnissen abgelöst. Im Bereich des Wortschatzes gingen die Rechtschreibungen dahin mehrdeutige Wörter durch Definitionen eindeutig zu machen und bei gleichklingende Wörter mit verschiedener Bedeutung eine gleiche Schreibung zu vermeiden (z.B. Lerche/Lärche).

In der Rechtschreibung gab es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts weiterhin erhebliche Varianzen. Druckereien hatten oft eigene Hausorthographien, noch 1862 verfügte das preußische Unterrichtsministerium, dass jede einzelne Schule durch einen Konferenzbeschluss festzulegen hat, welche Schreibnormen im Unterricht gelten sollten. Die völlige Schreibnormierung wurde erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts von staatlicher Seite vorgenommen. Fünf Jahre nach der Reichsgründung von 1871 berief der preußische Kultusminister eine Conferenz zur Herstellung größerer Einigung in der deutschen Rechtschreibung nach Berlin. Die führenden Köpfe dieser Konferenz waren der Germanist W. Wilmanns und der Gymnasiallehrer K. Duden. Beide hatten sich durch Arbeiten auf dem Gebiet der Orthographieregelung einen Namen gemacht und sie hatten vor allem Vorschläge zur Rechtschreibung an Schulen vorgelegt. Ihre Vorschläge setzten sich schnell durch und wurden durch einen staatlichen Erlass institutionalisiert. 1901 wurde dann auf der Orthographischen Conferenz der deutschen Länder, zu der auch Österreich und die Schweiz hinzutraten, die einheitliche Rechtschreibung für den gesamten deutschen Sprachraum gültig. Am Ende des 19. Jahrhunderts trat neben die normierte Schreibung die normieret Lautung. Auf der Grundlage der neuen Orthographie erarbeitete der Germanist Th. Siebs 1898 seine Deutsche Bühnensprache, die später, in modifizierter Form, auch für die Medien Radio und Fernsehen gültig wurde. Diese Massenmedien trugen entscheidend zum Rückgang der Dialekte bei.

Seit 1945, dem Ende des 2. Weltkrieges und der Einbürgerung der ca.zwölf Millionen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge aus den vorwiegend deutschsprachigen Gebieten Ost- und Ostmitteleuropas, veränderte sich das jahrhundertealte Gefüge der deutschen Dialekte. Mundartengebiete wie Pommern, Schlesien und Ostpreußen verschwanden von der Sprachenlandkarte und die Neuansiedlungen von Sprechern dieser Dialekte in andere Dialektgebiete beeinträchtigten auch deren Geschlossenheit. Die verstärkte Tendenz zur Gemeinsprache und damit das allmähliche Zurückdrängen der Mundarten entsprach der Notwendigkeit sozialer Anpassung. Die kleinen örtlichen und landschaftlichen Sprachgemeinschaften der älteren Zeit weiteten sich mehr und mehr zur gesamtdeutschen Sprachgemeinschaft aus. Die Folge war einen Annäherung der Mundarten an die Schriftsprache.

2. Dialekte versus Hochsprache

2.1 Dialekte & Mundarten

In der deutschsprachigen Überlieferung sind Dialekte und Mundart bereits in vorwissenschaftlicher Zeit seit dem 17. Jahrhundert bezeugt.[3] Das Wort Dialekt ist als Lehnwort die eingedeutschte Entsprechung zu lateinisch dialctos, die wiederum auf griechisch dialektos ( Unterhaltung, landschaftliche Sprache) zurückgeht und seit der Antike über das gesamte Mittelalter hin ein geläufiger Ausdruck für Sprache und Teilsprache war.

[...]


[1] Dtv-Atlas, Deutsche Sprache, 1994, S.59

[2] Duden: Das Wörterbuch der deutschen Sprache, Bd.2, München 1976, S. 520 f.

[3] Belege und Wortgeschichte bei J. Grimm 1976, S. 852, J. Grimm 1885, S.2,6,683 f

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Sprache und Dialekte
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Institut)
Note
1.5
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V32308
ISBN (eBook)
9783638330596
ISBN (Buch)
9783638921565
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache, Dialekte
Arbeit zitieren
Monika Draws-Volk (Autor), 2002, Sprache und Dialekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32308

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