Die Heilung eines Mannes am Sabbat (8. Klasse, Realschule)

Exegese und Unterrichtsentwurf


Unterrichtsentwurf, 2011

14 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse des Textes
2.1 Abgrenzung und Kontext
2.2 Gliederung des Textes
2.3 Begriffsgeschichte
2.4 Interpretation
2.5 Synoptischer Vergleich

3. Unterrichtsentwurf
3.1 Bedingungsanalyse
3.2 Analyse der fachspezifischen Lernvorrausetzungen
3.3 Sachanalyse
3.4 Didaktische Analyse
3.5 Lernziele
3.6 Skizzierter Unterrichtsverlauf
3.7 Unterrichtsverlauf

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Referatsausarbeitung dient dem Zweck, die Bibelstelle "Die Heilung eines Mannes am Sabbat", gemäß dem Evangelisten Markus einer kurzen Exegese zu unterziehen, welche sich an dem typischen Muster einer historisch kritischen Exegese orientiert um hieran letztendlich ihren Aussagegehalt festzustellen. Anschließend soll mithilfe der in der Exegese erarbeiteten Ergebnisse, als Schwerpunkt dieser Arbeit, ein klassischer Unterrichtsentwurf erarbeitet werden, welcher den Aussagegehalt der Geschichte für die SchülerInnen deutlich werden lässt, unter Berücksichtigung der gängigen didaktischen Anforderungen an eine Unterrichtsstunde.

Wichtig ist dabei, dass die Schüler die Geschichte und die dort geschilderte spezielle Situation nicht nur begreifen, sondern sich darüber hinaus mit ihr identifizieren können. Dies soll auch dazu dienen, die im späteren Teil vorgestellten Lernziele besser zu erreichen. Hierauf soll im zweiten Teil dieser Hausarbeit genauer eingegangen werden. Zu Beginn steht jedoch die exegetische Vorarbeit, welche sich als Voraussetzung für den anschließenden Unterrichtsentwurf verstehen lässt. Eine abschließende Bewertung wird die Ergebnisse zusammenfassen und ein Fazit geben.

2. Analyse des Textes

2.1 Abgrenzung und Kontext

Zunächst soll die "Heilung eines Mannes am Sabbat" einmal genauer auf ihre Position im Gesamtkontext des Markusevangeliums hin untersucht werden.

Der Abschnitt Markus 1,1-15 bildet die Einleitung vom Anfang der guten Botschaft von Jesus und berichtet von seinem Aufbruch nach Galiläa, um zu predigen.

Der zweite Teil Mk 1,16-2,1 erzählt vom Auftreten Jesu in Galiläa und überliefert Wundererzählungen mit Hinweisen zu seiner Lehre und dessen Wirkung. Mk 2,1-3,6 enthält eine Reihe von Streitgesprächen, die von zwei Erzählungen, in denen Wundergeschichte und Konflikt miteinander verbunden sind, umrahmt werden

(2,1-12; 3,1-6).

In dem Abschnitt Mk 4,1-34 predigt Jesus der Menge eine Reihe von Gleichnissen, darauf folgen Wundererzählungen, in denen der Glaube zentrales Element ist (4,35-5,43).

Im Teil Mk 6,6f wird zuerst von der Aussendung und der Rückkehr der Jünger berichtet. Erst dann folgen erneut Wundererzählungen in Vers 6,32-56.

Der erste Hauptteil des Markusevangeliums endet anschließend mit einer Erzählung über die Heilung eines Blinden in Bethsaida(8,22-26). Daraus kann man klar schließen, dass es sich bei Mk 3,1-6 um eine Wundergeschichte handelt. In genauerer Eingrenzung um ein Heilungswunder, welches einen Konflikt mit den Pharisäern initiiert.

2.2 Gliederung des Textes

Dieser Schritt dient der Frage einer sinnvollen Gliederung und Einteilung der Perikope im engeren Kontext. Der Text gliedert sich in vier Abschnitte.

Der erste Abschnitt, Vers 1-2, stellt die Ausgangssituation dar, hier wird darüber berichtet, dass sich Jesu in eine Synagoge begibt und dort einem Menschen mit einer verdorrten Hand begegnet. Außerdem wird hier auch die Konfliktsituation geschildert dadurch, dass die Menge gespannt ist, wie Jesus sich in dieser Situation verhält.

Im zweiten Abschnitt folgt die Reaktion Jesu. Zuerst bittet er den Menschen zu sich (Vers 3), geht dann auf die schon lauernden Personen ein, indem er sie fragt, ob man am Sabbat Gutes oder Böses tun, Leben erhalten oder töten soll (Vers 4a). Ihre Antwort ist bloßes Schweigen (Vers 4b).

Im dritten Abschnitt kommt es zum Höhepunkt der Geschichte, der die Heilung (Vers 5b) und die Reaktion Jesu auf das Verhalten der Menschen (Vers 5a) beinhaltet. Hier wird betont, dass Jesus sie ansieht, voller Zorn und betrübt ist über ihr verstocktes Herz. Zudem heilt er den Menschen, indem er ihn die Hand ausstrecken lässt.

Im letzten Abschnitt, Vers 6, wird eine Reaktion der Pharisäer angehängt. Sie beraten sich nach der Heilung mit den Herodes Anhängern über eine mögliche Tötung Jesu.

2.3 Begriffsgeschichte

Im Rahmen dieser exegetischen Arbeit sollen zwei Begriffe aus der zu untersuchenden Perikope einmal genauer auf Herkunft und Bedeutung hin untersucht werden. Hierzu sollen die zentralen Begriffe "verdorrte Hand" und "verstocktes Herz" näher beleuchtet werden. Ist etwas "verstockt", so ist damit gemeint, dass es "hart" oder "fest" ist. Bezieht man dieses Adjektiv nun auf das menschliche Organ Herz, so ergibt sich hieraus eine "Verhärtung des Herzens". Im biblischen Kontext, ist mit einer solchen Verstockung des Herzens, eine Verweigerung des Menschen gegenüber Gott gemeint. Dieses Verweigern oder auch Wiederstreben des Willen Gottes setzt jedoch voraus, dass dem Menschen der Wille Gottes kundgetan wurde. Dieses bewusste Wiederstreben gegen Gott kann also indirekt auch als Sünde verstanden werden.[1] Bezieht man dies nun auf die Perikope "Die Heilung eines Mannes am Sabbat", so ergibt sich daraus Folgendes: Jesus ist betrübt über das verstockte Herz der Pharisäer. Jesus kommt, um den Willen Gottes zu verkünden. Gottes Wille ist die Aussöhnung mit der Menschheit. Durch die Ablehnung Jesu durch die Pharisäer, verweigern sie sich Gott und seinem Heilsangebot.

Setzt man die Begrifflichkeit "verdorrt" mit "verdorben" gleich, so ergibt sich hieraus als Bedeutung ein schuldhaftes Handeln und die daraus erwachsene Not für den Kranken in dieser Perikope.[2] Setzt man den Begriff jedoch mit "Dürre" gleich, so zeigt sich, dass Dürre als Strafe Gottes zu sehen ist. Wird die Dürre beendet, so ist dies als Gnadenerweis Gottes zu sehen.[3] Im Rahmen der Perikope hat es also zu bedeuten, dass die verdorrte Hand für das schuldhafte Verhalten des Mannes steht oder aber auch, dass die Hand eben aufgrund seines Verhaltens als Strafe Gottes verdorrt ist. Die Heilung durch Jesu ist also als Versöhnung Gottes mit dem Mann zu sehen. Er vergibt ihm sein schuldhaftes Verhalten. Dies ist naheliegend, betrachtet man die Theologie des Evangelisten Markus, auf die im nächsten Schritt eingegangen werden soll.

2.4 Interpretation

Bei dieser Erzählung handelt es sich nicht das erste Mal um eine Überschreitung des Sabbats durch Jesus. So hat er das Sabbatgebot bereits einmal gebrochen (s. Mk 2, 23-28). So ergibt es sich auch, dass bereits darauf gelauert wird, wie Jesus sich verhält, denn es ist ja bereits bekannt, dass er das Sabbatgebot zuvor überschritten hat.[4]

Nach jüdischem Verständnis ist eine Heilung am Sabbat nur dann rechtens, wenn sich der Erkrankte oder Betroffene in Lebensgefahr befindet. Diese ist aufgrund des hier geschilderten Krankheitsbildes jedoch eindeutig auszuschließen. Obwohl der Evangelist Markus in seiner Erzählung keinen direkten, verbalen Einwand seitens der Menge her erkennen lässt, so deutet er ihn zumindest an dadurch, dass er beschreibt, das die Menge "lauert".

Diese Andeutung lässt ein Bild entstehen, das Jesus anscheinend als Gefahr oder Bedrohung versteht, wodurch er dann fragt: "Leben erhalten oder töten?" Darauf weiß die Menge nichts zu antworten. Auf den ersten Blick scheint Jesu Aussage völlig überzogen, da es sich bei dem geschilderten Krankheitsbild der verdorrten Hand definitiv nicht um einen lebensbedrohlichen Zustand handelt. Setzt man seine Aussage gleich mit "Gutes tun oder Böses tun" macht sie jedoch Sinn, denn alles Gute führt letztendlich zum Leben und alles Schlechte in letzter Konsequenz zum Tod.[5] So wird das alte Denken darüber, was am Sabbat rechtens ist scheinbar zu verschwimmen, da es nur noch davon abhängig ist, ob es sich um eine gute oder schlechte Tat handelt.

Die Menge bringt ihm daraufhin nichts entgegen und Jesus ist traurig über ihr verstocktes Herz. Das verstockte Herz steht hier für ihren Unglauben. Jesus heilt den Kranken, wodurch natürlich seine Vollmacht deutlich wird und das in gleich zwei Aspekten: Zum einen hat er Vollmacht, das Gesetz zu übertreten, zum anderen die Macht, Krankheit zu besiegen. Dieses lässt aber nur einen Schluss für den Evangelisten Markus zu: Jesus ist der Messias, der Sohn Gottes. Dies wird an dieser Stelle jedoch nicht explizit gesagt, da es nicht dem gewünschten Messiasgeheimnis des Markus entspräche, welches sich durch das Evangelium zieht wenn auch mit einigen Ausnahmen.[6] Am Ende der Erzählung steht die Beratung der Pharisäer und der Herodes Anhänger über Jesu Ermordung.

Das Ende initiiert unter anderem seinen Tod. Dies nimmt, betrachtet man den gesamttheologischen Rahmen des Markus, eine besondere Rolle ein, denn sein Tod bedeutet gleichzeitig Leid. Dieses Leid ist neben den bereits genannten Punkten als zentral anzusehen in der passionsorientierten Christologie des Markus.[7]

2.5 Synoptischer Vergleich

In diesem letzten Arbeitsschritt der Exegese wird die Textstelle aus dem Markusevangelium mit derselbigen im Lukas- und Matthäusevangelium verglichen. Die Zweiquellentheorie geht davon aus, dass der Evangelist Lukas sowohl auch der Evangelist Matthäus das Markusevangelium bereits als Quelle vorliegen hatten und große Teile von dieser abgeschrieben haben und dann wieder ihrer Denkweise und Theologie angepasst haben.[8] Des Weiteren bedienten sie sich bei der Niederschrift ihres Buches einer weiteren Quelle, der sogenannten Logienquelle. Demnach ist das Markusevangelium das älteste von allen. Vor diesem Hintergrundwissen sollen die Unterschiede zwischen den Evangelien einmal näher untersucht werden. Hierzu soll die zu behandelnde Perikope zunächst mit der entsprechenden Stelle im Matthäusevangelium (Mt 12, 9-14) verglichen werden.

[...]


[1] Vgl. Calwer Bibellexikon. S. 1387. Art. Verstockung

[2] Vgl. Ebd. S. 1378. Art. V erderben

[3] Vgl. Ebd. S. 226. Art. Dürre

[4] Vgl. Schniewind, Das Evangelium nach Markus, S. 49

[5] Vgl. Ebd. S. 49

[6] Vgl. Ebd. S. 217-218

[7] Vgl. Charpentier, Führer durch das neue Testament, S. 84

[8] Vgl. Schnelle, Einleitung in das neue Testament, S. 190

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Heilung eines Mannes am Sabbat (8. Klasse, Realschule)
Untertitel
Exegese und Unterrichtsentwurf
Hochschule
Universität Bielefeld  (ev. Theologie)
Veranstaltung
Wundergeschichten und ihre Verwendung im Religionsunterricht
Note
1,3
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V323089
ISBN (eBook)
9783668232037
ISBN (Buch)
9783668232044
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Exegese und anschließender Unterrichtsentwurf
Schlagworte
Exegese, Unterrichtsentwurf
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Die Heilung eines Mannes am Sabbat (8. Klasse, Realschule), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323089

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