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Privatrechtlicher Paternalismus. Anstoß oder Bevormundung?

Titel: Privatrechtlicher Paternalismus. Anstoß oder Bevormundung?

Seminararbeit , 2016 , 33 Seiten , Note: 12,0

Autor:in: Matthias Forster (Autor:in)

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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die wichtigste Quelle des deutschen Privatrechts, das Bürgerliche Gesetzbuch, ist in seiner Entstehung stark von diesen liberalen Vorstellungen geprägt. Es steht gerade für eine Überwindung des Absolutismus mit seinem Staatsziel von der „guten Policey“, in dem unter dem Deckmantel der Wohlfahrtsförderung eine obrigkeitliche Lenkung der sozialen Vorgänge vollzogen wurde. Dem BGB vom 01.01.1900 liegt das Ideal von freien und gleichen Bürgern zugrunde, die ihre wechselseitigen Interessenslagen zu einem Ausgleich bringen können.

Betrachtet man jedoch die heute geltende Privatrechtsordnung, so zeigt sich etwa durch zwingende Verbraucherschutzvorschriften oder die gerichtliche Inhaltskontrolle von freiwilligen vertraglichen Abreden, dass moderne Vorstellungen des Privatrechts offenbar davon ausgehen, dass der Staat den Einzelnen zum Schutz vor sich selbst bevormunden darf. Die Arbeit will untersuchen, ob derartige rechtliche Vorgaben sinnvoll oder kontraproduktiv sind. Wird den Individuen zu einer autonom-authentischen Rechtsausübung verholfen oder stellen diese eine autoritäre, nicht rechtfertigbare Bevormundung dar?

Zunächst soll dazu der Begriff des Paternalismus vor dem Hintergrund der Privatautonomie und den Vorgaben des Grundgesetzes erläutert werden. Zudem soll der Wandel, welcher sich im Privatrecht seit Inkrafttreten des BGB vollzogen hat, im Kontext des sich ausbreitenden Sozialstaates dargestellt werden. Schließlich werden mit dem Mindestlohn, der Mietpreisbremse sowie dem verbraucherschützenden § 312c BGB typische „paternalistische“ Regelungen untersucht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Paternalismus und Privatautonomie

2.1 Privatautonomie

2.1.1 Definition

2.1.2 Vertragsfreiheit

2.1.3 Begrenzung der Privatautonomie

2.2 Paternalismus

2.2.1 Definition

2.2.2 Beispiel Schutzhelmgebot

2.2.3 Rechtfertigungsbedürftigkeit paternalistischer Maßnahmen

2.2.4 Weicher und harter Paternalismus

2.2.5 Libertärer Paternalismus

3 Paternalismus und Grundgesetz

3.1 Schutz vor Paternalismus

3.1.1 Schutzbereich

3.1.2 Rechtfertigung

3.2 Schutz durch Paternalismus

3.3 Schutz vor und Schutz durch Paternalismus im Vertragsrecht

3.3.1 Schutzpflichten im Vertragsverhältnis

3.3.2 Voraussetzungen für eine freiwillige Entscheidung

3.3.3 Einschätzungsspielraum des Gesetzgebers

3.3.4 Ideal der selbstbestimmten und freien Entscheidung

4 Wandel im Privatrecht seit dem Inkrafttreten des BGB

4.1 BGB vom 1.1.1900

4.1.1 Gedankenwelt

4.1.2 Schutzmaßnahmen

4.1.3 Entwicklung zum „liberal-sozialen Privatrecht“

4.1.4 Typisierung

4.2 Entwicklung des Sozialstaats

5 Untersuchung anhand konkreter Beispiele

5.1 Mindestlohn

5.1.1 Überblick

5.1.2 Paternalistischer Charakter

5.1.3 Rechtfertigung

5.2 Mietpreisbremse

5.2.1 Überblick

5.2.2 Gedanke des weichen Paternalismus

5.2.3 Rechtfertigung

5.3 Fernabsatzverträge § 312c BGB

5.3.1 Überblick

5.3.2 Paternalistischer Charakter

5.3.3 Rechtfertigung

6 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der klassischen Privatautonomie und staatlichen paternalistischen Eingriffen im modernen deutschen Privatrecht. Es wird analysiert, ob staatliche Schutzvorgaben den Bürger in seiner Selbstbestimmung bevormunden oder ob sie notwendig sind, um in Fällen struktureller Unterlegenheit eine authentische Rechtsausübung überhaupt erst zu ermöglichen.

  • Grundlagen der Privatautonomie und des Paternalismusbegriffs
  • Verfassungsrechtliche Rechtfertigung von Schutzpflichten
  • Historischer Wandel vom liberalen zum "liberal-sozialen" Privatrecht
  • Analyse des Mindestlohns als paternalistische Maßnahme
  • Untersuchung der Mietpreisbremse und des Verbraucherschutzes bei Fernabsatzverträgen

Auszug aus dem Buch

1 Einleitung

„Wir tun damit unseren Philosophen kein Unrecht (…), wenn wir sie zwingen, sich um die Anderen zu kümmern und sie zu betreuen.“ Bereits in diesem Zitat aus seiner Staatstheorie Politeia wird Platons Vorstellung von einem Ständestaat deutlich. Die Philosophen haben seiner Meinung nach zu herrschen und müssen auch gegen ihre Neigung dazu genötigt werden. Er begründet dies damit, dass diese am besten ausgebildet sind. Es sei daher iSd Gemeinwohls notwendig, dass sich die Philosophen mit der Leitung des Staates befassten und dass sie Anderen durch Erziehung ihre Weisheit weitergeben.

Eine derartige Vorstellung von der Herrschaft Fürsorge treffender Eliten stößt bei Immanuel Kant auf entschiedene Ablehnung. Für ihn stellt dies den größtmöglichen Despotismus dar, wie er mit folgenden Worten zum Ausdruck bringt. „Eine Regierung, die auf dem Prinzip des Wohlwollens gegen das Volk als eines Vaters gegen seine Kinder errichtet wäre, das ist eine väterliche Regierung (…), wo also die Untertanen als unmündige Kinder, die nicht unterscheiden können, was ihnen wahrhaftig nützlich oder schädlich ist, sich bloß passiv zu verhalten genötigt sind, um wie sie glücklich sein sollen, bloß von dem Urteile des Staatsoberhaupts, und, dass dieser es auch wolle, bloß von seiner Gütigkeit zu erwarten“. Der vernünftige und selbstbestimmte Mensch könne ohne staatliche Bevormundung sein Leben frei gestalten. Schranken ergeben sich für Kant in der gleichen Freiheit der Anderen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die philosophische Debatte zwischen staatlicher Bevormundung und individueller Freiheit ein, kontrastiert antike Vorstellungen mit Kants Freiheitsbegriff und skizziert das Ziel der Untersuchung moderner paternalistischer Tendenzen im Privatrecht.

2 Paternalismus und Privatautonomie: Das Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen der Privatautonomie sowie die verschiedenen Facetten des Paternalismus, einschließlich des libertären Paternalismus und der Abgrenzung zu harten sowie weichen paternalistischen Maßnahmen.

3 Paternalismus und Grundgesetz: Hier wird das verfassungsrechtliche Verhältnis zwischen staatlichen Schutzpflichten und der Abwehr von Paternalismus analysiert, wobei besonders der Einschätzungsspielraum des Gesetzgebers beleuchtet wird.

4 Wandel im Privatrecht seit dem Inkrafttreten des BGB: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung vom liberalen BGB des Jahres 1900 bis zum heutigen "liberal-sozialen" Privatrecht nach, das durch soziale Schutzvorschriften und das Sozialstaatsgebot geprägt ist.

5 Untersuchung anhand konkreter Beispiele: Die praktische Anwendung der paternalistischen Theorie wird anhand des Mindestlohns, der Mietpreisbremse und der Fernabsatzregelungen gemäß § 312c BGB auf ihre Rechtmäßigkeit und Angemessenheit geprüft.

6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass moderne privatrechtliche Regelungen primär als "weicher Paternalismus" zu verstehen sind, die bei struktureller Unterlegenheit die tatsächliche Ausübung von Selbstbestimmung fördern sollen.

Schlüsselwörter

Privatrecht, Paternalismus, Privatautonomie, Vertragsfreiheit, Sozialstaat, Schutzpflicht, Mindestlohn, Mietpreisbremse, Fernabsatzrecht, Verbraucherschutz, Verfassungsrecht, Selbstbestimmung, Gerechtigkeit, Gesetzesbegründung, Rechtssoziologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss von paternalistischen Eingriffen des Staates in das deutsche Privatrecht und prüft, inwieweit diese mit dem Ideal der Privatautonomie vereinbar sind.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit verbindet rechtstheoretische Grundlagen, wie den Paternalismusbegriff, mit verfassungsrechtlichen Aspekten und analysiert deren praktische Umsetzung im Miet-, Arbeits- und Verbraucherrecht.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es zu untersuchen, ob rechtliche Vorgaben, die den Einzelnen vor sich selbst schützen sollen, eine unzulässige Bevormundung darstellen oder ob sie die notwendige Bedingung für eine autonome Rechtsausübung in einer komplexen Gesellschaft schaffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine rechtsdogmatische Analyse kombiniert mit rechtshistorischen sowie rechtssoziologischen Perspektiven, um die Rechtfertigung paternalistischer Maßnahmen zu bewerten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Begriffe, eine historische Einordnung des BGB-Wandels und eine detaillierte Prüfung dreier konkreter Beispiele: Mindestlohn, Mietpreisbremse und Fernabsatzrecht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen zählen Privatautonomie, weicher Paternalismus, strukturelle Unterlegenheit, Sozialstaatsgebot und Schutzpflichten.

Ist der Mindestlohn nach Ansicht des Autors als bevormundend einzustufen?

Der Autor ordnet den Mindestlohn als "weichen Paternalismus" ein, der das Kräftegleichgewicht in Tarifverhandlungen stärken soll, anstatt das Individuum schlicht zu bevormunden.

Wie bewertet der Autor die Mietpreisbremse?

Der Autor sieht in der Mietpreisbremse eine durch den Einschätzungsspielraum des Gesetzgebers gedeckte Inhalts- und Schrankenbestimmung des Eigentums, die der sozialen Aufgabe des Mietrechts dient.

Welches Fazit zieht der Autor zur Entwicklung des BGB?

Das Fazit lautet, dass das BGB heute nicht mehr allein auf formaler Gleichheit basieren kann, da der Sozialstaat zur Wahrung der realen Vertragsgerechtigkeit eine Verschiedenbehandlung strukturell unterlegener Parteien verlangt.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Privatrechtlicher Paternalismus. Anstoß oder Bevormundung?
Hochschule
Universität Passau
Note
12,0
Autor
Matthias Forster (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
33
Katalognummer
V323108
ISBN (eBook)
9783668222687
ISBN (Buch)
9783668222694
Sprache
Deutsch
Schlagworte
privatrechtlicher paternalismus anstoß bevormundung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Matthias Forster (Autor:in), 2016, Privatrechtlicher Paternalismus. Anstoß oder Bevormundung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323108
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Leseprobe aus  33  Seiten
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