Wenn Männlichkeit sich hauptsächlich über einen Beruf und die damit verbundene finanzielle Versorgung der Familie definiert, die Erwerbsarbeit aber immer unsicherer wird und Väter vielmehr als partizipierende Erzieher gefordert sind, ist der „Konflikt“ für die männliche Identitätskonstruktion absehbar. Ziel dieser Hausarbeit ist es deshalb, das (männliche) Geschlecht als „Struktur sozialer und individueller Praxis“ empirisch zu untersuchen. Zu diesem Zweck wurde analysiert, wie in Online-Vätermagazinen jene Konflikte wahrgenommen werden und wie auf sie reagiert wird. Die empirische Untersuchung soll den Konflikt zwischen präsenter, fürsorglicher Vaterschaft und den Idealvorstellungen von Männlichkeit sichtbar machen. Die Frage ist, welche Identitätskonstruktionen den Vätern jenseits der Erwerbsarbeit angeboten werden, wenn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht (länger) nur ein Frauenthema ist und Männer präsenter in der Kindererziehung und Hausarbeit sein wollen, sollen und müssen.
Tatsache ist, dass trotz der wachsenden Selbstverständlichkeit von Gleichstellung in der Partnerschaft, durch alle sozialen Schichten hindurch die Haus- und Erziehungsarbeit größtenteils in den Händen der Frauen geblieben ist bzw. mit der Geburt des ersten Kindes zurück in weibliche Hände geht. Fakt ist auch, dass jenes (männliche) institutionalisierte Normalarbeitsverhältnis zunehmend durch prekäre Arbeitssituationen erodiert und ein immer größerer Teil der Männer diesem Modell nicht mehr entsprechen kann. Und mehr noch, es treten den Männern zunehmend auch Frauen als Kolleginnen und Konkurrentinnen im Erwerbssystem gegenüber.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Männlichkeit(en)
2.1 Hegemoniale Männlichkeit und Habitus
2.2 (Männliche) Erwerbsarbeit und Familie
3. Vater sein
3.1 Analyse der Vätermagazine und erste Interpretationen
3.1.1 Freshdads
3.1.2 Vaterfreuden
3.1.3 Daddylicious
3.1.4 Väterzeit
4. Diskussion
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht empirisch das männliche Geschlecht als Struktur sozialer und individueller Praxis im Kontext der Online-Vätermagazine. Ziel ist es, den Konflikt zwischen präsenter, fürsorglicher Vaterschaft und den traditionellen Idealvorstellungen von Männlichkeit sowie die Identitätskonstruktionen von Vätern jenseits der Erwerbsarbeit sichtbar zu machen.
- Hegemoniale Männlichkeit und deren Wandel
- Das Verhältnis von Erwerbsarbeit und Familie
- Identitätskonstruktionen in Vätermagazinen
- Spannungsfeld zwischen Väterlichkeit und Männlichkeit
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Daddylicious
Das Magazin „Daddylicious“ ist von Vätern „für coole Daddies und die, die es werden wollen“, erstellt, davon immerhin 2500 auf Facebook. Der Name spiegelt sich im Design der Seite wieder: Das Logo besteht aus einem goldenen Wappen mit Krone und einem „d“ – für Daddy und für delicious (im Deutschen für herrlich, vorzüglich). Im Urban Dictionary wird “daddylicious” definiert als ein “hot dad with small children” (Urban Dictionary (2009): http://www.urbandictionary.com/ define.php?term=daddylicious), was den Coolness-Faktor erhöht. Die Bilder sind bunt, sehr kontrastreich und aufmerksamkeitserregend, zeigen aber nur wenige Familien- und Vätermotive, dafür Kinder mit Sonnenbrillen oder das neuste Aluminium-Lauflernrad. Auffällig ist, mehr noch als bei Freshdads, die Verwendung englischer Begriffe, wie z.B. daddy, hot stuff oder daily. Im Gesamteindruck der Website kommt man nicht umhin an die Homepages weltberühmter Rapper zu denken, die der Inbegriff von Coolness, Gelassenheit, Erfolg und Sexyness sind. Die Botschaft der Seite, wie Väter – neben ihrem liebevollen Engagement für ihre Kinder – sein sollten, ist also eindeutig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Erosionsprozess des männlichen Normalarbeitsverhältnisses und das Ziel, die daraus resultierende Identitätskrise und Männlichkeitskonstruktion empirisch anhand von Vätermagazinen zu untersuchen.
2. Männlichkeit(en): Dieses Kapitel legt die theoretische Basis durch Konzepte wie hegemoniale Männlichkeit, den Habitus nach Bourdieu sowie die traditionelle Verknüpfung von Erwerbsarbeit und männlicher Identität.
2.1 Hegemoniale Männlichkeit und Habitus: Der Abschnitt erläutert Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit und Bourdieus Theorie des habituellen Geschlechterarrangements als generative Prinzipien für männliches Handeln.
2.2 (Männliche) Erwerbsarbeit und Familie: Hier wird der institutionelle Hintergrund der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung analysiert, wobei die Erwerbsarbeit als zentrales Element männlicher Identitätskonstruktion und Abgrenzung gegenüber der Familiensphäre dargestellt wird.
3. Vater sein: Dieses Kapitel differenziert die Begriffe Vaterschaft und Väterlichkeit und analysiert den medialen Diskurs, in dem moderne Väterrollen mit traditionellen Erwartungen konkurrieren.
3.1 Analyse der Vätermagazine und erste Interpretationen: Dieser Abschnitt dient der methodischen Einführung der Untersuchung von vier spezifischen Vätermagazinen als Quellen für die empirische Analyse.
3.1.1 Freshdads: Eine Untersuchung des Magazins „Freshdads“, das Väter als „Helden und Idole“ inszeniert und ein „cooles“, modernes Bild von aktiver Vaterschaft entwirft.
3.1.2 Vaterfreuden: Analyse des „Vaterfreuden“-Magazins, das durch ein nüchterneres Design auffällt und Themen rund um Partnerschaft, Konflikte und Vaterschaft objektiv diskutiert.
3.1.3 Daddylicious: Untersuchung des auf „Coolness“ ausgerichteten Magazins, das Vaterschaft mit dem Image eines modernen, erfolgreichen Mannes verknüpft.
3.1.4 Väterzeit: Analyse des Magazins „Väterzeit“, das explizit den Konflikt zwischen Mannsein und Vaterrolle unter dem Slogan „Vater werden, Mann bleiben“ adressiert.
4. Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Analyse hinsichtlich der Frage, ob Vätermagazine alternative Identitätskonzepte bieten oder tradierte Rollenmuster reproduzieren.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Vaterschaft zunehmend zum Gegenstand öffentlicher Diskurse wird, während gleichzeitig tradierte hegemoniale Männlichkeitsstrukturen wirksam bleiben.
Schlüsselwörter
Männlichkeit, Vaterschaft, Väterlichkeit, Hegemoniale Männlichkeit, Erwerbsarbeit, Identitätskonstruktion, Vätermagazine, Geschlechterverhältnis, Normalarbeitsverhältnis, Sozialisation, Familienernährer, Geschlechterrollen, Online-Medien, Moderne Vaterschaft, Reproduktionsarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Untersuchung von modernen Männlichkeitsbildern und Vaterschaftskonzepten in der heutigen Gesellschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der hegemonialen Männlichkeit, dem Wandel von Erwerbsarbeit und Familie sowie der Art und Weise, wie Väter ihre Rolle in Online-Medien konstruieren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Konflikt zwischen einer fürsorglichen Väterlichkeit und den traditionellen Idealvorstellungen von Männlichkeit empirisch an Vätermagazinen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin führt eine empirische Analyse von vier ausgewählten Online-Vätermagazinen durch, um deren Themenwahl, Design und „Aufhänger“ auf Identitätsangebote zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Männlichkeit und Erwerbsarbeit sowie die konkrete Analyse der vier Vätermagazine (Freshdads, Vaterfreuden, Daddylicious, Väterzeit).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Hegemoniale Männlichkeit, Habitus, Erwerbsarbeit, Vaterschaft und Geschlechterkonstruktion.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Vaterschaft in den untersuchten Magazinen?
Während einige Magazine wie „Daddylicious“ stark auf „Coolness“ und den Erfolg als Mann setzen, adressieren andere wie „Väterzeit“ den Konflikt zwischen traditioneller Männlichkeit und neuer Väterrolle direkter.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Rolle des Vaters?
Die Autorin stellt fest, dass zwar ein Umdenken stattfindet und Vaterschaft stärker thematisiert wird, tradierte Rollenmuster und die Kopplung an die Erwerbsarbeit jedoch weiterhin als wirksame „normative Folie“ bestehen bleiben.
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- Laura Röhrs (Author), 2014, Zur Erosion der männlichen Hegemonie. Eine empirische Untersuchung von vier Vätermagazinen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323177