Schwarzafrikanische Sklaven auf dem Weg in die Neue Welt vom 16. bis 18. Jahrhundert


Hausarbeit, 2002
19 Seiten, Note: gut

Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Schwarzafrikanische Sklaven und der Sklavenhandel

3. Die Behandlung der schwarzafrikanischen Sklaven im transatlantischen Sklavenhandel vom 16.-18. Jahrhun- dert
3.1 Die Situation auf den Sklavenhandelsschiffen
3.2 Die Situation auf den Piratenschiffen

Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema meiner Hausarbeit ist die Behandlung der schwarzaf­rikanischen Sklaven während der Überfahrt über den Atlantik vom 16. bis 18. Jahrhundert. Da sowohl Unternehmen als auch Piraten mit Sklaven handelten, möchte ich im folgenden daher den Vergleich zwischen dem Leben auf den Sklavenhandelsschif-fen und dem Leben an Bord von Piratenschiffen ziehen. Es ist erforderlich, eingangs auf die Sklaverei und den Sklavenhandel sowie auf die Gründe und die Durchführung des Sklavenhandels einzugehen.

Obwohl die Sklaverei und der Sklavenhandel recht gut erforscht sind, fällt doch auf, dass die Beschäftigung der Historiker mit diesem Thema erst nach den 1960er Jahren, speziell in den USA, einen Boom erfuhr. Ein Grund hierfür liegt in dem Fehlen von Dokumenten – auf dem schwarzafrikanischen Kontinent lag der Hauptschwerpunkt in der mündlichen Überlieferung. Ein anderer Grund ist in der eigenen Vergangenheit der europäischen Länder und der USA, die zum Großteil selbst Kolonien hatten und damit aktiv an der Sklaverei beteiligt waren, zu sehen .[1] Es war also eher das fehlende Interesse, das eine frühere Erforschung der Sklaverei behinderte. Die Literatur ist daher relativ aktuell, überwiegend anglosächsisch publiziert. Deutschsprachige Literatur zu diesem Thema ist selten, einer der Historiker ist Albert Wirtz. Die benutzten Quellenausgaben sind unterschiedlicher Art. Während Olaudah Equiano eine Biographie aus der Sicht eines Sklaven publizierte, besteht Bodo von Borries "Kolonialgeschichte und Weltwirtschaftssystem" aus einer Sammlung von Briefen und Augenzeugenberichten. Daniel Defoes "A General History of the Pyrates" besteht ebenfalls aus einer Sammlung von Briefen, gepaart mit Berichten über die einzelnen Piraten. Es gibt eine Kontroverse, ob der Autor des Buches tatsächlich Daniel Defoe ist, da die Herkunft des Autors Capitän Charles Johnson nicht geklärt ist.[2]

Nachdem die Schwarzafrikaner zu Sklaven wurden, erfolgte deren Transport in die Neue Welt. Hier liegt der thematische Schwer­punkt dieser Hausarbeit. Die Zustände an Bord der Sklavenhan­delsschiffe waren katastrophal für die Sklaven. Und doch wurde seitens der Sklavenhändler versucht, das Notwendigste zu tun, um die Sklaven lebend und einigermaßen gesund zum Bestimmungs-ort zu bringen, da sie für jeden angekommenen Sklaven Geld bekamen.

Einige Sklavenschiffe wurden, wie auch viele Handelsschiffe, von Piraten überfallen. Entweder verkauften diese die Ladung meistbietend, um auch an den gutgehenden Geschäften der Skla­venhändler teilzuhaben. Oder, wenn die Piratenkapitäne durch Kämpfe und Krankheiten viele Männer verloren hatten, kamen ih­nen die Sklaven als neue Mannschaftsmitglieder sehr gelegen, jedoch nur, wenn sich an Bord des gekaperten Schiffs nur we­nige Sklaven befanden.[3]

Die zeitliche Begrenzung vom 16. bis 18. Jahrhundert erfolgt hier, da die Piraten während dieser Zeit generell den Handel im Atlantik erschwerten. Durch die erfolgreiche Bekämpfung seitens der europäischen Länder kann das Ende der Piraterie im transatlantischen Handel auf ca. Mitte des 18. Jahrhunderts gesetzt werden, während der Sklavenhandel noch bis in die 1860er Jahre weitergeführt wurde.

2. Schwarzafrikanische Sklaven und der Sklavenhandel

Der Sklavenhandel war keine Erfindung der Europäer; es gab ihn bereits seit der Antike und es war in Schwarzafrika weitver­breitet, die bei kriegerischen Auseinandersetzungen genommenen Gefangenen als Sklaven zu halten. Meist waren es arabische Händler, die vor Beginn des transatlantischen Handels überwie­gend Frauen für Harems versklavten.

Auch Olaudah Equiano[4] berichtet in seiner Autobiographie von "mahagonifarbenen Männern, die die heimischen Märkte besuch­ten".[5] Über den Sklavenhandel schreibt er: "They always carry slaves through our land, but the strictest account is exacted of their manner of procuring them before they are suffered to pass. Sometimes indeed we sold slaves to them, but they were only prisoners of war, or such among us had been convicted of kidnapping, or adultery, and some other crimes which we es-teemed heinous."[6] Die Europäer sahen in dem Handel nichts Verwerfliches, er wurde anfänglich schließlich auch von den Königen, wie dem portugiesischen Königshof, der 10% Zoll erhob, und sogar vom Klerus, gutgeheißen.

Die Händler versprachen den Häuptlingen Geschenke, meist wert­lose Glasperlen u.ä., wenn sie den Europäern Sklaven verkauf-ten. Da immer mehr Sklaven benötigt wurden, fing man die Män-ner, Frauen und Kinder direkt in ihren Dörfern ein.

Ernst Joseph Görlich beschreibt, wie man sich den Sklavenfang vorzustellen hat. Um die Sklaven einzufangen, umstellten die, meist arabischen, Sklavenjäger in der Nacht das Dorf und versperrten die Fluchtwege. Morgens griffen die Söldner unter lautem Geschrei an, die noch halbschlafenden Bewohner hatten keine Chance. Dann wurden die Hütten angezündet und die Gefangenen zusammengetrieben, dabei wurden die Alten von den Jungen getrennt, Säuglinge den Müttern entrissen und zu Boden geschleudert, so dass der Kopf zerschmetterte. Der Widerstand der Menschen war zwecklos; so mancher wollte lieber sterben als versklavt zu werden. Verwundete wurden, ebenso wie Alte und Kinder, getötet. Die Gefangenen mussten Waren transportieren und auf dem Weg zur Küste wuchs die Sklavenkarawane, durch wiederholte Überfälle, an. Kam ein Sklave nicht mit, wurde ihm die Kehle durchgeschnitten.[7]

Jeder der Sklavenjäger hatte einen 7-10 jährigen "Negerjungen" als Begleiter, der sein Gewehr tragen und kleine persönliche Arbeiten für ihn verrichten musste. Ältere Sklaven wurden als Söldner in Dienst genommen, sofern sie zuverlässig genug er­schienen. Fast die Hälfte der Krieger, die die Sklavenjäger unfreiwillig begleiteten, waren geraubte Sklaven. Sie hatten die Aufgabe, die Dorfbewohner am Flüchten zu hindern, die Trä­ger zu überwachen und Lebensmittel aus den Dörfern zu beschaf­fen. Ihre Dienste wurden mit einem Stück Feld und Sklavinnen entlohnt. Es gab sogar Krieger, die wie ihre Herren einen ei­genen Jungen besaßen. Da die Sklavenjäger keine körperliche Arbeit gewohnt waren, mussten bei einem Sklavenraubzug zu 200 Soldaten weitere 300 Personen hinzugerechnet werden, die die Gewehre, die Munition und die Lasten zu tragen hatten.[8]

Nachdem die "Ware" eingefangen war, wurden die Menschen in den Forts gesammelt, bis ein Schiff mit ihnen beladen werden konnte. Es dauerte teilweise Monate, bis die Sklaven verschifft wurden. Olaudah Equiano war ebenfalls lange unterwegs, "[...], till at the end of six or seven months after I had been kid-napped I arrived at the sea coast."[9]

Man kann davon ausgehen, dass der Sklavenhandel seitens der Europäer kein geplantes Unternehmen war. Ursprünglich wurde primär Gold und Elfenbein von der afrikanischen Küste nach Eu­ropa, vornehmlich nach Portugal und Spanien, exportiert. Skla­ven für Mittel- und Südamerika kamen erst an zweiter Stelle. Von ca. 1700 bis über die 1820er Jahre hinaus änderten sich sowohl der Handel als auch die Akteure. Überwiegend Engländer, Franzosen und Holländer exportierten Sklaven für die Neue Welt.[10]

Sklaverei war in Afrika als eine Art Leibeigenschaft mit Bür­ger- und Eigentumsverhältnissen, in Ausnahmefällen mit Familie und zeitlich begrenzt, bekannt; manche Stämme kannten gar keine Sklaverei. Daher kann eigentlich nicht davon ausgegangen werden, dass die Europäer die bereits existierende Praxis fortgesetzt hätten.

Herbert S. Klein geht noch einen Schritt weiter. "In the over-whelming majority of cases it was the Africans who controlled the slaves until the moment of sale to the captain."[11] "In short, the Europeans alone neither created this market, nor did they dictate the goods used in the trade."[12]

Sklave wurde, wer vom Häuptling gegen Waren eingetauscht wurde, wer gegen bestehende Gesetze des Stammes verstieß oder in Kriegsgefangenschaft geriet. Den Sklaven wurde keine soziale Bindung erlaubt. Der Status eines Sklaven war jedoch nicht klar definiert, sie konnten auch Diener, Konkubinen u.ä. sein.[13]

Die ersten Portugiesen, die in Afrika eintrafen, nahmen Mitte des 15. Jahrhunderts Sklaven nach Europa mit, um zu beweisen, dass sie wirklich in Afrika gewesen waren, es gehörte dann mit der Zeit zum guten Stil, einen "Exoten" in seinem Haushalt zu haben, der als Hausdiener sehr beliebt war. Dadurch stieg, wenn auch sehr langsam, die Nachfrage nach Sklaven. Auch dürf-te der Vorschlag von Las Casas[14], einem spanischen Priester, der sich wegen der starken Dezimierung um den Bestand der Ureinwohner Amerikas sorgte, seinen Teil dazu beigetragen haben, die indianischen Sklaven in Lateinamerika und auf den karibischen Inseln durch afrikanische Sklaven zu ersetzen; die Hauptgründe der hohen Nachfrage nach Sklaven waren jedoch ökonomischer Natur: Sklaven waren billige Handelsware.

[...]


[1] Albert Wirtz, Sklaverei und kapitalistisches Weltsystem, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1984, S. 20 ff.

[2] David Cordingly, Piraten-Furcht und Schrecken auf den Weltmeeren., vgs Verlagsgesellschaft, Köln 1997, S. 12

[3] Jennifer G. Marx, Das goldene Zeialter der Piraterie, in: David Cordingly (Hrsg.): Piraten-Furcht und Schrecken auf den Weltmeeren., S. 105; Eigel Wiese, Sklavenschiffe, Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2000, S.110

[4] Der bekannteste ehemalige Sklave ist Olaudah Equiano. Er wurde in seinem Dorf gemeinsam mit seiner Schwester im Alter von ca. 11 Jahren gekidnapped, dann in die Sklaverei verkauft und kam über die sogenannte Mittelpassage nach Amerika. Dort wurde er von einem englischen Kapitän als persönlicher Diener gekauft, der ihn mit nach England nahm. Da Olaudah Equiano als Kind versklavt wurde, erhielt er während des Weges zur Küste als auch auf dem Sklavenschiff eine bessere Behandlung als die Erwachsenen. Olaudah Equiano lernte die englische Sprache und bekam in England die Möglichkeit, zeitweise eine Schule zu besuchen. Im Alter von 21 Jahren war er in der Lage, sich freizukaufen und kämpfte danach für die Abschaffung der Sklaverei. Er reiste durch englische Städte und hielt öffentliche Reden, im Alter von 44 Jahren verfasste er seine Autobiographie, die erstmalig 1789 publiziert wurde. Olaudah Equiano wollte durch die Veröffentlichung seines Buches seinen Teil zur Abschaffung der Sklaverei beitragen, gegen die er seit seines Freikaufes kämpfte., Paul Edwards (Hrsg.), Equiano´s Travels, 5. Auflage, Heinemann, London, 1982

[5] Ebd., S. 7

[6] Ebd., S. 7

[7] Ernst Joseph Görlich, Herrenrecht und Sklavenpeitsche, Fackelverlag, Stuttgart 1971, S. 285 f.

[8] Görlich, Herrenrecht und Sklavenpeitsche, S. 289

[9] Edwards, Equiano´s Travels, S. 24

[10] Herbert S. Klein, The Atlantic Slave Trade, Cambridge University Press, New York 1999, S 125

[11] Ebd., S. 90

[12] Ebd., S. 115

[13] Edwards, Equiano´s Travels, S. 7; Görlich, Herrenrecht und Sklavenpeit-sche, S. 9 f. und Klein, The Atlantic Slave Trade, S. 8

[14] Bartolomé des Las Casas (1484-1566), ein spanischer Priester und der spä-tere Bischof von Chiapa in Guatemala, erkannte das Elend der Indianer durch seine Aufgabe, diese zu christianisieren und aus eigener Erfahrung auf sei-ner kubanischen Plantage. Er hielt die "Negersklaven" für widerstandsfähi-ger als die indianianischen Ureinwohner, schränkte jedoch seine Forderung nach Einsatz der Schwarzafrikaner dahingehend ein, dass es sich nur um Kriegsgefangene handeln solle; vgl. hierzu Albert Wirtz, Sklaverei und ka-pitalistisches Weltsystem, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1984, S. 17 und Wiese, Sklavenschiffe, S.16 ff.

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Details

Titel
Schwarzafrikanische Sklaven auf dem Weg in die Neue Welt vom 16. bis 18. Jahrhundert
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Historisches Institut)
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
19
Katalognummer
V32324
ISBN (eBook)
9783638330725
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwarzafrikanische, Sklaven, Neue, Welt, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Monique Görlitz (Autor), 2002, Schwarzafrikanische Sklaven auf dem Weg in die Neue Welt vom 16. bis 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32324

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