Im Rollenspiel stellen die Schülerinnen und Schüler realitätsbezogenes Rollenverhalten dar. Somit kann man das Rollenspiel als eine Art ,,Einübung in die Wirklichkeit" verstehen, bei dem sich die Mitglieder einer Gruppe in verschiedene soziale Rollen versetzen und Alltagssituationen, Probleme oder Konflikte im Spiel nachempfunden oder vorausschauend
bearbeitet werden können. Weiterhin vermittelt das Rollenspiel (als eine Methode zur Aneignung gesellschaftlicher Wirklichkeit) den Lernenden auch eine mögliche Teilhabe an
politischen Entscheidungsprozessen auf kommunaler Ebene. Indem sie nicht nur eingeladen sind zur Bürgerversammlung, sondern auch nach ihren Ideen und ihrer Position zum Umgang mit den Flüchtlingen gefragt werden, können sie sich als politische Akteure verstehen, die einen Einfluss darauf haben, wie die Integration von Flüchtlingen in ihrer Gemeinde gestaltet und gelebt wird. Das Einberufen einer Bürgerversammlung durch den Bürgermeister vermittelt ferner ein positives Beispiel einer Gemeinde, das auf die Partizipation der Bürgerinnen und Bürger Wert legt, denn Partizipation macht das Wesen demokratisch verfasster Gesellschaften aus.
In Bezugnahme auf den Lehrplan der Hören Berufsfachschule für die Sozialassistenz werden die Schülerinnen und Schüler in der heutigen Unterrichtsstunde darin unterstützt und gefördert, einen angemessenen Umgang mit Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, kultureller Herkunft zu entwickeln und einzuüben.
Inhaltsverzeichnis
1. Lern- und Lehrbedingungen
2. Unterrichtsthema und Einbettung in den unterrichtlichen Zusammenhang
3. Sachanalyse
4. Didaktisch-methodische Überlegungen und Entscheidungen
5. Unterrichtsziele und angestrebte Kompetenzerweiterung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die didaktische Planung und methodische Gestaltung einer Unterrichtseinheit zum Thema "Flucht und Asyl", um den Lernenden durch ein Rollenspiel politische Partizipationsmöglichkeiten auf kommunaler Ebene praktisch erfahrbar zu machen. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, wie ein komplexes, kontroverses Thema durch eine handlungsorientierte Methode reflektiert und in den beruflichen Kontext der Sozialassistenz übertragen werden kann.
- Politische Urteils- und Handlungsfähigkeit stärken
- Kommunale Unterbringungskonzepte für Flüchtlinge bewerten
- Förderung von Perspektivwechsel und sozialem Lernen
- Didaktische Umsetzung des Kontroversitätsgebots
- Bedeutung der Partizipation in einer demokratischen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
3. Sachanalyse
Weltweit sind derzeit etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht; sie fliehen u. a. vor politischer oder religiöser Verfolgung, vor Bürgerkriegen und Terror, vor Naturkatastrophen, Hunger und Armut. Die Gründe für Flucht sind vielfältig. Aktuell sind es vor allem Bürgerkriege und gewaltsamer Terror (z. B. der Islamischer Staat, die Taliban oder die Diktatur Aferwerkis), die Menschen in die Flucht treiben. In diesem Jahr kommt weltweit die Mehrheit der Flüchtlinge aus Syrien, gefolgt von Afghanistan und Somalia. Auch wenn die meisten Flüchtlinge nicht das eigene Land verlassen - man geht von über 38 Millionen Binnenvertriebenen aus - und Nachbarländer wie der Libanon, die Türkei, Pakistan oder Kenia zu den Hauptaufnahmeländern gehören, zeigt sich dennoch auch in Deutschland ein ähnliches Bild in Bezug auf die Fluchtursachen und die Herkunftsregionen der Flüchtlinge.
Mehr als 70 Prozent der im August 2015 nach Deutschland Eingereisten stammen aus Kriegs und Krisengebieten. Flüchtlinge aus Syrien (44,5%), Afghanistan (11%) und dem Irak (8,9%) machen zwei Drittel aller Schutzsuchenden in Deutschland aus. In 2015 handelt es sich um insgesamt ca. eine Million Menschen, die Asyl in Deutschland beantragt haben. Viele Flüchtlinge wollen gezielt nach Deutschland, z. B. weil sie Familienmitglieder haben, die in den vergangenen Jahren als Flüchtlinge hierzulande Schutz gefunden haben. Außerdem vermuten viele Flüchtlinge gute Aufnahmebedingungen in Deutschland.
Die innerdeutsche Verteilung der Flüchtlinge wird anhand der Steuereinnahmen und Bevölkerungszahlen errechnet. Diese legen fest, welchen Anteil an Asylsuchenden jedes Bundesland aufnehmen muss ("Königsteiner Schlüssel"). Innerhalb der Bundesländer werden die Flüchtlinge dann auf die Landkreise und kreisfreien Städte und Gemeinden weiter verteilt. Hierbei hat jedes Land seine eigenen Quotierungsverfahren; Hessen beispielsweise, das etwa 70.000 Flüchtlinge in diesem Jahr aufgenommen hat, berücksichtigt die Einwohnerzahl und den Ausländeranteil.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Lern- und Lehrbedingungen: Darstellung der Rahmenbedingungen der BSA-Lerngruppe, ihrer sozialen Struktur, Interessen sowie der Herausforderungen durch gruppendynamische Prozesse.
2. Unterrichtsthema und Einbettung in den unterrichtlichen Zusammenhang: Verknüpfung der Flüchtlingsthematik mit dem Lehrplan der Sozialassistenz sowie Erläuterung der Vorbereitung der Rollenspiel-Methode.
3. Sachanalyse: Analyse der globalen Fluchtursachen, der statistischen Situation in Deutschland sowie der gesetzlichen Verteilungsmechanismen von Flüchtlingen auf kommunaler Ebene.
4. Didaktisch-methodische Überlegungen und Entscheidungen: Erörterung der handlungsorientierten Lernziele durch das Rollenspiel unter Berücksichtigung des Beutelsbacher Konsenses.
5. Unterrichtsziele und angestrebte Kompetenzerweiterung: Aufzählung der angestrebten Lernfortschritte in den Bereichen Analysefähigkeit, politische Handlungskompetenz und soziales Verhalten.
Schlüsselwörter
Flucht und Asyl, Politikunterricht, Rollenspiel, Bürgerversammlung, Bertasdorf, Kommunale Integration, Partizipation, Sozialassistenz, Beutelsbacher Konsens, Flüchtlingspolitik, Unterbringungskonzepte, Politische Bildung, Demokratie, Handlungsorientierung, Meinungsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt einen Unterrichtsentwurf für eine Prüfungslehrprobe im Fach Politik und Wirtschaft dar, der das Thema "Flucht und Asyl" anhand eines Rollenspiels behandelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die globale Fluchtproblematik, deutsche Asylpolitik, die kommunale Unterbringung von Flüchtlingen sowie das demokratische Prinzip der Partizipation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Urteils- und Handlungsfähigkeit der Auszubildenden durch ein Rollenspiel zu stärken und sie für die komplexe Thematik der Flüchtlingsintegration auf kommunaler Ebene zu sensibilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode des Rollenspiels angewandt, die den Lernenden eine "Einübung in die Wirklichkeit" ermöglicht und gesellschaftliche Konfliktlagen simulationsgestützt erfahrbar macht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse der Flüchtlingssituation, didaktische Begründungen für das gewählte Unterrichtssetting und eine detaillierte Verlaufsplanung des Rollenspiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Partizipation, Bürgerversammlung, kommunale Unterbringung, Rollenspiel und politische Handlungskompetenz definiert.
Welche Rolle spielt die Gemeinde "Bertasdorf" im Konzept?
Bertasdorf dient als fiktiver, aber lebensnaher Modellraum, in dem die Lernenden in verschiedenen Rollen (z. B. Bürgermeister, Initiativen) konkret über Unterbringungsoptionen und Integrationsmaßnahmen verhandeln.
Warum ist das Rollenspiel für die Zielgruppe (Sozialassistenz) besonders relevant?
Da die Auszubildenden später im pädagogischen oder pflegerischen Bereich tätig sein werden, ist die Fähigkeit zum Perspektivwechsel und zum Umgang mit kontroversen gesellschaftlichen Debatten eine entscheidende berufliche Kompetenz.
- Arbeit zitieren
- Dipl. Päd. Sanda Saric (Autor:in), 2015, Bertasdorf zwischen Willkommenskultur, Sorge und Fremdenfeindlichkeit. Ein Rollenspiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323272