Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage, ob in Deutschland eine Konvergenz von privatem und öffentliche-rechtlichem Fernsehen stattfindet, und welche Rolle dabei die Jugendkanäle ZDFneo und Einsfestival spielen – als Motoren der Konvergenz oder der Innovation.
Das duale Rundfunksystem besteht in Deutschland seit 1984. Es wurde ins Leben gerufen, da es dem öffentlich-rechtlichem Rundfunk wohl an Konkurrenz mangelte. Nun stellt sich aber 29 Jahre danach die Frage, ob das private Fernsehen nicht eine zu große Konkurrenz darstellt.
Man bemerkt seit einigen Jahren einen Strukturwandel bei den Öffentlich-Rechtlichen. Dieser bezieht sich vor allem auf die Gründung vieler neuer Spartenprogramme, die auf verschiedene Altersgruppen zugeschnitten sind und abseits von der eingebürgerten Zielgruppe der Hauptprogramme auch jüngere Bevölkerungsschichten ansprechen soll.
Doch ist diese Maßnahme reine Innovation und beruht auf internen Ansprüchen an ein Mitziehen an der gesellschaftlichen Entwicklung ohne jegliche Ansprüche an das Gerecht werden oder Messen an den privaten Rundfunk? Oder trifft genau dies zu, dass man sich an den Privaten orientiert und aus reinem Konkurrenzkampf um Quoten mitziehen will und eben Konvergenz hervorruft?
Inhaltsverzeichnis
I. Öffentlich-rechtliche Jugendkanäle – Motor der Konvergenz oder der Innovation?
II. Konvergenz
1. Informationsangebot
2. Themenpräferenzen
3. Sendungsformen
4. Akteurprofile
5. Funktionsteilung
III. ZDFneo
IV. Einsfestival
V. Konvergenzkriterien
1. Vielfalt des Programmangebots
a. Interne Vielfalt
b. Externe Vielfalt
2. Temporale Veränderung/Zeitliche Schematisierung
3. Nutzbarkeit der Programme für das Publikum
4. Programmalter
5. Adaption ausländischer, vor allem amerikanischer Fernsehformate
VI. Anwendung
VII. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit untersucht den Strukturwandel im dualen Rundfunksystem Deutschlands, insbesondere im Hinblick auf die Frage, ob die Gründung öffentlich-rechtlicher Spartenprogramme (wie ZDFneo und Einsfestival) als echte Innovation oder als Reaktion auf den Konkurrenzdruck und damit als Form der Konvergenz zu privaten Sendern zu bewerten ist.
- Analyse des Strukturwandels und der Konvergenztheorie im deutschen Rundfunk.
- Untersuchung von Programminhalten, Themenpräferenzen und Akteurprofilen bei ARD, ZDF, RTL und Sat.1.
- Vergleich von öffentlich-rechtlichen Spartenkanälen mit privaten Programmstrukturen.
- Anwendung von Konvergenzkriterien nach Michaela Maier auf ZDFneo und Einsfestival.
- Bewertung des Innovationspotenzials öffentlich-rechtlicher Ableger gegenüber deren Auftrag zur Grundversorgung.
Auszug aus dem Buch
II. Konvergenz
Konvergenz wird aus dem spätlateinischen Wort convergere abgeleitet und bedeutet soviel wie sich annähern. Rudolf Stöber (2008) gibt im evolutionsbiologischen Sinne folgende Definition:
„Die äußeren Zwänge der Umwelt wirken auf alle Organismen ähnlich und initiieren damit eine analog gelagerte Problemlösung.“ [Stöber, 2008, S. 146]
Nehme man diese Definition nun für die Rundfunksysteme, könnte man annehmen, dass die äußeren Zwänge zum Beispiel Einschaltquoten darstellen und die analog gelagerte Problemlösung sei ein sich ähnelndes Programm aller Rundfunkanstalten. In der Konvergenzforschung wird Konvergenz auch als Distanzverringerung zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Programmen angesehen. Es ist jedoch strittig, ob die Angleichung wechselseitig, also von beiden Seiten erfolgt oder ob sie sich lediglich einseitig vollzieht. (Maier, 2001, S. 70-71)
Nach Einführung des privaten Rundfunks, 1984, erfolgte zunächst eine krasse Verschiebung der Marktanteile in Richtung der Privaten. (Donsbach, 2009, S.633) Nachdem die explosionsartige, scherenförmige Neuverteilung gegen 1992 abgeschlossen war, etablierte sich eine Formatierung von fünf „Großen“ Programmen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Öffentlich-rechtliche Jugendkanäle – Motor der Konvergenz oder der Innovation?: Einleitung in das duale Rundfunksystem und die Forschungsfrage, ob die neue Spartenstrategie der Öffentlich-Rechtlichen als Konvergenz oder Innovation zu werten ist.
II. Konvergenz: Theoretische Herleitung des Begriffs Konvergenz und Erläuterung der Marktverschiebung seit Einführung des Privatfernsehens 1984.
III. ZDFneo: Analyse von ZDFneo als Spartenprogramm zur Erschließung jüngerer Zielgruppen und die damit verbundene Kritik als "Verzweiflungsakt".
IV. Einsfestival: Porträt des ARD-Spartensenders, seiner Programmgestaltung und der Kritik seitens privater Wettbewerber.
V. Konvergenzkriterien: Vorstellung der theoretischen Kriterien nach Michaela Maier zur Messung von Konvergenz im Fernsehen.
VI. Anwendung: Überprüfung der Konvergenzkriterien am Beispiel der Programme ZDFneo und Einsfestival.
VII. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die Programme eher Ausdruck kreativer Anpassung an gesellschaftliche Bedürfnisse als bloße Konvergenz zum privaten Sektor sind.
Schlüsselwörter
Konvergenz, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Duales Rundfunksystem, Spartenprogramme, ZDFneo, Einsfestival, Medieninnovation, Programmgestaltung, Zuschauerbindung, Konvergenzhypothese, Grundversorgung, Marktanteile, Rundfunkfreiheit, Medienwandel, Programmqualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich das duale Rundfunksystem durch die Gründung von Spartenkanälen der Öffentlich-Rechtlichen verändert hat und ob dies eine Annäherung an private Sender bedeutet.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen der Konvergenzbegriff, die Programmstrukturen von ARD/ZDF gegenüber RTL/Sat.1 sowie die spezifische Rolle der Digitalkanäle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die neuen Spartensender wie ZDFneo eine echte Innovation darstellen oder lediglich eine reaktive Anpassung an den quotenorientierten Konkurrenzkampf sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die theoretischen Konvergenzkriterien nach Michaela Maier, um das Programmangebot und die strategische Ausrichtung der Sender wissenschaftlich zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Informationsangebot, Themenpräferenzen, Sendungsformen sowie die Funktionsteilung zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Konvergenz, duales System, Spartenprogramme, Grundversorgung und Innovationsfähigkeit.
Inwieweit werden ZDFneo und Einsfestival als Konvergenzbeispiele gesehen?
Die Arbeit diskutiert, dass beide Sender zwar Elemente des privaten Fernsehens aufgreifen, aber auch innovative Formate für neue Zielgruppen entwickeln.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Privaten bei der Programmgestaltung?
Sie stellt fest, dass private Sender stark auf kostengünstige Massenunterhaltung und Doku-Formate setzen, was zu einer "Unterschicht-Fernsehen"-Kritik führt.
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- Katharina Geiger (Author), 2013, Konvergenz von öffentlich-rechtlichem und privatem Fernsehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323325