Die Methode der Befragung, der empirische Forschungsablauf und die Entstehung von Forschungsfragen


Forschungsarbeit, 2016
9 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Methode der Befragung

2. Der Forschungsablauf

3. Die Forschungsfragen

4. Quellenverzeichnis

1. Methode der Befragung

In der empirischen Forschung spielt die Methode, mit der man Daten über den Forschungsgegenstand gewinnen möchte, eine zentrale Rolle. Man muss also zwischen mehreren sogenannten Erhebungsmethoden wählen, der Beobachtung, der Inhaltsanalyse, dem Experiment und der Befragung.1 Die Entscheidung für die am besten geeignete Methode sollte schon im Vorfeld anhand des Erkenntnisinteresses gut überlegt sein. Ziel ist es, die zentrale Forschungsfrage am präzisesten und repräsentativsten zu beantworten. Für die Frage, welchen Einfluss interpersonale und massenmediale Kommunikation unter welchen Rahmenbedingungen auf die Relevanzbeurteilung des Themas Fußball Europameisterschaft 2016 im Vergleich zu anderen Themen hat, fiel die Wahl auf die Methode der Befragung.

Befragungen werden sowohl in der quantitativen als auch in der qualitativen Forschung häufig eingesetzt und können schriftlich (in Form eines Fragebogens) oder mündlich (in Form eines Interviews) erfolgen.2 Welche Befragungsart zum Einsatz kommt, hängt von dem Erkenntnisinteresse und den persönlichen und institutionellen Rahmenbedingungen ab. Das im weiteren Verlauf beschriebene Vorgehen dieser Studie basiert auf der quantitativen, schriftlichen Befragung. Folglich handelt es sich hier um einen sehr strukturierten Ablauf mit Hilfe eines standardisierten Datenerhebungsinstruments, in diesem Fall in Form eines Tagebuchs. Bei einem standardisierten Fragebogen bzw. Tagebuch sind die Formulierungen der Fragen, ihre Reihenfolge und die Antwortkategorien weitestgehend vorgegeben.3 Dies soll bewirken, dass man die Antworten bei der Auswertung besser miteinander vergleichen kann und Zusammenhänge auf möglichst objektive Weise dargestellt werden können.

Die Tagebuch-Studie wird definiert als eine schriftliche Form der Befragung, die geeignet ist, Tagesabläufe von Befragten nachzuzeichnen.4 Der Befragte beobachtet sich selbst über einen bestimmten Zeitraum (hier: vier Tage) und füllt das Tagebuch am Ende jeden Tages aus. Der große Vorteil gegenüber anderen Befragungsarten ist, dass die Befragung während eines Mediennutzungsvorgangs stattfindet, also aus der kurzfristigen Erinnerung heraus.5 Außerdem kann abweichendes Nutzungsverhalten festgestellt und in die Auswertung einkalkuliert werden. Ein Nachteil, der während dieser Studie deutlich wurde, ist die Abhängigkeit von Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit der Probanden. Man sollte zusätzlich beachten, dass mit fortschreitender Dauer auch die Motivation der Teilnehmer abnimmt.

Generell muss natürlich zwischen Alltagsbefragungen, die jeden Tag in Form von Gesprächen untereinander stattfinden, und wissenschaftlichen Befragungen, denen bestimmte Kriterien zugrunde liegen müssen, unterschieden werden. Neben der planmäßigen Vorbereitung, muss vor allem die methodische Kontrolle jeder einzelnen Phase gegeben sein. Was die Phasen der quantitativen Befragung sind, wird im folgenden Kapitel erläutert.

2. Der Forschungsablauf

Wie ein empirischer Forscher sein genaues Vorgehen einteilt, ist immer bis zu einem gewissen Grad subjektiv. Bewährt hat sich jedoch die Dreiteilung der Schritte in den Entdeckungszusammenhang, den Begründungszusammenhang und den Verwertungszusammenhang.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Dreiteilung des Forschungsablaufs

Der Entdeckungszusammenhang beschäftigt sich mit dem Erkenntnisinteresse der Studie, also was genau man in Erfahrung bringen möchte.7 Die Antwort darauf bildet den Ausgangspunkt für die Planung des Forschungsablaufs und hilft bei der Formulierung der zentralen Forschungsfrage.

Wie die Studie nun konzipiert und durchgeführt wird, damit beschäftigt sich der Begründungszusammenhang. Zuallererst wird hier bereits existentes Material zum allgemeinen Forschungsstand gesammelt und Hypothesen aufgestellt. Außerdem muss die Stichprobe definiert, das Forschungsdesign entwickelt und vor allem die Forschungsmethode, hier die Befragung, gewählt werden.8 Nachdem das Erhebungsinstrument, das Tagebuch, anhand der Forschungsfragen konzipiert worden ist, muss es sich dem Pretest unterziehen, auf den in einem der folgenden Kapitel explizit eingegangen wird. In einem Satz zusammengefasst: Es wird deutlich, wo Verbesserungen am Tagebuch, zum Beispiel in Form von Umformulierungen oder Ergänzungen, nötig sind. Nachdem das Tagebuch nun in seiner verbesserten, endgültigen Form vorliegt, kann mit der Feldphase begonnen werden, also der Durchführung der Befragung. In diesem Schritt werden die Daten erhoben, das bedeutet konkret anhand dieser Studie, dass die ausgewählten Personen der Zielgruppe das Tagebuch über einen Zeitraum von vier Tagen ausfüllen. Um die Daten nun interpretieren zu können, müssen sie vorerst aufbereitet werden. Das bedeutet unter anderem, dass entschieden werden muss, ob alle erhobenen Daten in die Auswertung miteinbezogen werden, oder nur ein Teil davon.9 Für die Auswertung müssen die Daten codiert werden, das heißt die Antworten müssen in für den Computer lesbare Zahlen übersetzt werden.10 Dafür werden spezielle Computerprogramme herangezogen. Für diese Studie wurde dazu eine Excel Tabelle angelegt (siehe Abbildung) sowie das gängige Auswertungsprogramm IBM SPSS Statistics zur Hilfe genommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Beispiel für erhobene Daten in Form einer Excel Tabelle

Nachdem die Antworten auf ihre Plausibilität und Fehler geprüft worden sind, kann man nun mit der Analyse und Interpretation der Daten beginnen. Dies geschieht beispielsweise anhand von Häufigkeitsanalyse oder Signifikanztests, sodass Zusammenhänge und Merkmalsausprägungen deutlich werden. Diese dienen nun zur Beantwortung der zentralen Forschungsfrage. Der finale Schritt ist die Präsentation der Daten, die hier in Form dieses Forschungsberichts vorliegen. Somit wird die Befragung mit dem Verwertungszusammenhang abgeschlossen.

3. Die Forschungsfragen

Die Forschungsfragen sind nicht zu verwechseln mit der zentralen/übergeordneten Forschungsfrage oder den Testfragen des Tagebuchs. Die zentrale Forschungsfrage ist eine einzelne Fragestellung, die das Erkenntnisinteresse definiert. Die Forschungsfragen werden entwickelt, um dieses Erkenntnisinteresse beantworten zu können und genauer zu untergliedern. Da diese aber nicht direkt messbar sind, sondern eher als Hilfestellung für den Forscher gelten, entwickeln sich hieraus die Testfragen, die dann den Probanden gestellt werden.11

In der vorliegenden Studie gilt es herauszufinden, welchen Einfluss die interpersonale und massenmediale Kommunikation auf die Relevanzbeurteilung der Fußball Europameisterschaft 2016 im Vergleich zu anderen Themen hat. Wichtig ist außerdem, welche Rahmenbedingungen hierbei eine Rolle spielen. Die Forschungsfragen sollten nun so formuliert werden, dass alle Aspekte des Erkenntnisinteresses abgedeckt werden. So wird zum Beispiel erst auf den Einfluss der Massenmedien eingegangen. Hier ist zuallererst interessant, welche Medieninhalte überhaupt und wie intensiv von den Befragten genutzt werden. Anschließend kann man näher auf die vermittelten Themen eingehen: Welche werden in den Massenmedien wahrgenommen? Und für wie relevant werden diese auf der persönlichen, gesellschaftlichen und der Ebene des sozialen Umfeldes eingeschätzt? Dieselben Fragen kann man nun auf die interpersonale Kommunikation beziehen. Welche Themen werden zum Beispiel im persönlichen Gespräch kommuniziert und wie relevant werden diese hier eingeschätzt? Zusätzlich ist in diesem Bereich interessant, welche Auswirkungen die Relevanzbeurteilung eines Themas in Gesprächen bei den Meinungsführern hat. Diese Forschungsfragen geben also Auskunft darüber, welche der beiden Formen wie intensiv Einfluss auf den Befragten nehmen. Und welche Themen besonders Aufmerksamkeit generieren. Daraus lassen sich bei der Datenauswertung Zusammenhänge zwischen, beispielsweise, den genutzten Medieninhalten und den für die Mehrheit interessanten Themen herstellen. Hierbei ist jedoch die unterschiedliche Soziodemographie der Probanden zu berücksichtigen, die im Tagebuch anonym einzutragen ist. Ein 80-jähriger Professor etwa wird andere Themen über differente Medienkanäle als ansprechend oder relevant befinden als eine 18-jährige Auszubildende.

[...]


1 Vgl. Möhring, Wiebke/Schlütz, Daniela (2010): Die Befragung in der Medien- und Kommunikationswissenschaft. Eine praxisorientierte Einführung. Berlin. Seite 15

2 Vgl. Hug, Theo/Poscheschnik, Gerald (2010): Empirisch Forschen. Die Planung und Umsetzung von Projekten im Studium. Wien. Seite 83

3 Vgl. Burzan, Nicole (2005): Quantitative Methoden der Kulturwissenschaften. Eine Einführung. Konstanz. Seite 26

4 Möhring, Wiebke/Schlütz, Daniela, a.a.O., Seite 157

5 Vgl. Möhring, Wiebke/Schlütz, Daniela, a.a.O., Seite 158

6 Vgl. Möhring, Wiebke/Schlütz, Daniela, a.a.O., Seite 12

7 Vgl. Hug, Theo/Poscheschnik, Gerald, a.a.O., Seite 56

8 Vgl. Burzan, Nicole, a.a.O., Seite 31

9 Vgl. Hug, Theo/Poscheschnik, Gerald, a.a.O., Seite 68

10 Vgl. Burzan, Nicole, a.a.O., Seite 110

11 Brosius, Hans-Bernd/Koschel, Friederike/Haas, Alexander (2012): Methoden der empirischen Kommunikationsforschung. Eine Einführung. Wiesbaden. Seite 92

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Methode der Befragung, der empirische Forschungsablauf und die Entstehung von Forschungsfragen
Hochschule
Universität Passau  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Methoden der empirischen Sozialforschung: Befragung
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
9
Katalognummer
V323358
ISBN (eBook)
9783668224636
ISBN (Buch)
9783668224643
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Empirisch, Empirie, Sozialforschung, Befragung, Forschungsablauf, Forschungsfragen, Forschungsmethoden
Arbeit zitieren
Anna Maucher (Autor), 2016, Die Methode der Befragung, der empirische Forschungsablauf und die Entstehung von Forschungsfragen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323358

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