Delinquentes Sozialverhalten in der Schule ist nicht erst seit heute ein relevantes Problem. Bereits der Blick durch die historische Brille zeigt, dass Aggressionen und Gewalthandlungen von Schülern schon immer vorhanden waren. Allerdings ist das kein Grund zur Entwarnung, denn antisoziales Verhalten bei Kindern und Jugendlichen stellt weiterhin ein großes Problem dar. Besonders in der Entwicklungsphase des Jugendalters (Stufe 5 des Modells Eriksons) ist dies problematisch, da sich in dieser alles um die Identitätsfindung und die Fragen „Wer bin ich? Wer bin ich nicht?“ dreht. Wenn in dieser Phase Probleme auftreten, kann es zu einer Vermischung beziehungsweise Streuung der Identität kommen. Die Frage ist, kann der Sportunterricht einen entscheidenden Teil zur Gewaltprävention zu leisten und wenn ja, wie?
Ich werde in meiner Arbeit auf die Definitionen von Gewalt und Aggressionen, auf Erklärungsansätze für antisoziales Verhalten an Schulen und die Gewaltprävention durch Schulsport eingehen. Wenn in dieser Arbeit die Begriffe Schüler, Lehrer, Lernender oder Sportler auftreten, so sind immer beide Geschlechter gemeint.
Da Anfang der 90er Jahre das Gewaltverhalten der Jugendlichen stark zugenommen hatte und die Schule als möglicher Auslöser in das Blickfeld rückte, wurde damit begonnen, regelmäßige Studien durchzuführen, die das Gewaltverhalten und deren Ausmaß bei Schülern erforschen. Diese Studien stellten fest, dass die Gewaltbereitschaft in der Altersgruppe von 12 bis 15 Jahren stark erhöht ist und somit die Klassenstufen 7 bis 9 mit einem besonders hohen Maß an Gewaltproblemen zu kämpfen haben. Den Höhepunkt der Gewaltbereitschaft und der Gewaltprobleme stellt die Klassenstufe 8 dar. Anschließend ebbt diese langsam wieder ab. Starke Unterschiede bestehen im Bereich der Schulformen – laut Studien sind die Gewaltprobleme in Sonder- und Hauptschulen besonders stark ausgeprägt. Gründe dafür liegen oft im Standort dieser Schulen, da diese oftmals nicht fern von sozialen Brennpunkten liegen und die Schüler dadurch stark abgeschottet von sozialen Chancen sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 Aggressionen
2.2 Gewalt
3. Psychologische und soziologische Theorien
3.1 Trieb- und Instinkttheorie
3.2 Emotionstheorien
3.3 Lerntheoretische Ansätze
3.4 Systemtheorie nach Luhmann
4. Erklärungsansätze – Risikofaktoren
5. Sport als Gewaltpräventionsmaßnahme - Pro und Contra
5.1 Kontrapositionen
5.2 Pro-Positionen
6. Umsetzung der Gewaltprävention im Sportunterricht
6.1 Kommunikation
6.2 Entspannung und Spiel
7. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial des Sportunterrichts als Instrument zur Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob und wie Sportlehrer durch gezielte pädagogische Maßnahmen dazu beitragen können, delinquentes Sozialverhalten und Aggressionen abzubauen und soziale Kompetenzen zu fördern.
- Theoretische Grundlagen von Aggression und Gewalt
- Psychologische und soziologische Erklärungsmodelle für antisoziales Verhalten
- Risikofaktoren im sozialen Umfeld (Familie, Schule, Peer-Groups)
- Ambivalenz von Sport als Spannungsfeld zwischen Gewaltprävention und Aggressionsaufbau
- Praktische Umsetzungsmöglichkeiten durch Kommunikation, Entspannung und gezielte Spielformen
Auszug aus dem Buch
Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und Identitätsfindung
In der heutigen Gesellschaft ist es schwer die eigene Persönlichkeit zu entfalten, da meistens Leistung im Vordergrund steht und leistungsschwache Menschen ausselektiert werden. Den Jugendlichen wird gezeigt, dass nur die Besten weiterkommen im Leben.
Menschen, die eine körperliche Kraft und Stärke besitzen, die die des Gegenübers überragt, können einschüchternd und respekteinflößend wirken. Dies ist der Grund, warum viele Jugendliche physische Gewalt als Beweis für ihre körperliche Stärke anwenden. Sie erhalten damit ihre dringend benötigte Bestätigung in der Selbstfindungsphase.
Sport gibt den Jugendlichen die Möglichkeit diesen Beweis ihrer körperlichen Stärke auf gewaltfreie Art und Weise herzuleiten. Sie können im Sport darstellen, wozu ihr Körper in der Lage ist und ihre Erfolge an der Verbesserung ihrer sportlichen Leistung und der Bestätigung durch sich selbst und anderer messen. Die Jugendlichen können sich immer wieder neue sportliche Ziele setzen und mit jedem Erfolg werden Frustrationen abgebaut. Die Misserfolge, die der Sport natürlich auch bereitstellt, sind ebenso wichtig, da diese dem Jugendlichen die Chance geben, mit seinen eigenen Frustrationen umzugehen und herauszufinden, dass auf einen Misserfolg ein Erfolg folgen kann. Dies ist wichtig für alle unzähligen Misserfolge, die das Leben bereithält. Diese Form der Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper führt dazu, dass der Jugendliche eine positivere Einstellung erhält.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtung der historischen Relevanz von Gewalt in der Schule und Einführung in die Fragestellung der Arbeit bezüglich der Rolle des Sportunterrichts.
2. Definitionen: Begriffliche Klärung von Aggressionen und Gewalt sowie Abgrenzung der verschiedenen Arten aggressiven Verhaltens.
3. Psychologische und soziologische Theorien: Darstellung wissenschaftlicher Erklärungsmodelle, darunter Trieb- und Instinkttheorien, Emotionstheorien, lerntheoretische Ansätze und die Systemtheorie nach Luhmann.
4. Erklärungsansätze – Risikofaktoren: Analyse der Ursachen für Gewalt, insbesondere durch den Einfluss von Familie, Schule und Peer-Groups.
5. Sport als Gewaltpräventionsmaßnahme - Pro und Contra: Diskussion der Ambivalenz von Sport, der sowohl Aggressionen kanalisieren als auch durch Leistungsdruck und Misserfolge neue Gewaltpotenziale schaffen kann.
6. Umsetzung der Gewaltprävention im Sportunterricht: Konkrete praktische Empfehlungen für Lehrkräfte zur Gestaltung eines gewaltpräventiven Unterrichts durch Kommunikation, Kennenlernspiele und Entspannungstechniken.
7. Schlusswort: Resümee und persönlicher Ausblick des Autors über die Notwendigkeit einer individuelleren Gestaltung des Sportunterrichts zur Förderung sozialer Kompetenzen.
Schlüsselwörter
Gewaltprävention, Sportunterricht, Aggression, Schule, Sozialisation, Identitätsfindung, Schulsport, Mobbing, Pädagogik, Konfliktlösung, Frustration, Kommunikation, Peer-Groups, Lehrplan, Sozialkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Möglichkeiten und Grenzen des Schulsports, um präventiv gegen Gewalt und antisoziales Verhalten bei Jugendlichen vorzugehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Fundierung von Aggression, der Analyse von Risikofaktoren im Umfeld der Schüler und der praktischen Implementierung präventiver Methoden im Sportunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu ergründen, ob und wie der Sportunterricht einen entscheidenden Beitrag zur Gewaltprävention leisten kann, ohne dabei seinen eigentlichen pädagogischen Sinn zu verlieren.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden eingenommen?
Es werden psychologische und soziologische Ansätze herangezogen, insbesondere Trieb- und Instinkttheorien, Emotionstheorien sowie lerntheoretische und systemtheoretische Konzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition zentraler Begriffe, die Diskussion der theoretischen Ursachen von Gewalt, die Pro- und Contra-Argumentation bezüglich Sport als Präventionsmittel und praktische Umsetzungsstrategien für Sportlehrer.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Gewaltprävention, Schulsport, Aggressionsabbau, soziale Kompetenz, Identitätsfindung und pädagogische Einflussnahme.
Wie beeinflusst das soziale Umfeld (Peer-Groups) die Gewaltbereitschaft laut der Arbeit?
Peer-Groups können sowohl stabilisierend wirken als auch durch Rivalitätskämpfe und den Druck zur Anpassung kriminelles Verhalten begünstigen, wodurch sie als ambivalente Risikofaktoren für Schüler gelten.
Warum spielt die Kommunikation eine so entscheidende Rolle für den Sportunterricht?
Kommunikation ist der Schlüssel zur Problemlösung und Kritikfähigkeit; sie ermöglicht es, Vertrauen aufzubauen und individuelle Grenzen der Schüler zu respektieren, was die Basis für ein gewaltfreies Miteinander bildet.
Welche Bedeutung kommt der "Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper" für Jugendliche zu?
Durch sportliche Betätigung können Jugendliche ihre körperliche Stärke auf gewaltfreie Weise erfahren, Erfolge erzielen und lernen, mit Misserfolgen umzugehen, was ihre Selbstfindung positiv unterstützt.
Wie kann der Sportlehrer konkret zur Gewaltprävention beitragen?
Indem er den Unterricht individueller gestaltet, die Schüler in die Planung einbezieht, klare und transparente Regeln setzt sowie Methoden wie Kennenlernspiele und Entspannungsübungen aktiv in den Sportalltag integriert.
- Quote paper
- Maria Löpke (Author), 2015, Aggressionen und Gewalt in der Schule. Prävention durch Schulsport in den Klassenstufen 5 - 10, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323373