Das Thema Gewalt in der Schule ist schon seit längerer Zeit stark in den Medien vertreten. Meist handelt es sich um Berichte über extreme Einzeltäter mit Tötungsdelikten oder Selbsttötungen, denen die Medien ihre Aufmerksamkeit widmen. „So proklamieren die Medien meist eine generelle Zunahme von Gewalt an Schulen" (vgl. Holtappels et al. 2004, S. 7f.).
Um zu verstehen, warum es bei den Jugendlichen zur Gewalt in der Schule kommt, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. Diese umfassen u. a. die Familie, das soziale Umfeld bis hin zum Medieneinfluss. Jede Gewalttat von Jugendlichen – egal, ob es sich um physische oder psychische Gewalt handelt – hat ihren Ursprung, der zumindest teilweise begründet werden kann.
Die Präventionsarbeit, die in der Schule stattfindet, ist die Weitererziehung des Kindes. Die Schule und die Familie teilen sich die Verantwortung für die Erziehung des Kindes und die Eltern und Lehrer dürfen ihre Probleme bezogen auf die Schüler nicht hin- und herschieben.
Die Defizite, die in der Erziehung eines Kindes in der Familie stattgefunden haben, kann die Schule nur teilweise kompensieren. Im Idealfall erfordert die Präventionsarbeit eine enge Zusammenarbeit von Psychologen, Sozialarbeitern, Pädagogen und den Schülern. Die Präventionsarbeit beschäftigt sich nicht nur mit dem Gewaltverständnis und der Gewaltprävention, sondern auch mit der Frage, wie man mit der Gewalt umgeht, wenn man z. B. Opfer von Gewalt wurde, und wie man dies verarbeiten würde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Gewaltbegriff und das Verständnis von Gewalt
3 Wo beginnt Gewalt?
4 Formen der Gewalt an Schulen
5 Prävention von Gewalt – eine Aufgabe der Schule?
6 Gewaltprävention und Gewaltintervention
6.1 Allgemeine Möglichkeiten der Prävention und Intervention
6.2 Präventionsmöglichkeiten
6.2.1. Individuelle Schülerebene
6.2.2. Klassenebene
6.2.3. Schulebene
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Gewalt an Schulen unter Berücksichtigung moderner gesellschaftlicher Veränderungen und analysiert Möglichkeiten der Prävention und Intervention, um ein gewaltfreies Lernumfeld zu fördern.
- Definition und Facetten des Gewaltbegriffs
- Erscheinungsformen von Gewalt im schulischen Kontext
- Die Rolle der Schule bei der Gewaltprävention
- Strategien und Handlungsebenen der Intervention
Auszug aus dem Buch
4 Formen der Gewalt an Schulen
An Schulen sind viele Formen der Gewalt vertreten. Anzutreffen sind sehr verschiedene individuelle wie auch unterschiedliche institutionelle Gewaltformen (siehe Tab. 1).
Mit Bezug auf die oben aufgeführte Tabelle kann man die Gewaltformen im schulischen Kontext nach individueller und institutioneller Gewalt subklassifizieren. Zur individuellen Gewalt zählen die psychische und die physische Gewalt. Unterformen der psychischen Gewalt sind die verbale, die nonverbale und die indirekte psychische Gewalt. Durch moderne Kommunikationsmedien wie Smartphones, soziale Netzwerke und E-Mails sind in den letzten Jahren neue psychische Gewaltformen entstanden (vgl. Schubarth 2013, S. 19), z. B. „Cyberbullying (Bullying auf elektronischem Weg) und ‚Happy Slapping‘ (‚Fröhliches Zuschlagen‘) bzw. ‚Handy Slapping‘ (Filmen und Verbreiten von Gewaltakten mit dem Handy)“ (ebd.). Zur individuellen Gewalt zählen außerdem die vandalistische Gewalt, Formen der fremdenfeindlichen und rassistischen Gewalt sowie die sexuelle bzw. geschlechterfeindliche Gewalt. Seit den Vorfällen in Erfurt (2002), Emsdetten (2006), Winnenden und Ansbach (2009) gibt es eine neue Form der schulischen Gewalt, nämlich Amokläufe. Diese werden in den USA als School Shootings klassifiziert (vgl. Schubarth 2013, S. 20).
Die institutionelle Gewalt lässt sich in drei Formen unterteilen: die legitime „Ordnungsgewalt“, die illegitime „strukturelle Gewalt“ und die kollektive „politische“ Gewalt (vgl. Hurrelmann und Bründel 2007).
Die schulischen Gewaltphänomene lassen sich auch hinsichtlich der Akteursgruppen unterscheiden (vgl. Schubarth 2013, S. 20), z. B. in „Gewalt unter Schülern, Gewalt zwischen Schülern und Lehrern, einschließlich der Gewalt von Lehrern gegenüber Schülern, oder auch Gewalt unter Lehrern“ (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtet die veränderten Lebensbedingungen von Jugendlichen in einer vernetzten Leistungsgesellschaft und führt in die Relevanz des Themas Gewalt an Schulen ein.
2 Der Gewaltbegriff und das Verständnis von Gewalt: Erörtert die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition von Gewalt und grenzt verschiedene Begriffe wie Aggression, Mobbing und Vandalismus voneinander ab.
3 Wo beginnt Gewalt?: Analysiert die subjektiven Wahrnehmungen von Gewalt bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie die Sensibilität für unterschiedliche Gewaltformen.
4 Formen der Gewalt an Schulen: Klassifiziert verschiedene Gewaltarten in individuelle und institutionelle Formen und geht auf aktuelle Phänomene wie Cyberbullying ein.
5 Prävention von Gewalt – eine Aufgabe der Schule?: Diskutiert die Rolle der Schule als Erziehungsinstanz und die Notwendigkeit von Präventionsmaßnahmen trotz der Verlagerung gesellschaftlicher Erziehungsaufgaben.
6 Gewaltprävention und Gewaltintervention: Unterscheidet zwischen langfristigen Präventionsmaßnahmen und unmittelbar intervenierendem Handeln in konkreten Krisensituationen.
6.1 Allgemeine Möglichkeiten der Prävention und Intervention: Betont pädagogische Strategien im Schulalltag, die über spezifische Programme hinausgehen.
6.2 Präventionsmöglichkeiten: Stellt systematische Handlungsebenen für Lehrer und Schulen zur Vorbeugung von Gewalt vor.
6.2.1. Individuelle Schülerebene: Fokus auf die Lehrer-Schüler-Beziehung, soziales Lernen und die Förderung eines positiven Selbstkonzepts.
6.2.2. Klassenebene: Behandelt die Etablierung gemeinsamer Werte, Normen und die Stärkung kooperativer Strukturen.
6.2.3. Schulebene: Konzentriert sich auf die Gestaltung des Schullebens und die Bedeutung einer transparenten Schulordnung.
7 Fazit: Reflektiert die Veränderung der Gewaltwahrnehmung und betont die Notwendigkeit, Schüler aktiv in die Präventionsarbeit einzubinden.
Schlüsselwörter
Gewalt an Schulen, Prävention, Intervention, Mobbing, Cyberbullying, Schulebene, Klassenebene, Lehrer-Schüler-Beziehung, Jugendgewalt, Schulsozialpädagogik, Schulklima, Identitätsbildung, soziale Kompetenz, Erziehungsdefizite, Leistungsgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit setzt sich mit dem Phänomen Gewalt an Schulen auseinander, analysiert dessen Erscheinungsformen und diskutiert pädagogische Ansätze zur Prävention.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind der Gewaltbegriff, die Klassifikation von Gewaltformen, die Verantwortung der Schule bei der Präventionsarbeit sowie spezifische Maßnahmen auf verschiedenen Handlungsebenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Verständnis für Gewaltphänomene im Schulalltag zu schärfen und darzulegen, wie Schule und Lehrkräfte durch professionelle pädagogische Arbeit präventiv wirken können.
Welche methodische Herangehensweise wird verfolgt?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis erziehungswissenschaftlicher Literatur und einschlägiger Studien zum Thema Gewaltprävention.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Gewaltbegriffs, die differenzierte Darstellung von Gewaltformen und die systematische Erarbeitung von Präventionsmöglichkeiten auf individueller, Klassen- und Schulebene.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie Gewaltprävention, Schulsozialpädagogik, Mobbing, Cyberbullying, soziale Kompetenz und die Gestaltung eines gewaltfreien Schulumfelds.
Wie verändern soziale Medien das Gewaltphänomen laut der Autorin?
Durch soziale Netzwerke und moderne Kommunikationstechnologien sind neue Formen wie Cyberbullying entstanden, die Gewalt über die physischen Grenzen der Schule hinaus in den privaten Lebensraum tragen.
Warum ist die Einbeziehung der Schüler bei der Prävention entscheidend?
Die Autorin betont, dass Schüler nicht nur als Täter oder Opfer wahrgenommen werden sollten, sondern als aktive Akteure an der Präventionsarbeit mitwirken müssen, um Vertrauen zu schaffen und ihre Selbstbestimmung zu fördern.
- Quote paper
- Natalia Bokova (Author), 2015, Gewalt in den Schulen. Präventionsmöglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323395