Die Pest in den europäischen Städten. Seuchenbekämpfung in Basel ab 1582 und London ab 1665


Hausarbeit, 2015
19 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Begriff „ Pest
2.1 Der veraltete Pestbegriff
2.2 Der zeitgemäße Pestbegriff
2.3 Die Beulen- oder Bubonenpest
2.4 Die Lungenpest

3. Das hygienische Bild der Stadt

4. Die Verkehrswege

5. Das Pestregiment
5.1 Die allgemeinen Maßnahmen des Pestregiments

6. Die Pest in Basel

7. Die Pest in London

8. Der Vergleich der beiden Städte

9. Schlussbetrachtung

10. Quellenverzeichnis

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Keine andere Krankheit hat im Laufe der Zeit so viel Angst, Schrecken und Verwüstung unter den Menschen verbreitet wie die Pest. In den Jahren 1347 bis 1352 starben schätzungsweise in Europa zwischen 20 und 25 Millionen Menschen an dieser Seuche.[1] Eine Sterberate für die Frühe Neuzeit ist nicht bekannt

Der Mythos um das Massensterben bei den Pestzügen hat in gewisser Weise etwas Faszinierendes. Das verschafft ihm einen festen Platz in vielen literarischen Arbeiten, wie Albert Camus „La peste“ oder Giovanni Boccaccios „Decamerone“. Dadurch wird einem die heuristische Arbeit erleichtert, da die Schriftsteller meistens Zeitzeugen sind. Gleichzeitig betraf die Pest nicht nur einen bestimmten Kreis von Personen, sondern auch ganze Gesellschaften, die über mehrere Länder verteilt waren.

In dieser Arbeit wird sich aufgrund der besseren Quellenlage mit der städtischen Pestbekämpfung an den Beispielen Basel und London auseinander gesetzt. Die besten Studien zu diesem Thema sind Annemarie Kinzelbachs „Gesundbleiben, Krankwerden, Armsein in der frühneuzeitlichen Gesellschaft“ und Jean-Noël Birabens „Les hommes et la peste en France et dans les pays européens et méditerranéens“. Sie befassen sich unter anderem mit der Ausbreitung der Seuche in Europa und deren Präventivmaßnahmen. Das wichtigste Werk für England ist Paul Slacks „The Impact of Plague in Tudor and Stuart England“.

Aus diesen vereinzelten Forschungsmeinungen geht ein Ergebnis hervor. Nach dem ersten Schock über die Pestkrise tritt eine verstärkte gesellschaftliche Aktivität hervor. Erst nach und nach traten die Maßnahmen der Obrigkeit, die je nach Ort variierten, ein. Daraufhin festigten sich die Strukturen.[2]

In dieser Arbeit werden am Anfang der medizinische Begriff stehen, das Krankheitsbild, die Übertragungswege, anschließend werden die Vorbeugungen und Maßnahmen gegen die Pest veranschaulicht. Im letzten Kapitel wird ein Vergleich zwischen den Städten Basel und London gezogen. In dieser Arbeit wird sich aber vorwiegend mit der Pestbekämpfung in den europäischen Städten auseinandergesetzt.

2. Der Begriff „ Pest “

Obwohl der Terminus „ Pest “ über Jahrhunderte Angst und Schrecken verbreitete, so unterlag die medizinische Definition einem Wandel. Im Laufe der Zeit veränderten sich die Angaben zum Verlauf und der Ursachen der Krankheit, daher unterscheidet sich die heutige mikrobiologische Krankheit vom „vormikrobiologischen“ Pestverständnis der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit.[3]

2.1 Der veraltete Pestbegriff

Das mittelalterliche Erklärungsmodell zum Pestverständnis orientiert sich wie viele andere Krankheiten vorwiegend an den Lehren der griechisch-römischen Medizin.[4]

Der Corpus Hippocraticum, eine Zusammenstellung von Schriften, vom griechischen Arzt Hippokrates von Kos (ca. 460 – 370 v. Chr.)[5] enthält einige Notizen über Seuchenerkrankungen.[6] In diesen Schriften geht der Begriff einer pestartigen Krankheit hervor, dem „ loimos “. Hierbei handelt es sich um eine Art der Fieberkrankheit. Sie tauchte innerhalb eines begrenzten Raumes und zu einem bestimmten Zeitpunkt auf. Des Weiteren wies sie die gleichen Symptome wie die Pest auf und führte in den meisten Fällen zum Tod.[7]

Diese Lehre wurde bis zum Aufkommen der medizinischen Bakteriologie verwendet, überdies wurde im Mittelalter unter den lateinischen Begriffen „ pestis “ und „ pestilentia “, die sowohl Unglück als auch Verderben bedeuten, jede Art von Seuche verstanden.[8] Der Begriff „Seuche“ bezeichnete eine plötzliche Erkrankung mehrerer Menschen an einer ansteckenden Infektionskrankheit. Sie unterscheidet sich jeweils nach zeitlich und örtlicher Begebenheiten, sowie nach Epidemien und Pandemien. Da es sich bei der Pest um eine Epidemie handelt, soll der Begriff kurz erläutert werden; es handelt sich hierbei um ein konzentriertes Auftreten in örtlicher und zeitlicher Begrenzung.[9]

2.2 Der zeitgemäße Pestbegriff

Aufgrund der mikrobiologischen Medizin fand man heraus, dass diese Infektionskrankheit durch das Bakterium „ Yersina pestis “ beziehungsweise „ Pasturella pestis “ hervorgerufen wird. Ursprünglich handelte es sich um eine Nagetierkrankheit, die durch die sogenannten Rattenflöhe auf den Menschen übertragen wurden. Im 19. Jahrhundert war diese Krankheit weltweit auffindbar, wohingegen sie in der heutigen Zeit nur noch vereinzelt auftritt.[10] Einige dieser Pestherde findet man in Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und in vereinzelten Teilen von Südosteuropa.[11]

Bei dieser Infektionskrankheit unterscheidet man unter anderem die Beulenpest auch Bubonenpest genannt, die Lungenpest, die Pestsepsis, die abortive Pest und die Hautpest.[12]

2.3 Die Beulen- oder Bubonenpest

Die Beulenpest entsteht aufgrund einer Infektion mit dem Pesterreger aufgrund eines Flohbisses oder durch Eindringen von pestinfiziertem Material in die Wunde.[13] Nach einer kurzen Inkubationszeit zwischen zwei und sechs Tagen zeigen sich die ersten Symptome.[14] Anschwellung der Lymphknoten vorwiegend in der Leistengegend, unter den Achseln und am Hals, Fieber mit Schüttelfrostschüben, Blutungen unter der Haut, Durchfall, Erbrechen, Halluzinationen, Kopf- und Gliederschmerzen.[15] Darüber hinaus sind Lichtscheu, eine lallende Sprache und ein taumelnder Gang wichtige Symptome dieser Krankheit.[16] Viele Chronisten berichten obendrein, dass sich die Haut um die Bissstelle des Flohs bläulich-schwarz verfärbt und dort eine Nekrose bildet. Die Heilungschancen eines Pestkranken stiegen, wenn man die Beulen aufschnitt. Trotzdem endete die Beulenpest oft tödlich, da sie meistens unbehandelt blieb.

Der Infizierte starb dabei an einer Indotoxikation, das bedeutet, dass das Pestbakterium ein Endotoxin (Gift) ausscheidet, dies führt zu einem Kreislaufzusammenbruch der zu einem Herzstillstand führt.[17] Eine andere Todesursache erfolgt durch eine Septikämie (Blutvergiftung). Hierbei gelangt der Pesterreger direkt in das Blut und führt zu einer Sepsis.[18]

2.4 Die Lungenpest

Die Lungenpest verläuft im Gegensatz zu der Beulenpest immer tödlich. Außerdem ist diese Form viel ansteckender, da sie durch Tröpfchen übertragen wird. Die ersten Symptome zeigen sich bereits nach ein bis drei Tagen: Kopfschmerzen, Fieber,[19] Herzrasen, Bluthusten Atemnot und Blaufärbung der Lippen.[20] Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Nervenlähmung und der Zerstörung des Lungengewebes. Der Infizierte erleidet einen qualvollen Erstickungstod.[21]

Obwohl die Symptome der Pest eindeutig sind, bestehen Schwierigkeiten bei der historischen Diagnose. Denn diese typischen Charakteristika müssen in das durch die Scholastik überlieferte antike Schema der Krankheiten eingegliedert werden.[22] Aufgrund dieses Schemas ist es für Epidemiologen schwierig die Pest als solche zu klassifizieren,[23] es könnte sich auch um Fleckentyphus oder Typhus handeln.[24]

3. Das hygienische Bild der Stadt

Um über ein genaues Verständnis der hygienischen Situation in den Städten zu verfügen, muss man zuerst die Unterschiede zur heutigen Stadtsituation kennen. Zwar besaß man in der Frühen Neuzeit bessere Bevölkerungsangaben als noch im Mittelalter, trotzdem waren diese Angaben nicht vollständig. Der Grund hierfür ist einfach. Viele Bürger tauchten nicht in den Steuerlisten auf, da sie illegal als Bettler und Vagabunde in den Städten lebten. Ein anderes Argument war der Tod, der ein stetiger Begleiter in der Frühen Neuzeit war, sei es durch die miserablen Arbeitsumstände oder der Tod im Kindbett. Die Bevölkerungszahl variierte unaufhörlich. Es bleibt noch anzuführen, dass die Städte zu der Zeit sehr viel dichter bevölkert waren als heute.

Bei einer dichten Bevölkerung entsteht immer ein Entsorgungsproblem. Abfälle, Kot und Urin wurden in die Straßen und Gassen geschüttet. Daher wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts gelegentlich von den Bürgern die Reinigung der Straßen und Brunnen verlangt.[25]

Durch die Tiere, die in der Stadt gehalten wurden, da sie vorwiegend als Nahrungsmittelversorgung dienten, gehörten auch Misthaufen zum alltäglichen Stadtbild.[26] Jedoch erhöhte die Viehhaltung das epidemische Risiko, da sowohl Hunde, Katzen, Schweine und andere Tiere, auch wenn sie nicht selbst infiziert waren, den Erreger übertragen konnten.[27]

Zu diesem Faktor kam die mangelnde Hygiene in den Häusern hinzu. Laut eines Volksdiktums, soll es in den Häusern von Flöhen gewimmelt haben, außerdem sollen sich die Zimmerleute in Blindböden entleert haben.[28]

Abschließend kann man sagen, dass es für die Erreger damals viel einfacher war um von Mensch zu Mensch übertragen zu werden. Jedoch stiegen die Heilungschancen bei besseren hygienischen Bedingungen. So zeigt sich, dass die Sterberate in Spitälern in Basel um 1610 deutlich niedriger war als in der Stadt selbst. Grund dafür waren die vom Stadtarzt Felix Platter getroffenen Maßnahmen.[29] Obendrein war der Pestbefall in den Dörfern weniger präsent als in der Stadt. Ein Grund dafür wäre eine geringere Bevölkerungsdichte.

[...]


[1] Nanette, Peithmann: Der Schwarze Tod. Die Pest wütet in Europa. In: http://www.planet-wissen.de/politikgeschichte/mittelalter/lebenimmittelalter/pest.jsp. Stand vom 07.01.2015.

[2] Manfred, Vasold: Die Pest. Ende eines Mythos. Stuttgart 2003. S. 129.

[3] Karl-Heinz, Leven: Von Ratten und Menschen. Pest, Geschichte und das Problem der retrospektiven Diagnose. In: Micha, Meier (Hg.): Pest. Die Geschichte eines Menschheitstraumas. Stuttgart 2005. S. 11.

[4] Michaela, Fahlenbock: Der Schwarze Tod in Tirol. Seuchenzüge, Krankheitsbilder, Auswirkungen. Innsbruck 2009. S. 16.

[5] Ebd. S. 16.

[6] Ebd. S. 16.

[7] Ebd. S. 16.

[8] Petra, Fissneider: Die Pestbekämpfung im Mittelalter und der frühen Neuzeit unter besonderer Berücksichtigung der Pesthäuser. Innsbruck 2000. S. 4.

[9] Ebd. S. 17.

[10] Ebd. S. 15.

[11] Kirsten Renate, Seelbach: In dieser harten und sterbenden Zeit. Maßnahmen gegen die Pest 1620 – 1750. Marburg 2007. S. 29.

[12] Fahlenbock: Der Schwarze Tod in Tirol, S. 15.

[13] Seelbach: In dieser harten und sterbenden Zeit, S. 29.

[14] Ebd. S. 30.

[15] Vasold : Die Pest, S. 104

[16] Manfred, Vasold: Pest, Not und schwere Plagen. Seuchen und Epidemien vom Mittelalter bis heute. Augsburg 1999. S. 73.

[17] Vasold: Die Pest, S. 14.

[18] Kay Peter, Jankrift: Brände, Stürme, Hungersnöte. Katastrophen in der mittelalterlichen Lebenswelt. Ostfildern 2003. S. 134.

[19] Seelbach: In dieser harten und sterbenden Zeit, S. 30.

[20] Wolfgang, Gerok ; Christoph, Huber ; Thomas, Meinertz ; u. A.: Die Innere Medizin. Referenzwerk für den Facharzt. Stuttgart 2007. S. 1355.

[21] Ebd. S. 1355.

[22] Antoinette, Stettler: Der ärztliche Pestbegriff in historischer Sicht. In: Gesnerus 36 (1979). S. 106f.

[23] Ebd. S. 129

[24] Albrecht, Burckhardt: Demographie und Epidemiologie der Stadt Basel während der letzten drei Jahrhunderte 1601 – 1900. Programm zur Rektoratsfeier der Universität Basel 1908. Basel 1908. S. 44f.

[25] StABS Bibl Bf I: Mandatensammlung. Vom 22.09.1610 ; 20.12.1628.

[26] StABS: Mandat vom 06.04.1636.

[27] Georg, Sticker: Abhandlungen aus der Seuchengeschichte. Bd. 1: Die Pest. Teil 2: Die Pest als Seuche und Plage in Gießen. Gießen 1910. S. 178.

[28] Felix, Platter: Beschreibung der Stadt Basel 1610 und Pestbericht 1610/11. Basel, Stuttgart 1989. S. 63.

[29] Ebd. S. 95.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Pest in den europäischen Städten. Seuchenbekämpfung in Basel ab 1582 und London ab 1665
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Geschichte verorten
Note
2.0
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V323396
ISBN (eBook)
9783668225213
ISBN (Buch)
9783668225220
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Hausarbeit, Basel, London, Pest, Frühe Neuzeit, Neuzeit
Arbeit zitieren
Tamara Micelli (Autor), 2015, Die Pest in den europäischen Städten. Seuchenbekämpfung in Basel ab 1582 und London ab 1665, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323396

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