Ist die Olympische Idee zur Friedenserziehung in der Schule geeignet?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

22 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Olympismus
2.1 Definition des Olympismus
2.2 Olympismus
2.3 Philosophischen Grundlagen des Olympismus nach Coubertin

3 Olympische Erziehung
3.1 Definition
3.2 Inhalt der Olympischen Erziehung
3.3 Eignet sich olympische Erziehung in der Schule?

4 Zusammenfassung

5 Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Hierarchische Struktur des Fairnessmotivs: Teilkonstrukte und Faktoren (Gabler, Mohr, 1996, S. 311).

Abbildung 2: Komponenten Olympischer Erziehung aus Sicht des NOK (Naul, Geßmann, Wick, 2008, S. 206).

1 Einleitung

Die Olympischen Spiele lösen wie keine andere sportliche Großveranstaltung weltweit eine unglaubliche Faszination aus. Viele Menschen sitzen während dieser Zeit wie gebannt vor ihrem Fernseher und sehen sich interessiert die sportlichen Wettkämpfe an. Dabei geht es dem Einen um die Rekorde, dem Anderen um das Kennenlernen neuer Disziplinen und dem Nächsten um die Atmosphäre und die Eigenheit der Olympischen Spiele selbst. Allen gemeinsam ist aber, dass sie interessiert bei der Sache sind. Olympia bewegt die ganze Welt. Keine andere sportliche Großveranstaltung erregt ein Interesse in diesem Ausmaß und fasziniert ein so großes Publikum. Die „Olympischen Spiele der Neuzeit“ sind aber nicht nur eine sportliche Großveranstaltung, sondern, wenn es nach ihrem Begründer geht, steckt dahinter auch eine pädagogische Idee, die einen erzieherischen Charakter beinhaltet. Gerade hier findet sich ein guter Ansatzpunkt für eine sinnvolle Verwendung der Olympischen Idee für pädagogische Zwecke. Auch scheint die Motivation bei Schülern während dieser Großveranstaltung scheinbar größer zu sein und jeder will mitreden können. Viele Schüler sind gewillt, sich selbst im Wettkampf herauszufordern, um das Erlebnis des Siegens oder Verlierens am eigenen Leib zu erfahren.

Wenn man die Verwendung der Olympischen Idee für den pädagogischen Zweck in Betracht zieht, drängt sich einem automatisch die Frage auf, ob sie, wie sie von Coubertin, dem Begründer der „Olympischen Spiele der Neuzeit“ entwickelt wurde, zur Friedenserziehung in der Schule geeignet ist? Sind Werte, Normen und der Erziehungsauftrag, den Coubertin einst forderte heute noch aktuell oder eventuell schon überholt?

Zur Beantwortung dieser Fragen ist es grundlegend erforderlich Coubertin`s Ideen kennenzulernen und mögliche Kriterien einer Olympischen Erziehung herauszuarbeiten.

Infolgedessen wird im ersten Teil der Arbeit genauer auf den Olympismus und seine Entstehung eingegangen. Darüber hinaus soll gezeigt werden, wie die „Olympischen Spiele der Neuzeit“ zustande kamen und was sie für Coubertin bedeuteten. Zudem sollen seine Forderungen und Absichten diese zu begründen, näher beleuchtet werden.

Im zweiten Teil der Arbeit wird dann spezifischer auf die olympische Erziehung eingegangen und nach möglichen Inhalten gesucht, die als Argumente für eine Friedenserziehung in der Schule dienen können.

2 Olympismus

2.1 Definition des Olympismus

Coubertin konnte keine eindeutige Definition für den Olympismus geben. Für ihn stellt der Olympismus die Gesamtheit der Werte dar, die über die Körperkraft hinaus entwickelt werden, wenn man Sport treibt.

„Der Olympismus vereinigt wie in einem Strahlenkranz alle jene Prinzipien, die zur Verbesserung des Menschen beitragen (Müller, 1998, S. 387).“

Olympismus ist daher auf alle ausgerichtet unabhängig von Alter, Beruf, Rasse, Nationalität oder Religion. Er vereint alle Menschen guten Willens (vgl. Müller, 1998, S. 387f).

2.2 Olympismus

Bevor mit dem Inhalt der Friedenserziehung und deren Forderungen begonnen wird, soll zuerst auf Coubertin eingegangen werden, dem das erzieherisch ausgerichtete Selbstverständnis des olympischen Sports letztlich zu verdanken ist.

Coubertin beabsichtigte in seinem Heimatland Frankreich eine Erziehungsreform durchzuführen. Dies ging mit dem Wunsch einher, das damals geschwächte Frankreich wiedererstarken zu lassen (vgl. Blödorn, 1980, S. 97f). Coubertin war davon überzeugt eine Neuorientierung nur über ein neues Erziehungs- und Bildungssystem zu erhalten. Auf seiner Reise nach England war er begeistert über die erzieherischen Methoden. Besonders beeindruckt war von Dr. Thomas Arnold:

„Da kam Thomas ARNOLD, der größte Erzieher der modernen Zeiten, der Mann, der mehr als jeder andere Engländer für den augenblicklichen Wohlstand und die bewundernswerte Expansion seines Landes verantwortlich zeichnet. Mit ihm findet der Athletismus Eingang in ein großes College und durchdringt es… und mit dem Tage, an dem die erste unter seinen Händen herangebildete Generation in die Welt hinaustrat, bekamen die Probleme des Britischen Weltreiches ein anderes Gesicht (Coubertin, 1967, S. 8).“

Nach seiner Rückkehr nach Frankreich setzte er sich für eine Einführung des modernen Sports im Schulalltag ein. Coubertin wollte aber nicht nur den Sport seiner Zeit reformieren, sondern er wollte diesen reformierten Sport auch als ethische Reform von Politik und Wirtschaft nutzen. Denn diesen traute er keine notwendigen Reformen zur Veränderung der Gesellschaft zu (vgl. Grupe, 2000, S. 170f).

Coubertin fragte sich seiner Zeit welche Zielsetzung der in England entstandenen Sports haben sollte. Seiner Meinung nach sollte er Erziehungsabsichten erfüllen, die man als Antwort auf die vorherrschenden politischen, ökonomischen und sozialen Probleme sehen konnte. Diesen Problemen wollte Coubertin durch Erziehungsreform Abhilfe leisten. Der englische Sport spielte für ihn eine wichtige Rolle, aber er wollte darüber hinausgehen, denn nach ihm sollte Sport nicht nur nach Nützlichkeit und Vergnügen streben, sondern aus ihm selbst erwachsenen Grundsätzen wie Fairness und Leistungssteigerung und dem Internationalismus heraus entstehen. Er ließ sich daher vom antiken Olympismus inspirieren, der Athletik und Denken, Körper und Geist einigte. Dieser sein neuer Sport sollte mit „olympisch“ als Beiname gekennzeichnet werden. Zur Umsetzung der Idee führte er dann die „Olympischen Spiele der Neuzeit“ ein. Diese finden alle vier Jahre statt und dürfen nur in Friedenszeiten ausgetragen werden. Nur so kann die Botschaft des Friedens und der gegenseitigen Achtung der Menschen in die Welt getragen werden (vgl. Grupe, K1108). Er sieht die olympische Spiele als:

„Symbol einer besseren Welt, eines Verständnisses der Sportjugend über Völker- und kulturgrenzen hinweg – weil die Werte und Ziele der Olympischen Bewegung sich wegen ihres allgemeinen funktionalen, humanitären und mit vielen Kulturen verträglichen Charakters zur Identifikation und Vereinigung einer internationalen und interkulturellen Bewegung besonders eignen (Lenk, 1980, S. 4).“

Coubertin traute den Olympischen Spielen eine besondere Rolle zu, denn sie schienen ihm bei dem fundamentalen Irrtum der europäischen Erziehung in den Schulen die Vermittlung von der Kenntnis über fremde Völker und Nationen entgegenzuwirken. Für ihn waren die an den Olympischen Spielen teilnehmende Athleten „Botschafter des Friedens“. Auch die Gründung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) 1894 geschah ganz im Sinne der internationalen Friedensbewegung (vgl. Meyer, 2009, S. 300f; Höfer, 1994, S. 51ff).

Für Coubertin stellte Sport in erster Linie ein Mittel zur Erziehung dar. Er betrachtete ihn jedoch nicht einzig als Mittel zur Körpererziehung, sondern als ein Erziehungsmittel des Menschen in seiner Gesamtheit, mit einer Akzentuierung der Charaktererziehung. Die Olympischen Spiele sollten dabei als Symbol und Beispiel dienen um die erzieherischen Ziele des Sports zu verbreiten und zu festigen (vgl. Schantz, 1996, S. 79).

„Demnach besteht das Ziel Olympischer Spiele und des olympischen Sports letztlich darin, Menschen in aller Welt, unabhängig von Rasse, Religion und Geschlecht, stark zu machen, sie zu fördern und zu unterstützen…“ (Krüger, M. 2004, S. 58).

2.3 Philosophischen Grundlagen des Olympismus nach Coubertin

Der neue Olympische Sport sollte also den Namen „olympisch“ erhalten, dieser stand nicht für das antike Olympia, sondern für ein neues Erziehungsprogramm das Coubertin ausgearbeitet hatte. Mit der, der moderne Olympische Sport auf eine moderne Welt eingestimmt werden sollte (vgl. Grupe, 2004, S. 39f).

Nach Coubertin ist das erste Merkmal des neuen und alten Olympismus, dass er eine Religion ist. Coubertin verweist hier auf die antiken kultischen Olympischen Spielen. Es gibt Rituale und bestimmte Zeremonien z.B. Fackellauf, Hymnen, Flaggen präsentieren… Der Olympismus lehrt eine ganzheitliche Erziehung. Die Sportler üben ihren Sport aus, indem sie eine universelle und umfassende Erziehungsidee erfüllen, mit dem Ziel der Demokratie und des Internationalismus. Die „religio athletae“ steht für die Erziehung eines jungen Menschen für die moderne Gesellschaft, man soll mit seinem Körper und seinen Gefühlen und Leidenschaften beherrscht umgehen können, wie dies auch im Wettkampf ist (vgl. Aigner, 1998, S. 395f).

Als zweites Merkmal bedeutet Olympismus „Adel und Auslese“. Damit ist gemeint, dass Jeder gleich ist und nur der siegen kann, der besser trainiert ist. Dies ist ein Bekenntnis zum Leistungs- und Rekordprinzip. Dabei ist die Gleichheit sehr wichtig, die immer wieder in dem Begriff der Fairness zum Ausdruck kommt (vgl. Aigner, 1998, S. 395f). Da die Fairness eine wichtige Instanz bildet, wird auf sie später noch gründlicher eingegangen.

Als drittes Merkmal gilt, dass die Olympischen Spiele alle vier Jahre abgehalten werden müssen, sie stellen das „Vierjahresfest des menschlichen Frühlings“ dar. Zudem dürfen die Spiele nur in Friedenszeiten abgehalten werden, wobei diese Einschränkung nicht selten ausgesetzt wurde (vgl. Aigner, 1998, S. 395f).

„Von den Völkern zu verlangen, sich gegenseitig zu lieben, ist eine Art Kinderei; sie auffordern, sich zu achten ist keine Utopie; aber um sich zu achten, muß man sich zunächst kennen (Coubertin, 1971, S. 53).“

Das vierte Merkmal ist der Einbezug von Kunst und Geist an den Spielen, also die Einbindung von Musik, Dichtung und Architektur als Rahmenveranstaltung (vgl. Aigner, 1998, S. 395f).

Die IOA (Internationale Olympische Akademie) beschreibt die Wiederbelebung der Olympischen Spiele als pädagogisches Projekt mit vier generellen Zielen:

- Förderung der Entwicklung der physischen und moralischen Qualitäten.
- Erziehung der jungen Leute durch Sport im Sinne eines besseren Verständnisses untereinander und von Freundschaft; dadurch entsteht die Möglichkeit, eine bessere und friedlichere Welt zu bilden.
- Durch die Verbreitung der olympischen Prinzipien, soll ein internationales Wohlwollen geschaffen werden.
- Zusammenbringen der Athleten der Welt im vierjährig stattfindenden Sportereignis, den Olympischen Spielen (vgl. IOA, 1993, S. 4).

3 Olympische Erziehung

3.1 Definition

Eine Definition von „olympischer Erziehung“ stellt in der Literatur ein Dauerproblem dar. Die Zielformulierung der olympischen Charta des IOC ist sehr allgemein formuliert:

„Ziel des Olympismus ist es, den Sport überall einer harmonischen Entwicklung des Menschen dienstbar zu machen, um so der Schaffung einer friedliebenden Gesellschaft förderlich zu sein, die sich der Bewahrung der Menschenwürde verpflichtet fühlt“ (NOK, 2002, S. 2).

Dieses Definitionsdilemma ist natürlich nicht sehr hilfreich, wenn man darüberhinaus eine olympische Erziehung fordert. Daher bekam die Allgemeingültigkeit der Definition immer wieder Kritik (vgl. Geßmann, 2004, S. 11ff).

Der Begriff der Olympischen Erziehung tritt erst in den 1970igern auf. Der Erzieher Coubertin wollte grundsätzlich eine Erziehungsreform in Frankreich, bei der der moderne Sport zu einem integralen Teil des Schulalltags werden sollte. Coubertin sprach damals von einer „sportlichen Erziehung“. 1918 forderte Coubertin, den Olympismus alle vier Jahre durch die Olympischen Spiele in die Welt zu bringen. Außerdem strebte er eine Olympische Erziehung, die beständig nebenher erfolgen sollte, an. In dieses Vorhaben invertierte er sehr viel, doch leider blieb der erhoffte Erfolg aus (vgl. Müller, 1998, S. 385-389).

3.2 Inhalt der Olympischen Erziehung

Nach GRUPE können fünf Merkmale einer olympischen Erziehung genannt werden, denen MÜLLER ein sechstes hinzugefügt hat. Diese sollen im Folgenden näher erläutert werden.

1. Die Vorstellung von einer harmonischen Ausbildung des ganzen Menschen, das Prinzip der Leib-Seele-Einheit.

Die Olympische Erziehung zielt auf „Harmonie“ des Menschen, nicht auf eine einseitige Ausbildung des menschlichen Körpers ab. Auch Coubertin sagt, dass Muskeltraining nicht zur Menschenbildung ausreicht. Das lebenslange Sporttreiben ist eine Ergänzung und Bereicherung um ein zufriedenes Ich-Gefühl zu entwickeln (vgl. Grupe, 2004, S. 40f; vgl. Müller, 1998, S. 391f).

2. Es geht um das Ziel der Selbstvollendung. Sportliche Aktivitäten sollen das Streben nach menschlicher Vollendung beinhalten, der Weg zu einem besseren Sport eignet sich hervorragend dazu seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen besser kennen zu lernen. (vgl. Grupe, 2004, S. 40ff).

„Sportliche Aktivitäten sollen das `Streben nach menschlicher Vollendung´ beinhalten; es gilt, im Sport `das Werk moralischer Vervollkommnung´ zu erfüllen, schreibt Coubertin. Bemühen um sportliches Können ist deshalb als Medium der Arbeit an sich, als Weg zu einem besseren Selbst anzusehen; letztlich ist die Formung des Charakters das Ziel des Sporttreibens“ (Grupe, 2000, S. 172).

3. Das Ideal des Amateurismus soll den Athleten davor schützen, dass er zu einem Zirkusgladiator verkommt. Coubertin wollte dass das materielle Gewinninteresse weder für den Athleten noch dem Sport zum bestimmenden Motiv wird (vgl. Grupe, 2004, S. 40ff). Amateurismus soll insgesamt einen Schutz des Sports vor dem Geist der Gewinnsucht darstellen. Coubertin wollte erreichen, dass das materielle Gewinninteresse weder für den Sport noch für den Sportler zum primären und alles beherrschenden Sinnmotiv des Sporttreibens wird (vgl. Grupe, 2000, S. 172f).

4. Bindung des Sports an ethische Regeln und Grundsätze, wie z.B. Fairplay und Chancengleichheit. Durch Regeln und Gerechtigkeit wird der sportliche Wettkampf erst möglich, da die konkurrierenden Athleten kontrolliert werden und es nicht zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Nach Coubertin erlernt man moralisches Verhalten nicht durch Belehrung, sondern durch Situationen im Sport, in denen man auf die Probe gestellt wird. So erwirbt man Fairness als stabile Eigenschaft durch Erlebnisse und Erfahrungen im und durch Sport. Wettkampforientierter Sport eignet sich hierfür besonders, da alle den Sieg wollen, aber nur einer ihn erringen kann (vgl. Grupe, 2004, S. 40ff). Infolgedessen wurde das olympische Versprechen eingeführt, dass jeder Athlet seit 1920 im Rahmen der Eröffnungsfeier gibt. Nach Lenk (1964, S. 92) spiegelt sich die Sportlichkeit gerade darin, wie eine Athlet einen Sieg oder eine Niederlage hinnimmt und die bessere Leistung des anderen anerkennt.

5. Die Friedensidee des Sports. Sie war für Coubertin zentral und in der damaligen Zeit angebracht, da die Friedensbewegung ein großes Thema war. Das Wettkampf- und Leistungsprinzip steht dem nicht gegenüber, sondern vielmehr in dessen Dienst. Denn es zeigt wie Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Religion…sich im sportlichen Wettkampf messen können, wenn sie sich akzeptieren und gerecht (fair) handeln (vgl. Grupe, 2004, S. 40ff). Lenk (1964, S. 60f) schreibt, dass Olympia die Rassenvorurteil schwächt und die Spiele dazu beitragen Rassenprobleme zu lösen. Coubertin strebte zum einen „Frieden auf Zeit“ an, der in Zusammenhang mit den Spielen steht, zum anderen aber wünschte er sich einen „wahrhaften Frieden“ durch den Sport und die Olympische Erziehung (vgl. Aigner, 1998, S. 396).

Die Einhaltung des vierjährigen Rhythmus der Olympischen Spiele war Coubertin sehr wichtig. Diese Veranstaltung geschieht zu Ehren des olympischen Heros, des jugendlich gereiften männlichen Einzelkämpfers, von dem die Zukunft und deren harmonische Verbindung mit der Vergangenheit abhängen (vgl. Coubertin, 1971 , S. 51f).

6. Die Förderung der emanzipatorischen Entwicklung im und durch den Sport. Der Einbezug beider Geschlechter ist heute ein wichtiger Aspekt (vgl. Müller, 1998, S. 393).

Mit diesen Olympischen Erziehungskriterien macht Coubertin einen eindeutigen Unterschied zur Antike. Dort war Gerechtigkeit und Fairness kein wichtiger Bestandteil des Olympismus. Daher ist der neue Olympismus geprägt von neuen Grundsätzen der Erziehung. Die Athleten sind für ihn die Botschafter der Olympischen Idee, die durch die Olympischen Spiele in die Welt hinausgetragen wird (vgl. Grupe, 2004, S. 42f).

3.3 Eignet sich olympische Erziehung in der Schule?

Wie in der Einleitung bereits erwähnt wurde, ist die Olympische Idee ist eine pädagogische Idee. Man handelt in bestimmten sozialen Kontexten und orientiert sich dabei an bestimmten Werten. Aber daraus resultiert noch keine positive pädagogische Wirkung. Diese kann erst dann erreicht werden, wenn der Sport zum Mittel für das Erreichen von bestimmtem moralischem Ziele wird. Daher stellen sich positive Effekte beim Sporttreiben nicht unbedingt ein, wie dies auch schon Coubertin so sah:

„Je nach dem Nutzen, den aus ihm zu ziehen weiß und je nach der Orientierung, die man ihm geben wird, wird der Sport gut oder schädlich sein…er kann ebenso gut zur Festigung des Friedens wie zur Vorbereitung des Krieges genutzt werden (Schantz, 1996, S. 78f).“

Nach Coubertin ist eine Erziehung, die über Unterweisungen und Belehrungen abläuft nicht ausreichend. Er fordert vielmehr, dass eine erfahrungs- und erlebnismäßige Verankerung in Handlungen gesucht wird. Das heißt, dass Situationen geschaffen werden, in denen soziales Handeln und Moral auf die Probe gestellt werden und sich die Kinder bewähren müssen. Dafür bietet der Sport besondere Anlässe und Momente. Es muss sich aber um Wettkampf handeln der mit moralischen Ansprüchen verbunden wird (vgl. Willimczik, 2004, S. 88f).

Auch Lenk (1964, S. 56) sieht in den Olympischen Spielen ein pädagogisches Motiv. Er schreibt, dass sie stark ausstrahlen und erzieherisch auf den Sport einwirken.

Wem an der Zukunft der Kinder, die erzogen werden, und damit an der Zukunft der Gesellschaft liegt, der ist gehalten, sich ganz dafür einzusetzen, dass diese Zukunft ermöglicht wird. Mit solchem Denken kann sich daher niemand der pädagogischen Verantwortung für den Frieden entziehen“ (Hiller-Ketterer, 1979, S. 18).

Geßmann (2004, S. 22-27) nennt weitere Gründe für eine Übernahme der Olympischen Erziehung in der Schule:

1. Olympische Spiele sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft, wenn sie stattfinden sind sie in aller Munde. Deshalb sollten sie auch in der Schule zum Thema werden. Dadurch macht der Schulsport deutlich, dass ihm nicht unwichtig ist, was im gesellschaftlichen Sport abläuft.
2. Weiter kommt es zu einer Auseinandersetzung der Schüler mit dem Wettkampfgedanken und der Leistungsbereitschaft, wie man sie bei Olympia erlebt. Gerade die Olympischen Spiele bieten sich auf diesem Feld gut an, da hier sportliches Können als etwas Spannungsvolles verstanden wird und dies mit einem positiven Sinngefüge verknüpfen will. Die Schüler sollen lernen sich ein Bild vom Leistungssport und seinen zahlreichen Facetten, wie Kommerzialisierung, Druck, Medien usw. zu machen, um für sich selbst eine Bewertung des Sports vornehmen zu können.
3. Im Schulsport soll durch vielfältige Möglichkeiten des Sporttreibens eine persönliche Sinnfindung für die außerschulische - möglichst lebenslang betriebene – eigene Praxis gefunden werden. Gerade deshalb sollten Schüler auch ein könnens- und leistungsorientiertes Modell erleben, erfahren und reflektieren, wie es die olympische Erziehung anbietet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Ist die Olympische Idee zur Friedenserziehung in der Schule geeignet?
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Ethik und Sport
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V323427
ISBN (eBook)
9783668224445
ISBN (Buch)
9783668224452
Dateigröße
1070 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Olympia, Frieden, Schule, Olympische Idee, Coubertin
Arbeit zitieren
Daniel Sigg (Autor), 2008, Ist die Olympische Idee zur Friedenserziehung in der Schule geeignet?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323427

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