Die Finanzkrise Griechenlands und deren Auswirkungen im soziologischen und gesundheitlichen Bereich


Hausarbeit, 2014
10 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Hintergrund: Entstehung der Krise

3 Soziologische Auswirkungen
3.1 Arbeitslosigkeit
3.2 Armut

4 Auswirkungen auf den Gesundheitssektor
4.1 Krankenhäuser und Apotheken
4.2 Finanzielle Belastung der Bevölkerung
4.3 Medizinische Versorgung
4.4 Psychische Gesundheit
4.5 Situation drogenabhängiger Menschen
4.6 Kindergesundheit

5 Diskussion und Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit die Finanzkrise Griechenlands an die Öffentlichkeit kam und bekannt wurde, dass die finanzielle Unterstützung anderer EU-Staaten notwendig für die Beendigung der Krise ist, gibt es nahezu jeden Tag neue Schlagzeilen über die „Pleite-Griechen“ und die Euro-Rettung. Die griechische Finanzkrise wird von den deutschen Medien analysiert und kommentiert, die Auswirkungen der Krise auf das Leben der Bevölkerung in Griechenland werden jedoch nur selten erwähnt.

Der Grund für die Wahl dieses Themas ist ein besonderes Interesse meinerseits, da ich im Jahr 2012 während eines dreimonatigen Aufenthaltes in Thessaloniki selbst miterleben konnte, wie deutlich sich die ökonomische und soziale Lage der Menschen verschlechtert hat.

In der folgenden Ausarbeitung wird zunächst ein Überblick darüber geschaffen, wie es zu der Krise kam und welche Maßnahmen zur Beendigung dieser geschaffen wurden. Anschließend werden die Entwicklung von Armut und Arbeitslosigkeit in Griechenland und deren Bezug auf die soziologische Entwicklung des Landes erläutert.

Der folgende Teil der Hausarbeit analysiert die Auswirkungen der Krise auf den Gesundheitssektor: anhand verschiedener Beispiele, unter Anderem die finanzielle Belastung für die Bevölkerung, die medizinische Versorgung und die psychische Gesundheit, werden gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung aufgezeigt.

2 Hintergrund: Entstehung der Krise

In der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde die Finanzkrise Griechenlands im April 2010, als dessen derzeitiger Finanzminister Papakonstantinou sich an die Euro-Gruppe wandte. In seinem Schreiben forderte Papakonstantinou die Aktivierung der EURO-Unterstützungs-mechanismen (Meyer 2012: 2). Diese Unterstützung wurde Griechenland daraufhin bereits im Mai 2010 in Form eines Hilfspakets in Höhe von 110 Milliarden Euro gewährt – die Auflage für die Gewährung der Finanzhilfe war eine strenge Sparpolitik seitens Griechenland (Illing 2013: 59). Die Unterstützung durch andere Länder war notwendig geworden, da Griechenland sich in den vorhergehenden Jahren durch eine geringe Wettbewerbsfähigkeit und ein zu hohes Wohlstandsniveau mit einem Betrag in Höhe von 125 % des Bruttoinlandsproduktes verschuldet hatte. Ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise im Jahr 2007 hatte sich die wirtschaftliche Situation Griechenlands in kurzer Zeit so stark verschlechtert, dass die Insolvenz des Landes kurz bevorstand (ebd.: 47).

Schon seit 2001, als Griechenland Mitglied im Euro-Währungsgebiet wurde, hatte das Land die Möglichkeit, Kredite zu günstigen Konditionen und mit geringen Zinsen zu bekommen. Das geliehene Geld wurde in den folgenden Jahren nicht für Investitionen genutzt, sondern es wurden Konsumausgaben getätigt; die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands blieb demnach gering und die Schulden stiegen weiter an. Trotz des bereits empfangenen Hilfspakets stufte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Landes im Dezember 2010 herunter (ebd.: 48ff), denn Griechenland befand sich nach einer nur kurz andauernden Verbesserung der Situation erneut nah an der Insolvenz (ebd.: 89).

Durch einen Schuldenschnitt bei privaten Gläubigern, also vor allem bei Banken wurden die Schulden Griechenlands von circa 350 Milliarden auf 243 Milliarden Euro reduziert (ebd.: 78). Dennoch war die Euro-Gruppe zunächst nicht bereit, Griechenland eine weitere Finanzhilfe zu gewähren, da im vorhergehenden Jahr die vorgeschriebenen Sparziele nicht erfüllt wurden – bedingt war dies teilweise durch den massiven Widerstand von Bevölkerung und Gewerkschaften (ebd.: 92). Im Juli 2011 wurde letztendlich doch ein weiteres Hilfspaket in Höhe von circa 145 Milliarden Euro vereinbart, verbunden mit einer Verlängerung der Laufzeit beider Kredite (ebd.: 75f).

Aufgrund der massiven Sparpolitik, die seit dem Beginn der Finanzkrise betrieben wurde, litt die griechische Bevölkerung unter umfassenden und zunehmenden Einschränkungen; diese werden in den folgenden Kapiteln erläutert.

3 Soziologische Auswirkungen

Da die Finanzkrise Griechenlands bis heute anhält und die Sparziele voraussichtlich auch längerfristig durchgesetzt werden müssen, um die Krise beenden zu können, wird weiterhin eine massive Sparpolitik betrieben. Aus den Sparmaßnahmen und der damit zusammenhängenden schlechten Wirtschaftslage folgte daher eine enorme Verschlechterung der Lebensbedingungen für die griechische Bevölkerung innerhalb weniger Jahre.

Die Einschränkungen für die Bevölkerung sind in vielen Bereichen zu finden: es fand beispielsweise eine Kürzung der Gehälter und der Renten statt, viele Arbeitsstellen wurden gestrichen und die Einkommensungleichheit wurde höher – zu diesen Aspekten gibt es allerdings wenig offizielle und wissenschaftlich belegte Zahlen. In diesem Kapitel wird deshalb lediglich die Entwicklung von Arbeitslosigkeit und Armut in der Bevölkerung beschrieben.

3.1 Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit in Griechenland ist von 8.5 % im Jahr 2007 auf 27.3 % im Jahr 2013 gestiegen (Eurostat, 2014). Der Anteil der Langzeitarbeitslosen stieg hierbei innerhalb von drei Jahren von 45 % auf fast 60 % (Koutsogeorgopoulou et al. 2014: 18).

Laut einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben besonders Arbeitslose ein hohes Risiko, in Armut zu geraten (OECD 2013: 40). Die Arbeitslosenhilfe in Griechenland ist im europäischen Vergleich gering, sie beträgt etwas über 50 % des vorherigen Gehaltes.

Die Anteil der Jugendarbeitslosigkeit stieg während der Krise noch stärker an: im Jahr 2007 betrug sie 27.1 %, im Jahr 2013 51.9 %, also fast das Doppelte (Eurostat 2014). Arbeitslosigkeit in jungem Alter kann gravierende negative Auswirkungen auf die Entwicklung eines Jugendlichen haben, da das Risiko der sozialen Ausgrenzung steigt und die Gefahr besteht, dass das Selbstwertgefühl sinkt (OECD 2013: 47). Die Folge der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland ist eine steigende Zahl von Auswanderern unter jungen Erwachsenen – diese Auswanderung sorgt wiederum für ein potenziell geringeres Wirtschaftswachstum in der Zukunft (OECD 2014: 2).

3.2 Armut

Seit Beginn der Krise hat sich die Armut in der Bevölkerung maßgeblich erhöht. Laut einem Bericht der OECD gaben im Jahr 2006 circa 9 % der Menschen an, nicht genügend Geld zu haben, um sich Nahrungsmittel zu kaufen. Diese Zahl hat sich bis zu den Jahren 2011/2012 auf rund 18 % verdoppelt (ebd.).

Auf die sozialen Belastungen, die durch die Krise entstanden, war Griechenland schlecht vorbereitet. Die Sozialausgaben waren gering und reduzierten die Armut innerhalb der Bevölkerung nur geringfügig: die 30 ärmsten Prozent der Bevölkerung erhielten lediglich die Hälfte der Sozialausgaben Griechenlands. Die Unterstützung für die besonders vulnerablen Gruppen, also die Jugendlichen / jungen Erwachsenen und die in Armut lebenden Familien, konnte nicht in allen Fällen geleistet werden (Koutsogeorgopoulou et al. 2014: 16f).

4 Auswirkungen auf den Gesundheitssektor

Aufgrund der Finanzkrise musste die griechische Regierung viele öffentliche Ausgaben reduzieren. Das Ausmaß der Kürzungen war im Gesundheitswesen besonders hoch, die Ausgaben mussten auf 6 % des Bruttoinlandsproduktes gekürzt werden. Aufgrund dieser Kürzungen sind die öffentlichen Ausgaben des Landes im Gesundheitsbereich niedriger als in allen anderen EU-Ländern, die vor 2004 Mitglied der EU waren (Kentikelenis et al. 2014: 748).

Die Folgen der Krise, welche durch Sparmaßnahmen, Arbeitslosigkeit und Armut entstanden sind, haben Kentikelenis et al. in einer 2014 veröffentlichten Studie mit dem Titel „Greece’s health crisis: from austerity to denialism“ untersucht; diese Studie dient als Grundlage für die folgenden Abschnitte.

4.1 Krankenhäuser und Apotheken

Das Budget öffentlicher Krankenhäuser wurde zwischen 2009 und 2011 um 26 % gekürzt. Laut Kentikelenis et al. können zwar noch keine direkten gesundheitlichen Auswirkungen dieser Kürzungen belegt werden, es lässt sich jedoch feststellen, dass die Arbeitslast der Krankenhausmitarbeiter gestiegen ist und auch die Wartezeiten für Patienten sich verlängert haben – diese Aspekte wirken sich indirekt auf die Gesundheit der Bevölkerung aus (Kentikelenis et al. 2014: 749).

Eine weitere Sparmaßnahme, die an die Finanzhilfe geknüpft war, ist die Kürzung staatlich finanzierter pharmazeutischer Ausgaben von 4.37 Milliarden (2010) auf 2 Milliarden im Jahr 2014. Dieses Geld soll teilweise bei Medikamenten eingespart werden: in Griechenland werden viele Markenmedikamente verschrieben, welche nun durch kostengünstigere Nachahmerprodukte ersetzt werden sollen. Seit der Ausgabenkürzung müssen zudem viele Patienten eine Vorauszahlung tätigen und bekommen den Medikamentenpreis erst im Nachhinein von der Versicherung erstattet. Durch die hohe Armut in der Bevölkerung sind viele Menschen zur Übernahme dieser Vorauszahlung finanziell nicht in der Lage und können somit die Medikamente nicht einnehmen (ebd.).

4.2 Finanzielle Belastung der Bevölkerung

Die Kosten, die die Bevölkerung für die Gesundheitsversorgung selber tragen muss, sind seit Beginn der Finanzkrise in vielen Bereichen gestiegen:

- Die Gebühr für Hausbesuche wurde von 3 auf 5 Euro angehoben.
- Zuzahlungen für Medikamente wurden um teilweise mehr als 10 % erhöht.
- Es wurde eine Rezeptgebühr von 1 Euro eingeführt.
- Eine neue Regelung, die besagt, dass für die stationäre Aufnahme in Krankenhäuser ein Betrag von 25 Euro bezahlt werden muss, wurde kurz nach der Einführung wieder zurückgezogen (ebd.).

4.3 Medizinische Versorgung

Eine weitere Auswirkung der Krise auf die Gesundheit der Bevölkerung ist die Abdeckung der Krankenversicherung. Diese ist in Griechenland an eine Arbeitsstelle gebunden und wird maximal bis zwei Jahre nach Verlust eines Jobs übernommen. Durch den hohen Anstieg der Arbeitslosigkeit ist auch die Zahl der Nicht-Versicherten gestiegen, schätzungsweise 800.000 Menschen bekommen weder Arbeitslosenhilfe noch sind sie krankenversichert (ebd.).

Der Zugang zu medizinischer Versorgung wurde von Kentikelenis et al. untersucht: Verglichen mit 2007 hat drei Jahre später eine höhere Anzahl an Menschen angegeben, medizinisch nicht ausreichend versorgt zu sein (Anstieg von 6.5 % auf 8.7% der Befragten). Besonders ältere Menschen gaben an, dass sich ihre Versorgung verschlechtert hat. Die Gründe hierfür sind zum Einen die gestiegenen Kosten für Zuzahlungen und Behandlungen, die nicht getragen werden können und zum Anderen die Kosten für den Weg zum Krankenhaus oder zum Arzt (ebd.).

Um die dringend benötigte Gesundheitsversorgung abzudecken, gründeten verschiedene Hilfsorganisationen Krankenhäuser, in denen kostenlos behandelt wird (ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die Finanzkrise Griechenlands und deren Auswirkungen im soziologischen und gesundheitlichen Bereich
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
10
Katalognummer
V323524
ISBN (eBook)
9783668226876
ISBN (Buch)
9783668226883
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
finanzkrise, griechenlands, auswirkungen, bereich
Arbeit zitieren
Beke Freyer (Autor), 2014, Die Finanzkrise Griechenlands und deren Auswirkungen im soziologischen und gesundheitlichen Bereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323524

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