Der Langarmkrebs Mecochirus aus dem Solnhofener Plattenkalk


Ausarbeitung, 2015

10 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Allgemeines

Trivialname

Der Fehler im Artnamen

Arten, Synonyme und Sexualdimorphismus

Spurentypen

Danksagung

Literatur

Über den Autor

Allgemeines

Der Langarmkrebs Mecochirus ist der wohl am häufigsten vorkommende Krebs in den Solnhofener Plattenkalken. Das auffälligste Merkmal ist das stark verlängerte erste Armpaar, so dass eine Bestimmung hier nicht schwerfällt. Obwohl der Krebs zu den Panzerkrebsen gezählt wird ist der Panzer gerade am Abdomen und Thorax sehr dünn, wodurch die Präparation dieser Krebse meist sehr schwer wenn nicht gar unmöglich ist. Es ist zu vermuten dass dieser Krebs ein Sedimentbewohner der angrenzen Schwamm- und Mikrobenriffe war. Neben Eryon und Mesolimulus ist er aber einer der wenigen Lebewesen welche im Sediment der Plattenkalke öfters auch Laufspuren hinterlassen hat.

Trivialname

Der Trivialname „Schnorrgackel“ dieses Krebses gibt uns einige Rätsel auf. Meistens beziehen sich Trivialnamen auf Eigenschaften des Tieres, oder des Steines in dem diese gefunden werden. Als Beispiel sei hier der „Mondfisch“ für Gyronchus (Aufgrund der runden Form) oder auch der „Stockkrebs“ für den Panzerkrebs Eryon (Da die Plattenkalke in sogenannten Stöcken abgebaut werden) genannt. Für den Namen „Schnorrgackel“ fehlen uns aber leider bisher sinnvolle Erklärungen, so dass man hier auf Spekulationen angewiesen ist. So könnte es z.B. gut sein das die typische Armhaltung als „bettelnd“ interpretiert wurde, und der Name so vom „Schnorren“ abgeleitet wurde. „Gockel“ oder „Gackel“ ist allerdings eher die Bezeichnung für einen Hahn, so dass der Zusammenhang („bettelnder Hahn“) hier unklar ist. Eine weitere Erklärung könnte eine Namensgebung nach LUDWIG FERDINAND SCHNORR VON CAROLSFELD (1788 - 1853) sein. Dieser war Maler, Radierer und Lithograph der deutschen Romantik, wenngleich es – mit Ausnahme der Lithographie- für einen weiteren Zusammenhang hier ebenfalls keinen Beleg gibt.

Der Fehler im Artnamen

SCHLOTHEIM benennt den Krebs in der Publikation „Die Petrefactenkunde auf dem jetzigen Standpunkte durch die Beschreibung seiner Sammlung versteinerter und fossiler Überreste des Thier- und Pflanzenreichs der Vorwelt erläutert. Gotha: Becker.“ aus dem Jahre 1820. Dort verwendet er noch den Gattungsnamen „ Macrourites “, Mecochirus wurde erst von GERMAR im Jahre 1827 eingeführt.

Die Beschreibung in SCHLOTHEIM (Seite 38) ist ziemlich dürftig (Abschrift aus dem Original im Auszug):

Macrourites longimanatus

Dem Cancerlongimanus und Mantis ähnlich, gleichfalls aus den Sohlenhofer Schiefern, woher sie so bekannt sind, daß sie keine nähere Beschreibung erfordern, wenn sie gleich nur selten darinn vorkommen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist allerdings der Hinweis dass der Macrourites longimanatus dem Cancer longimanus ähnlich ist. Wurde doch der Mecochirus longimanatus oft fälschlicherweise als Mecochirus longimanus bezeichnet. SCHLOTHEIM selber führt 1822 in dem Werk „Nachträge zur Petrefactenkunde, 1. Gotha: Becker“ auf Seite 20 aus (Abschrift aus dem Original im Auszug):

Hauptsächlich wünschenswerth würden nähere Aufklärungen über den sogenannten L o n g i m a n u s und über die S q u i l l e n a r t e n seyn, welche sich bisher lediglich in den Sohlenhofer, Pappenheimer und Eichstädter Schiefern aufgefunden haben weil vollständige und gut erhaltene Exemplare nur höchst selten zum Vorschein kommen müssen. Mir ist es wenigstens, ohngeachtet ich zehn hierher gehörige Exemplare besitze, nicht geglückt, dergleichen zu Gesichte zu bekommen oder für meine Sammlung zu erhalten, daher sich auch hierüber keine nähere Bestimmung beyfügen läßt. Nur so viel ergibt sich aus den vorliegenden Exemplaren, daß der angebliche Longimanus, wenn er gleich einige Aehnlichkeiten zeigt, auf keine Weise zum C a n c e r l o n g i m a n u s, und noch viel weniger zum C a n c e r m a n t i s gehört, wofür er gleichfalls ausgegeben worden ist, und daß er allerdings ein eigenthümliches, nicht mehr vorhandenes Geschöpf der Urwelt auszumachen scheint, das, vielleicht mit dem C a n c. t i p u l a r i u s zu ein und der nämlichen Art zu rechnen seyn möchte.

Auf Seite 33 der gleichen Publikation (Beschreibung des Cancer tipularius) findet sich dann die oben angesprochene Vermutung (Abschrift aus dem Original im Auszug):

Mehrere Umstände machen es übrigens nicht unwahrscheinlich, daß der bisher als besondere Art aufgeführte, und im Eingange dieses Aufsatzes berührte L o n g i m a n a t u s eigentlich nur ein verstümmeltes, schlecht erhaltenes Exemplar dieser Krebsart ist, und diese Vermuthung verdient bey zahlreichen Exemplaren eine fortgesetzte Prüfung und Vergleichung.

Auffällig hierbei ist dass selbst SCHLOTHEIM einmal von longimanus (oben) und einmal von longimanatus (unten) schreibt, ohne dass es ersichtlich ist auf welche Gattung und Art er sich bezieht. So ist es gut vorstellbar das dies die Ursache für den später öfters vorkommenden Fehler in der Benennung dieses Krebses ist, wie zum Beispiel in dem Werk „Palaeontologische Mittheilungen aus dem Museum des königl. bayer. Staates“ von OPPEL aus dem Jahre 1862 (Seite 82). So wird der Krebs dort als Mecochirus longimanus SCHLOTHEIM bezeichnet.

Ebenso findet sich diese falsche Bezeichnung in dem Buch von FRICKHINGER, K.A. (1994): Die Fossilien von Solnhofen auf den Seiten 122 - 124. Dies wurde allerdings bereits im Nachfolgeband (FRICKHINGER, K.A. (1999): Die Fossilien von Solnhofen 2) berichtigt.

Arten, Synonyme und Sexualdimorphismus

FRICKHINGER beschreibt im ersten Solnhofen Buch drei verschiedene Arten aus den Plattenkalken. Neben dem fälschlicherweise als Mecochirus longimanus bezeichneten M. longimanatus und dem Mecochirus brevimanus wird auch ein Mecochirus bajeri benannt. Ein Review von GARASSINO & SCHWEIGERT (2006) hat allerdings gezeigt das die Art M. bajeri nicht als eigenständig, sondern als ein Synonym für die Art M. longimanatus anzusehen ist. Es bleiben also zwei gültige Arten für Mecochirus aus den Solnhofener Plattenkalken. Diese zwei Arten unterscheiden sich darin das die Armlänge des ersten Beinpaares bei M. brevimanus wesentlich kürzer ist (Siehe Abb. 1 und 2). GARASSINO & SCHWEIGERT gehen nach Vergleich mit rezenten Krebsen davon aus dass diese zwei Arten einen Sexualdimorphismus repräsentieren, und die Art M. longimanatus die weibliche, die seltener vorkommende Art M. brevimanus die männliche Form darstellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der Langarmkrebs Mecochirus aus dem Solnhofener Plattenkalk
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V323553
ISBN (eBook)
9783668230118
ISBN (Buch)
9783668230125
Dateigröße
949 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Solnhofen, Schnorrgackel, Mecochirus, Fossilien, Plattenkalk
Arbeit zitieren
Martin Sauter (Autor), 2015, Der Langarmkrebs Mecochirus aus dem Solnhofener Plattenkalk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323553

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