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"Moolaadé". Eine Untersuchung der Erscheinungsformen und Arbeitsweisen eines archetypischen Wächters

Titel: "Moolaadé". Eine Untersuchung der Erscheinungsformen und Arbeitsweisen eines archetypischen Wächters

Studienarbeit , 2016 , 18 Seiten

Autor:in: Stefan Dworak (Autor:in)

Filmwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Auftreten, den Wirkungsweisen und den Räumen, in denen Wächter als Hüter einer Schwelle arbeiten. Das Hauptaugenmerk liegt mehr auf den verschiedenen Erscheinungsformen und Arbeitsweisen des Wächters, als auf der Schwelle und dem Raum selbst. Unterschieden wird die Wirkung auf physischer und metaphysischer oder psychologischer Ebene. Die Arbeitsweise und die Wirkungsebene des Wächters wird definiert und erläutert, sowie die Verwebungen der verschiedenen Ebenen auf denen der Wächter in Erscheinung tritt und arbeitet. Zugrundeliegende Modelle für die Betrachtungsweise der Wirkung des Wächters finden sich in Foucaults Schriften zum Strafsystem.

Zur Definition des Begriffs und der Aufgabe des Wächters wird auf die Interpretation der platonischen Vorstellung des Kriegers und Wächters nach Gadamer und den von Vogler definierten Archetypen der Heldenreise als Hüter der Schwelle zurückgegriffen. Auf Grundlage dieser Definitionen werden bestimmte Inhalte des Filmes „Moolaadé“ beschrieben und anhand von Beispielen und auf dramaturgischer und bildgestalterischer Ebene untersucht.

Der Film selbst behandelt ein spezifisches Übergangsritual und zeigt sich in seiner Dramaturgie als solches. Der Akt der Beschneidung der jungen Frauen gründet auf einem Initiationsritus. Eine Frau, die sich der Beschneidung, auch Salindé bezeichnet nicht unterzieht, wird im westafrikanischen Raum als Bilakoro bezeichnet und verliert als unreine Frau ihren Wert am Heiratsmarkt. Um die Welt der erwachsenen der Gesellschaft angehörigen Frau zu betreten, muss das Mädchen ihre Kindheit verlassen und durch eine Passage aus Schmerz und Leid gehen um einen Teil von sich an den Tod abzutreten, damit etwas neues geboren werden kann. Was in diesem Fall ihre Zugehörigkeit zur Gesellschaft als vollwertige Frau bedeutet.

Im Film „Moolaadè“ wird der Übergang zwischen zwei gesellschaftlichen Positionen der Frau thematisiert. Indem Collé sich als sichtbarer Teil eines Kollektivs von selbstbestimmten Frauen für das Ablassen von einer Leid schaffenden Tradition stellt, um die Versehrtheit sechs junger Mädchen zu schützen, betritt sie den Raum zwischen zwei Welten. Zwischen der Welt, in der die Tradition der gezwungenen Beschneidung lebt und der, in der diese Tradition stirbt und den Raum für eine neue selbstbestimmte Frau in der Gesellschaft freigibt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Das Übergangsritual, Rite of Passage

1.2 Der Wächter

1.2.1 Die Thesen das allgegenwärtigen Wächters

1.2.2 Hüter durch die Schwelle

1.2.3 Willkür und höhere Ordnung

2 Moolaadé – Der beschworene Wächter

2.1 Das Erwachen des Wächters

2.2 Die Wirkungsweise der Moolaadé

2.2.1 Die Physische Ebene

2.2.2 Die psychologische und die metaphysische Ebene

3 Erkenntnisse und Ausblicke

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Erscheinungsformen und Wirkungsweisen des archetypischen Wächters am Beispiel des Films Moolaadé. Dabei wird analysiert, wie durch die bewusste Definition von Schwellen und die Anwendung von Strafgewalt nach Modellen von Foucault, Gadamer und Vogler ein Schutzraum entsteht, der gesellschaftliche Konventionen infrage stellt.

  • Analyse archetypischer Wächterfunktionen in der Heldenreise
  • Untersuchung der filmischen Gestaltung von Schutzräumen
  • Anwendung der Foucault’schen Theorie der Strafgewalt auf filmische Narrative
  • Die Rolle der Moolaadé als spirituelles und physisches Schutzinstrument
  • Die Bedeutung der Schwelle für soziale Machtverhältnisse und Selbstbestimmung

Auszug aus dem Buch

2.1 Das Erwachen des Wächters

Während der Eröffnung des Filmes zeigt die fünfte Einstellung einen rundum von zueinander geöffneten Lehmhütten gesäumten Hof in dessen Zentrum neben den, in den folgenden Bildern etablierten Vorratskammern, ein fruchtbarer Baum wächst, dessen Größe die Hütten um ein mehrfaches überragt. Baum und Vorratskammern stehen im Zentrum des Bildes und bilden ein beinahe gleichschenkeliges Dreieck, was schon zu Beginn eine stark gestaltende Bildsprache einführt. An der Oberkante des Bildes bleibt über den Hütten Platz für fünf weitere Hütten im Hintergrund, die optisch weitaus weniger zueinander in Beziehung stehen als die Gebäude des Hofes im Zentrum. Hinter den Hütten erstrecken sich grüne von Baumen bewachsene Wiesen. Ein stark aufsichtiger sanfter autonomer Schwenk aus einer nicht definierten über den Hütten befindlicher Position verfolgt den Ring der Hütten und etabliert diesen Hof als rundum dichtes Konstrukt aus zusammengeschlossenen Gebäuden.

Zum Ende öffnet der Schwenk das Bild nach oben und gibt den Raum für den bis zum Himmel mit Bäumen gesäumten Horizont frei. Mit dieser in sich geschlossenen Gebäudevereinigung zeigt sich der zukünftige Schutzraum zum ersten mal. Die Größe dieses Raumes im Bezug zum bisher gezeigten Dorf lässt darauf schließen, dass die hier lebende Gemeinschaft durchaus ihren Raum im Einflussbereich des Dorfes einnimmt. Die Geschlossenheit stellt eine wichtige Eigenschaft dar, da die Schwelle, die den Schutzraum von der Außenwelt abgrenzt zu einem zentralen Ort der Geschichte heranwächst und die einzige Stelle bleibt, an der ein Eindringen in diesen Hof möglich ist. Die einander zugewandten Hütten sprechen für Zusammenhalt und Gemeinschaft. Die Schwelle selbst zeigt sich im Hintergrund gemeinsam mit Collé, der zweiten Frau von Cire Bathily, die in einer ebenen auf Augenhöhe befindlichen halbtotalen Einstellung im Vordergrund den Boden kehrt, was ihre Stellung als einfache Dorfbewohnerin markiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Wächter-Archetypen und die methodische Grundlage durch die Schriften von Foucault, Gadamer und Vogler.

2 Moolaadé – Der beschworene Wächter: Analyse der filmischen Umsetzung der Moolaadé als Schutzmechanismus sowie der physischen und psychologischen Wirkungsebenen auf die Gesellschaft.

3 Erkenntnisse und Ausblicke: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Bestätigung der These zur Anwendung von Strafgewalt sowie Ausblick auf weiterführende Forschungsfragen.

Schlüsselwörter

Moolaadé, Wächter, Schwelle, Heldenreise, Strafgewalt, Michel Foucault, Initiationsritus, Schutzraum, Bildsprache, Archetypus, Macht, Widerstand, Tradition, Kollektiv, Selbstbestimmung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Auftreten und die Wirkungsweise von Wächtern als Schwellenhüter unter Rückgriff auf medienwissenschaftliche und philosophische Theorien, illustriert am Beispiel des Films Moolaadé.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Definition von Räumen und Zuständen durch Wächter, die Anwendung von Macht und Kontrolle sowie die filmische Darstellung von sozialen Übergangsriten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Erscheinungsformen des Wächter-Archetypus zu definieren und zu prüfen, wie im Film Moolaadé eine "höhere Ordnung" durch die Markierung von Schwellen etabliert wird.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Es werden interpretative Modelle aus der Heldenreise (Vogler) mit Foucaults strafrechtstheoretischen Überlegungen verknüpft und auf dramaturgische sowie bildgestalterische Aspekte des Films angewandt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Schutzraums im Film, die Rolle der Frauen als Wächterinnen und die Wirksamkeit der Moolaadé auf verschiedenen Ebenen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Wächter-Archetypus, Schwellendefinition, Strafgewalt und kollektive Identität beschreiben.

Welche Rolle spielt das "Moolaadé"-Ritual konkret im Film?

Es dient als ritueller Schutzbann, der eine Schwelle markiert und unerwünschtes Eindringen in einen Schutzraum verhindert, wobei die Drohung mit "höherer Gewalt" als psychologischer Filter wirkt.

Warum spielt die Kameraarbeit bei der Darstellung der Schwelle eine wichtige Rolle?

Die Kameraführung, etwa durch Aufsichten oder die bewusste Platzierung von Objekten wie dem Vorratsspeicher oder dem Wollband, visualisiert die psychologische Barriere und verstärkt die Wahrnehmung des Schutzraums für den Zuschauer.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Moolaadé". Eine Untersuchung der Erscheinungsformen und Arbeitsweisen eines archetypischen Wächters
Autor
Stefan Dworak (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V323574
ISBN (eBook)
9783668309210
ISBN (Buch)
9783668309227
Sprache
Deutsch
Schlagworte
moolaadé eine untersuchung erscheinungsformen arbeitsweisen wächters
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefan Dworak (Autor:in), 2016, "Moolaadé". Eine Untersuchung der Erscheinungsformen und Arbeitsweisen eines archetypischen Wächters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323574
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  18  Seiten
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