Ziel dieser Arbeit ist es, anhand einer Supply Chain für Fast Moving Consumer Goods (FMCG) die Auswirkung des Nachfrageverhaltens eines Endkunden beim Logistikdienstleister (LDL) anhand eines Anwendungsbeispiels der Prozesskostenrechnung sichtbar zu machen. Unter Anwendung der Elemente der Prozesskostenrechnung werden die prozessualen Aufwände des Logistikbetriebes vor und nach einer Veränderung des Nachfrageverhaltens aufbereitet, um so eine Basis zur transparenten und wirtschaftlichen Leitung des Betriebes zu schaffen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Erfassung der leistungsmengeninduzierten (lmi) Prozesskosten, welche das Herzstück des Kontraktlogistik Dienstleisters sind.
Eine grundlegende Aufgabe der Logistik besteht heutzutage darin, gesamte Supply Chains zu gestalten, diese zu betreuen und im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) einer permanenten Rückkopplung zu unterziehen. So soll durch fortwährendes Lernen eine permanente Verbesserung durch Anpassung der Prozesse erzielt werden. Angestrebt wird der strategische Fit, der Punkt, an dem das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen für alle Beteiligten größtmöglich ist.
Der KVP führt mitunter dazu, dass Supply Chain Beteiligte interne Prozesse verändern, ohne diese mit anderen Netzwerkbeteiligten abzustimmen. Kleine „interne Veränderungen“ können in diesem Zuge durch den „Bullwhip-Effekt“ ungeahnte Auswirkungen aufbauen. Diese Auswirkungen können zu einer negativen Veränderung der Prozesse bzw. der benötigen Ressourcen der Supply Chain Akteure führen. Dies hat unter Umständen einen Anstieg der Gemein- oder Prozess Einzelkosten zur Folge, welche nicht verursachungsgerecht erfasst und verbucht werden können. Die traditionelle Kostenstellenrechnung gerät hier schnell an ihre Grenzen. Betriebliche Kostenrechner und Controller haben seitens der Wirtschaft die mangelnde Transparenz steigender Kosten als Anlass gesehen, nach neuen Wegen der Kostenrechnung zu suchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung / Ziel dieser Arbeit
1.1. Problemstellung
1.2. Ziel dieser Arbeit
2. Begriffliche Grundlagen
2.1. Prozesse
2.2. Prozesskostenrechnung
2.3. Logistik
2.4. Nachfrageverhalten
3. Das Nachfrageverhalten in der Kontraktlogistik und dessen Auswirkung
3.1. Das Nachfrageverhalten als wesentlicher Faktor in der Preisfindung
3.2. Veränderungen im Nachfrageverhalten
3.3. Ausgangssituation Logistikprozess, Szenario A
3.4. Veränderung des Bestell- /Nachfrageverhalten, Szenario B
3.5. Pauschal betrachtete Auswirkung
4. Bewertungsansatz: Die Prozesskostenrechnung
4.1. Die Prozesskostenrechnung als Instrument
4.2. Aufbau einer Prozesskostenrechnung
4.3. Phase 1, Aufnahme der Ist-Prozesse
4.4. Phase 2, Ermittlung der Kostentreiber
4.5. Phase 3, Zusammenfassung der Teil- in Hauptprozesse
4.6. Phase 4, Berechnung der Prozesskosten und Kostensätze
5. Anwendung der Prozesskostenrechnung
5.1. Die Ist-Analyse
5.2. Ermittlung der Kostentreiber
5.3. Zusammenfassung der Teil- in Hauptprozesse
5.4. Berechnung der Prozesskosten, Modellerstellung
5.5. Prozesskosten Szenario A
5.6. Prozesskosten Szenario B
5.7. Ergebnisbetrachtung
6. Ergebnisdiskussion
6.1. Auswirkung beim Empfänger (Einzelhandel)
6.2. Auswirkung beim Logistikdienstleister
6.3. Auswirkung beim Kunden (Hersteller/Lieferant)
7. Positive Effekte der PKR
7.1. Allokationseffekt
7.2. Komplexitätseffekt
7.3. Degressionseffekt
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die Auswirkungen von Veränderungen des Nachfrageverhaltens eines Endkunden auf die Prozesskosten eines Logistikdienstleisters am Beispiel einer FMCG-Supply-Chain aufzuzeigen, um eine Basis für eine transparente und wirtschaftliche Unternehmensführung zu schaffen.
- Grundlagen der Prozesskostenrechnung in der Logistik
- Analyse des Einflusses von Bestellintervalländerungen
- Methodik zur Erfassung von Teilprozessen und Kostentreibern
- Vergleich von Szenarien zur Prozesskostenentwicklung
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für das Controlling
Auszug aus dem Buch
3.1. Das Nachfrageverhalten als wesentlicher Faktor in der Preisfindung
Das Nachfrageverhalten ist von großer Bedeutung für die Wirtschaft, da daraus Prognosen erstellt werden können, welche wiederum als Basis zur Angebotserstellung seitens der Logistikdienstleister dienen. Einflussfaktoren für Prognosen sind im Regelfall die Datenbasis der Vergangenheitswerte, sowie Einschätzungen der Fachbereiche mit Zuhilfenahme von Prognoseverfahren und Aussagen der Verbraucher. Mit einer soliden Grundlage ist es möglich Mischkalkulationen und Angebote für die Leistungserbringung des LDL zu erstellen, welche ein stabiles und einkalkuliertes Nachfrageverhalten berücksichtigen.
In der Speditions- und Logistikbranche ist es ferner ein gängiges und vom Versender gewünschtes Vorhaben auf Basis der versendeten Tonnage abrechnen zu können. Vor dem Hintergrund, dass die Aufwände fest an die Tonnage gekoppelt sind und der „Versender“ Logistikkosten bei steigenden Absätzen selbst unproblematisch berechnen kann, liegt hier vermeintlich ein Vorteil durch transparente Rechnungsstellung vor.
Solche in der Realität angewandte Abrechnungsmodelle bedürfen permanenter und kritischer Kontrolle. Die auf der Basis der Prognosen und in Abstimmung der Beteiligten vereinbarten Konditionen sind nur so lange tragbar, wie die Datenbasis bestand hat. Eine jede Veränderung dieses Modells kann sich auf die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse auswirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung / Ziel dieser Arbeit: Einführung in die Thematik der Supply-Chain-Optimierung und Zielsetzung zur Transparenzsteigerung durch Prozesskostenrechnung.
2. Begriffliche Grundlagen: Definition zentraler Begriffe wie Prozesse, Prozesskostenrechnung, Logistik und Nachfrageverhalten.
3. Das Nachfrageverhalten in der Kontraktlogistik und dessen Auswirkung: Analyse der Preisfindung und Auswirkungen von Bestellintervalländerungen auf die Logistikprozesse.
4. Bewertungsansatz: Die Prozesskostenrechnung: Darstellung des Instruments der Prozesskostenrechnung sowie dessen vier operative Phasen.
5. Anwendung der Prozesskostenrechnung: Praktische Anwendung der Methode durch Ist-Analyse, Ermittlung von Kostentreibern und Vergleich zweier Szenarien.
6. Ergebnisdiskussion: Analyse der Auswirkungen auf verschiedene Akteure in der Supply Chain.
7. Positive Effekte der PKR: Erläuterung der Vorteile wie Allokations-, Komplexitäts- und Degressionseffekte.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Notwendigkeit einer verursachungsgerechten Kostenzuordnung.
Schlüsselwörter
Prozesskostenrechnung, Logistikmanagement, Supply Chain, Nachfrageverhalten, Kostentreiber, Kontraktlogistik, Kostenstellenrechnung, Gemeinkosten, Warenkommissionierung, Bestellintervall, Transparenz, Wirtschaftlichkeit, Prozessoptimierung, Leistungsmengeninduziert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Nachfrageverhaltens auf die Prozesskosten in der Kontraktlogistik und zeigt auf, wie durch eine Prozesskostenrechnung Transparenz geschaffen werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Logistikprozesse, die methodische Anwendung der Prozesskostenrechnung und die betriebswirtschaftliche Bewertung von Änderungen im Bestellverhalten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, anhand eines Praxisbeispiels aufzuzeigen, wie sich Änderungen im Nachfrageverhalten eines Endkunden auf die Kostenstruktur eines Logistikdienstleisters auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Prozesskostenrechnung, inklusive der Ist-Prozessaufnahme, Ermittlung von Kostentreibern und Szenarienvergleich.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die methodische Erfassung der Prozesskosten und die praktische Anwendung der Kalkulation in zwei verschiedenen Szenarien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Prozesskostenrechnung, Kostentreiber, Kontraktlogistik, Nachfrageverhalten und Supply Chain Management.
Wie wirkt sich eine Frequenzerhöhung der Bestellungen auf den Logistikdienstleister aus?
Bei gleichbleibender Tonnage führt eine höhere Bestellfrequenz zu steigenden Gemeinkosten und Personaleinsatzzeiten, was den Betrieb ohne angepasste Abrechnungsmodelle unwirtschaftlich machen kann.
Warum ist die traditionelle Kostenstellenrechnung hier oft unzureichend?
Sie bietet laut Autor nicht die nötige Transparenz, um veränderte prozessuale Aufwände verursachungsgerecht aufzudecken, was die Prozesskostenrechnung als präziseres Instrument auszeichnet.
- Arbeit zitieren
- Oliver Thomas (Autor:in), 2015, Das Einsatzpotential der Prozesskostenrechnung in der Logistik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323624