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Sinn im Unsinn? Der Leich IV des Tannhäusers und seine kommunikative Funktion

Title: Sinn im Unsinn? Der Leich IV des Tannhäusers und seine kommunikative Funktion

Term Paper (Advanced seminar) , 2016 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Niklas Kunstleben (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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„Der Tannhäuser, ein ‚Postmodernist‘ des 13. Jahrhunderts?“ Auch wenn Zuschreibungen zu dieser diffusen Epoche zur Farce avancieren, deutet Jürgen Kühnels zuletzt unbeantwortete Frage auf einen Wandel in der Rezeption des Tannhäusers hin. Viele Jahre als uninspirierter Minnesänger abgetan, erlebte sein Oeuvre eine Revision, die Bewertung seiner lyrischen Qualität eine Expansion. So beweist die neue Forschung seine literarische Legitimität – die Daseinsberechtigung eines Tannhäusers abseits der gleichnamigen Legende.

Diese Arbeit reiht sich in diesen Diskurs ein und zeigt anhand einer Untersuchung des Leich IV die literarischen Dimensionen der Tannhäuser-Dichtung auf. Dabei wird auf Grundlage der Thesen von Claudia Händl und Thomas Cramer versucht, dem ersten „Nonsens-Gedicht“ der deutschen Literatur einen kommunikativen Sinn zuzuschreiben.

Kapitel 2.1 schafft zunächst ein Grundlagenwissen über den historischen Tannhäuser. Diese Ausführungen stützen sich dabei auf die Thesen von Johannes Siebert – wobei sein Biographie-Versuch methodische Kritik zulässt und viele Eckdaten nicht wissenschaftlich bewiesen sind. Trotzdem soll eine verkürzte Darstellung seiner Hauptthesen zur Einleitung und zum Verständnis der folgenden Untersuchung dienen. Dabei gibt Kapitel 2.2 zunächst einen groben Überblick über das Oeuvre sowie die Rezeption des Tannhäuser. Kapitel 3. versucht eine definitorische Grundlage des ‚Leich‘-Begriffs zu geben, dieser wird dabei explizit auf den Tanzleich, wie wir ihn beim Tannhäuser finden, ausgerichtet. Mit Kapitel 3.1 beginnt die Untersuchung des Leich IV, zunächst mit einem Fokus auf die Thesen von Händl: Hier steht das vorgestellte fröide-Konzept im Zentrum der Analyse. Kapitel 3.2 erweitert daraufhin die interpretatorische Dimension um die Überlegungen von Cramer, die eine Sprachkritik im Text vermuten. Im Fazit werden die Ergebnisse zusammengefasst und resümiert, inwieweit der Leich IV trotz unterstelltem Unsinn doch kommunikativen Sinn besitzt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tannhäuser

2.1 Tannhäuser: Leben

2.2 Tannhäuser: Wirken und Rezeption

3. Leich IV: ‚Leich‘-Begriff

3.1 Leich IV: Aktualisierung des fröide-Konzepts

3.2 Leich IV: Kritik an der Sprache

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die kommunikative Funktion des Leich IV des Minnesängers Tannhäuser und analysiert, inwiefern der darin enthaltene „Unsinn“ als eine durchdachte künstlerische Montagetechnik zu verstehen ist, die traditionelle Minnewerte reflektiert.

  • Biographische Rekonstruktion und Rezeption des Tannhäuser
  • Definitionsversuch der Gattung „Leich“ im Vergleich zum Minnelied
  • Analyse des fröide-Konzepts und dessen Aktualisierung im Leich IV
  • Sprachkritik und Metakritik in der mittelalterlichen Dichtung
  • Die Rolle der Unterhaltung und Interaktion in der Tanzdichtung

Auszug aus dem Buch

3.1 Leich IV: Aktualisierung des fröide-Konzepts

Ich lobe ein wîp, diu ist noch bezzer danne guot, sist schœne und ist schœner vil und hôchgemuot, si hât vor allen valschen dingen sich behuot; ich gehôrte nie wîp sô wol geloben, als man si tuot.

Der erste Versikel entspricht dem konventionellen Einstieg in einen Frauenpreis: Die höfischen Werte der Umworbenen werden hervorgehoben („guot“, „schœner“, „hôchgemuot“). Der Zuspruch der Gesellschaft („als man“) verspricht hier, je nach Lesart, die Objektivität dieser Beschreibung („alle loben sie in dem Maße“), oder deutet auf eine Profilierung des Ichs hin („niemand außer mir lobte sie so prunkvoll“). Beide Varianten stellen dabei den gewohnten Überbietungstopos in den nächsten Strophen in Erwartung – diese wird darauf hin allerdings systematisch gebrochen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Tannhäuser als Dichter des 13. Jahrhunderts vor und definiert das Ziel, seinem „Nonsens-Gedicht“ einen kommunikativen Sinn abzugewinnen.

2. Tannhäuser: Dieses Kapitel erörtert die historische Rekonstruktion des Dichters anhand von Urkunden und dessen Werk sowie die wissenschaftliche Rezeption.

2.1 Tannhäuser: Leben: Es werden biographische Eckdaten, wie die mögliche Herkunft und die Teilnahme am fünften Kreuzzug, kritisch beleuchtet.

2.2 Tannhäuser: Wirken und Rezeption: Hier erfolgt ein Überblick über das überlieferte Oeuvre und die wechselvolle wissenschaftliche Bewertung des Dichters.

3. Leich IV: ‚Leich‘-Begriff: Dieser Abschnitt versucht eine definitorische Abgrenzung der Gattung „Leich“ vom klassischen Minnelied.

3.1 Leich IV: Aktualisierung des fröide-Konzepts: Die Untersuchung zeigt auf, wie Tannhäuser das höfische Konzept der Freude durch die Tanzsituation aktualisiert und als Unterhaltung neu definiert.

3.2 Leich IV: Kritik an der Sprache: Das Kapitel analysiert das Bild des zerbrochenen Fiedelbogens als metakritische Aussage über die Sinnvermittlung durch die höfische Sprache.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der „Unsinn“ im Leich IV eine funktionale Montagetechnik zur Reflexion literarischer Traditionen darstellt.

Schlüsselwörter

Tannhäuser, Leich IV, Minnesang, fröide, Literaturwissenschaft, Mittelalter, Sprachkritik, Tanzdichtung, nonsens, Kommunikation, höfische Dichtung, Unterhaltung, Rezeptionsgeschichte, Epik, Metrik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Leich IV von Tannhäuser und hinterfragt, wie das als „Nonsens“ bezeichnete Werk eine kommunikative Funktion erfüllen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Gattung des Leich, das ritterliche Rollenspiel, die Entwicklung des fröide-Konzepts und die Kritik an der höfischen Sprache.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, dem ersten „Nonsens-Gedicht“ der deutschen Literatur auf Basis der Thesen von Händl und Cramer einen tieferen kommunikativen Sinn zuzuschreiben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten und setzt sich kritisch mit der Sekundärliteratur zur mittelalterlichen Lyrik auseinander.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die biographische Einordnung des Tannhäuser, die Gattungsbestimmung des Leichs sowie eine detaillierte Analyse von Leich IV hinsichtlich seiner Struktur und Metakritik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Tannhäuser, Leich IV, fröide, Sprachkritik und höfische Minnedichtung charakterisieren.

Welche Bedeutung hat das fröide-Konzept für den Leich IV?

Im Leich IV wird das abstrakte höfische Freude-Konzept durch eine konkrete Tanzsituation ersetzt, wodurch die Unterhaltung in den Mittelpunkt rückt.

Warum zerbricht laut der Analyse der „Fiedelbogen“ im Leich?

Das Zerbrechen des Fiedelbogens wird als Metakritik gedeutet, die die Unfähigkeit der traditionellen höfischen Sprache verdeutlicht, noch eine sinnvolle Aussage zu treffen.

Wie unterscheidet sich Tannhäusers Rollenverständnis von dem klassischer Minnesänger?

Tannhäuser agiert stärker als „Tanzmeister“, der das Publikum direkt in eine gemeinschaftliche Tanzsituation einbindet, statt nur ein idealisiertes, abstraktes Minne-Rollenspiel zu bedienen.

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Details

Title
Sinn im Unsinn? Der Leich IV des Tannhäusers und seine kommunikative Funktion
College
RWTH Aachen University  (Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft)
Course
Hauptseminar: 'ich wil singen aber als ê': Mhd. Lyrik von ihren 'Anfängen' bis zum späten Mittelalter
Grade
1,0
Author
Niklas Kunstleben (Author)
Publication Year
2016
Pages
22
Catalog Number
V323658
ISBN (eBook)
9783668227910
ISBN (Book)
9783668227927
Language
German
Tags
Tannhäuser Leich IV Leich Liechdichtung Cramer Händl
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Niklas Kunstleben (Author), 2016, Sinn im Unsinn? Der Leich IV des Tannhäusers und seine kommunikative Funktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323658
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