Der erste Eindruck zählt? Über die Funktionsweise sozialer Wahrnehmung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Grundlage
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

2 Funktionsweise der Wahrnehmung

3 Verzerrung und Einflüsse der Wahrnehmung

4 Emotionen und nonverbale Kommunikation

5 Die Bildung und Beeinflussung von Eindrücken

6 Implizite Persönlichkeitstheorien

7 Attributionstheorien

8 Kovariationstheorie

9 Selbstwirksamkeit, Einstellungen und Vorurteile

10 FAZIT

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Grundlage

Das Wesen bzw. die Persönlichkeit unseres Gegenübers lässt sich nicht anhand ei- ner einzelne Impression erfahren, hierfür bedarf es einer Vielzahl weitere Eindrü- cke, die größten Teils unbewusst in uns verarbeitet werden. Wer kennt nicht das Gefühl auf Anhieb Sympathie für eine fremde Person zu empfinden? Umgekehrt gibt es auch Situationen, in denen wir regelrecht Abneigung einem anderen gegen- über verspüren ohne einen rationalen Grund für unsere Gemütsregung zu erkennen. Hierbei lässt es sich schon erahnen, dass die Mechanismen wie wir jemanden wahr- nehmen vielsichtiger und komplexer sind als angenommen. Wahrnehmung be- stimmt im Wesentlichen das menschliche Verhalten und hängt davon ab, wie das Individuum seine umgebende Welt interpretiert. Menschen leben in immer größer werdenden Gesellschaften, welche sich auch kulturübergreifend immer weiter ver- mischen, umso wichtiger ist das Verständnis für seine Mitmenschen. Der Prozess, durch den Menschen das Verhalten ihrer Mitmenschen verstehen und zuordnen können, wird als soziale Wahrnehmung bezeichnet. Hierzu zählt besonders der Ersteindruck von seinem Gegenüber. Aber was genau passiert in diesem kurzen Vorgang und gibt es für diesen ersten Eindruck eine zweite Chance? Ist dieser Ein- druck begrenzt oder kann er sogar verzerrt werden? Und ist der Ersteindruck bei jeder Kultur, Gattung und Spezies gleich? Diese Fragen sollen zum Anlass genom- men werden zu untersuchen ob sich soziale Wahrnehmung genauso einfach und schnell erklären lässt wie sie unbewusst abläuft.

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

Um zu verstehen wie soziale Wahrnehmung funktioniert, muss zuerst der generelle Prozess dahinter verstanden werden sowie die Verzerrungen und Einflüsse der Wahrnehmung. Wenn wir einen anderen Menschen wahrgenommen haben, heißt es aber noch lange nicht, dass wir diesen auch verstehen oder seine Handlungen kennen. Wir benötigen also weitaus mehr Informationen um uns ein ganzes Bild von unserem Gegenüber zu verschaffen, dazu zählen Emotionen und nonverbale Kommunikation genauso wie eigene auf Erfahrungswerte aufgebaute Schemata, um seine Mitmenschen mental einsortieren zu können. Die Informationsverarbei- tung, welche durch die impliziten Persönlichkeitstheorien und Attributionstheorien beeinflusst wird, werden genauso untersucht, wie die darauf aufbauenden eigenen Schlussfolgerungen welche durch Selbstwirksamkeit, Einstellungen und Vorurteile verzerrt werden. Des Weiteren wie wir dafür sorgen, dass sich die Welt manchmal so verhält wie wir es erwarten. Zum Schluss folgt ein Fazit zu den gewonnen Er- kenntnissen.

2 Funktionsweise der Wahrnehmung

Wahrnehmung ist ein Prozess welcher aus drei Stufen besteht. Die sensorische Stufe, welche auch als Empfindungen bezeichnet wird, in denen Reize über die Sin- nesorgane aufgenommen und weiter verarbeitet werden. Der perzeptuellen Stufe (entdecken und erfassen), in der die Empfindungen organisiert werden, so dass eine Gestalt, also etwas Ganzes entsteht. Die Stufe der Identifikation und des Wiederer- kennens, in der die zu einer Gestalt geformten Empfindungen mit Gedächtnisreprä- sentationen verglichen werden, um als vertraute und bedeutungsvolle Objekte er- kannt zu werden. Dieser Prozess der Wahrnehmung folgt einander in ununterbro- chener Reihenfolge, allerdings kann immer nur eine auf einmal bewusst erfahren werden, so dass unsere Aufmerksamkeit selektiv ist (Zimbardo et al., 2008, S.157; Myers, 2008, S.258). Allerdings ist durch die Tendenz, visuelle Faktoren zu ganzen Formen zusammenzusetzen, das Ganze mehr als die Summe seiner Teile (Myers, 2008, S.264). Ansonsten wäre ein Baum primär Wurzel, Stamm, Ast und Blatt. Das bedeutet, dass wir unser Bewusstsein in jedem Moment immer nur auf einen sehr begrenzten Aspekt von all dem richten, was wir erleben (Myers, 2008, S.259). Aus allen Daten werden diejenigen gefiltert, die wir für das Überleben benötigen. Wahr- nehmung geschieht nach Gattung, es kann nur das wahrgenommen werden was die Sinnesorgane aufnehmen können und ist demnach begrenzt. So kann ein Mensch nur einen bestimmten Frequenzbereich hören, und eine Katze einen größeren. Auf- grund der schlechteren Augen und des viel besseren Geruchssinnes eines Hundes gegenüber des gegenteiligen Verhältnisses eines Menschen, wird für den Hund ein Baum eher ein Geruchskomplex darstellen. Jedes Sinnesorgan einer Gattung hat zwar theoretisch die gleiche Grundvoraussetzung, jedoch kann durch Krankheit, Verletzung und Verschleiß die Leistung der Reizaufnahme unterschiedlich nachlassen. Wahrnehmung ist somit eine Gattungsabhängige Interpretation, bei der innerhalb einer Gattung bereits Feinheiten in der Wahrnehmung existieren. Statistisch ist die Wahrnehmung generell bei Weibchen anders als bei Männchen.

3 Verzerrung und Einflüsse der Wahrnehmung

Da jeder Beobachter in jede Beobachtung seinen subjektiven Blickwinkel, wie Vor- urteile und Erwartungen, mit einbringt, kann es zu starken Wahrnehmungsverzer- rungen kommen. So können verschiedene Menschen die gleichen Ereignisse be- obachten, diese jedoch unterschiedlich sehen. Unsere Erfahrungen, Annahmen und Erwartungen können uns ein Wahrnehmungsset oder eine mentale Prädisposition vorgeben, die das, was wir sehen, entscheidend beeinflusst. Haben wir uns erst ein- mal eine falsche Vorstellung von der Wirklichkeit gemacht, dann fällt es uns schwer, die Wahrheit zu sehen (Myers, 2008, S.278). Psychologische Studien bele- gen was einige von uns bereits schon vermutet hatten, so bekommen z.B. attrakti- vere Babys bei der Kindererziehung mehr Aufmerksamkeit geschenkt, was wieder- rum bewirkt, dass Kinder sich genauso verhalten wie das auf sie projizierte Label. Wenn ein kleines Mädchen von seinen Eltern immer als niedlich gehalten und auch so in jeder Situation behandelt wird, dann hat das Mädchen keine andere Wahl als sich wie ihr Label zu verhalten, da sie ihren Eltern gefallen möchte. Dadurch wer- den die Eltern natürlich wieder bestärkt das Label für ihre Tochter aufrecht zu er- halten. Auch bei der Personalauswahl wird die äußerliche Erscheinung meist über die beruflichen Qualifikationen gestellt und in der amerikanischen Justiz werden attraktive Menschen sogar nachweislich weniger hart bestraft (Schneider et al., 1977). Aber nicht nur die Attraktivität nimmt Einfluss auf die Sympathie seines Gegenübers, sondern auch die Ähnlichkeit zu einem selbst, denn wenn einem die Tendenzen seines Gegenübers in irgendeiner Weise als ähnlich empfunden werden, so wird diese Person auch eher ins positive Licht gerückt. Die Vertrautheit zu Men- schen, wie der eigene Nachbar, den immer gleichen Mitfahrer im Bus oder den Mitstudenten auf dem Uni-Campus, welche sich immer wieder über den Weg lau- fen, zählt auch zur positiven Sympathie Bildung. Als letzten Punkt sei noch die Assoziation mit etwas positivem beim Gegenüber zu nennen, z.B. die als schön empfundene Halskette oder ein Kleidungsstück, was einen Menschen sympathischer macht. Obwohl wir wissen, dass man nicht nach dem äußeren Anschein urteilen sollte, ist diese leicht erhältliche Information entscheidend für den ersten Eindruck. So beeinflussen körperliche Eigenschaften, wie man Menschen beurteilt (Aronson et al., 2008, S.92, zit. n. Hatfield & Sprecher, 1968). Selbstverständlich hat die verbale Kommunikation ebenfalls einen starken Einfluss.

4 Emotionen und nonverbale Kommunikation

Die meisten Informationen von unserem Gegenüber bekommen wir bereits ganz ohne Sprache. Nonverbale Kommunikation bezeichnet das absichtliche oder unab- sichtliche Kommunizieren ohne Worte. Gesichtsausdruck, Tonfall, Gesten, Körper- haltung, Körperbewegungen sowie der Einsatz von Blicken sind die meistgenutzten und aufschlussreichsten Signale der nichtverbalen Kommunikation. (Aronson et al., 2008, S.92 zit. n. Henley, 1997; Knapp & Hall, 2006). Im Nonverbalen Verhalten existiert auch ein Geschlechtervergleich. Frauen sind in dieser Art von Botschaften anscheinend besser trainiert als Männer, was wohlmöglich auf die gesellschaftliche Rolle der Frau zurückzuführen ist (Aronson et al., 2008, S.100 zit. n. Hall, 1979, 1984; Rosenthal & De Paulo, 1979). Des Weiteren existieren sechs grundlegende Gesichtsausdrücke, Wut, Freude, Überraschung, Furcht, Abscheu und Trauer, wel- che kulturübergreifend und bereits angeboren sind. Diese können sogar bei blind geborenen Kindern nachgewiesen werden. Hinzu kommen noch viele Gesichtsaus- drücke die ebenfalls kulturübergreifend erlernt werden (Aronson et al., 2008, S.93 zit. n. Biehl et al., 1997; Ekman, 1993, 1994; Ekman et al., 1987; Elfenbein & Am- bady, 2002; Haidt & Keltner, 1999; Izard, 1994). Zur nonverbalen Kommunikation zählt ebenfalls die komplette Körperhaltung, Bewegungen, Berührungen und auch die Intimdistanz, also der räumliche Abstand zu einander. Dadurch, dass wir die Signale an uns selber kennen, können wir uns in die Lage unseres Gegenübers hin- einversetzen. „Wir müssen nicht immer darüber nachdenken was unser Gegenüber fühlt, sondern wissen es meistens.“ (Aronson et al., 2008, S.92 zit. n. Winerman, 2005, S.50). Kommunikationserfolg besteht fast ausschließlich aus mehrkanaliger nonverbaler Kommunikation.

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Details

Titel
Der erste Eindruck zählt? Über die Funktionsweise sozialer Wahrnehmung
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V323661
ISBN (eBook)
9783668227996
ISBN (Buch)
9783668228009
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Wahrnehmung, Einflüsse der Wahrnehmung, Emotionen, nonverbale Kommunikation, Beeinflussung von Eindrücken, Bildung von Eindrücken, Implizite Persönlichkeitstheorien, Attributionstheorien, Kovariationstheorie, Selbstwirksamkeit, Einstellungen, Vorurteile, Psychologie, Sozialpsychologie, Wirtschaftspsychologie
Arbeit zitieren
Tobias Gesella (Autor), 2014, Der erste Eindruck zählt? Über die Funktionsweise sozialer Wahrnehmung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323661

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