Die Moralentwicklung in der Erziehung. Autoritäre Erziehung als Instrument der Sozialentwicklung von Heranwachsenden?


Hausarbeit, 2015

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Zum Gegenstand der autoritären Erziehung
2.2 Das Modell der Moralentwicklung nach Lawrence Kohlberg
2.2.1 Kriterien der moralischen Entwicklung
2.2.2 Die Bedeutung der Eltern bei der Gewissensbildung
2.3 Auswertung

3. Fazit

1.0 Einleitung

In den letzten Jahrzehnten wurde in der Gesellschaft immer mehr darauf geachtet und diskutiert, welche Form der Erziehung für Kinder die Beste und Richtige sei. Vor allem die sich immer weiter vermehrenden Fernsehsendungen und Ratgeber führen bei Eltern und Erziehern zu einer zunehmenden Verunsicherung in Bezug auf den richtigen Umgang mit Kindern. Die Medien machen durch eben diese Aussagen und Hinweise permanent darauf aufmerksam, wie wichtig die richtige Erziehung ist und liefert angebliche Richtlinien für eine gelingende Erziehung der neuen Generation (Göppel 2009: 150).

Ein Verbreiten von Katastrophenszenarien, dass Kinder heutzutage kein Benehmen mehr hätten und schlecht erzogen seien, führt in der Gesellschaft zu einem Anstieg des Problembewusstseins und damit zu einer zunehmenden Unsicherheit in Bezug auf das eigene Verhalten gegenüber Kindern. Dadurch dass das Thema der Erziehung zunehmend in die Öffentlichkeit rückt und Erziehung keine Privatsache mehr ist, steigt auch der Druck einer Perfektionierung im Hinblick auf die Erziehung des eigenen Kindes (Dornes 2011: 33).

Besonders der Aspekt, dass Kinder und Jugendliche heutzutage keinen Anstand mehr hätten und gegenüber ihren Mitmenschen zunehmend respektlos auftreten scheint in der öffentlichen Diskussion überwiegend ein Thema zu sein. Durch eine Umfrage von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft stellte sich heraus, dass 85 Prozent der Befragten der Meinung waren, dass mehr Disziplin den Schülern gut täte. Ebenfalls waren 72 Prozent waren der Auffassung, dass nicht Lehrer dafür zuständig sind, Erziehung nachzuholen, sondern dieses einzig und allein Aufgabe der Eltern sei (INSM 2007).

Die Frage nach dem Autoritätsverlust der Eltern gegenüber ihren Kindern rückt hierbei zunehmend in den Fokus, sowie die Frage, ob eine Rückkehr zu einer autoritären Erziehung dabei der richtige Weg wäre, um dem vermeintlichen Erziehungsnotstand entgegenzutreten. Um im weiteren Verlauf untersuchen zu können, ob eine autoritäre Erziehung letztendlich zu dem Erfolg führt, den sich die Gesellschaft erhofft, muss zunächst einmal das Ziel von Erziehung deutlich werden.

In einer weiteren Umfrage des Statistik-Portals Statista wurde die Frage nach den Erziehungszielen gestellt, wobei mit 88 Prozent „Höflichkeit und gutes Benehmen“ die Liste anführen. Weiterhin scheint es wichtig zu sein, dass Kinder und Jugendliche ihre Arbeit gewissenhaft erledigen und sich bilden, aber auch die Hilfsbereitschaft und Toleranz gegenüber Mitmenschen führen die Statistik in diesem Falle an. Somit scheint besonders die Vermittlung sozialer Kompetenzen als wichtig für eine gelingende Erziehung betrachtet zu werden (Statista: 2015).

Doch inwieweit lassen sich eine autoritäre Erziehung und der Erwerb von sozialen Kompetenzen vereinen? Um dieses im Folgenden weiter untersuchen zu können, soll vorweg der Begriff der autoritären Erziehung für diese Arbeit näher definiert werden. Hinsichtlich der sozialen Kompetenzen wird anschließend auf das Modell der Moralentwicklung von Lawrence Kohlberg näher eingegangen und der Versuch unternommen, zu untersuchen ob es möglich ist, mit einer autoritären Erziehung eine höhere Stufe der Moralentwicklung zu erreichen.

Das Modell der Moralentwicklung wird in diesem Fall verwendet und als geeignet angesehen, da moralische Bedeutungen in die Alltagssprache eingebunden sind und ein soziales Verstehen aufgrund gemeinsamer sozialer Normen ermöglichen (Blasi 2000: 117). Natürlich ist damit in diesem Fall nicht gemeint, dass allein die moralische Entwicklung ausschlaggebend für ein soziales Miteinander in der Gesellschaft ist, oder dieses zu einem Großteil bestimmt. Angesichts der Tatsache, dass die Entwicklung zu einem mündigen Menschen den Erwerb von selbstständigen Handeln betrifft, werden äußere Strukturen, welche sich in Form von Gesetzen und Behörden widerspiegeln, in diesem Fall nicht näher untersucht.

Letztendlich erschließt sich aus den vorausgegangen angeschnittenen Themen die Frage: „Ist es aufgrund einer eine autoritären Erziehung möglich, eine normale beziehungsweise übliche moralische Entwicklung zu durchlaufen?“.

2.0 Hauptteil

2.1 Zum Gegenstand der autoritären Erziehung

Um weiter darauf eingehen zu können, ob eine autoritäre Erziehung in Bezug auf eine erfolgreiche Integration in die Gesellschaft hinderlich ist, soll zunächst einmal erläutert werden, was unter autoritärer Erziehung zu verstehen ist.

Kinder sind prinzipiell der Autorität der Eltern untergeordnet, da es keine natürliche Entwicklung der Sprache oder der moralischen und religiösen Vorstellungen gibt. Die Personen, welche das Kind umgeben, wirken auf dieses formend, wogegen dieses selbst keine Möglichkeit hat Stellung zu der entsprechenden Situation zu beziehen. Da es verschiedene Formen von Autorität in der Erziehung gibt, welche sich vor allem dadurch unterscheiden, auf welche Art und Weise Autorität durchgesetzt wird und ob Gefühle der familiären Liebe weitergegeben werden, muss für den weiteren Verlauf der Arbeit auf eine einschlägige Richtung dieser Art von Erziehung eingegangen werden (Myhre 1991: 10). Hierfür soll die gemeinhin bekannteste Form der autoritären Erziehung verwendet werden. Als klassische Merkmale dieser Art der Erziehung gelten dabei Gehorsam, Disziplin und Unterwerfung gegenüber dem Erziehenden. Autorität stellt in diesem Sinne einen Machtgebrauch der Erziehung dar, durch welchen von dem Zögling bestimmte Verhaltensweisen erwartet werden, welche der Erzieher stellt (Schmid 1971: 55). Diese autoritären Disziplinierungsregeln gründen dabei vor allem in einem Zustand der sozialen Unruhe bei den Eltern, welche die rasche Ausführung von oberflächlichen Befehlen erwarten. Reagieren die Kinder nicht so schnell wie gewünscht, ist es auch möglich, dass eine Situation der physischen Gewalt oder psychischen Erniedrigung gegenüber dem Kind eintritt. Die zentralen Rollen der Eltern sind es also, dass Kind zu disziplinieren, zu kontrollieren und einzugrenzen, wodurch eine freie Entfaltung und Entwicklung der Persönlichkeit unterdrückt wird (Frenkel-Brunswik 1996: 215).

Das Aufzwingen von Regeln führt dazu, dass ein Kind in seiner Entwicklung zur eigenen Persönlichkeit stark eingeschränkt wird. Dieses liegt dabei daran, dass die Wurzeln der Weltsicht eines Kindes überwiegend im Elternhaus liegen. Hierbei ist die autoritäre Form der Disziplinierung „[...] somit „Ich-zerstörend“, indem sie den Aufbau von Selbstvertrauen und Unabhängigkeit verhindert.“ (Frenkel-Brunswik 1996: 215)

Als Folge einer solchen Erziehungsform, herrschen unter anderem die äußeren Kriterien den inneren Werten vor, was wiederum zu einem Mangel der Differenzierungen im emotionalen Bereich der Beziehungen führen kann. Beziehungen selbst werden oberflächlich gehalten und stehen selbst unter einer hierarchischen Auffassung von Miteinander. Jedoch besagt diese Form des Miteinanders in der Gesellschaft nicht, dass man sich dieser nicht anzupassen vermag. Personen, welche stark autoritär aufwachsen, pflegen eine Konformität unter jeglichen sozial anerkannten Verhaltensweisen, allerdings mit der Orientierung nach Strafe im Falle einer Diskrepanz von gesellschaftlichen Normen (Frenkel-Brunswik 1996: 215).

An dieser Stelle ist zu erkennen, dass ein Ungleichgewicht bezüglich der Einordnung in die Gesellschaft vorherrscht. Die vorausgegangenen Disziplinierungsregeln führen zu einer abhängigen Persönlichkeit ohne tiefer gehende Beziehungen und einem starren Festhalten an äußerlichen Ordnungen in der Gesellschaft. An dieser Stelle ergibt sich die Frage, ob bei dieser oberflächlichen Integration in die Gesellschaft gleichzeitig eine moralische Entwicklung stattfindet, welche diese Integration im gewissen Maße erklären kann. Oder ob die verfolgten Normen der Gesellschaft in diesem Fall überhaupt nicht verinnerlicht werden, sondern letztendlich nur starr an den äußeren Strukturen dieser Gesellschaft festgehalten wird und somit eine moralische Entwicklung nicht notwendig für eine funktionierende Gesellschaft ist.

2.2 Das Modell der Moralentwicklung nach Lawrence Kohlberg

Um erklären zu können, ob und inwieweit eine moralische Entwicklung entscheidend für die soziale Integration ist und ob diese Entwicklung bei einer autoritären Erziehung normal verläuft, wird vorweg das Modell der Moralentwicklung nach Lawrence Kohlberg näher vermittelt, woraufhin diese Entwicklung exemplarisch für die autoritäre Erziehung durchlaufen werden soll.

Die Theorie der Moralentwicklung von Kohlberg ist stark an die Entwicklungstheorie der Gerechtigkeit Piagets angelehnt und weiterentwickelt worden. Bei dieser wird angenommen, dass sich der Gerechtigkeitssinn von Kindern in unterschiedlichen Kulturen etwa annähernd mit dem Alter entwickelt, welche Annahme von Kohlberg selbst untersucht und und in ihrer Grundannahme bestätigt wurde (Kohlberg 1995: 25).

Diese Grundannahme untersuchte Kohlberg selbst durch eine Längsschnittstudie innerhalb von zehn Jahren anhand seines eigenen Modells der Moralentwicklung, um eine Entwicklung anhand der Alterstrends zu beobachten (Kohlberg 1995: 56).

Sein Modell der Moralentwicklung ist in drei Niveaus aufgeteilt, welche je zwei Stufen der moralischen Entwicklung beinhalten. An erster Stelle, im prämoralischen Niveau, steht die Orientierung an Strafe und Gehorsam, wobei das Individuum lediglich Regeln befolgt, um Strafen jeglicher Art zu vermeiden. Auch die zweite Stufe der instrumentell-relativistischen Orientierung zeigt noch keine Entwicklung einer richtigen Moral auf, da auch hier die Orientierung am richtigen Verhalten einzig an Belohnungen orientiert ist. Das präkonventionelle Stadium zeigt somit noch kein reflektiertes Denken über das eigene Verhalten auf. Vielmehr wird sich an anderen Leitbildern orientiert, welche das Verhalten durch Sanktionen in gewissem Maße normieren (Kohlberg 1995: 51).

Das zweite Niveau ist nach Kohlberg das konventionelle Stadium. Die hierin enthaltenen Stufen zeigen dabei eine langsame Entwicklung einer eigenen moralischen Entwicklung. Bei der dritten Stufe der Orientierung an zwischenmenschlicher Harmonie wird dem Individuum bewusst, dass ein gutes Verhalten und Höflichkeit einem Anerkennung im Alltag verschaffen und die Abneigung anderer Personen verhindern. Die vierte Stufe der Orientierung an Gesetz und Ordnung zeigt dem Individuum, dass es um Kritik durch legitime Autoritäten zu verhindern nötig ist, sich in der Gesellschaft konform zu verhalten. Hierdurch sollen eigene Schuldgefühle gegenüber den Autoritäten vermieden werden. Das zweite Niveau zeigt somit keine instrumentelle Orientierung mehr auf, sondern ein Verhalten welches an Richtig oder Falsch orientiert ist, um die eigene Person vor der Missbilligung anderer zu schützen (Kohlberg 1995: 52).

Das letzte und dritte Niveau spiegelt sich im Postkonventionellen Stadium, oder auch in der Moral der selbstakzeptierten moralischen Prinzipien wider. An dieser Stelle besagt die fünfte Stufe der moralischen Entwicklung, dass man den Regeln deswegen entsprechen sollte, um die Achtung einer unvoreingenommenen Person zu erhalten. Im Gegensatz zur vierten Stufe, beruht die Richtigkeit der Handlungen „Außerhalb dessen, was verfassungsmäßig gilt und auf das man sich demokratisch geeinigt hat, [...]“ (Kohlberg 1995: 53).

Es herrscht unter den Bürgern einer Gesellschaft somit eine freie Übereinkunft über ein rechtmäßiges Handeln, welche über das Gesetz hinaus geht. Als letzte Stufe der Moralentwicklung steht bei Kohlberg die Orientierung an universellen ethischen Prinzipien und kennzeichnet sich dadurch, dass persönliche Gewissensentscheidungen logisch, universell und konsistent sind. Die Regeln, an die man sich in diesem Fall hält, wurden zuvor nicht vorgeschrieben und werden eingehalten, um die eigene Achtung zu wahren, als auch die Würde jedes anderen menschlichen Wesens. Das menschliche Leben selbst wird ungeachtet anderer Gesetze und Regeln als heilig angesehen (Kohlberg 1995: 2005). An dieser Stelle ist es auch möglich, dass das Gesetz im Widerspruch zu den moralischen Ansichten steht. Als Beispiel wäre an dieser Stelle die Todesstrafe zu nennen. Auch wenn das Gesetz in diesem Fall besagt, dass die einzig gerechte Strafe der Tod sein kann, wäre es in diesem Fall nicht moralisch zu verantworten, ein menschliches Leben auszulöschen.

2.2.1 Kriterien der moralischen Entwicklung

Um zu verstehen wie sich die Moral entwickeln kann, ist es von Vorteil eine psychologische Entwicklung generell näher zu erläutern und von Verhaltensveränderungen zu unterscheiden. An dieser Stelle bezieht sich Kohlberg wiederholt auf Piaget, als auch auf sein eigenes Werk der frühen Bildung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Moralentwicklung in der Erziehung. Autoritäre Erziehung als Instrument der Sozialentwicklung von Heranwachsenden?
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V323708
ISBN (eBook)
9783668229341
ISBN (Buch)
9783668229358
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kohlberg, Moral, Erziehung
Arbeit zitieren
Sarina Gebhardt (Autor), 2015, Die Moralentwicklung in der Erziehung. Autoritäre Erziehung als Instrument der Sozialentwicklung von Heranwachsenden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323708

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