Sprachkritik: eine umfassende Analyse des Winti-Guide.ch - Wie mediengerecht wurde die Online-Ausgabe des 'Landboten' realisiert?


Seminararbeit, 2004

24 Seiten, Note: gut

Anonym


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1. Das Internet
1.2. Hypertext und Nicht-Linearität
1.3. Strukturelle Aspekte: Knoten, Kanten, Netze

2. Analyse der Website http://www.winti-guide.ch
2.1 Multimedialität
2.2. Interaktivität – Nachfrageorientierung
2.3. Virtualität – Aktualität
2.4. Hypertext

3. Analyse-Resultat

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Sprachkritik im Journalismus“ widmete sich unsere Referatgruppe dem Thema ‚Layout und Überschrift’. Die erarbeiteten theoretischen Grundlagen verwendeten wir auf praktischer Ebene zur Analyse des ‚Landboten’. Wir analysierten neben dem Gestaltungskonzept, welches wir auf den ersten Bund der Zeitung beschränkten, auch Form, Funktion und Wirkung der Überschriften.

Diese Seminar-Arbeit knüpft an die erarbeiteten Layoutgrundlagen an und berücksichtigt als Forschungsgegenstand weiterhin den ‚Landboten’, bezieht sich jedoch auf dessen Online-Ausgabe, den ‚Winti-Guide.ch’.

Wie mediengerecht die Realisierung der Online-Ausgabe erfolgt, ist die grundlegende Fragestellung dieser Arbeit, wobei im ersten, theoretischen Teil die charakteristischen Merkmale und Möglichkeiten des Internets besprochen werden. Jene Zusammenstellung der relevanten Charakteristika dient im zweiten Teil der praktischen Analyse am Gegenstand selbst.

1.1. Das Internet

Obwohl neu in der Geschichte der Medien, beinhaltet das Internet alle bereits etablierten Medien, wobei es gleichzeitig viel mehr darstellt als deren schlichte Summe oder neuartigen Verbreitungskanal. Für die Zeitung als traditionelles Medium bedeutet die Annäherung an das neue elektronische Medium eine ‚tiefgreifende medienhistorische Transformation’[1], die jedoch nach Bucher keinen Quantensprung in der Zeitungsgeschichte‚ ‚sondern die logische Fortsetzung eines Strukturwandels des Mediums Zeitung’[2] darstellt. Die Neuartigkeit des digitalen Massenmediums manifestiert sich in folgenden Punkten: (1) Multimedialität, (2) Interaktivität, (3) Virtualität und (4) Nicht-Linearität[3].

1. Das neue Medium ist multimedial, beinhaltet schriftliche, auditive, visuell-dynamische, fotografische und grafische Dokumente zusammen, ist also Hörfunk, Fernsehen, Video, Zeitung, Bildband und Computeranimation in einem.

Die Folge der multimedialen Erweiterungen ist eine ‚tiefgreifende Bedeutungsänderung’[4] der bis anhin geltenden Grenzziehung zwischen Bild, Sprache und Schrift. Allerdings muss man beim Einsatz dieser Erweiterungen den ‚Grundsatz der Verhältnismässigkeit’[5] aufgrund der schnellen Sättigungserscheinung und der langen Übertragungszeit berücksichtigen. Jedoch unterliegt die Entwicklung der dafür benötigten Infrastruktur (Verbindungen, Hardwareleistungen) einer laufenden Verbesserung, welche einen rascheren Download und somit eine selbstverständlicher anmutende Rezeption ermöglicht.

2. Das neue Medium funktioniert interaktiv, sowohl in den unbegrenzten Selektionsmöglichkeiten seiner User, als auch durch verschiedene spezifische Kommunikationsformen, wie beispielsweise E-Mail-Leserbriefe, Chatforen, Diskussionsgruppen und WWW-TED-Abstimmungen.

Zurzeit ist das Internet noch ein demokratisches Medium, d.h. dass jede und jeder mit entsprechendem Zugang und Kenntnissen Informationen publizieren und somit das WWW mitgestalten und verändern kann. Private Anbieter konkurrenzieren mit kommerziellen, die Entscheidung bei der Wahl des Leseangebotes liegt nach wie vor beim User.

Dadurch kann die Zahl der Zugriffe auf ein bestimmtes Angebot ermittelt werden, womit das Leseverhalten zugleich über die Attraktivität der Angebote abstimmt. So bestimmt die Leserschaft über die Attraktivität des Angebotes, woraus sich zum Beispiel besonders lukrative Werbeflächen ergeben.

3. Das neue Medium ist virtuell und somit der Raum-Zeit-Begrenzung enthoben. Kommunikationsbegrenzungen durch eingeschränkten Raum entfallen, womit die Möglichkeit der Anlegung von grossen Datenbeständen und deren gezielter Suche/Abfrage-Funktionen (Archiven, Datenbanken) besteht.

4. Das neue Medium ist nicht-linear. Jenes Organisationsprinzip der nicht vorgegebenen Rezeptionsabfolge schafft hypertextuelle oder hypermediale Strukturen, welche seitens der Nutzerinnen und Nutzer ein ‚autorenbestimmtes Sequenzenmuster der Rezeption’[6] ausschliesst und eine nutzerbestimmte Rezeptionsabfolge ermöglicht.

1.2 Hypertext und Nicht-Linearität

Aber wie definiert sich ‚hyper’ an Hypertext und Hypermedien? Eine exakte Definition davon existiert nicht, viel mehr herrscht ein gewisser Konsens über spezifische Merkmale. Hypertext unterscheidet sich von anderen Informationssystemen vor allem innerhalb folgender Aspekte[7]:

1. Hypertexte sind computergestützte Informationssysteme.
2. In Hypertexten werden Informationen nicht-linear in Form eines Netzwerks aus Knoten und Verbindungskanten repräsentiert. Jeder Knoten enthält eine bestimmte Menge an Informationen. Die Knoten wiederum sind durch gerichtete Verbindungskanten miteinander verbunden.
3. Ein Hypertext-System stellt einen Mechanismus zur Verfügung, um sich entlang der Verknüpfungen nicht-linear durch dieses Informationsnetzwerk zu bewegen. Die Aktivität des Benutzers ist also ein weiteres wichtiges Merkmal von Hypertext.

Abgesehen von diesen drei Merkmalen, weist Hypertext noch andere spezifische Aspekte auf. Um die bereits erwähnte Interaktion mit dem System zu ermöglichen bzw. zu erleichtern, wurden eigene Orientierungshilfen (Browser) geschaffen. Man navigiert sich durch das Internet und läuft so gleichzeitig Gefahr, aufgrund der Unordnung im Informationsnetzwerk von Orientierungslosigkeit und Verwirrung übermannt zu werden und dadurch an den Informationen vorbeizusurfen. ‚Getting lost in hyperspace’ nennt sich dieses Phänomen.

Das folgende Kapitel bemüht sich um eine Beschreibung der strukturellen und operationalen Aspekte.

1.3. Strukturelle Aspekte: Knoten, Kanten, Netze

Die nicht-lineare Struktur des Hypertextes besteht aus Informationsblöcken, welche mit Verweisen miteinander verknüpft sind.[8]

Nicht-Linearität: Dies bedeutet eine netzartige Struktur aus Informationsblöcken und Verknüpfungen ohne feste Ordnung, die eine zu lesende Sequenz festlegt.

Knoten und Kanten: Während Knoten (nodes) eine abgeschlossene Informationsmenge beinhalten und somit das Basiselement des Hypertexts darstellen, verbinden Links (Verknüpfungen, Kanten oder Verweise) jene Einheiten. Der Ausgangsknoten (Ankerknoten) verweist auf den Zielknoten, wobei die Richtung lediglich vom Anker- zum Zielknoten weisen kann oder aber auch bidirektional sein kann. Anker- und Zielknoten bilden als Gesamtes ein Netz, das Web, wobei der User nur den gegenwärtigen Knoten wahrnimmt, also die Präsentationsebene bzw. Benutzerschnittstelle. Die abstrakten Verknüpfungen werden im Hintergrund in einer html- bzw. xpl-Datei beschrieben.

Modularisierung: Als charakteristisch für Hypertext gilt die Modularisierung der Information bzw. deren Aufteilung in einzelne Knoten. Hierbei muss bei der Erstellung solcher Knoten beachtet werden, dass die Informationsblöcke weder zu gross (verminderte Möglichkeit der Interaktion durch eine schwerfällige Quantität der Information) noch zu klein (Zersplitterung der Information verhindert deren Zusammenhang) sind.

Typen von Verknüpfungen: Links geben verschiedene Beziehungen zwischen den verknüpften Informationen wieder. Oftmals implizit, also für den User nicht ersichtlich, in welcher Art und Weise die Knoten zusammenhängen, sind sie manchmal auch auf ihren Zusammenhang hin gekennzeichnet. Es existiert eine Vielzahl von Kategorisierungen für Links, da die Verknüpfungen im Hypertext verschiedene Formen annehmen. Zwei Möglichkeiten der Verknüpfung bestehen: (1) referentielle (nicht-typisierte) Links sowie (2) typisierte Links. Kuhlen[9] unterscheidet zwischen referentiellen bzw. assoziativen und explizit semantischen bzw. argumentativ spezifizierten typisierten Verknüpfungen. So beruhen erstere Verknüpfungen auf assoziativen unspezifischen Beziehungen, während die typisierten Verknüpfungen einen klaren semantischen oder pragmatischen Bezug schaffen. In unterschiedlicher Weise kategorisiert Trigg[10] verschiedene Linktypen. 75 verschiedene Möglichkeiten, gegliedert in z.B. Abstraktion, Beispiel, Formalisierung, Anwendung, Vereinfachung, Widerlegung, Unterstützung. Gloor[11] wiederum unterscheidet zwischen (1) hierarchischen Links, welche die Hauptstruktur eines Hypertextes aufnehmen, (2) Querverweise, die Beziehungen in den Texten unterhalb der Hauptknoten herstellen und (3) Annotationen bzw. Anmerkungen, welche die zusätzlichen Knoten im Text bilden.

Strukturierung: Art und Weise der Verknüpfungen legen die Struktur des Hypertextnetzes fest. Existieren nur referentielle, nicht-typisierte Links, so handelt es sich um unstrukturierten Hypertext, also ein ungeordnetes Netz. Strukturierte Hypertextnetze dagegen gründen auf semantischen und pragmatischen Organisationsprinzipien, bspw. hierarchische oder lineare Strukturen. Daneben existieren auch gemischte Formen. Grundsätzlich gilt eine durchgängige Hierarchisierung der gesamten Websites als Schlüssel zu ergonomischer Orientierung und Navigation.

Schnittstellen: Durch die Benutzerschnittstelle wird dem User ‚vermittelt’, wie die Informationen aufgeteilt, verknüpft und erreichbar sind. Die Gestaltung von Knoten und Links unterliegt jedoch keinen allgemeingültigen Konventionen, obschon sich bestimmte Darstellungsformen durchgesetzt haben. So werden Links zum Beispiel als Schaltflächen oder hervorgehobenen Text dargestellt. Für die Knotendarstellung und Navigation haben sich ikonische Schaltflächen und graphische Bedienungselemente eingebürgert.

[...]


[1] In: Text im digitalen Medium, S. 9

[2] In: Text im digitalen Medium, S. 9

[3] In: Text im digitalen Medium, S. 10-11

[4] In: Optische Labyrinthe im digitalen Journalismus

[5] In: Sind Printmedien im Internet Online-Medien?, S. 195

[6] In: Text im digitalen Medium, S. 10

[7] In: Lernen mit Hypertext, S. 18

[8] In: Lernen mit Hypertext, S. 19

[9] In: Hypertext: ein nicht-lineares Medium, S. 25

[10] In: A network-based approach to text handlich for the online- scientific community: http://www.workpractice.com/trigg/thesis-chap4.html

[11] In: Hypermedia-Anwendungsentwicklung, S. 104

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Sprachkritik: eine umfassende Analyse des Winti-Guide.ch - Wie mediengerecht wurde die Online-Ausgabe des 'Landboten' realisiert?
Hochschule
Universität Zürich  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Seminar 'Sprachkritik'
Note
gut
Jahr
2004
Seiten
24
Katalognummer
V32372
ISBN (eBook)
9783638331050
Dateigröße
1363 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachkritik, Analyse, Winti-Guide, Online-Ausgabe, Landboten, Seminar
Arbeit zitieren
Anonym, 2004, Sprachkritik: eine umfassende Analyse des Winti-Guide.ch - Wie mediengerecht wurde die Online-Ausgabe des 'Landboten' realisiert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32372

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