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Die ambivalente Darstellung des urbanen Raumes in der Lyrik des Expressionismus

Titel: Die ambivalente Darstellung des urbanen Raumes in der Lyrik des Expressionismus

Bachelorarbeit , 2016 , 31 Seiten , Note: 1,1

Autor:in: Oke Kröber (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ende des 19. Jahrhunderts befindet sich Deutschland in einer Phase, in der sich aus industrieller Produktion ein Industriesystem entwickelt. Der Umbruch der agrarisch geprägten Wirtschaftsform zu einer fortgeschrittenen kapitalistischen Wirtschaftsform vollzieht sich in nur ca. drei Jahrzenten und umfasst eine verspätete aber rapide Industrialisierung in Deutschland. Viele expressionistische Lyriker, die größtenteils um 1890 geboren sind, wachsen in dieser Zeit des Umbruchs in den sich rapide entwickelnden Großstädten auf und reflektieren in ihrer Großstadtlyrik, die durch stark ambivalente Darstellungen charakterisiert ist, zivilisationskritisch die Erfahrungen der modernen Großstadt.

Die in dieser Zeit durch technischen Fortschritt und Industrialisierung initiierten allgemeinen Modernisierungsprozesse nehmen nachhaltigen sozial- und wahrnehmungsspezifischen Einfluss auf das urbane Leben, dessen Auswirkungen der deutsche Soziophilosoph Georg Simmel 1903 in seinem Essay Die Großstädte und das Geistesleben beschreibt und ein ambivalentes Spannungsverhältnis zwischen Großstadt und Städter resümiert.

Im Fokus der vorliegenden Arbeit steht die These, dass die Expressionisten in dem von Simmel beschriebenen Spannungsverhältnis zur neuen Urbanität stehen, welches sich in ambivalenten Großstadtdarstellungen äußert. Die Untersuchung dieser Arbeit basiert auf einem sozialgeschichtlichen Ansatz, betrachtet Literatur also als Produkt und Ausdruck sozialer, ökonomischer und politischer Faktoren und versucht Rückschlüsse aus einem wechselseitigen Verhältnis zwischen expressionistischer Literatur und ihrem sozialgeschichtlichem Kontext zu ziehen. Alle zeitgeschichtlichen Zusammenhänge zwischen Politik, Ökonomie, Psychologie etc. in ein System zu bringen vermag keine Theorie. Vielmehr sollen gemeinsame Grunderfahrungen der Großstadt und deren ambivalente Verarbeitungen in der expressionistischen Lyrik im Vordergrund stehen.

Dabei sind ästhetische Freiheiten und Differenzen zu berücksichtigen, um Realität und künstlerisches Symbol nicht fälschlicherweise gleichzusetzen. Da eine Untersuchung aller expressionistischer Kunstformen den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, wird auf Erläuterungen bzgl. der Gattungen der expressionistischen Malerei, Bildhauerei, Architektur und des expressionistischen Films verzichtet. Vielmehr bietet sich ein Fokus auf die expressionistische Lyrik an, da sich in ihr die Großstadt als zentrales Motiv verarbeitet findet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziohistorische Rahmenbedingungen

3. Expressionismus – ein Überblick

3.1. Die „expressionistische Generation“

3.2. Lyrik des Expressionismus

4. Die Großstädte und das Geistesleben

4.1. Rationalisierung

4.2. Individualismus und Freiheit

4.3. Entfremdung und Dissoziation

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das ambivalente Spannungsverhältnis der expressionistischen Lyriker zur modernen Großstadt. Ausgehend von Georg Simmels kulturphilosophischer Analyse des großstädtischen Geisteslebens wird erforscht, wie die Expressionisten die Erfahrungen von Industrialisierung, Urbanisierung und technischem Fortschritt in ihrer Literatur verarbeiteten und welche Rolle das Sujet der Großstadt als Ausdruck einer existenziellen Krise des modernen Subjekts einnimmt.

  • Sozialgeschichtliche Einordnung des Expressionismus
  • Die Großstadt als Ambivalenz von Freiheit und Entfremdung
  • Stilistische Innovationen der expressionistischen Lyrik (z.B. Reihungsstil)
  • Soziologische Analyse der Auswirkungen städtischer Reizüberflutung
  • Die Darstellung von Minderheiten und Randgruppen als Protestakt

Auszug aus dem Buch

Die „expressionistische Generation“

Trotz Stilpluralismus und thematischer Heterogenität, stellt Paul Raabe in seinem bibliographischen Handbuch Die Autoren und Bücher des literarischen Expressionismus biographische Gemeinsamkeiten fest, unter deren Akzentuierung von einer „expressionistischen Generation“ (1985: 7) gesprochen werden kann:

„Die zwischen 1885 und 1896, also einem Zeitraum von 12 Jahren geborenen Autoren, die zwischen 1910 und 1921 Fünfundzwanzigjährigen, machen zwei Drittel aller am Expressionismus beteiligten Schriftsteller aus. […] Mehr als 80% aller späteren Autoren waren Akademiker. […] Fast alle kamen aus gutbürgerlichen Milieu, hatten höhere Schulen, meist Gymnasien besucht und waren oft Söhne von Akademikern. […] Jeder zehnte spätere Autor des Expressionismus war in der Hauptstadt des Reiches und Preußens geboren. Viele kamen in jungen Jahren nach Berlin oder studierten dort an der Universität.“ (Ebd.: 7f.)

Paul Raabe ergänzt, dass viele Expressionisten ihre Jugend in den strengen Schulen der Jahrhundertwende verbracht hatten und deren erstarrte Formen den „Oppositionsgeist“ mitgeprägt hätten, der sich gegen die Autorität der Gründergeneration richtete und mit dem ein Verlangen nach „Freiheit und neuer Gemeinschaft“ einherging (vgl.1985: 8). Dem Bürgertum waren die Expressionisten jedoch näher als sie selbst glaubten. Viele von ihnen gingen nach oder während der Zeit des Expressionismus einem bürgerlichen Beruf nach. Sie waren z.B. Ärzte, Juristen, Anwälte, Studienräte, Dozenten und Professoren (vgl. ebd.: 12).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die sozialgeschichtliche Situation Deutschlands zur Jahrhundertwende ein und formuliert die zentrale These der Arbeit hinsichtlich des ambivalenten Verhältnisses der Expressionisten zur Großstadt.

2. Soziohistorische Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel erläutert die rapide Verstädterung und Industrialisierung Deutschlands zwischen 1800 und dem Ersten Weltkrieg als Voraussetzung für die Entstehung der urbanen Moderne.

3. Expressionismus – ein Überblick: Dieser Abschnitt definiert den literarischen Expressionismus, untersucht die Gemeinsamkeiten der beteiligten Akteure und beleuchtet die Rolle der urbanen Zentren für das künstlerische Schaffen.

4. Die Großstädte und das Geistesleben: Dieses Kapitel verknüpft Georg Simmels soziologische Beobachtungen mit der expressionistischen Literatur und analysiert die Auswirkungen auf das moderne Subjekt hinsichtlich Rationalisierung, Individualität und Entfremdung.

5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Großstadterfahrung der Expressionisten eine tiefgreifende Ambivalenz zwischen Freiheitsgewinn und existentieller Entfremdung widerspiegelt.

Schlüsselwörter

Expressionismus, Großstadtlyrik, Georg Simmel, Moderne, Industrialisierung, Ichdissoziation, Urbanisierung, Entfremdung, Reihungsstil, wilhelminische Gesellschaft, Großstadtbewusstsein, Kulturpessimismus, Subjekt, Bohème, Rationalisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Auseinandersetzung expressionistischer Autoren mit der modernen Großstadt und untersucht, wie die soziokulturellen Veränderungen dieser Ära die Lyrik beeinflusst haben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Auswirkungen der Industrialisierung, die Rolle Berlins als kulturelles Zentrum, das Leben in der Bohème sowie das Spannungsverhältnis zwischen dem Individuum und der urbanen Masse.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu belegen, dass die Expressionisten die Großstadt nicht eindimensional wahrnahmen, sondern als einen ambivalenten Ort zwischen Abenteuer, Freiheit und existenzieller Bedrohung darstellten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einem sozialgeschichtlichen Ansatz, der Literatur als Ausdruck politischer, ökonomischer und sozialer Faktoren betrachtet und diese mit soziologischen Theorien, insbesondere von Georg Simmel, in Beziehung setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die soziohistorischen Rahmenbedingungen, einen Überblick über den Expressionismus sowie eine detaillierte Analyse der Großstadterfahrung hinsichtlich Rationalisierung, individueller Freiheit und psychologischer Dissoziation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Expressionismus, Großstadtlyrik, Moderne, Ichdissoziation und Entfremdung beschreiben.

Warum spielt Georg Simmel eine so zentrale Rolle für das Verständnis dieser Arbeit?

Georg Simmels Essay „Die Großstädte und das Geistesleben“ dient als theoretisches Fundament, um die psychologischen Belastungen der Städter und deren Niederschlag in der expressionistischen Ästhetik zu erklären.

Wie gehen die Expressionisten mit der „Ästhetik des Hässlichen“ um?

Die Arbeit zeigt, dass die Expressionisten das „Hässliche“ gezielt einsetzten, um sich von traditionellen bürgerlichen Normen abzugrenzen und die Zerissenheit des modernen Lebens radikal darzustellen.

Welche Bedeutung kommt dem sogenannten „Reihungsstil“ zu?

Der Reihungsstil wird als formale Antwort auf die beschleunigte, wahrnehmungsintensive Lebenswelt der Großstadt interpretiert, um das Gefühl der Simultanität und des Kontinuitätsverlusts abzubilden.

Wird auch die Rolle der Frau im Expressionismus thematisiert?

Ja, die Arbeit geht kurz auf die Rolle der weiblichen Akteure sowie auf die Darstellung von Prostituierten ein, die als ambivalente Sinnbilder der Geldwirtschaft und der modernen Großstadt fungierten.

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Details

Titel
Die ambivalente Darstellung des urbanen Raumes in der Lyrik des Expressionismus
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,1
Autor
Oke Kröber (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
31
Katalognummer
V323743
ISBN (eBook)
9783668229532
ISBN (Buch)
9783668229549
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Expressionismus Großstadt Georg Simmel Simmel Die Großstädte und das Geistesleben Urbanisierung Urban Lyrik Großstadlyrik Moderne Großstadtwahrnehmung Industrialisierung Bachelorarbeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Oke Kröber (Autor:in), 2016, Die ambivalente Darstellung des urbanen Raumes in der Lyrik des Expressionismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323743
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Leseprobe aus  31  Seiten
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