Objektbeziehungstheorie. Eine Einführung basierend auf den Theorien Melanie Kleins und Donald Winnicotts


Hausarbeit, 2015
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Klassische Psychoanalyse und Freud
- Infantile Sexualität

Objektbeziehungstheorie - Melanie Klein
- Die ödipale Entwicklung beim Jungen
- Die ödipale Entwicklung beim Mädchen

Objektbeziehungstheorie - Donald Winnicott

Schlussteil

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Hausarbeit, welche auf den Inhalt des Seminars: „Philosophie und Psychoanalyse“ im Sommersemesters 2015 basiert, soll eine kleine Einführung in die Objektbeziehungstherapie bieten, welche sich im Feld der Psychoanalyse herausgebildet hat. Im Zuge dessen werden die Ansätze Melanie Kleins und Donald Winnicotts miteinander verglichen beziehungsweise erweitert.

Nachdem anfänglich eine kurze Definition der Psychoanalyse im Allgemeinen gegeben wird und bedingt dadurch notgedrungen über Sigmund Freuds Prämissen geschrieben wird, wird sich diese Arbeit voll und ganz der Objektbeziehungstheorie zuwenden. Es werden bestimmte Termini erläutert, wie schizoide, paranoide oder depressive Position. Wenn nötig auch wieder Rückbezüge zu Freud hergestellt, wie bei dem Ödipuskomplex bei Melanie Klein oder allgemeiner dem Prinzip der Übertragung und Gegenübertragung.

Klassische Psychoanalyse und Freud

Freuds Psychoanalyse wurde aus der Tiefenpsychologie heraus um 1900 als Methode zur Behandlung neurotischer Störungen entwickelt. Ziel ist es mit Hilfe freier Assoziation und psychoanalytischer Deutung von Wünschen, Träumen etc. unbewusste, psychische Prozesse und verdrängter Inhalte aufzudecken. Dabei solle der Analytiker der freien Assoziation mit gleichschwebender Aufmerksamkeit begegnen, d.h. er dürfe nicht a priori die Inhalte nach Wichtigkeit selektieren und er müsse dem Analysanden möglichst einen großen Freiraum bieten. Er solle im Idealfalle nichts fürchten müssen oder sich seiner Aussagen schämen.2

Während dieser analytischen Gespräche zwischen Therapeut und Klient komme es zu einer Aufarbeitung von Konflikten durch Übertragung und Gegenübertragung, sowie zum Widerstand des Klienten gegen diese aufdeckende Arbeit. Unter Übertragung versteht Freud einen aus klinischen Beobachtungen entstammendes Phänomen, welches mit besonderer Regelmäßigkeit während der psychoanalytischen Behandlung aufzutreten scheint. Der Patient/Klient übertrage erlebte Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen unbewusst auf den Therapeuten. Es handele sich dabei um eine Form automatischer, unbewusster Wiederholungen früherer Objektbeziehungen im Umgang mit aktuellen Objekten.3 Die Gegenübertragung, welche von Seiten des Therapeuten auf den Patienten stattfinde, wird in der klassischen Psychoanalyse eher als Störfaktor empfunden. Es sei dringend notwendig „daß der Analytiker in der Lage ist, seine inneren Prozesse wahrzunehmen und sich reflektierend damit auseinanderzusetzen“.4

Betrachtet man das mittlerweile weite Feld der Psychoanalyse, zeichnet sich Freuds psychodynamische Theorie hauptsächlich durch Konflikte zwischen den Menschen und den auf einem Triebdualismus basierenden Lebenstrieben (Eros), zudem der Sexual- sowie Ich- trieb gehört einerseits, wie auch dem Todestrieb Thanatos andererseits, aus.5 Um es mit seinem zweiten topischen Modell auszudrücken, entwickele sich das Ich, eine Stätte der Angst, aber auch der Vermittlung, aus der Konfrontation des Es (also der Triebe) mit der Realität. Diese Realität bzw. Außenwelt, welche bspw. durch die Eltern oder Gesellschaft repräsentiert werde, werde aus dem Es gespeist und bekommt bei Freud den Terminus Über- ich. Die Psychodynamik sehen wie folgt aus, das Ich müsse Abwehr betreiben, d.h. die Triebwünsche des Es in das Unbewusste verdrängen, wobei neurotische Symptome aus Kompromisse die Folge seien.6 Auf das Unbewusste, bzw. das Bewusste und Vorbewusste, Begriffe aus dem ersten topischen Modell Freuds, wird in dieser Hausarbeit nicht eingegangen werden.

Infantile Sexualität

Für Freud ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der Sexualtrieb, welcher ja auch zu den zentralen Lebenstrieben gehört, von Anfang an Bestand haben müsse, was zur Folge hätte, dass bereits Kleinkinder von Geburt an eine infantile Sexualität besäßen. Diese ließe sich in bestimmte Phasen unterteilen, welche bestimmte Lustzentren zum Gegenstand hätten. Bis zum etwa zweiten Lebensjahr etwa würde sich der Säugling in der oralen Phase befinden und der Mund sei die erogene Zone, welche bspw. durch das Saugen an der Mutterbrust Befriedigung fände. Nach dieser primär passiven Phase erlebe sich das Kind in der zweiten, der analen Phase als Produzent. Es würde Befriedigung durch das Ausscheiden, das Schenken seiner Fäkalien bekommen, sowie die Zurückhaltung derer. Dieses Phase wird manchmal auch als urethrale Phase bezeichnet. Als nächstes komme das Kind in die phallische Phase, der Phase in der das Kind sich seinem Genital zuwende und zugleich der Phase in der man den Ödipuskomplex fände. Das Kind würde in dieser Phase die Mutter begehren, sie gewissermaßen ehelichen wollen, jedoch befürchten müssen für seine Bedürfnisse vom Vater (im Falle eines Knaben) kastriert zu werden. Als Folge dessen würde sich das Kind umorientieren und versuchen den Vater nachzuahmen um sein Wohlwollen zu gewinnen. Dieser bis etwa zum sechsten Lebensjahr andauernden Phase folge für gewöhnlich die Latenzperiode, also eine Zeit in der, wie vom lateinischen Laut ersichtlich, die Sexualität des Kindes größtenteils verborgen bleibe, sie würde verdrängt und somit kanalisiert werden in soziale Beziehungen und in den Aufbau einer Abwehr gegen die selbige. Nach etwa vier Jahren dieser Latenz würde die sexuelle Entwicklung des Kindes in der Adoleszenz münden. Ab jetzt diene die Sexualität auch der Fortpflanzung und nicht nur mehr der Lustbefriedigung. Denn die schwierige Aufgabe der Adoleszenten bestehe nun darin die Besetzung der elterlichen Objekte abzuziehen und auf geeignete Partner seiner Generation zu übertragen.7

Objektbeziehungstheorie - Melanie Klein

Melanie Klein, eine der Hauptbegründer der Objektbeziehungstheorie, war die erste Psychoanalytikerin, die die klassische Psychotherapie auf junge Kinder angewandt hat. Bei ihr, wie auch bei den anderen Vertretern ihrer Richtung, steht die Mutter-Kind-Beziehung im Mittelpunkt und somit die psychologische Auseinandersetzung mit inneren Objekten. Denn, wie ein Kind die Welt erlebt, sei abhängig von seinen frühesten Erfahrungen mit den Bezugspersonen und zudem sei die Phantasie des Kindes voller innerer Objekte, also Vorstellungen von anderen guten und bösen Bezugspersonen.

Auch wenn sie in vielerlei Hinsicht Freud treu bleibt, so hat sie zumindest den Fokus anders gesetzt und auch den ödipalen Komplex ins Säuglingsalter vorverlegt.

Auch bei Klein findet man Stadien, die ein Mensch während seiner Reifungsprozesse durchlaufe. Diese nennt sie Positionen und nicht Phasen, um auf ihre dynamische Natur zu verweisen. Es seien nämlich keine „abzuschließende Stufen, sondern lebenslang präsente intrapsychische Konstellationen“. So sei in krisenhaften Phasen etwa die paranoid-schizoide Positionen, die erste von zweien, bei Reaktivierung infantiler Konflikte bspw., in jedem Menschen aktivierbar und könne dazu führen, dass die Selbst- Objekt- und Beziehungswahrnehmungen gestört werden.

Der Säugling befände sich nach Klein nämlich während etwa seiner ersten drei bis vier Lebensmonate in der paranoid-schizoiden Position. Diese zeichne sich dadurch aus, dass das Kleinkind aus inneren und äußeren Quellen Angst erlebe. Denn für Klein steht fest, „daß das Wirken des Todestriebes die Furcht vor Vernichtung von innen her erzeugt, und daß darin die primäre Ursache der Verfolgungsangst liegt.“8 Hierbei spiele das Erlebnis der Geburt, als erste äußere Angstquelle eine große Rolle, denn diese beeinflusse notwendigerweise die spätere Beziehungen des Säuglings zu seiner Umwelt. Hierbei gilt für den Säugling das die Beziehung zur Mutter entscheidend sei, denn der Säugling würde zu ihr seine erste Objektbeziehung aufbauen durch die besondere Nähe zu ihr, auch bedingt durch das Gestilltwerden. In dieser Position jedoch sei das Kleinkind noch nicht in der Lage Ganzheiten, also Vollobjekte wahrzunehmen und würde primär eine Beziehung zur Mutterbrust entwickeln, zu der er Dank seiner oral-libidinösen und bereits auch oral-destruktiven Trieben motiviert werde. Dieser einerseits liebevollen, andererseits aggressiven Triebe würden laut Klein in einer „Wechselwirkung, wenn auch in veränderlichen Proportionen“, einer „Fusion von Lebens- und Todestrieb“9 bestehen. Bildlich gesprochen bedeutet dies konsequenterweise, dass durch das Versagen der erwünschten Muttermilch die aggressive Triebe im Säugling geweckt werden, welche wiederum die orale Gier verstärken. Diese Gier scheint wiederum ganz eng gekoppelt mit der Verfolgungsangst zu sein, welche ebenfalls urwüchsig zu sein scheint. Das Kleinkind erlebe nun in dieser Position also immer wieder Perioden von Befriedigung und Versagung, bedingt dadurch ob die Mutterbrust gut sei und Milch gebe, oder böse und den Hunger eintreten lasse. Es bedeutet für das Kind, dass es also nicht nur Teilobjekte erkennen kann, sondern diese zudem nur zeitlich als gut oder schlecht wahrgenommen werden können. Ganz so wie man es von Borderlinepersönlichkeiten kennt, die nur zu einem schwarz/weiß sehen in der Lage zu sein scheinen. Das Ich scheint nur mäßig integrationsfähig zu sein und außerdem spielen sich Spaltungsprozesse innerhalb des Ichs und in Beziehung zum Objekt ab, so Klein. Daher könne man in dieser Position von dem Baby als einer schizoiden Person sprechen.

Man könne des weiteren während dieser Zeit auch eine Reife endopsychischer Prozesse beobachten, zu welchen besonders die Introjektion und Projektion nennenswert scheinen. Das Baby projiziere seine libidinösen Regungen nach außen und schreibe sie der guten, milchgebenden Mutterbrust zu, gleichzeitig projiziere es jedoch auch seine destruktiven Impulse der versagenden, bösen Mutterbrust zu. Simultan introjekziere es ebendiese gute und böse Mutterbrust im Inneren. Dies führe dazu, dass „das Bild des äußeren und inneren Objektes in der kindlichen Seele durch seine Phantasien, die mit der Projektion seiner Triebregungen auf das Objekt verbunden sind, verzerrt“10 seien. Die Einzelheiten der destruktiven Phantasien des Säuglings, welche sich auf die böse Mutterbrust richten, würden bestimmen, welchen Inhalt seine Furcht vor inneren und äußeren Verfolgern, in erster Linie der sich rächenden (bösen) Brust habe. Denn der Säugling sehnt sich danach die böse Brust zu strafen, zu beißen, fürchte sich zugleich jedoch vor der Vergeltung derselben. Die phantasierte Form des Angriffes, sei entweder oral-sadistischer Natur und der Säugling würde am liebsten die verhasste Brust zerbeißen und verschlingen, oder analer Natur und er würde den Körper der Mutter am liebsten mit Exkrementen, abgespaltenen Teilen des Selbst, füllen. Das einzige was dem entgegenwirken könne, wäre für den Säugling die gute Mutterbrust, welche jedoch über alle Maßen idealisiert werde. Eine Mutterbrust die vollkommen und zugleich auch unerschöpflich sei. Die Schutz vor der Verfolgung der bösen Mutterbrust gebe.

[...]


2 Auchter, Thomas/ Strauss, Laura Viviane: Kleines Wörterbuch der Psychoanalyse, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, S. 13

3 Auchter, Thomas/ Strauss, Laura Viviane: Kleines Wörterbuch der Psychoanalyse, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, S. 168f

4 Auchter, Thomas/ Strauss, Laura Viviane: Kleines Wörterbuch der Psychoanalyse, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, S. 72

5 Boll-Klatt, Annegret/ Kohrs, Matthias: Praxis der psychodynamischen Psychotherapie: Grundlagen - Modelle - Konzepte, Schattauer, Stuttgart 2014, S. 17

6 Freud, Sigmund: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Fischer, 2009

7 Boll-Klatt, Annegret/ Kohrs, Matthias: Praxis der psychodynamischen Psychotherapie: Grundlagen - Modelle - Konzepte, Schattauer, Stuttgart 2014, S. 86-99

8 Klein, Melanie: Das Seelenleben des Kleinkindes, Klett-Cotta, Stuttgart 1962, S. 187

9 Klein, Melanie: Das Seelenleben des Kleinkindes, Klett-Cotta, Stuttgart 1962, S. 189

10 Klein, Melanie: Das Seelenleben des Kleinkindes, Klett-Cotta, Stuttgart 1962, S. 189

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Objektbeziehungstheorie. Eine Einführung basierend auf den Theorien Melanie Kleins und Donald Winnicotts
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Philosophie und Psychoanalyse
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V323805
ISBN (eBook)
9783668230194
ISBN (Buch)
9783668230200
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
objektbeziehungstheorie, eine, einführung, theorien, melanie, kleins, donald, winnicotts
Arbeit zitieren
Sylwia Ekmann (Autor), 2015, Objektbeziehungstheorie. Eine Einführung basierend auf den Theorien Melanie Kleins und Donald Winnicotts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323805

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