Diese Hausarbeit, welche auf dem Inhalt des Seminars: „Was ist Liebe? - Platons ‚Symposion‘“ basiert, befasst sich damit, insbesondere den Mittelteil (298a – 212c) des Werkes genauer zu betrachten und zu erläutern. Dies geschieht nach einer kurzen Zusammenfassung der Inhalte der vorsokratischen Redner und, im Zuge dessen, der Klärung und Definition grundlegender Begriffe wie dem Schönen, dem Guten, sowie der Beschreibung des Wesens des Eros.
Es wird darum gehen, ausgehend von der von Sokrates berichteten Diotima-Rede den Nutzen und Vollzug der Liebe zu beschreiben, wobei das Thema der Unsterblichkeit im Fokus stehen wird. Die Verortung der beschriebenen, höchsten Liebe erfolgt durch die Beschreibung des Aufstieges zum Schönen anhand der Leitermetapher. Es folgt eine kurze Wiedergabe der wichtigen Punkte der-Alkibiades Rede und ein kleiner Schlussteil.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurze Zusammenfassung der vorsokratischen Reden bis einschließlich Agathon (178a-197e)
3. Rede des Sokrates und das wahre Wesen der Liebe (198a-204c)
4. Die Schwangerschaft aller Menschen und die Unsterblichkeit (206c-209e)
5. Höchste Form der Liebe im Aufstieg zum Schönen (210a-212c)
6. Kurze Zusammenfassung der Alkibiades Rede (212c-222b)
7. Schlussteil
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk "Symposion" von Platon mit dem primären Fokus auf den Mittelteil des Dialogs (198a–212c). Dabei wird der philosophische Eros als strebendes Begehren analysiert, das den Menschen – über die sinnliche Ebene hinaus – zum Streben nach Weisheit, zum Guten und schließlich zur Erlangung einer Form von Unsterblichkeit durch geistige Zeugung führt.
- Die begriffliche Bestimmung des Eros als Vermittler (Dämon) zwischen Sterblichen und Unsterblichen.
- Die Analyse der "Leitermetapher" als Prozess des Aufstiegs zum Schönen an sich.
- Die Bedeutung der Zeugung von "seelischen Kindern" (Tugend, Erkenntnis, Gesetze) für die menschliche Unsterblichkeit.
- Der Zusammenhang zwischen dem Mangelwesen des Menschen und dem Streben nach philosophischer Wahrheit.
- Die Gegenüberstellung von sinnlichem Begehren und geistiger Erkenntnis.
Auszug aus dem Buch
Rede des Sokrates und das wahre Wesen der Liebe (198a-204c)
Nach dieser sehr wortgewandten und schönen Rede des Agathon, soll Sokrates seinen Part übernehmen, weigert sich jedoch zunächst. Mit den Worten: „denn ich glaubte in meiner Einfalt, dass man über ein jedes, das gelobt wird, die Wahrheit sagen müsse und dass dies die Grundlage sei, dass man aber ebendiesen das Schönste auswählen und so gefällig wie möglich darstellen müsse“ (198d) wird klar, dass an dieser Stelle der Wendepunkt in Platons Werk eingelassen wurde. Sokrates will nicht, wie Agathon schön Reden, sophistisch sein, sondern wahr reden. Er erbittet sich von der Trinkgesellschaft die Erlaubnis Eros auf seine Art und Weise zu loben und desweiteren ein Vorgespräch mit Agathon zu führen und ihm ein paar Fragen zu stellen oder wie man es auch ausdrücken könnte ein sokratisches Gespräch zu führen.
Sokrates bringt Agathon zur Einsicht, dass man nur begehren kann was man nicht besitzt, denn „der ein Verlangen hat, verlangt das nicht zur Verführung Stehende und nicht Vorhandene und das, was er nicht hat und was er selbst nicht ist und wessen er bedürftig ist – das ist es, worauf das Verlangen und die Liebe zielen?“ (200e) Verbindet man diese Aussage mit der Ansicht, dass das was schön ist auch gleichzeitig gut sein soll (201c), folgt daraus mit anderen Worten für den Eros: Da das Begehren sich auf ein Etwas, ein Objekt beziehen muss und somit die Liebe sich nicht selber begehren kann, man also nur das begehren kann, woran man selber einen Mangel hat und Eros das Schöne und Gute begehrt, muss dies bedeuten, dass er selbst weder schön noch gut sein kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik des Seminars und Vorstellung der Zielsetzung, den Mittelteil des "Symposion" hinsichtlich der Unsterblichkeit und der Leitermetapher zu analysieren.
Kurze Zusammenfassung der vorsokratischen Reden bis einschließlich Agathon (178a-197e): Darstellung der unterschiedlichen Perspektiven auf den Eros von Phaidros, Pausanias, Eryximachos, Aristophanes und Agathon, die den Wirkungsbereich des Eros von der persönlichen Ebene bis hin zum Kosmos aufspannen.
Rede des Sokrates und das wahre Wesen der Liebe (198a-204c): Sokrates revidiert die vorangegangenen Lobreden durch ein Gespräch mit Agathon und Diotima, in dem er Eros als Mittlerwesen und Dämon definiert, der aus Mangel nach dem Guten und Schönen strebt.
Die Schwangerschaft aller Menschen und die Unsterblichkeit (206c-209e): Erläuterung der menschlichen Natur, die durch die Zeugung leiblicher und vor allem seelischer Kinder (geistiger Güter) nach Unsterblichkeit verlangt.
Höchste Form der Liebe im Aufstieg zum Schönen (210a-212c): Beschreibung der Leitermetapher, die den Liebenden von der Fixierung auf einzelne Körper über Tugenden bis zur Schau des göttlich Schönen an sich führt.
Kurze Zusammenfassung der Alkibiades Rede (212c-222b): Alkibiades preist statt des Eros den Sokrates und verdeutlicht dessen Wirkung als Lehrer, der Scham und den Wunsch nach wahrer Tugend in anderen auslösen kann.
Schlussteil: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnis, dass Liebe ein dynamisches Streben nach Weisheit ist, das den Menschen zur Teilhabe an der Unsterblichkeit befähigen kann.
Schlüsselwörter
Platon, Symposion, Eros, Liebe, Unsterblichkeit, Leitermetapher, Erkenntnis, Tugend, Begehren, Mangel, Schönes, Gutes, Dämon, Diotima, Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert Platons Dialog "Symposion", insbesondere den Mittelteil, um das Wesen des Eros als strebendes Begehren und dessen Verbindung zur Unsterblichkeit zu erörtern.
Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Zentrale Themen sind die Definition des Eros als Mittlerwesen, die "Leitermetapher" des Aufstiegs zum Schönen sowie die Bedeutung der geistigen Zeugung für das Erreichen von Unsterblichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den "Nutzen und Vollzug der Liebe" bei Platon zu beschreiben, wobei der Fokus darauf liegt, wie der Mensch durch das Streben nach dem Schönen und Guten seine Sterblichkeit überwinden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine textual-analytische Methode, indem sie die im "Symposion" berichteten Reden strukturiert zusammenfasst und durch interpretative Kommentierung, insbesondere unter Einbeziehung der Lehren der Diotima, erläutert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Vorsokratiker-Reden, die sokratische Definition des Eros, die Theorie der menschlichen Unsterblichkeit durch Zeugung und den stufenweisen Aufstieg zur Schau des Schönen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Eros, Unsterblichkeit, Leitermetapher, Mangel, Tugend und das Schöne an sich sind zentral für das Verständnis der Argumentation.
Warum bezeichnet Diotima den Eros als "mittleres Wesen"?
Eros steht laut Diotima zwischen den Gegensätzen: Er ist weder Gott noch Mensch, weder wissend noch unwissend, sondern ein Dämon, der als Vermittler das Verlangen nach dem Guten und Schönen verkörpert.
Welche Rolle spielt die "Leitermetapher" in Platons "Symposion"?
Sie dient als Modell für den Erkenntnisfortschritt des Liebenden, der von der sinnlichen Wahrnehmung einzelner schöner Körper zur Einsicht in die Schönheit der Seelen, der Gesetze und Wissenschaften bis hin zur Schau der Idee des Schönen selbst emporsteigt.
Was meint Platon mit "seelischen Kindern"?
Dies sind geistige Leistungen, wie etwa Dichtkunst, Gesetzgebungen oder tugendhafte Taten, die bleibenden Wert haben und dem Menschen helfen, über sein biologisches Leben hinaus eine Form von Unsterblichkeit zu erlangen.
- Arbeit zitieren
- Sylwia Ekmann (Autor:in), 2015, Platons "Symposion". Von der Liebe zur Unsterblichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323808